Spektakuläre Entfernung von Graffiti: Im Frühtau zu Berge

Die Sächsische Schweiz ist für ihre Naturschönheit bekannt. Auch ein Sprayer fühlte sich von ihr ­angezogen. Er brachte etwa 130 Meter unterhalb des Bastei-Restaurants ein weithin sichtbares Graffiti auf den steil abfallenden Felsen an. Knapp drei Wochen später nahmen drei Dresdner Unternehmen das Entfernen der Schmiererei vor und versetzten die Felsformation wieder in ihren ­Originalzustand zurück.

Über Nacht war auf einem Sandsteinfelsen im Naturpark Sächsische Schweiz ein zwei mal sechs Meter großes Graffiti aufgesprayt worden. - © Torsten Höhne/Thoralf Hase

Sachsen hat viele Sehenswürdigkeiten zu bieten, zu deren Highlights zweifelsfrei die Sächsische Schweiz zählt. Das malerische Sandsteingebirge, durch das sich die Elbe schlängelt, beginnt bei Pirna und erstreckt sich auf deutscher Seite bis zur tschechischen Grenze. Die Region zieht jedes Jahr unzählige Touristen an, wobei die meistbesuchte Touristenattraktion ohne Frage die Felsformation Bastei ist. Wanderwege führen durch die von steilen Felshängen gesäumte Region und die Kanapee-Aussicht am Klettergipfel Tiedgestein bietet einen wunderbaren Blick auf das Pano­rama.

Genau diese Felsspalte hatte sich ein Sprayer ausgesucht, um an der sogenannten Rahmhanke, einer steilen, unfallträchtigen Sandsteinformation, ein knallbuntes, etwa zwei mal sechs Meter großes Graffiti anzubringen. Der in türkis, pink, grün und blau gehaltene Schriftzug wurde kurz darauf von den Rangern der Nationalparkverwaltung entdeckt, worufhin sie diesen schnellstmöglich entfernen ließ. Dabei war die ­Vorgabe, ein umweltverträgliches Verfahren zu wählen und den naturhistorisch sensiblen Punkt wieder in seinen Originalzustand zu versetzen. Der Auftrag wurde gemeinschaftlich von drei Dresdner Unternehmen durchgeführt. Graffitti-ex und Fassadenreinigung Hase verfügen über eine langjährige Expertise bei der Reinigung und dem Schutz von Sandstein. Alpin- und Umweltservice Löwinger ist unter anderem auf alpine Höhenarbeiten spezialisiert und seit 30 Jahren im Nationalpark Sächsische Schweiz unterwegs.

Nicht ohne Höhensicherung zur Felswand

Zu der besprayten Felswand führt nur ein schmaler, steil ins Tal abfallender Pfad. Über diesen musste das gesamte Arbeitsmaterial herab- und wieder hinauftransportiert werden, weshalb eine Höhenabsicherung notwendig war. Auch vor der zu bearbeitenden Sandsteinwand waren die Platzverhältnisse extrem beengt. Bei allen Arbeiten bestand nach Gefährdungsana­lyse also Absturzgefahr für die Fachleute von Graffitti-ex und Fassadenreinigung Hase, weshalb sie mit speziellen Höhenauffanggurten arbeiten mussten. Darüber hinaus musste die Baustelle zum Schutz gegen Absturz, sich lösendes Gestein und eventuell herunterfallende Gegenstände mit einem Sicherheitsnetz überspannt ­werden. Diese Arbeiten an der ­Rahmhanke übernahm Alpin- und Umweltservice Löwinger, der sich in der Sächsischen Schweiz hervorragend auskennt.

  • Bild 1 von 10
    © Torsten Höhne/Thoralf Hase
    Die Bergretter von Alpin- und Umweltservice Löwinger bereiteten die Arbeitsstelle an dem steil ins Tal abfallenden Felsen vor.
  • Bild 2 von 10
    © Torsten Höhne/Thoralf Hase
    Wasserschläuche und Stromkabel mussten vom Bastei-Restaurant zur Arbeitsstelle an der Rahn-Hanke verlegt werden.
  • Bild 3 von 10
    © Torsten Höhne/Thoralf Hase
    Zur zusätzlichen Sicherung der Mitarbeiter von Graffitti-ex und Fassadenreinigung Hase gegen Absturz und zum Schutz gegen abgehendes Gestein wurde über der Baustelle ein Netz gespannt und am Berg befestigt.
  • Bild 4 von 10
    © Torsten Höhne/Thoralf Hase
    Die Mitarbeiter transportierten das gesamte Arbeitsmaterial zur Baustelle und wieder zurück.
  • Bild 5 von 10
    © Torsten Höhne/Thoralf Hase
    Zum Auffangen des Schmutzwassers errichteten die Kletter­experten nach Anweisung eine chemikaliendichte Wanne.
  • Bild 6 von 10
    © Torsten Höhne/Thoralf Hase
    Nachdem der Sandstein mit Wasser vorgespült war, wurde der Graffitientferner auf die Farbschicht aufgepinselt.
  • Bild 7 von 10
    © Torsten Höhne/Thoralf Hase
    Nach kurzer Einwirkzeit wurde der Graffitientferner mit heißem Wasser und geringem Druck abgespült. Das Abwasser wurde dabei in der Wanne aufgefangen.
  • Bild 8 von 10
    © Torsten Höhne/Thoralf Hase
    Der Sprühlack ließ sich nicht beim ersten Durchgang entfernen. Die Mitarbeiter mussten den Vorgang noch zwei weitere Male wiederholen.
  • Bild 9 von 10
    © Torsten Höhne/Thoralf Hase
    Nach vollbrachter Arbeit war von der Schmiererei nichts mehr zu sehen.
  • Bild 10 von 10
    © Torsten Höhne/Thoralf Hase
    Über Nacht war auf einem Sandsteinfelsen im Naturpark Sächsische Schweiz ein zwei mal sechs Meter großes Graffiti aufgesprayt worden.

Bergretter für den Schutz des ­Nationalparks

Den Profi-Höhenarbeitern fiel einerseits die Aufgabe zu, den Transportweg und die Arbeitsstelle zu sichern und das Netz zu spannen. Darüber hinaus begleiteten sie die vier Mitarbeiter von Graffitti-ex und Fassadenreinigung Hase beim Anlegen der Fallschutzausrüstung und sicherten sie von Beginn bis Ende der Reinigungsarbeiten.

Diese waren in mehrere Phasen unterteilt und begannen mit dem Anbringen einer temporären Auffangvorrichtung für Schmutzwasser. Dieses entsteht beim Ablösen der Pigmente vom Sandstein. Damit bei diesem Prozess keine Verunreinigungen in die Natur gelangen, stellten die Alpinisten daher unter Anweisung eine Wanne aus einem flexiblem Spezialtextil her, die mit einer flüssigkeitsdichten, chemikalienresistenten Folie ausgeschlagen und mit einem Klebeband direkt am Felsen befestigt wurde. Das während der Reinigungsarbeiten aufgefangene Abwasser wurde dann in Kanister umgepumpt, zu Fuß den schmalen, steilen Weg nach oben zur Abgangsstelle geschleppt, zum Stützpunkt im Tal transportiert und dort gemäß den Vorgaben der Stadtentwässerung Dresden fachgerecht entsorgt.

Tatortreinigung im ­aufsteigenden Nebel

Die zweite Phase gehörte ebenfalls zur Vorbereitung. Vom Bastei-Restaurant wurden Wasserschläuche und Elektrokabel zur Felswand gelegt und Kletterseile und -gurte für die Fallsicherung der dort tätigen Mitarbeiter herabgelassen. Zeitgleich transportierte ein anderes, gegen Absturz gesichertes Team die benötigten Arbeitsmittel über den schmalen, steil abfallenden Weg zur Arbeitsstelle: Hochdruckreiniger, Pumpe, Schlauch und leere Kanister für das Abwasser, Kanister mit dem benötigten Graffitientferner und Pinsel sowie persönliche Schutzausrüstung für das Reinigungsteam. Die gesamte Prozedur dauerte mehr als einen Tag und hielt elf Mann im wahrsten Sinne des Wortes in Atem, denn in dieser Zeit war es sonnig und sehr warm.

Weil das Team beim Entfernen der Graffitis einen chemikaliendichten, wenig atmungsaktiven, für Höhenarbeiten geeigneten Einwegoverall tragen musste, entschieden sie daher, mit dem Entfernen der Graffitis in den frühen Morgenstunden zu beginnen. Vor dem Abstieg zur Felswand im Morgennebel legten die Spezialisten mit Unterstützung der Berg­retter das Klettergeschirr an, stiegen in ihre Einweg-Chemikalienschutzanzüge und setzen den Schutzhelm auf. An Seilen gesichert kletterten sie zu dem Felsvorsprung, wo sie erneut mit Seilen und Karabinern vor Absturzgefahren gesichert wurden. Dann zogen sie Schutzhandschuhe an, setzten die Chemikalienschutzbrille auf und gingen ans Werk.

Reinigung mit ­Spezialchemikalien

Zuerst wurden die besprayten Bereiche mit einem Druckstrahler mit warmem Wasser abgespült. Dabei nimmt der Stein Feuchtigkeit auf, was für den zweiten Arbeitsschritt wesentlich ist. "Der Sandstein ist ein weiches, poröses Material, das keine mechanische Reinigung – etwa mit Hochdruck – verträgt. Wir arbeiten daher ausschließlich mit geeigneten, umweltverträglichen Chemikalien. Durch die Vorbehandlung des Steins mit Wasser verhindern wir, dass der Graffiti­entferner tief ins Gestein eindringt, und begrenzen dessen Einsatz auf das notwendige Maß", erläutert Torsten Höhne, Geschäftsführer von Graffitti-ex, das Vorgehen. "Die Reinigungschemikalie wird nach kurzer Einwirkzeit mit einem Pinsel auf das Graffiti aufgetragen und macht die Diffusion der Farbpigmente und Lacke in den Stein wieder rückgängig.“

Aufgrund seiner über 25-jährigen Erfahrungen kennt der Fachmann die von den Sprayern benutzten Farben und Lacke und hat das passende Gegenmittel in seinem Arsenal: Es umfasst über 50 verschiedene Reinigungsmittel, die auf die Besonderheiten der zahlreichen Sprayarten abgestimmt sind. Die Wirkung des an der Rahmhanke eingesetzten Reinigungsmittels ließ nicht lange auf sich warten. Nach etwa 15 Minuten konnte die oberste Farbschicht mit heißem Wasser abgespült werden, wobei der Chemikalien-Farbstoff-Mix in der dafür gebauten Wanne aufgefangen wurde. Anschließend wiederholte sich die Prozedur: Insgesamt waren drei Arbeitsgänge notwendig, um die grellen Farben endgültig vom Sandstein zu entfernen.

Damit war zwar die eigentliche Aufgabe erledigt, nun begann aber der schwerste Teil. Sämtliche ­Materialien – darunter die mit Abwasser gefüllten 25-Liter-Kanister – mussten nach oben und bis zum Parkplatz des Bastei-Restaurants geschleppt werden, wo die Transporter der Reinigungsexperten abgestellt waren. Auch hierbei waren wieder die Abseilprofis gefordert, die für die Sicherung des Transportteams sorgen mussten. Die gesamte Aktion dauerte drei Tage und erforderte den Einsatz von vier Abseilexperten, vier Mitarbeitern von Graffitti-ex und drei Beschäftigten von Fassadenreinigung Hase. Das ist ein deutlich höherer Aufwand als ihn der Sprayer betrieben hat: Er dürfte seine beiden Werke in einer einzigen Nacht vollendet haben.

Dipl. -Ing. Sabine Anton-Katzenbach | markus.targiel@holzmann-medien.de