Im September sollte das im Februar angekündigte "Pilotprojekt Eigenreinigung" der Stadt Bonn in vollem Umfang starten. Fehlendes Fachpersonal sorgt nun für Startschwierigkeiten.

In drei Schulen und einer Kindertagesstätte sollten nach den ursprünglichen Plänen der Stadt Bonn ab dem Sommer städtische Mitarbeiter anstelle der bisher beauftragten Gebäudereinigerbetriebe im Rahmen eines auf drei Jahre angelegten Pilotprojektes für Sauberkeit und Hygiene sorgen. Begründet wurde das Vorhaben von der Ratskoalition damit, dass es mehr Sauberkeit und mehr ordentliche, sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse bringen werde im Gegensatz zu vielen Minijobs.
Nun hat das Pilotprojekt Eigenreinigung offenbar Startschwierigkeiten, weil die Stadt kein Fachpersonal in der erforderlichen Zahl findet. Bisher werden lediglich eine Kindertagesstätte und eine Grundschule komplett von städtischen Mitarbeitenden gereinigt. In einer weiteren Schule sorgt ein Privatunternehmen wie bisher für die Sauberkeit in der Turnhalle und eine weitere Schule wird aus Mangel an eigenen Fachkräften "fremdgereinigt", musste die Stadtverwaltung jetzt zugeben (Stand: 6. Oktober).
Proteste seitens der Innungen
Eigentlich sollte das Projekt zum 1. September vollumfänglich starten. Dazu sollten 13 Reinigungskräfte engagiert werden. Die Objektleitung und die Verwaltung wollte das städtische Gebäudemanagement aus dem eigenen Personalbestand rekrutieren. Die Reinigungskräfte werden mit Entgeltgruppe 2 – Stufe 1-3 TVöD-VKA (je nach Erfahrung) eingestellt und sollen pro Stunde 200 m2 Reinigungsleistung erbringen. Der Einsatz von privaten Fahrzeugen werde über die übliche Kilometerpauschale abgerechnet. Ob die hochverschuldete Stadt ihre Kostenschätzung einhalten kann, die von mindestens 365.000 Euro anstelle von 152.000 Euro wie bei der bisherigen Beauftragung von Dienstleistern ausgeht, stehe noch nicht fest.
Das Projekt war von der Ratsmehrheit von Grünen, SPD, Linke und Volt als Modellversuch durchgesetzt worden. Die Opposition im Stadtrat hatte von "Irrsinn", von einer "Geldvernichtungsmaschinerie" und von "linker Ideologie" gesprochen. Unterstützung hatte sie dabei von der Gebäudereiniger-Innung Bonn Rhein-Sieg und vom Landesinnungsverband NRW bekommen. Sowohl Obermeister Dirk Müller als auch Verbandsgeschäftsführer Bernd Nordhausen hatten sich entschieden gegen den Vorwurf verwahrt, es gebe in der Branche vor allem prekäre Arbeitsverhältnisse. /GH