Künstliche Intelligenz (KI) ist derzeit in aller Munde. Insbesondere der dialogbasierte Chatbot ChatGPT hat einen wahren Hype ausgelöst. Was genau kann die dahinterstehende Technologie und lässt sich diese auch im Umfeld der Gebäudereinigung nutzbringend einsetzen?

Während gerade der letzte Mitarbeiter das Bürogebäude verlassen hat, gleitet drinnen ein intelligenter Reinigungsroboter mit einem leisen Summen elegant über den glänzenden Büroboden. Er erfasst jede Verschmutzung präzise und lässt den Raum im Anschluss in hellem Glanz erstrahlen. Der Kunde ist trotzdem nicht zufrieden. Und über die Gebäudereiniger-Software kommt am nächsten Morgen prompt die Beschwerde: "Warum habt ihr den Müll nicht runtergebracht?".
Doch kein Grund zur Sorge. Das System antwortet sofort selbstständig auf die Reklamation und besänftigt den Kunden. Gleichzeitig wird die zuständige Reinigungskraft über die Forderung des Kunden benachrichtigt und der Müll wird entsorgt. Doch wie kam es überhaupt zu der Beschwerde? Schon der Supercomputer HAL9000 war sich in der Sci-Fi-Saga "2001: A Space Odyssey" sicher: "Das kann nur auf menschliches Versagen zurückzuführen sein".
Was wie eine ferne Vision klingt, ist gar nicht mehr so weit weg. Von selbstfahrenden Autos bis hin zu virtuellen Assistenten wie ChatGPT hat die Technologie bereits ihren Platz im Arbeitsalltag gefunden. Auch das einleitende Bildmotiv für diesen Artikel hat eine KI generiert. Doch nicht überall arbeiten die Maschinen gerne mit Menschen zusammen: In China etwa werden schon ganze Konzerne ausschließlich von KI geführt. Wie stark Branchen auf den Kopf gestellt werden können, sieht man unter anderem beim Banking: Neobanken wie N26, die ausschließlich online agieren, zeigen, wie in ein paar Jahren Altbewährtes wie eine Bankfiliale auf einmal altbacken wirken kann.
Damit stellt sich unweigerlich die Frage: Inwieweit wird KI Gebäudereinigungen beeinflussen und wie genau kann KI in dieser Branche funktionieren? Die Grundlage künstlicher Intelligenz bilden hoch entwickelte Algorithmen und maschinelles Lernen, die es Systemen ermöglichen, Aufgaben eigenständig zu erledigen. Dabei geht es längst nicht mehr nur um Roboter, die selbstständig staubsaugen oder wischen. Moderne KI-Lösungen sind ebenfalls in der Lage, Daten zu analysieren, Muster zu erkennen und Reinigungsprozesse zu optimieren. In erster Linie heißt das eine bessere Qualitätssicherung und weniger Stress durch einfacheres Arbeiten. Damit verbunden sind aber auch viele offenen Fragen nach dem richtigen Umgang mit Datenschutz, Umschulungen von Mitarbeitern und der Angst vor dem Verlust des persönlichen Kontakts, der gerade in der Gebäudereinigungsbranche für viele so wichtig erscheint.
KI = effizienter, nachhaltiger, besser?
Ein Beispiel für effizienteres Arbeiten dank KI ist die intelligente Überwachung von Reinigungsrouten. Mittels vernetzter Sensoren und IoT-Technologie (Internet of Things) können Reinigungsroboter selbstständig den effizientesten Weg durch das Gebäude finden. Sie analysieren Raumgrößen, Verschmutzungsmuster und Verkehrsaufkommen, um ihre Reinigungsstrategie anzupassen und Zeit sowie Ressourcen zu sparen. Aber nicht nur dort können Wege intelligenter geplant werden. Auch die Routen der Reinigungskräfte lassen sich dank integrierter GPS-Ortung und Vernetzung mit Google Maps von einer KI vorgeben, sodass zwischen Einsätzen so wenig Zeit wie möglich verloren geht.
Die Vorteile von KI in der Gebäudereinigungsbranche gehen jedoch weit über automatisierte Routenplanung hinaus. Einige Unternehmen setzen bereits auf fortschrittliche KI-Algorithmen, um darauf basierend präventive Wartungsmaßnahmen durchzuführen. Intelligente Reinigungsgeräte erkennen beispielsweise selbstständig, wann ein Filter getauscht werden muss oder Wartung ansteht. Dadurch lassen sich unter anderem Ausfallzeiten minimieren.
Neben einer verbesserten Effizienz geht es auch um mehr Nachhaltigkeit. So kann der richtige Einsatz von KI dazu beitragen, dass Ressourcen intelligenter genutzt, unnötige Touren verhindert und der Energieverbrauch reduziert wird. Zudem kann KI für eine bedarfsgerechtere Reinigung sorgen, indem sie den Materialverbrauch – zum Beispiel von Reinigungsmitteln – analysiert und vorgibt. Außerdem kann eine Gebäudereiniger-Software mit integrierter KI dabei helfen, die CO2-Bilanz zu verringern, indem Papier und Transportkosten gespart und Kommunikationswege verkürzt werden.
Weitere Beispiele: KI-gestützte Bilderkennungssysteme erlauben es heute schon, Verschmutzungen oder Beschädigungen automatisch zu identifizieren und das Reinigungsteam darüber zu informieren. Ein schnelleres Eingreifen bei Problemen führt zu einem reibungslosen Ablauf bei der Reinigung und damit am Ende zu einer höheren Zufriedenheit der Kunden. Letzteren können Reinigungsunternehmen dank der Unterstützung von KI einen noch besseren Service bieten, indem intelligente Chatbots automatisch häufig gestellte Fragen beantworten sowie bei der Terminvereinbarung oder der Bereitstellung von Leistungsnachweisen helfen.
Die Mitarbeiter des Dienstleisters können sich auf diese Weise verstärkt auf individuelle Anliegen und Kundenwünsche konzentrieren und eine noch persönlichere Beziehung zu den Kunden aufbauen. Erkennt die KI bei den Reklamationen eines Kunden frühzeitig ein wiederkehrendes Muster, kann sie automatisch den zuständigen Objektleiter informieren und eventuell verhindern, dass ein Kunde kündigt.
Die Risiken beim Einsatz von KI
Wie bereits angedeutet, bringt die Einführung von KI in der Gebäudereinigungsbranche auch Herausforderungen mit sich. Eine davon ist die Gewährleistung von Datensicherheit und Datenschutz. Da KI-Lösungen auf eine Vielzahl von Daten angewiesen sind, ist es von entscheidender Bedeutung, dass diese Informationen sicher gespeichert und verarbeitet werden. Die Verantwortung hierfür liegt in erster Linie bei der Firma, die die KI-Lösung anbietet.
Allerdings sollten auch die Reinigungsunternehmen sicherstellen, dass sie robuste Sicherheitsmaßnahmen implementieren und sich an geltende Datenschutzbestimmungen halten. Ein weiterer Aspekt, der berücksichtigt werden muss, ist die Schulung der Mitarbeiter. Die Einführung von KI erfordert oft ein Umdenken in den Arbeitsabläufen und eine Anpassung der Fähigkeiten der Mitarbeiter. Schulungen und Weiterbildungsprogramme sind daher unerlässlich.
Für viele steht ChatGPT mittlerweile fast gleichbedeutend für KI-System. Der Chatbot, der mithilfe von maschineller Lerntechnologie Antworten generieren und auch ganze Konversationen führen kann, wurde im November letzten Jahres von Open AI veröffentlicht und hat seitdem weltweit für Aufruhr gesorgt. Laut einer Studie des Projekts "Meinungsmonitor Künstliche Intelligenz" sind 2023 bereits über 50 % der Befragten der Meinung, dass ChatGPT das Potenzial hat, die Menschen in vielen Bereichen zu unterstützen. Gleichzeitig haben knapp 48 % Bedenken in Bezug auf Privatsphäre und Datenschutz. Insbesondere bei frei verfügbaren KI-Systemen wie ChatGPT kam es bereits vor, dass geteilte Firmendaten plötzlich bei anderen Nutzern sichtbar wurden. Mit sensiblen Daten sollte man dementsprechend besonders vorsichtig sein, da nicht genau klar ist, wie diese gespeichert werden.
Trotz KI: Gebäudereinigung bleibt ein People’s Business
Während KI auf lange Sicht sicherlich viele Arbeiten und sogar ganze Berufe obsolet werden lässt, sollten besonders Reinigungskräfte keine Angst davor haben. Filigrane und komplexe Feinarbeiten wie zum Beispiel die Reinigung eines Schreibtisches sind nach wie vor die Spezialität von Menschen und werden auch von Robotern nicht so schnell übernommen werden können. Dennoch ist gerade die Personalentlastung in der Gebäudereinigung ein großes Thema, bei dem auch KI eine Rolle spielen wird.
Insbesondere bei der Kommunikation und Planung im Innendienst wird KI vieles vereinfachen und Prozesse automatisieren können. Bereits jetzt gibt es Softwarelösungen für Gebäudereiniger, die mithilfe implementierter KI den Mitarbeitereinsatz effizienter planen können und beispielsweise auf Kundenanfragen automatisch Antworten generieren. Gebäudereinigungen, die unter Personalmangel leiden und nicht in der Lage sind, neue Kunden aufzunehmen, können mit solch einer intelligenten Lösung trotz weniger Personal als Unternehmen wachsen.
Eine Software wie zum Beispiel PlanD agiert unter anderem als persönlicher Assistent des Objektleiters, der damit doppelt so viele Objekte betreuen kann, als sonst. Mehr noch: Einige Gebäudereinigungsunternehmen lassen bereits ganze Bewerbungsverfahren von der Stellenausschreibung über das Jobinterview bis hin zur Einstellung von KI managen.
Eines darf man gerade in dieser Branche aber nicht unterschätzen: Reinigung ist ein People’s Business. Der Schnack am Morgen, wenn die Reinigungskraft ins Büro kommt, oder einfach mal mit einem Kunden über den Urlaub sprechen, ist für die Kundenbindung und -pflege essenziell. Die Vorstellung, dass all das ab sofort digital und automatisch von einer KI gehandhabt werden soll, fällt vielen schwer. Doch gerade das muss nicht so sein, denn durch den richtigen Einsatz von KI wird eben auch mehr Zeit frei, die man dafür nutzen kann, mit Kunden oder Mitarbeitern zu sprechen. Die Software PlanD erinnert zum Beispiel jedes Mal daran, wenn eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter Geburtstag hat, sodass der Chef persönlich gratulieren kann.
Die Angst, dass durch KI das Menschliche verloren gehen könnte, ist also nicht unbedingt berechtigt. Vielmehr ist es eine Frage, was aus den Möglichkeiten gemacht wird, die einem KI bietet, und wie man die frei werdende Zeit nutzt.
Weniger Stress bei Ausfällen
Welcher Gebäudereiniger kennt das nicht: Man öffnet morgens das Handy und sieht, dass sich mehrere Reinigungskräfte kurzfristig krankgemeldet haben. Das bedeutet in erster Linie Stress und Kunden, die man besänftigen muss. Wer vertritt die ausfallenden Einsätze am besten? Wer verständigt so schnell wie möglich die Kunden? Was früher viel Zeit und Nerven gekostet hat, kann heute bereits von einer KI übernommen werden. Sobald die Krankmeldung im System hinterlegt wurde, kann die KI automatisch die geeignetste Vertretung auf Grundlage von Parametern wie Kapazität, Entfernung und Erfahrung des Mitarbeiters ermitteln. Gleichzeitig wird der Kunde informiert, sodass weder die Geschäftsführung noch Objektleitung oder der Innendienst irgendetwas tun müssen. Führt man diesen Gedanken weiter, so lässt sich auf lange Sicht die gesamte interne Planung von KI steuern.
Der moderne Gebäudereiniger wird sich in Zukunft also nicht mehr damit herumschlagen müssen, um 6 Uhr morgens mühselig Vertretungen zu finden. Genau wie die Reinigungskraft nicht mehr monoton riesige Bodenflächen putzen muss. Die Kunden werden zwar trotzdem weiterhin hier und da nörgeln; richtig eingesetzt, wird durch KI aber mehr Zeit frei, um die eigenen Leistungen zu verbessern.
Auf den Punkt gebracht: Über Probleme, die für Gebäudereiniger heute unendlich Stress bedeuten, werden sie sich irgendwann keine Gedanken mehr machen. Ganz nach dem alten tibetischen Sprichwort, welches Dr. Smyslov in "2001: Odyssee im Weltraum" zitiert: "Wenn ein Problem gelöst werden kann, ist es sinnlos, sich Gedanken darüber zu machen. Wenn es nicht gelöst werden kann, sind Gedanken auch nicht gut." Darüber, wie man KI als Gebäudereiniger am besten nutzen kann, sollte man sich jedoch durchaus Gedanken machen. Und HAL9000 hat eben auf die Frage, ob er jemals darunter gelitten hätte, trotz seiner enormen Intelligenz, von Menschen abhängig zu sein, auch geantwortet: "Nicht im Geringsten. Ich arbeite gerne mit Menschen".
Tobias Wittekindt | guenter.herkommer@holzmann-medien.de
