Die Reinigungsbranche 2023: In unruhigem Fahrwasser stark behauptet

Die Gebäudedienstleister sind weiter stark gefordert: Neben dem Dauerthema Arbeitskräftemangel sind zum Teil deutliche Kostensteigerungen unter anderem als Folge der Inflation und aufgrund der jüngsten Lohnrunde zu stemmen. Dennoch: Die Umsätze im vergangenen Jahr waren erfreulich und für 2023 herrscht weitgehend Zuversicht. Diese und weitere Erkenntnisse lassen sich aus der 29. Auflage des Branchenspiegels Gebäudedienste in Deutschland ableiten.

Beim Werben um neue Mitarbeiter steht das Gebäudereiniger-Handwerk immer stärker im Wettbewerb mit anderen (Dienstleistungs-)Branchen. - © JC_Stocker – stock.adobe.com

Die Basis dafür lieferten die Antworten von insgesamt 109 an unserer jährlichen Umfrage teilnehmenden Reinigungsunternehmen. Die Auswertung erfolgte wieder in Zusammenarbeit mit selbstständigen Beratern, die der studentischen Unternehmensberatung der Universität Augsburg (JMS Augsburg e. V.) angehören.

Zunächst die gute Nachricht: Die Geschäfte der befragten Dienstleister (rund 75 % von ihnen hatten auch an der letztjährigen Befragung teilgenommen) sind im vergangenen Geschäftsjahr gut gelaufen. Im Vergleich zum Vorjahr konnten sie ihre Umsätze im Durchschnitt um beachtliche 9 % steigern.

Auch die Anzahl der Mitarbeitenden in Deutschland ist in 2022 trotz des angespannten Arbeitskräftemarktes im Vergleich zum Vorjahr leicht um rund 2 % gestiegen. Dabei beschäftigen 21,1 % der umsatzstärksten Unternehmen mit einem Jahresumsatz von über 100 Mio. Euro rund 75 % der erfassten Mitarbeiter.

Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit der Beschäftigten ist im Vergleich zum Vorjahr von 23 auf 20 Stunden gesunken, der Anteil der Geringverdiener lag bei 36 % (2021: 37 %). Was Letztere betrifft: Zwar wurde die Verdienstgrenze für Minijobber zum 1. Oktober 2022 von bis dahin 450 auf 520 Euro angehoben, was die meisten als längst überfälligen Schritt bezeichnen; aufgrund von Inflation und der gleichzeitigen deutlichen Tariflohnerhöhung zum 1. Oktober relativierten sich jedoch die positiven Effekte. Zumindest hat die Anhebung jedoch dazu geführt, dass Arbeitszeiten nicht weiter verkürzt werden mussten.

Ungeachtet der offensichtlich leicht zunehmenden Beschäftigung in der Branche fällt es den Betrieben auf breiter Front ungemein schwer, geeignetes Personal in ausreichender Anzahl zu finden. Denn immer stärker steht das Gebäudereiniger-Handwerk nicht mehr nur untereinander im Wettbewerb um Mitarbeiter, sondern muss sich diesbezüglich auch mit dem Handel, der Gastronomie und anderen Dienstleistungsbranchen messen. Zur Frage, ob aufgrund von Arbeitskräftemangel bereits Aufträge abgelehnt werden mussten, äußerten sich 106 der 109 befragten Dienstleister: 29,2 % antworteten mit einem klaren Ja, 62,3 % der Betriebe bezeichnen die Situation als schwierig, aber noch beherrschbar. 8,5 % der Befragten gaben an, dass es lediglich zu kleineren Engpässen bei der Abarbeitung von Aufträgen aufgrund fehlender Arbeitskräfte kam.

Die Lage auf dem Ausbildungssektor lässt sich mit einem Wort auf den Punkt bringen: besorgniserregend. 2020 bildeten die Top-20-Ausbildungsbetriebe unserer Umfrage noch 494 Gebäudereiniger/innen aus, 2021 waren es rund 20 % weniger (404) und im vergangenen Jahr sank die Zahl weiter auf 349.

Arbeitskräfte halten und gewinnen

Doch was tun, um sich zum einen als Arbeitgeber attraktiv für Arbeitssuchende zu präsentieren und zum anderen die Stammbelegschaft möglichst gut beziehungsweise lange an das eigene Unternehmen zu binden? Neben Stärkung der Arbeitgebermarke (neudeutsch: Employer Branding) oder auch Rekrutierung aus dem Ausland verweisen die Befragten diesbezüglich unter anderem auch auf die Rahmenbedingungen der ­Arbeitserbringung, die es zu verbessern gelte. Was Letztere betrifft, wird immer häufiger das Thema tagesbegleitende Reinigung ins Feld geführt. 61,2 % der Dienstleister, die dazu Stellung nahmen (98 von 109), bieten bereits Daytime Cleaning an, zwei Drittel davon bis dato allerdings lediglich in sehr kleinem Umfang.

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Zur Frage, ob die (Reinigungs-)Robotik ein entscheidender Hebel sein kann, um den Arbeitskräftemangel in der Branche abzumildern, gehen die Meinungen auseinander. Die Antworten dazu reichen von "Nein, wenn überhaupt nur in geringem Maße" bis hin zu "Langfristig definitiv, solange wir es schaffen, die Menschen auf diese Reise mitzunehmen". ­Insbesondere großflächige Bereiche könnten heute schon durch die Robotik gereinigt werden, aber kleinere Bereiche oder überstellte Flächen beziehungsweise komplexe Tätigkeiten würden nach Überzeugung eines Großteils der befragten Dienstleiter auch auf lange Sicht die Individualität von Reinigungsfachpersonal erfordern.

Auch wenn eine gewisse Skepsis gegenüber der Robotik vielfach spürbar ist, so hat bereits ein Drittel der befragten Dienstleister bereits Robotik-basierte beziehungsweise autonome Systeme im Praxiseinsatz. Ein weiteres Drittel hält entsprechende Ansätze zwar für grundsätzlich interessant, jedoch entweder noch nicht wirtschaftlich umsetzbar oder technisch nicht ausgereift. Rund 30 % der Unternehmen gaben an, den Trend zu beobachten, sehen jedoch Stand heute keine Notwendigkeit für entsprechende Lösungen. Lediglich 3 % der Gebäudereiniger haben sich noch nicht mit diesem Thema beschäftigt.

Nachhaltig handeln ein Muss

Unabhängig von der Branche achten insbesondere jüngere Menschen bei der Jobsuche immer stärker darauf, wie verantwortlich potenzielle Arbeitgeber mit Ressourcen umgehen – Stichwort Nachhaltigkeit. In diesem Zusammenhang gaben rund 4 % der befragten Gebäudereiniger an, dass ihr Unternehmen bereits nachweislich klimaneutral sei. Bis 2035 wollen es insgesamt drei Viertel der Betriebe sein.

Nachhaltig zu handeln ist das eine, darüber Rechenschaft abzulegen das andere: 43 % der Befragten gehen das Thema Nachhaltigkeitsberichterstattung/CSR-Richtlinie/Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz bereits aktiv an und haben schon entsprechende Stellen im Unternehmen geschaffen, die sich explizit darum kümmern. Weitere 44 % sind sich zumindest der Herausforderungen diesbezüglich bewusst, wissen aber noch nicht, was im Detail auf sie zukommt und wie sie konkret damit umgehen sollen. Für die restlichen 13 % sind die damit verbundenen ­Aufwände nur schwer zu stemmen und würden eine enorme zusätzliche Belastung für das Unternehmen darstellen – von daher warten diese Betriebe zunächst ab.

Die Top-Ausbildungsbetriebe (Stand Juli 2023)

Unternehmen/Betriebe/Anzahl Azubis

  • Gegenbauer. 71
  • Niederberger: 37
  • Wisag Facility Service: 35
  • Stölting Service: 26
  • Piepenbrock: 25
  • Wackler: 22
  • Bockholdt:18
  • Breer Gebäudedienste:12
  • Lieblang: 12
  • Peter Schneider: 11
  • Dorfner: 10
  • Dussmann:10
  • Schulz Gebäudeservice: 10
  • Universal Gebäudemanagement: 9
  • Bogdol: 8
  • Dr. Sasse: 7
  • GRG Services Berlin: 7
  • Niediek: 7
  • Gebäudeservice Wodara: 6
  • Moritz Fürst: 6

Die angegebenen Zahlen beziehen sich auf Auszubildende in der Gebäudereinigung.

Was bringt das Jahr 2023?

Welche Bilanz die Branche am Ende dieses Jahres ziehen wird, lässt sich derzeit schwer abschätzen. Die große Mehrheit der Dienstleister (75 %) ist jedenfalls zuversichtlich, was die Perspektive für das Geschäftsjahr 2023 betrifft, 18 % sind sogar sehr zuversichtlich (Vorjahr: 12 %). Lediglich 7 % der Befragten (Vorjahr: 11 %) blicken eher nicht zuversichtlich in die Zukunft.

Dieses Stimmungsbild deckt sich im Großen und Ganzen mit den Erkenntnissen des Bundesinnungs­verbandes des Gebäudereiniger-Handwerks (BIV). In seiner Frühjahrs-Konjunkturumfrage kam dieser zu dem Schluss, dass sich die Stimmung in der Branche im Vergleich zur deutlich defensiveren Herbstum­frage 2022 leicht aufgehellt hat. Konkret haben demnach 40,5 % der befragten Unternehmen positive ­Geschäftserwartungen (Herbst: 31,3 %), gleichbleibende Geschäfte erwarten 37,3 % (Herbst: 30,2 %). Nur 22,2 % blicken mit negativer Prognose auf das laufende Jahr (Herbst: 38,5 %). Mehr dazu lesen Sie im rationell.-reinigen-Beitrag "Stimmung im Gebäudereinger-Handwerk leicht aufgehellt".

Zum Schluss wollten wir von den Dienstleistern im Rahmen der Befragung für den Branchenspiegel Gebäudedienste in Deutschland 2023 wissen, wie sie die aktuellen Entwicklungen hinsichtlich der Marktkonzentration in der Gebäudereinigung sehen (in jüngster Zeit kam es zu prominenten Fusionen wie beispielsweise Bockholdt/Strabag, Hectas/Vebego, Gegenbauer/Apleona). Nicht wenige beobachten die Fusionen mit Sorge und befürchten einen noch stärkeren Preiskampf und Verdrängungswettbewerb. ­Andere sehen dies gelassener – Zitat eines Teilnehmers: "Wir als Mittelständler rechnen uns durch diese Entwicklung eher Chancen aus, von den sehr großen Dienstleistern die für sie unattraktiven mittleren und kleinen Kunden zu gewinnen."

Weitere Ergebnisse und grafische Auswertungen der diesjährigen Branchenbefragung stehen für Abonnenten der Printausgabe in Kürze auf rationell-reinigen.de zum Download bereit.

Günter Herkommer | guenter.herkommer@holzmann-medien.de