Daytime Cleaning realisieren: Mehrwert für ­Personal und Kunden

Der Fachkräftemangel setzt die Reinigungsbranche zunehmend unter Druck. Gleichzeitig soll möglichst kosteneffizient und umweltfreundlich gearbeitet werden. Ein Weg, mit diesen Herausforderungen umzugehen, kann Daytime Cleaning sein. Über die Vorteile und wie man es mithilfe von Maschinen beziehungsweise Akku­geräten und digitalen ­Lösungen umsetzen kann.

In Hotels zum Beispiel ist Daytime Cleaning bereits seit langem etabliert – Erfahrungen von dort können übernommen werden. - © Kärcher

Wie beinahe überall ist auch in der Reinigungsbranche die Personaldecke dünn. Fachkräftemangel und hohe Fluktuation bestimmen das Bild. Ein Grund dafür: wenig Sichtbarkeit und geringe Wertschätzung für Reinigungskräfte in der Gesellschaft, aber auch die in vielen Bereichen üblichen Arbeitszeiten. Trotz finanzieller Vorteile sind Spät- und Nachtschichten für viele Menschen nicht mehr attraktiv.

Parallel zum Personalnotstand besteht ein harter Preiskampf mit Wettbewerbern und der Kostendruck für Gebäudedienstleister steigt. Hohe Erwartungen bezüglich Sauberkeit und Hygiene machen Kunden und Gebäudenutzer anspruchsvoller und so muss sehr effizient und gründlich gearbeitet werden – am besten unter Berücksichtigung ökologischer Aspekte. Daytime Cleaning ist nicht die Antwort auf alle Fragen, aber in vielerlei Hinsicht kann das Konzept helfen, sich erfolgreich für die Zukunft zu positionieren.

Nachhaltig und wirtschaftlich

Der wohl größte Vorteil liegt in der sozialen Nachhaltigkeit. Normale Arbeitszeiten machen Reinigungstätigkeiten attraktiver, da sie ein geregeltes Familien- und Sozialleben zulassen. Reinigungskräfte arbeiten zudem nicht weiter anonym im Verborgenen, sondern werden für Gebäudenutzer sichtbar. Dadurch erfahren sie mehr Wertschätzung und die Tätigkeit wird interessanter.

Doch nicht nur für das Personal, auch für die Umwelt liefert Tagesarbeit einen Mehrwert: Sie reduziert den Energieverbrauch im Gebäude, da keine Beleuchtung nötig ist und weniger geheizt werden muss. Das senkt gleichzeitig die Kosten ebenso wie der nicht mehr benötigte Sicherheitsdienst, der in vielen Unternehmen die Nachtschicht begleiten muss.

Ein weiterer Pluspunkt: Die Zufriedenheit von Kunden und Gebäudenutzern erhöht sich, denn spontan anfallende Aufgaben können über Ad-hoc-Services durch das tagsüber durchgehend anwesende Reinigungspersonal problemlos erledigt werden. So können Konferenzräume oder Sanitärbereiche nach Bedarf gereinigt werden. Aufwand und Wartezeiten für Gebäudenutzer und Kunden gehen gegen Null. Wer seine Abläufe umstellen möchte, sollte sich in Bereichen umsehen, die bereits seit langem mit Daytime Cleaning arbeiten.

Alter Hut, neue Welt: Lernen aus ­Erfahrung

In Einrichtungen wie Hotels, Seniorenheimen oder Krankenhäusern hat sich die tagesbegleitende Reinigung bereits über lange Zeit bewährt. Daraus lassen sich bestimmte Erfahrungen für andere Bereiche verwerten. Zum Beispiel ist es sinnvoll, die Reinigungsmaßnahmen entlang der Nutzung zu planen. So werden Hotelzimmer während des Frühstücks oder bei Ausflügen des Gastes gereinigt, ­Krankenzimmer nicht während der Visiten oder bei Behandlungen. ­Solche Anhaltspunkte sind auch in Bürogebäuden oder auch in der Industrieverwaltung problemlos zu ­identifizieren.

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    Wird ­beispielsweise über Sensorik erfasst, wann ein Konferenzraum nicht besetzt ist ...
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    ... oder wann die Reinigung von Sanitärräumen erforderlich ist, kann bedarfsgerecht gereinigt werden.
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    Den Schmutzeintrag vermeiden, um den Reinigungsaufwand kleinzuhalten: Im Eingangsbereich kann ein Elektro­besen lose Verschmutzungen schnell entfernen.
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    Reinigung von Oberflächen mit der Sprühmethode: Zweimal gefaltete Tücher werden über einen Schaumdispenser oder eine Sprühflasche mit Reinigungslösung versehen.
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    Hartböden müssen nicht immer flächendeckend nass gewischt werden, es reicht auch, haftende Verschmutzungen punktuell zu entfernen.
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    Akkubetriebene Rucksacksauger sind eine gute Lösung, um Treppenhäuser, Aufzüge und andere enge Räumlichkeiten von Schmutz zu befreien.
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    In Hotels und anderen Bereichen ist Daytime Cleaning bereits seit langem etabliert – Erfahrungen von dort können übernommen werden.

Zudem ist es von Vorteil, zeitsparende Verfahren zu nutzen und Beeinträchtigungen für den Publikumsverkehr zu vermeiden. Hartböden beispielsweise müssen nicht immer flächendeckend nass gewischt werden. Es genügt, lose Verschmutzungen mit dem Trockensauger oder dem Staubmopp aufzunehmen und ­haftende Verschmutzungen punktuell nass zu entfernen. Textilböden können mit einem Elektrokehrbesen von sichtbaren, losen Verschmutzungen befreit werden, sodass vollflächiges Saugen seltener notwendig ist. Diese Verfahren lassen sich besser in den Tagesbetrieb einbauen und erlauben wirtschaftliches und zeitsparendes Arbeiten. Davon profitieren sowohl Gebäudenutzer als auch Kunden und Dienstleister, da Reinigungskräfte nach Bedarf eingesetzt werden können.

Zu beachten ist allerdings, dass trotz aller ­Argumente für Daytime Cleaning eine Umstellung nicht auf Knopfdruck funktioniert. Vorhandene Strukturen und Prozesse aufzugeben, ist für Reinigungskräfte wie für Gebäudenutzer nicht trivial. Möchte ein Gebäudedienstleister seine Abläufe auf tagesbegleitende Reinigung umstellen, so kann er damit beispielsweise bei Neubauten starten oder Neuausschreibungen beziehungsweise Renovierungen von Objekten zur Umstellung nutzen.

Welche Rolle New Work und Sensorik spielen

Auf Seiten der Gebäudebetreiber und -nutzer sorgt der New-Work-Trend mit neuen Arbeitskonzepten dafür, dass sich Daytime Cleaning leichter in die Abläufe einbauen lässt. Spätestens seit der Corona-Pandemie beschäftigen viele Unternehmen ihre Mitarbeiter ganz oder teilweise im Homeoffice. Die Büros sind folglich oft unbesetzt, was die Oberflächenreinigung vereinfacht. Desk-Sharing-Konzepte wiederum steigern den Bedarf und die Akzeptanz für die Reinigung am Tag, denn jeder Mitarbeiter möchte einen sauberen Arbeitsplatz vorfinden.

Zudem kommen aus der Reinigungsindustrie selbst Innovationen, welche die Umstellung auf Daytime ­Cleaning vorantreiben. So ist sensorgestützte Reinigung auf dem Vormarsch, welche die ­Koordination von Ad-hoc-Services erleichtert, für das Personal überflüssige Wege reduziert und den Weg für neue Abrechnungsmodelle mit Basis- und Zusatzleistungen ebnet. Der Clou: Sensoren überwachen die Frequentierung von Räumlichkeiten und melden den Reinigungsbedarf direkt an die Reinigungskräfte. Dadurch können Konferenzräume oder Eingangsbereiche bedarfsgerecht gereinigt werden. Die Arbeit in Sanitärräumen erfolgt ebenfalls nach Bedarf, da Sensoren zum Beispiel die Füllstände von Seifenspendern oder Mülleimern melden, und nicht mehr stur nach Reinigungsplan.

Geschultes Personal, passende Technik

Damit die tagesbegleitende Reinigung funktioniert und sich gut etabliert, gibt es einige Punkte zu beachten. Selbstverständlich sollte das Reinigungspersonal im direkten Kundenkontakt über ordentliche Arbeitskleidung und gepflegte, hochwertige Gerätschaften verfügen. Auch müssen die Reinigungskräfte im Kontakt mit Gebäudenutzern geschult sein. Mitten im Publikumsverkehr zu reinigen, erfordert zudem mehr Know-how und Achtsamkeit in puncto Sicherheit, beispielsweise ist nach dem Nasswischen ein Warnschild "Rutschgefahr" aufzustellen.

Bezüglich der Reinigungstechnik gibt es je nach Einsatzort und Zielsetzung verschiedene Lösungen. Akkubetriebene Kessel-Staubsauger für die Flächenreinigung haben beispielsweise einige Vorteile bei der Reinigung während der Geschäftszeiten: Die Geräte arbeiten leiser und die Unfallgefahr sinkt, da kein Kabel vorhanden ist, über das man stolpern könnte. Es wird keine Zeit mehr mit der Suche nach einer Steckdose vergeudet. Außerdem reduziert die Energiesparstufe Betriebskosten. Handgehaltene Akkustaubsauger, Rucksacksauger und Elektrokehrbesen sind für die punktuelle Reinigung sehr gut geeignet.

Bei größeren Textilflächen in Fluren können batteriebetriebene Teppichkehrsaugmaschinen zum Einsatz kommen, gegebenenfalls mit Teppichkehrkit. Dieses enthält eine einstellbare, antistatische Hauptkehrwalze und ein Flusensieb für den Filter. Kompakte Scheuersaugmaschinen sind die richtige Wahl für Hartböden. Auch verstellte Büroräume können dank ihrer handlichen Ausführung problemlos gereinigt werden. Zudem lässt sich damit effizienter und hygie­nischer arbeiten als beim klassischen Nasswischen. Die erhöhte Reinigungsleistung wird ergänzt durch das sofortige Aufsaugen der Schmutzflotte.

Wer in der Oberflächenreinigung wirtschaftlich und schnell arbeiten möchte, um Kosten im Blick zu behalten und möglichst wenig zu stören, kann die Vorkonditioniertmethode oder die Sprühmethode anwenden. Dabei werden zweimal gefaltete Tücher benutzt, die bereits mit der richtigen Menge Reinigungsmittel getränkt sind oder auf die man mittels Schaumdispenser eine Reinigungslösung aufbringt. Jede Oberfläche wird mit einer frischen Tuchseite gereinigt. Hat man ­jede Seite des Tuchs benutzt, wirft man es ab und ersetzt es durch ein frisches. Eine weitere Möglichkeit für die Oberflächenreinigung sind Staubbindetücher. Sie haben sich bewährt, da sie Oberflächen effizient und ohne Wasser oder Reinigungschemie von Staub befreien. Zusätzlich sind diese Tücher auf glatten Bodenbelägen zum staubbindenden Wischen ­geeignet.

Mit geschulten Mitarbeitenden, den passenden Methoden und der geeigneten Technik lässt sich ­Daytime Cleaning erfolgreich umsetzen. Die Tätigkeit als Reinigungskraft wird attraktiver, und die Reinigungsbranche als Ganzes profitiert von effizienten Prozessen und positiverem Image.

Alexandra Lachner, freie Autorin, Christoph Scheiwiller, Kärcher | markus.targiel@holzmann-medien.de