Dr. Sasse: Erfolgreiches Jahr in einem Markt im Wandel

Die Dr. Sasse AG (München) zeigt sich zufrieden mit dem Geschäftsjahr 2022. Die Branche müsse sich aber auf einen Wandel und eine Umstrukturierung der Prozesse einstellen.

Gaben einen Rückblick und Ausblick (v.l.): Dr. Christine Sasse, Clara Sasse, Dr. Laura Sasse, Eberhard Sasse und Katja Böhmer. - © rationell reinigen

Am 1. Januar 2022 hat der neue Vorstand der Dr. Sasse AG (München) seine Arbeit aufgenommen. Mit der Entwicklung im ersten Geschäftsjahr unter ihrer gemeinsamen Verantwortung zeigten sich bei der Bilanzpressekonferenz Dr. Christine Sasse, Dr. Laura Sasse, Clara Sasse und Katja Böhmer zufrieden. Allerdings sei das Geschäft von starkem Veränderungsdruck und hoher Innovationsfähigkeit getrieben. Strukturen und Prozesse im Facility Management müssten dazu in weiten Teilen neu gedacht und angepasst werden, lautete das Fazit des neuen Vorstands.

Erfolgreiches Jahr

"Wirtschaftlich blicken Dr. Sasse und die in der Gruppe verbundenen Unternehmen auf ein erfolgreiches Jahr 2022 zurück", konstatierte Finanzvorständin Dr. ­Laura Sasse. "Wir konnten in der Gruppe den konsolidierten Umsatz von 250 auf rund 280 Mio. Euro steigern." Allerdings sei das nicht der entscheidende Maßstab, so Laura Sasse. "Wir sind nicht umsatzgetrieben, sondern richten unseren Blick auf die Werte, die wir in fünf, zehn oder mehr Jahren erwirtschaften wollen."

Außerhalb der Konzernbilanz fließt auch die Beteiligung an der FraSec Aviation Security (Umsatz 2022 130 Mio. Euro) ein, einem Unternehmen für Luftverkehrssicherheit, an dem Dr. Sasse 2022 noch zu 26 % beteiligt war und seit 1. Januar 2023 die Mehrheit von 51 % hält.

Geschäftsmodell wandelt sich

Dr. Sasse beobachtet eine Veränderung des FM-Geschäftsmodells. Als Ursache dafür nannte der Vorstand die starke Volatilität des Marktes. Diese gehe zurück auf veränderte Geschäftsmodelle in Folge der Pandemie und auf verstärkte Anstrengungen der Wirtschaft, ihre Resilienz zu erhöhen. Außerdem trügen politische Entscheidungen in Berlin und Brüssel dazu bei, dass kurzfristiger Entscheidungsdruck an die Stelle von langfristigen Planungen trete. "Allen voran die Energiekrise bewegt sowohl große Konzerne als auch KMU, getroffene Entscheidungen in immer kürzeren Abständen auf den Prüfstand zu stellen und ihre Strategien anzupassen. Dies wirkt sich unmittelbar auf unternehmensnahe Dienstleistungen wie das FM aus", sagte Sales-Vorständin Clara Sasse.

Neuer Standard

Vor diesem Hintergrund werde laut Operations-­Vorständin Katja Böhmer das Angebot eines integrierten FM, das Kunden wie Dienstleistungen ganzheitlich betrachte, umso bedeutender. "Wir haben während der Pandemie Erfahrungen gesammelt, die wir jetzt auf das ganze Unternehmen und alle Serviceebenen übertragen. Während der Corona-Krise gab es sehr kurze Intervalle, innerhalb derer wir Prozesse und Serviceinhalte neu gestalten mussten. Auch wurden oft von heute auf morgen neue Zielsetzungen relevant, die es zu erfüllen galt." Die dabei etablierten Tools und Abläufe würden nun im laufenden Betrieb ständig verfeinert und auftragsbezogen individualisiert. „Das ist der neue Standard im FM, ein Zurück wird es nicht geben."

Prozesse digitalisieren

Entscheidend für das Gelingen dieser Umgestaltung sei eine "durchdachte, ganzheitliche Digitalisierung aller Prozesse", bekräftigte Laura Sasse, verantwortlich für Finanzen, Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Für die Zukunft erwartet sie auf breiter Ebene die Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) in diversen geschäftlichen Prozessen wie auch in der operativ eingesetzten Technik: "Wir haben zum Beispiel damit begonnen, den Einsatz von ChatGPT beim Erstellen einfacher Dokumente für den Vertrieb oder im Rahmen interner Abläufe zu testen und damit schon gute Erfolge erzielt."

Nachhaltigkeit als Qualitätsmerkmal

"Die Arbeit an unserem zweiten CSR-Report im DNK-Standard, den wir unlängst veröffentlicht haben, macht zweierlei deutlich: Wir können auf das Erreichte und die gemachten Fortschritte stolz sein. Aber wir müssen immer neue Quellen erschließen, wie wir Ressourcen schonen und noch stärker zum Klimaschutz beitragen. Wir befassen uns damit sowohl im eigenen Interesse als auch als aktivem Beitrag zur ESG-Bilanz unserer Auftraggeber", fasst ­Laura Sasse zusammen. Gerade in diesem Zusammenhang werde deutlich, welch bedeutende Rolle mittlerweile Digitalisierung und Automatisierung spielten, um der vielfältigen Aufgaben und Ansatzpunkte zur Optimierung gerecht zu werden. "Das betrifft die zielgenaue Steuerung und Prüfung genauso wie das Sammeln und Analysieren der vorhandenen Daten", sagt Laura Sasse.

Mitarbeitende im Fokus

"Wir verstehen und betreiben ein FM, das nicht mehr nachgeordneter Aufräumer ist, sondern vorgeschalteter Gestalter. Wir sind in der Lage, Beiträge zu den ESG-Bilanzen unserer Kunden zu liefern. Das versetzt unsere Mitarbeitenden in eine neue Dimension von Verantwortung und Wertschätzung", sagt Personalvorständin Dr. Christine Sasse. Angesichts des Fachkräftemangels wendet sich Dr. Sasse gezielt auch an Gruppen potenzieller Arbeitskräfte, die oft vernachlässigt oder deren Beschäftigung als zu kompliziert betrachtet würden, als Stichworte seien Integration und Diversity genannt. Auch die nötige Flexibilität bei Arbeitszeitmodellen habe sich über die Jahre im Unternehmen evolutionär entwickelt.

Ein Ausblick

Als Fazit aus aktueller Entwicklung und Zukunftserwartungen will sich die Dr. Sasse Gruppe konsequent auf integriertes Facility Management fokussieren und ihr Dienstleistungsportfolio entsprechend aufstellen. "Nur, wer den Gesamtzustand eines Objekts, einer Anlage oder einer Aufgabe in den Blick nimmt, kann auch dauerhaft seinen Kunden den Werterhalt und die Wertentwicklung liefern", sagt Clara Sasse. "Das bedeutet auch, dass wir potenzielle Bedarfe schon im Vorfeld erkennen, sie unseren Kunden kommunizieren und ihnen dafür Lösungen anbieten." Weil auf diesem Weg auch ein klar nutzerzentriertes FM das Ziel sei, zeichne die Roadmap auch den Wechsel vom nachgeordneten Dienstleister zum systemrelevanten Partner vor.

Damit einher werde eine neue Gestaltung von Verträgen gehen müssen, unterstreicht Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Eberhard ­Sasse. In aktuellen Verhandlungen sei es schon Thema, ausgehend von einem Gesamtbudget die darin enthaltenen Komponenten flexibel anpassbar und gewichtet anzubieten. Das gebe dem Dienstleister und dem Auftraggeber die Sicherheit, dass Veränderungen während der Vertragslaufzeit unkompliziert umsetzbar sind. /mjt