Grünpflege: Basiswissen für Gebäudedienstleister

Bei der Pflege und Gestaltung von Grünanlagen treten in der Praxis immer wieder Probleme auf. Um sie zu lösen oder zu vermeiden, ist es wichtig, die Grundlagen zu beherrschen. Ein Überblick.

Moorbeetpflanzen wie Rhododendren oder Hortensien benötigen einen ­Boden mit saurem pH-Wert. Ist der pH-Wert zu hoch, kann man ihn zum Beispiel mit Rindenmulch absenken. - © Guido Hahn

Kommt es zu Wuchshemmungen oder Krankheiten, sollte man sich zunächst Gedanken über die Wachstumsfaktoren – Wasser, Nährstoffe, CO2, Substrat und Licht – machen. Gibt es Schwachstellen und Optimierungsmöglichkeiten?

In Zeiten steigender Temperaturen ent­wickelt sich der Wachstumsfaktor ­Wasser zum limitierenden ­Aspekt. Der Rasen beispielsweise vertrocknet, weil es nicht genügend regnet und die Sonne den ganzen Tag scheint. Bei der Neuanlage kann es daher interessant sein, Rasenmischungen für trockene Standorte auszuwählen oder sie mit tritt-­robusteren Rasenarten für Spiel- und Sportplätze zu mischen. An sonnigen Standorten ­empfiehlt es sich, Sukkulenten und Pflanzen, die tief wurzeln, auszu­wählen.

Das Nährstoffangebot­ muss stimmen

Aber auch das Angebot an Nährstoffen muss stimmen. Nährstoffmangel und Überdüngung können gleichermaßen zu Wachstumsproblemen und Krankheiten führen. Zu den Hauptnährstoffen gehören Stickstoff, Kali, Phosphor und Kalk. Stickstoff ist für das Blattwachstum verantwortlich. Kali stärkt die Pflanze und erhöht die Frost­resistenz. Phosphor fördert das Blüten­wachstum. Der pH-Wert im Boden wird vor allem durch den Kalkgehalt ­gesteuert. Stimmt dieser nicht mit den jeweiligen Pflanzenansprüchen überein, sind einzelne Mikronährstoffe nicht pflanzenver­fügbar.

Eher Mangel an ­Mikro­nährstoffen

Zu den Mikronährstoffen gehören zum Beispiel Bor, Mangan oder Kupfer. Im Rahmen von Bodenproben, die ich für Kunden eingesandt hatte, wurde festgestellt, dass die Wachstumsprobleme mehrerer Flächen aus dem Mangel an Mikronährstoffen resultierten. Die Hauptnährstoffe werden in der Regel immer zugeführt. Die Mikronährstoffe sind in den gängigen ­mineralischen Düngern jedoch nicht vorhanden. Daher kann es hier zu Mangelerscheinungen kommen.

Die Bodenstruktur ist davon abhängig, ob ein hoher Sand-, Schluff- oder Tonanteil vorliegt. Diese drei Bodenbestandteile unterscheiden sich in der Körnung. Sandpartikel sind am größten, Ton am kleinsten, Schluff hat eine mittlere Körnung. Sand kann Wasser und Nährstoffe kaum halten, ist dafür jedoch gut durchlüftet. Ton speichert Wasser und Nährstoffe gut, ist jedoch schlecht durchlüftet. Eine Mischung aus allen drei Bodenbestandteilen – Sand, Schluff und Ton – wird als Lehm bezeichnet. Er ist im Vergleich zu Ton besser belüftet.

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    Auch das Angebot an Nährstoffen muss stimmen, sonst kommt es zu Krankheiten und Wachstumsproblemen. Hier zeigt sich ein Kali-Mangel.
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    Auch ein Mangel an Mikronährstoffen – hier fehlt Mangan – kann ungünstige Auswirkungen haben.
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    Moorbeetpflanzen wie Rhododendren oder Hortensien benötigen einen ­Boden mit saurem pH-Wert. Ist der pH-Wert zu hoch, kann man ihn zum Beispiel mit Rindenmulch absenken.

Die besten Wachstumsbedingungen hat man, wenn der Boden einen hohen ­Humusgehalt hat und Ton vorhanden ist. In diesem Fall können die Regenwürmer Ton-Humuskomplexe herstellen, die Nährstoffe und Wasser hervorragend speichern und sehr gut durchlüftet sind (vgl. Tabelle "Eigenschaften der Bodenbestandteile")

Wie sich die Bodenstruktur ­verbessern lässt

Passt die Bodenstruktur nicht mit den Pflanzenan­sprüchen überein, kann der Boden mit Substraten verbessert werden. Die sogenannten Moorbeetpflanzen – wie Azaleen, Rhododendren und Heide – benötigen einen sauren pH-Wert. Ist der pH-Wert zu hoch, kann man ihn mit Rindenhumus oder Torf absenken. Aber auch das Mulchen mit Blättern, Nadeln, Rindenmulch und Gras führt zu einer Absenkung des pH-Werts. Rindenhumus ist die ökologischere Variante, weil der Torfabbau zur Vernichtung der Moore beiträgt und die Moore große Mengen CO2 speichern, welches dann freigesetzt wird.

Diese Maßnahmen zur Bodenverbesserung führen auch zur Erhöhung des Humusgehalts und damit zur besseren Wasser- und Nährstoffhalte­fähigkeit. Werden keine Moorbeetpflanzen eingesetzt, so muss bei diesen Humusgaben und Mulchmaßnahmen gekalkt werden, um den ­pH-Wert wieder anzu­heben. Handelt es sich um einen sehr schweren, tonigen, lehmigen Boden, kann dieser durch Zugabe von Sand oder Humus in der Struktur verbessert werden, sodass er besser durchlüftet ist und nicht in regen­reichen Zeiten extrem durchnässt ist und in trockenen Zeiten stark verkrustet. Nachfolgend die Eigenschaften von ­Bodenverbesserern:

  • Torf: Durchlüftung, Wasserspeicherung,
  • Kompost: Nährstoffe, Wasserspeicherung, Durchlüftung,
  • Rindenhumus: Durchlüftung, Wasserspeicherung,
  • Ton: Nährstoffspeicherfähigkeit, Wasser­speicherung,
  • Sand: Durchlüftung,
  • Holzfaser: Durchlüftung, Wasserspeicherung.

Was beim Mulchen und Düngen zu beachten ist

Zur Unkrautunterdrückung, Bodenbedeckung, Verbesserung des Wasserhaushalts, Nährstoffzufuhr und Humusbildung empfiehlt sich das Mulchen. Folgende Mulchmaterialien können unter anderem zum Einsatz kommen: Fichten- und Pinien-Rindenmulch (zusätzliche Unkrautunterdrückung durch Gerbstoffe), Holzschnitzel, Sägespäne, Stroh, Laub, Grasschnitt oder andere ­organische Stoffe wie Erdnussschalen oder Kokosfasern).

Mineralische und ­organische Dünger

Bei den Düngemitteln unterscheidet man zwischen mineralischen und organischen Düngern. Minera­lische Dünger fließen sofort und können daher leicht zur Überdüngung führen. Sie sollten mehrmals im Jahr in kleinen Mengen dosiert werden. Orga­nische Dünger müssen von Bodenlebe­wesen noch pflanzenverfügbar gemacht werden und fließen daher kontinuierlich. Zu einer Überdüngung kann es nicht kommen. Eine Düngergabe im Jahr reicht in der Regel. Organische Dünger fördern das Bodenleben und damit die Durchlüftung.

Zu den mineralischen Düngern gehören NPK-Volldünger und verkapselte mineralische Dünger. Letztere sind eingekapselt, sodass die Nährstoffe über einen Zeitraum von bis zu sechs Monaten fließen. Es gibt auch viele Spezialdünger, die auf die entsprechenden Pflanzen gut abgestimmt sind. Rasendünger enthält zum Beispiel mehr Stickstoff und Kali, weil diese Nährstoffe das Blattwachstum und die Frostresistenz verbessern. Tannendünger hat einen hohen Magne­siumanteil und Rosendünger einen hohen Phosphatanteil zur Erhöhung der Blühfreudigkeit. Rhododendron- und Azaleendünger sowie Hortensiendünger sind weitere Beispiele für Spezialdünger.

Bei der Kalkung sollte darauf geachtet werden, dass kohlensaurer Kalk zum Einsatz kommt, weil dieser langsamer als Branntkalk fließt.

Zu den organischen Düngern gehören beispielsweise

  • Hornspäne (stickstoffbetonter Dünger),
  • Knochenmehl (phosphatbetonter Dünger),
  • tierische Exkremente wie Pferdeäpfel, Rinder- und Schweinemist (stickstoff­betonter Dünger),
  • Kompost (phosphatbetonter Dünger).

Organische Dünger werden schon im zeitigen Frühjahr ausgebracht, mineralische Dünger kommen im Freiland ab Mai/Juni zum Einsatz. Je nach Pflanzen­art ist der Düngungszeitraum unterschiedlich. Außer­halb der Wachstumsphase, von August bis März, sollte kein mineralischer Dünger ausgebracht werden. Mine­ralische Dünger dürfen nur auf feuchtem Boden ausgebracht werden. Streut man den Dünger bei Trockenheit aus, so verbrennen die Pflanzen und vertrocknen. Überdüngung führt dazu, dass die Pflanzen mastige ­Zellen bilden und krankheitsanfälliger gegen Pilze und Schädlinge werden.

Wenn der Rasen gemulcht wird, sollte auf zusätzliche Düngung verzichtet werden. In Zeiten zunehmender Trockenheit ist auch zu überlegen, ob man auf die Rasendüngung nicht grundsätzlich verzichtet. Ist der Boden sehr gut mit Nährstoffen versorgt, führt dies dazu, dass der Rasen nicht so tiefgründig im Boden wurzelt, weil die Wurzeln nicht weit nach Nährstoffen ­suchen müssen. Dies bedeutet, dass der Rasen in heißen Sommern noch schneller vertrocknet. Flüssigdünger sind schneller verfügbar, weil sie nicht nur über die Wurzeln, sondern auch über die Blätter aufgenommen werden. Sie kommen gerne zum Einsatz, wenn Nährstoffmangel an den Blättern erkennbar ist und schnell ­reagiert werden soll.

Auch Zimmerpflanzen ­brauchen Pflege

Die Düngung von Zimmerpflanzen kann bei Erdkultur erfolgen – mit Düngestäbchen, die drei bis sechs Monate mit Nährstoffen versorgen, Depotdünger (zum Beispiel Osmocote oder Plantocote), der rund sechs Monate fließt, oder Flüssigdünger, der keine Depotwirkung hat und daher ­etwa alle zwei Wochen dosiert werden muss. Bei Erdkultur sollte erst dann gegossen werden, wenn die Erde abgetrocknet ist. Gleichmäßiges Feucht­halten der ­Erde führt dazu, dass die Pflanzen schlecht durchwurzeln und Krankheiten sich schneller ausbreiten können. Trocknet der Boden regelmäßig kurzzeitig aus, breiten sich die Wurzeln zur Wasseraufnahme noch weiter aus und bodenbür­tige Krankheiten können sich nicht so gut vermehren.

Bei Hydrokultur wird Flüssig­dünger etwa alle zwei Wochen verabreicht. Depotdünger-Granulat kann bis zu sechs Monate wirken und ist daher mit weniger Arbeitsaufwand verbunden. Der Wasserstand ­sollte sich zwischen Minimum und Optimum, in Ausnahmefällen bis Maximum bewegen. Von September bis Fe­bruar sollten Zimmerpflanzen nicht gedüngt werden.

Die unterschiedlichen ­Ansprüche berücksichtigen

Es ist wichtig, dass Pflanzen standort­gerecht angepflanzt werden und die Nährstoffansprüche bei der Düngung berück­sichtigt werden. Nachfolgend einige Beispiele von Arten, die an besonderen Standorten wachsen beziehungsweise besondere Nährstoffansprüche haben. Werden diese Ansprüche nicht eingehalten, so kann es zu Wachstumseinschränkungen und vermehrten Krankheiten kommen.

  • Moorbeetpflanzen (Azaleen, Rhododendron, Heide, Erika): niedriger pH-Wert, nährstoffarm.
  • Koniferen (Fichten, Tannen, Kiefern, Wacholder, Thuja, Scheinzypresse): ­magnesiumhaltig.
  • Kiefer, Wacholder, Birke, Sanddorn: ­sandige Böden.
  • Steinbeetpflanzen (Polsterstauden wie Blaukissen), Sedumarten, Enzian: nährstoffarm.
  • Teichpflanzen: schwere, feste Tonerde.

Auch die Lichtverhältnisse müssen berücksichtigt werden: Schattenliebende Pflanzen gehören in schattige Lagen, ­Sonnenanbeter in die Sonne. Pflanzen, die den Halbschatten lieben, kann man an fast allen Standorten einsetzen. Im Folgenden einige Beispiele von Pflanzen, bei denen der Standort besonders beachtet werden muss:

  • Schattenverträgliche Pflanzen: Eiben, Ilex, Maho­nien, Rhododendron, Efeu.
  • Lichthungrige Pflanzen: Eichen, ­Lärchen, Ulmen, Robinien, Weiden, ­Zedern, Wacholder, Kiefern, Schmetterlingsflieder, Heide.

Pilzkrankheiten können sich in der Regel besonders gut verbreiten, wenn die Blätter über einen längeren Zeitraum feucht sind. Empfindliche Pflanzen sollten daher möglichst in den Morgenstunden und nicht am Abend gegossen werden. Auf einem luftigen Standort trocknen Pflanzen schneller ab. Diese Pflanzen sollten daher nicht zu dicht gesetzt werden und auf keinen Fall überdüngt werden.

Guido Hahn | heike.holland@holzmann-medien.de

Guido Hahn

Guido Hahn - © privat

ist seit vielen Jahren mit seiner Firma Gärtner Guido im ­Gartenbau tätig. Zugleich arbeitet der Diplom-Ökotrophologe als Referent Betriebs­beratung bei der Landes­innung Hessen des Gebäudereiniger-Handwerks.