Der Ruf nach nachhaltigen Reinigungskonzepten wird immer lauter. Externe Dienstleister wie betriebsinterne Servicemannschaften sind gefordert, das neue ökologische Bewusstsein in ihren täglichen Prozessen abzubilden. Neue Arbeitsabläufe und innovative Maschinentechnik mit feinabgestimmtem Ressourcenverbrauch stehen dabei ebenso im Vordergrund wie intelligente Instandhaltungs- und Beschaffungskonzepte.

Seit vielen Jahren beschäftigen sich Unternehmen mit der Implementierung ganzheitlicher Managementkonzepte und Methodiken rund um Qualität, Umwelt und Sicherheit sowie Corporate Social Responsibility. Gerade letzteres erfährt durch Nachhaltigkeitsratings wie EcoVadis einen starken Vortrieb. Schlagworte wie ESG-Performance (Evironmental Social Governance) werden zum wichtigen Entscheidungskriterium bei der Gestaltung von Industriepartnerschaften und Lieferantenverträgen.
In der Konsequenz lassen sich wirtschaftliche Ziele nicht länger von den Anforderungen des Klima- und Umweltschutzes trennen. Der steigende Druck, das betriebliche Engagement im Bereich Nachhaltigkeit detailliert aufzuzeigen, geht an den wertschöpfungsbegleitenden Reinigungsverfahren nicht vorbei. Vor diesem Hintergrund beschäftigen sich viele Gebäudereiniger mit der Frage, welche Aspekte bei der Beschaffung, dem Betrieb und der Instandhaltung von Reinigungstechnik besondere Umweltrelevanz haben.
Der Einsatzbereich entscheidet
Nachhaltigkeit umfasst ein weites Feld an Einflussgrößen. Ganz oben auf der Agenda steht bei vielen Unternehmen die möglichst verschwendungsfreie Ressourcensteuerung. Um am Ende eines Arbeitstages so wenig Wasser, Energie, Chemie und Zeit wie möglich verbraucht zu haben, sollte sich der Blick jedoch nicht zuerst auf die funktionale Ausstattung richten. Zu Beginn der Produktauswahl steht die Analyse des geplanten Einsatzbereichs, denn dort verbergen sich wichtige Informationen zu Produktivität, Wirkungsgrad und Ablaufsicherheit – allesamt entscheidende Kenngrößen für den Grad an Nachhaltigkeit.
Ein Beispiel: In vielen Beschaffungsverfahren gilt der Grundsatz, eine Maschine mit möglichst hoher Einsatzflexibilität zu priorisieren. Soweit so verständlich. Nichtsdestotrotz sollten Anwender vor allem eine Maschine wählen, die den Umfang der Aufgabe effizient bewältigen kann. Bei der Wahl einer zu kleinen (aber hochflexiblen) Lösung benötigt die Mannschaft gegebenenfalls zu viel Reinigungszeit – und Zeit ist sowohl für den Verbrauch als auch für die Qualität des Ergebnisses entscheidend. Es gehört durchaus zum Praxisalltag, dass Areale doppelt bearbeitet werden müssen, wenn Reinigungsprotokolle den Anforderungen nicht genügen. Gerade in Einsatzbereichen rund um die Produktion und die Warenlagerung ist Prozesssicherheit ein wichtiger Nachhaltigkeitsfaktor, da sie großen Einfluss auf die Anlagenverfügbarkeit und Qualitätsraten der Produktionsanlagen hat.
Tagesreinigung und Energieeffizienz – ein unschlagbares Team
Die Tagesreinigung ist für Kunden wie Dienstleister längst kein Tabuthema mehr. Der gestiegene Anspruch an Hygienestandards – etwa im Carebereich, der lebensmittelverarbeitenden Industrie oder im Handel – macht Reinigungsarbeiten während des Betriebs beziehungsweise der Öffnungszeiten unerlässlich. Diese veränderte Sichtweise kann zur spürbaren Absenkung wichtiger Verbrauchsgrößen beitragen: Ausgaben für Beleuchtung, Heizung beziehungsweise Klimatisierung gehen ebenso zurück wie der Energieverbrauch der eingesetzten Maschinen.
Letzteres ist vor allen dadurch bedingt, dass Maschinen, die sich zur Tagesreinigung eignen, mit niedrigeren Motordrehzahlen (zur Reduktion der Geräuschbelastung) betrieben werden. Moderne Saugmotor-Systeme verfügen deshalb über einen gedämmten Antrieb, der den Schalldruckpegel auf ein Minimum absenkt. Der dadurch reduzierte Verbrauch des Saugmotors bringt nicht nur ergonomische, sondern auch wirtschaftliche Effekte mit sich: Die angepasste Saugkraft schlägt sich in einem reduzierten Energiebedarf nieder, der sich wiederum positiv auf Batterielebensdauer und Produktivität auswirkt.
Reinigungschemie und Wasser perfekt abgestimmt
Automatische Reinigungsmittel-Dosiersysteme haben ebenfalls positive Effekte auf das ausbalancierte Zusammenspiel von Wirksamkeit und Ökologie in der Bodennassreinigung. Warum? Die manuelle Dosierung ist eine einfache und kostengünstige Vorgehensweise, die jedoch zu Fehldosierungen neigt. Unzureichende Reinigung beziehungsweise eine schnelle Wiederanschmutzung sind die nachhaltigkeitsrelevanten Folgen. Stationäre Mischanlagen hingegen garantieren ein personenunabhängiges Mischungsverhältnis, sind aber unflexibel installiert und binden den Anwender oftmals an einen Hersteller. Integrierte Reinigungsmittel-Mischsysteme gehören zu den modernsten Entwicklungen in diesem Bereich. Je nach Hersteller erlauben sie Einsparungen von bis zu 50 Prozent Wasser, bis zu 35 Prozent Chemie und bis zu 20 Prozent Arbeitszeit.
Ein weiterer wichtiger Punkt für Nachhaltigkeit und Effizienz ist der richtige Wasserdurchfluss. In herkömmlichen Bodenreinigungssystemen findet der Wasserauftrag auf den Boden ohne geschwindigkeitsgesteuerte Mengenregulierung statt. Nimmt die Maschine also an Fahrt auf, reduziert sich die aufgebrachte Wassermenge pro Quadratmeter, wodurch die Reinigungswirkung sinkt. Im umgekehrten Fall lässt sich eine unhygienische Pfützenbildung nur durch leistungsstarke Saugaggregate vermeiden. Geschwindigkeitsregulierte Wasserflusssteuerungen merzen diesen Missstand aus. Das Prinzip: Tritt der Anwender auf die Bremse, verkleinert sich der Durchmesser des wasserzuführenden Ventils, geht er hingegen aufs Gas, weitet sich das Ventil und der Wasserauftrag steigt. Auf diese Weise ist die aufgebrachte Wassermenge pro Quadratmeter stets gleich.
Hohe Effizienz durch richtiges Reinigungsdeck
Das Zusammenspiel von Bodenbeschaffenheit und Reinigungsdeck sollte ebenfalls unter die Nachhaltigkeitslupe genommen werden. Während Tellerbürsten auf glatten, ebenen Bodenarten wie Linoleum, PVC oder Stein sowie Industrieböden hohe Wirksamkeit entfalten, arbeiten Zylinderbürsten auf unebenen und gefliesten Oberflächen effizient. Besonders umweltverträglich zeigen sich auch sogenannte oszillierende Systeme. Hier greift das Schrubbdeck den Schmutz von allen Seiten gleichzeitig an und erreicht hervorragende Reinigungsergebnisse in nur einem Arbeitsgang. Im Nachhaltigkeitsergebnis reduziert sich nicht nur der Wasserverbrauch um bis zu 50 Prozent. Zudem entfallen unproduktive Stopps zum Entleeren und Befüllen der Tanksysteme, wodurch sich die Produktivität der Maschine deutlich verbessert. Und nicht zuletzt verlängert die oszillierende Technologie die Lebensdauer von Pads, Batterie und Motor – was auch der Umwelt zugutekommt.
Zukunftsthemen Robotik und Akkutechnologie
Die Vorteile autonomer Scheuersaugmaschinen machen sich nicht nur in der Zeitersparnis bemerkbar, sondern auch in einer hohen Einsatzflexibilität. Moderne Sensor- und Robotertechnik erlaubt den Geräten beispielsweise, ihre Reinigungsaufgaben während der Öffnungs- und Arbeitszeiten – also in der nachhaltigeren und kostenattraktiven Tagesreinigung – zu erfüllen. Auch hinsichtlich der Reinigungszuverlässigkeit punkten die autarken Systeme. Selbst bei häufigen Durchläufen sowie außerhalb üblicher Arbeitszeiten erreichen autonome Scheuersaugmaschinen einen konstanten Abdeckungsgrad von 98 bis 99,5 Prozent der zu reinigenden Fläche – ohne ressourcenintensive Qualitätsschwankungen und Nacharbeiten.
Des Weiteren steigern autonome wie personengesteuerte Maschinen ihren Umweltbeitrag vor allem dann, wenn sie über einen Batterieantrieb verfügen. Damit diese Antriebsart jedoch nicht zu Lasten der Leistungsfähigkeit geht, sollten Anwender auf moderne Akku-Technologie Wert legen und auf den abgestimmten Einsatz entsprechender Motoren. Ganz oben auf der Agenda stehen hierbei Lithium-Ionen-Batterien. Sie überzeugen sowohl durch lange Einsatzzeiten und kurze Ladezyklen als auch durch ihren nahezu wartungsfreien Betrieb und eine herausragende Lebenszeit.
Klügere Entscheidungen mit klaren Daten
Mehr Nachhaltigkeit und Wirkungsgrad lassen sich nicht nur mit Ausstattung erreichen. Softwarelösungen bieten ebenfalls viele Möglichkeiten, Arbeitsabläufe in der Reinigung umweltverträglicher zu gestalten. Ein Beispiel: Moderne Flottenmanagement-Plattformen garantieren den transparenten Überblick über alle Geräte. Unzählige Leistungsdaten und Informationen über die vernetzten Maschinen werden übersichtlich zusammengeführt und intelligent ausgewertet, um die optimale Betriebsleistung und Rentabilität sicherzustellen. Dazu gehören ein passender Einsatzbereich und einwandfreier Betriebszustand ebenso wie das richtige Timing für Wartungsintervalle sowie Ersatz- und Neubeschaffungen.
Wiederverwenden und wiederverwerten
Abseits des eigentlichen Produkteinsatzes kann Reinigungstechnik auch am Ende ihrer Lebensdauer einen wertvollen Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit leisten. Immer mehr Hersteller integrieren Kreislaufwirtschaftsinitiativen wie Rücknahmeprogramme in ihr Serviceportfolio, die den Ressourcenverbrauch massiv reduzieren. Altgeräte werden dann wirtschaftlich aufbereitet und sämtliche wiederverwertbaren Rohstoffe dem Recycling zugeführt.
Jan Martijn | markus.targiel@holzmann-medien.de
