Blaues Auge bei Tosca, nun riesige blaue Füße bei Aida: Dimensionen und Motive des Bühnen bildes der Bregenzer Festspiele sind seit jeher beeindruckend. Wenn am 22. Juli 2009 die Premiere de r Verdi-Oper Aida gelaufen ist , hat Fotograf Karl Forster hunderte von Bildern im Kasten. Wie schon seit 25 Jahren.
Aida professionell ins Bild gesetzt
- Bei der ersten Bregenzer Festwoche 1946 trugen noch zwei Kieskähne die Bühnenaufbauten und das Orchester. Seit 1952 ist die Seebühne Schauplatz der Bregenzer Festspiele, deren Produktionen durch künstlerische Qualität der Aufführungen ebenso überzeugen wie durch überdimensionale, teils schon legendäre Bühnenbilder. Ob La Bohème, Il Trovatore, Tosca oder nun aktuell Aida nicht nur Musikliebhaber zeigen sich von der Kulisse begeistert.
James Bond und das Auge der Tosca
Die spektakuläre Umsetzung und Aufführung von Puccinis Opernthriller Tosca begeisterte über zwei Festspielsommer (2007 und 2008) nicht nur mehr als 304.000 Besucher aus aller Welt. Auch Barbara Broccoli, Produzentin des jüngsten James-Bond-Films „Ein Quantum Trost“ und Regisseur Marc Forster waren beeindruckt von der einzigartigen Location am Bodenseeufer, dem imposanten Bühnenbild mit seinen technischen Möglichkeiten und der modernen Architektur des Festspielhauses. Und so wurde die Bregenzer
Tosca zum Schauplatz des Bond-Streifens. Zehn Tage wurde gedreht, das Ergebnis auf der Leinwand sind siebeneinhalb Minuten Action im Festspielhaus; auf der Seebühne entdeckt Daniel Craig alias James Bond während der Tosca-Vorstellung erstmals seine Widersacher. In die atemberaubende Jagd durch das Festspielhaus sind immer wieder eindrucksvolle Szenen der Oper eingebaut.
Bodensee statt Wüstensand
Neueste Produktion in Bregenz ist die Verdi-Oper Aida. Die Arbeiten am Bühnenbild laufen seit dem Frühjahr, am 23. April wurde Richtfest gefeiert.
Besondere Herausforderung dieser Produktion: Die Liebesgeschichte zwischen der Prinzessin Aida und dem Feldherren Radames spielt bei Verdi in der Wüste. Sie auf dem Wasser zu inszenieren, ist eine große Aufgabe, „für die wir eine äußerst spannende Umsetzung gefunden haben“, so Intendant David Pountney.
Eine Aussage, die Fotograf Karl Forster, auch in der Reinigungsbranche eigentlich nur als Charly bekannt, bestätigen kann. Er muss es wissen, denn er ist bei allen Seebühnen-Produktionen von Anfang an dabei: „Vom Modell über die Proben bis zur Aufführung ich bin in alle Phasen eingebunden.“ Er mag die Entstehungsphase einer neuen Inszenierung, liebt die Aufgeregtheit, die Anspannung bei den ersten Proben. Hier ist er als Fotograf auch besonders gefordert, weil er zwar möglichst alles im Bild festhalten soll, aber möglichst nicht auffallen darf.
Seit über 25 Jahren fotografiert Charly Forster bei den Bregenzer Festspielen, erstmals 1983 beim Vogelhändler. Damals nach eigener Aussage noch vorsichtig und unsicher, ist Charly heute bei den Bregenzer Festspielen eine Institution. Künstler und Regisseure schätzen seine Unaufgeregtheit, seine Erfahrung, seine professionelle Arbeit, die er meist unbemerkt von den Beteiligten
leistet.
Da kann es auch schon mal passieren, dass man den Charly vergisst: Bei einer Aufführung von Porgy and Bess fotografierte Charly Forster von einem Kran auf einer Brücke aus, gut getarnt in schwarzem Overall. Zu gut getarnt offenbar: der Vorhang fällt, Zuschauer, Kranführer und das ganze Opernteam gehen nach Hause und Charly wird auf dem Kran vergessen! Von Charlys Frau Monika informiert, befreien Verantwortliche der Festspiele Charly schließlich aus dieser misslichen Situation.
Seiner Begeisterung für Bregenz hat dieses Erlebnis keinen Abbruch getan. „Bregenz ist im Sommer für mich der schönste Arbeitsplatz. Die Fotoarbeiten auf der Seebühne unter freiem Himmel sind zwar eine echte Herausforderung. Dimensionen, Distanzen, Wetter all das erfordert ein völlig anderes Arbeiten und eine andere Ausrüstung als das Fotografieren in Theatern. Dennoch begeistert und fasziniert mich die Atmosphäre, die Lebendigkeit und das wunderbar mediterrane Klima der Sommerabende am Bodensee immer wieder neu. Gibt es Schöneres?“
Peter Hartmann | peter.hartmann@holzmannverlag.de