Hygienezustände in Schulen Zwischen Theorie und Praxis

Immer wieder liest man in der Presse über mangelhafte Hygienezustände in Gemeinschaftseinrichtungen, insbesondere Schulen. Ein Schuldiger ist schnell gefunden – die Reinigungsfirmen arbeiteten nicht ordentlich. Diese Aussage wird einfach ausgesprochen, doch Hygiene ist ein Zusammenspiel vieler Faktoren.

  • Bild 1 von 2
    © Buzil
  • Bild 2 von 2
    © Buzil
    Tabelle 2: Ausschnitt aus der DIN 77400.

Zwischen Theorie und Praxis

-Der Begriff Hygiene geht auf die griechische Götterwelt zurück. Hygieia, Tochter des Asklepios, ist die griechische Göttin der Gesundheit und gilt noch heute als Schutzpatronin der Apotheker. Ihre Aufgabe war und ist es, Krankheiten zu verhüten und das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit der Menschen zu erhalten. Ein Grundsatz, der eigentlich sehr gut in unser Schulsystem passen würde.

Im Laufe der Geschichte hat Hygiene Hoch- und Tiefzeiten gehabt. Vor allem in problematischen Phasen wurde sehr schnell klar, dass hygienische Maßnahmen nur dann greifen, wenn sich alle Beteiligten ihrer Verantwortung bewusst sind. Heutzutage versucht man dieser Verantwortung mit entsprechenden Gesetzen, Verordnungen und DIN-Normen gerecht zu werden.

Die rechtlichen Vorgaben

Gemäß § 36 Infektionsschutzgesetz (IfSG) sind Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen, Kindergärten, -krippen, -tagesstätten, -horte verpflichtet, in Hygieneplänen innerbetriebliche Verfahrensweisen zur Einhaltung der Infektionshygiene festzulegen. Mit dem Hygieneplan wird der Zweck verfolgt, Infektionsrisiken in den betreffenden Einrichtungen zu minimieren. Selbstverständlich muss das Reinigungspersonal nachweislich auch nach diesem Hygieneplan geschult werden. Der Hygieneplan muss sichtbar und frei zugänglich sein.

Seit September 2003 gibt es die DIN-Norm 77400 über die Reinigungsdienstleistungen „Schulgebäude“ – Anforderungen an die Reinigung. Diese DIN-Norm lässt schon in der Einleitung Sauberkeit und Hygiene in Schulgebäuden eine besondere Bedeutung zukommen. Das Umfeld, in dem Kinder und Jugendliche ausgebildet werden, hat Einfluss auf deren Gesundheit sowie auf ihr eigenes Hygieneempfinden und -verhalten.

Die DIN-Norm legt Mindestreinigungshäufigkeiten für die Reinigung von Schulgebäuden fest, wobei die örtlichen Gegebenheiten einen erheblichen Einfluss auf die Reinigungshäufigkeit haben. Die Norm umfasst die Grundreinigung, Sonderreinigung, Glasreinigung sowie Unterhaltsreinigung von Böden und Oberflächen. Und sie beschreibt, dass in Bereichen mit besonderer hygienischer Bedeutung wie WC-Anlagen, Duschräume, Umkleideräume, Lehrküchen usw. sichergestellt sein muss, dass ein Aufenthalt aus gesundheitlicher Sicht problemlos möglich ist.

Des Weiteren muss die Staubkonzentration in allgemeinen Bereichen und Sporthallen durch geeignete Reinigungsmethoden in vertretbaren Grenzen gehalten werden. Staub stellt eine nicht unerhebliche Gefahr, z.B. in Bezug auf Allergien, dar. Auch das Risiko von Gleitunfällen auf Fußböden kann durch eine gründliche Staubentfernung deutlich verringert werden. Gesetze und DIN-Normen ändern jedoch momentan nichts an der Tatsache, dass die Infektionsraten in Schulen steigen.

In einigen Schulen reinigen inzwischen sogar Schüler selbst mit Kehrschaufel und Besen. Die erbrachte Reinigungsleistung der Schüler erhöht natürlich die Aufmerksamkeit gegenüber der selbstverursachten Wiederverschmutzung, allerdings wird sie nie die professionelle Reinigungsleistung durch geschulte Reinigungskräfte ersetzen können. Häufig wird durch diese Art der Reinigung noch zusätzlich Staub aufgewirbelt.

Desinfektion von Sanitäreinrichtungen

Treten in Gemeinschaftseinrichtungen Infektionen und Erkrankungen auf, will man das Problem häufig nicht durch eine erhöhte Reinigungshäufigkeit in den Griff bekommen, sondern durch den Einsatz von Desinfektionsmitteln. Doch der Wechsel von einem Reinigungs- auf ein Desinfektionsmittel ist keine Lösung, sondern schafft eher noch weitere Probleme.

Unser Trinkwasser enthält meist eine sehr große Menge an Calcium- und Magnesiumsalzen, die sich als Kalkschleier auf Oberflächen niederlegen. In diesen Kalkablagerungen finden sich mehr oder weniger große Mengen von Verschmutzungen organischen und anorganischen Ursprungs. Da solche Ablagerungen zudem stets eine poröse Struktur aufweisen, bieten sie eine ideale Siedlungsgrundlage für Keime. Ihre Entfernung ist daher nicht nur aus optischen Gründen, sondern vor allem zur Bekämpfung von Mikroorganismen und zur Gewährleistung eines ausreichenden Hygienezustandes erforderlich.

Ein Desinfektionsmittel kann jedoch nur Mikroorganismen an der Oberfläche reduzieren. Mikroorganismen, die in der Tiefe der Verschmutzung liegen, werden nicht abgetötet. Vor einer Desinfektion sollte deshalb gründlich gereinigt werden. Somit ist es in Gebieten mit stark kalkhaltigem Wasser sinnvoller, einen sauren Sanitärreiniger einzusetzen, um Kalkverschmutzungen zu entfernen. Saure Reinigungsmittel erfüllen bei regelmäßiger Anwendung die Grundanforderung an Sauberkeit und Hygiene im Sanitärbereich in idealer Weise. Ein Desinfektionsmittel hat nur eine desinfizierende, aber keine reinigende Wirkung.

Der häufige Einsatz von Desinfektionsmitteln in Sanitäranlagen von Gemeinschaftseinrichtungen kann des Weiteren Allergien hervorrufen: Desinfektionsmittel werden auf die Sanitäroberflächen, z.B. Toilettenbrillen, aufgetragen und verbleiben dort. Die Wirkstoffe reagieren in der Regel auf Eiweißverbindungen und da die menschliche Haut auch aus Eiweißen besteht, kann es bei direktem Kontakt zu allergischen Hautreaktionen kommen. Zum anderen sind die Kunststoffoberflächen häufig nicht desinfektionsmittelbeständig, d.h., sie werden angegriffen und verspröden. Dadurch entstehen wiederum neue Schlupflöcher für die Vermehrung von Mikroorganismen.

Aufgrund von fehlender finanzieller Ressourcen werden die Reinigungsleistungen in Gemeinschaftseinrichtungen häufig reduziert – Einsparungen auf Kosten der Kinder. Geldmangel der Kommunen darf aber nicht dazu führen, dass Minimalanforderungen an Hygiene nicht mehr erfüllt werden. Denn Infektionskrankenheiten können durch sinnvolle hygienische Maßnahmen bekämpft und – wie die Geschichte der Hygiene auch zeigt – auf ein berechenbares Minimum reduziert werden. Die beste prophylaktische Maßnahme gegenüber Infektionskrankenheiten ist immer noch die regelmäßige und gründliche Reinigung.

Dagmar Miller, Buzil-Werke | markus.targiel@holzmannverlag.de