Private Krankenversicherung Zwischen Basis- und Luxustarif

Das Gute an der Gesundheitsreform ist die allgemeine Versicherungspflicht für alle Bürger. Auch eine Aufnahme oder Rückkehr in die private Kasse ist jetzt möglich.

Zwischen Basis- und Luxustarif

-„Eine Sorge weniger“, lässt Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt bundesweit plakatieren. Gemeint sind die Rückkehrmöglichkeiten für alle Bürger in die gesetzliche und private Krankenversicherung. Rund 3.300 nichtversicherte Patienten stellten bisher einen Antrag auf Aufnahme in die privaten Kassen – nicht so viele, wie von den Versicherern ursprünglich erwartet. Die Neuaufnahmen liefen ohne das sonstige Reglement der privaten Anbieter: ohne Risikozuschlag für Schwachstellen in ihrer Gesundheitsbiografie und ohne Leistungsausschlüsse. Der seit Juli 2007 geltende Annahmezwang und ein entsprechend getrimmter Tarif auf Kassenniveau mit Sozialklausel machen das möglich.

Problem zukünftiger Basistarife

Für die private Krankenversicherung (PKV) und ihre 8,5 Millionen Versicherten ergibt sich aus den Konsequenzen der Gesundheitsreform allerdings ein Problem: der zukünftig verordnete Basistarif nach gleichem Zuschnitt für jedermann. Neukunden mit Einführung der Versicherungspflicht können ab Januar 2009 auch in die private Krankenversicherung einsteigen oder auch wechseln. Alterungsrückstellungen können zum neuen Versicherer mitgenommen werden. „Auch Bestandskunden steht diese Möglichkeit innerhalb eines bestimmten Zeitfensters offen“, sagt Ulrike Pott vom Verband der privaten Krankenversicherung. Beitragserhöhungen für alle Privatversicherten sind damit programmiert. Das hat die Branche bereits klargemacht und eine Verfassungsbeschwerde in Karlsruhe angekündigt.

Der neue Basistarif wird ohne Quersubventionierung durch teurere Tarife nicht auskommen. Das meinen auch Verbraucherschützer. Allerdings müssen PKV-Versicherte ohnehin mit regelmäßigen Preissteigerungen leben. „Wer als Junggeselle mit 32 Jahren einsteigt, muss bis zum 65. Lebensjahr mindestens mit dem Doppelten, wenn nicht sogar dem Dreifachen der Eingangsprämie rechnen“, nennt Daniela Hubloher von der Patientenberatung der Verbraucherzentrale Hessen die gängige Faustregel.

Die Beiträge steigen weiter

Dreht sich die Preisspirale durch die neuen rechtlichen Grundlagen noch schneller? Auch das wäre neben anderem zu bedenken, bevor man die Seiten wechselt. Verlässliche Prognosen, geschweige denn seriöse Kalkulationen, dazu fehlen bislang. Einige Experten gehen in der Spitze von Beitragserhöhungen im zweistelligen Bereich aus.

Aber auch ohne die Folgen der Gesundheitsreform gibt’s die private Krankenversicherung nicht geschenkt. „Die PKV ist ein gewisser Luxus, den man sich dauerhaft leisten können muss“, sagt Patientenberaterin Hubloher. Bei freier Arzt- und Krankenhauswahl bietet die private Krankenversicherung je nach Tarifauswahl deutlich bessere Leistungen als die gesetzlichen Kassen. Für Jüngere ohne Anhang mit Topgesundheit und Topverdienst auch zum deutlich günstigeren Preis.

Um die 50 Krankenversicherer konkurrieren dabei am Markt. Das Gros der Angebote ist nach dem Baukastenprinzip konzipiert: ambulant, stationär, Zahnschutz sowie Krankentagegeld. Dazu kommt die gesetzlich vorgeschriebene Pflegeversicherung. Innerhalb der einzelnen Bausteine variiert der Leistungsumfang je nach Versicherer und Tarif. Eine Krankheitskostenvollversicherung gibt es mit drei Grundbausteinen auch als fertige Pakete (Kompakttarife). Sie sind jeweils mit festem Leistungsumfang ausgestattet. Man kann zwischen abgestuften Paketlösungen wählen – häufig zwischen Einsteiger-, Komfort- und Luxustarif. Aber auch dabei gibt es nochmals verschiedene Varianten.

Sparen an der richtigen Stelle

Angesichts einer Tarifvielfalt und Kombinationsmöglichkeiten, die in die Tausende gehen, ist ein Fehlgriff nicht ausgeschlossen. „Da kaufen gerade junge Männer superbillige Angebote, in denen ganz wichtige Leistungen wie zum Beispiel der Zahnersatz fehlen, oder andere wie der Leistungskatalog für ambulante Behandlungen noch unterhalb der gesetzlichen Kassenleistungen vereinbart sind“, weiß Brigitte Mayer von der Verbraucherzentrale Hessen aus ihrer Beratungspraxis. „In anderen Extremfällen gibt es irrsinnig hohe Selbstbehalte von 2.000 Euro, die im Krankheitsfall ein wirklich hohes Risiko darstellen.“ Da wird dann am falschen Ende gespart.

Carla Fritz