Sicherheitsbranche Zweiter Ausbildungsberuf ab 2008

Die „Fachkraft für Schutz und Sicherheit“ wurde 2002 eingeführt. Sie war der erste Ausbildungsberuf für Sicherheitskräfte. 2008 soll mit der „Servicekraft für Schutz und Sicherheit“ der zweite folgen. Die Branche macht nicht nur damit auf ihre gestiegenen Qualitätsansprüche aufmerksam.

Immer schneller verändert sich das Umfeld für Sicherheitsdienstleister: neue Gesetze, neue Ausbildungsmöglichkeiten und immer mehr An bieter. - © Piepenbrock

Zweiter Ausbildungsberuf ab 2008

-Viele große Gebäudedienstleister bieten Sicherheitsdienste an. Immer öfter sind es aber auch kleinere mittelständische Betriebe, die eigenes Sicherheitspersonal beschäftigen. Auch sie bedienen den wachsenden Bedarf an Sicherheitsdienstleistungen. Vor allem nach den Terroranschlägen auf das World Trade Center und weiteren Anschlägen in Madrid und London, hat das Sicherheitsbedürfnis in Deutschland und Europa zugenommen. Seitdem fragen gerade auch öffentliche Stellen vermehrt Sicherheitsleistungen nach, denn die Regierung verschärfte als Folge des Terrors die Sicherheitsvorkehrungen in Flughäfen und öffentlichen Gebäuden. Den wachsenden Bedarf konnten die öffentlichen Stellen vielerorts nicht mit eigenem Personal decken oder sie entschieden sich aus wirtschaftlichen Gründen für die Vergabe an einen privaten Sicherheitsdienstleister. Bei diesen so genannten Public Private Partnerships – später dazu mehr – wird das staatliche Gewaltmonopol in eingeschränkten Bereichen an private Sicherheitsunternehmen weitergegeben. Doch nicht nur öffentliche, auch immer mehr private Auftraggeber haben Sicherheitsdienstleistungen zu einer zunehmend wichtigen Einnahmequelle werden lassen.

Einsatzgebiete und Aufgaben

Die Bandbreite der Dienstleistungen im Sicherheitsgewerbe ist groß. Grundsätzlich dient Sicherheitspersonal dem Schutz von Personen, Objekten/Gebäuden oder Gegenständen. Zu den gängigsten Sicherheitsdienstleistungen gehören:

  • Separatbewachungsdienste: Objektbewachung und
    Werkschutz,
  • Revierdienste: mobile Objektdienste,
  • Ordnungsdienste,
  • Messe- und Veranstaltungsdienste,
  • Sicherheitsdienste in Krankenhäusern oder Schulen,
  • Notruf- und Serviceleitstellen (Fahrstuhlnotrufzentralen),
  • Einzelhandelsschutz,
  • Bewachung von Ministerien und militärischen Objekten;
    Eskorten,
  • Bewachung von kerntechnischen Anlagen,
  • Gepäck- und Fluggastkontrolle in Flughäfen,
  • Geld- und Werttransporte.

Da sich Sicherheitsdienstleistungen je nach Objekt und Einsatzgebiet stark voneinander unterscheiden, sind auch die persönlichen Voraussetzungen, die eine Sicherheitsfachkraft mitbringen sollte, sehr unterschiedlich. Grundsätzlich sind gute Sprachkenntnisse (Landessprache und gegebenenfalls Fremdsprachen) erforderlich, ebenso wie soziale Kompetenzen und das Gespür für den passenden Umgang mit Passanten/Kunden/Fluggästen. Die Bewerber sollten daher nach Meinung befragter Ausbilder von Sichheitspersonal ein gewisses Maß an Lebenserfahrung und persönlicher Reife mitbringen und diese auch ausstrahlen. In vielen Bereichen ist technisches Wissen unverzichtbar. Immer öfter kommt moderne Sicherheitstechnologie zum Einsatz, die das Personal bedienen und im Zweifelsfall auch reparieren können muss.

Gesetzliche Grundlagen

Nach dem Gesetz ist die Unterrichtung nach § 34 a Gewerbeordnung unbedingte Voraussetzung für eine Tätigkeit in der Sicherheitsbranche. Mit dem „Gesetz zur Änderung des Bewachungsgewerberechts“ vom 23. Juli 2002 gibt es seit Januar 2003 neue Bestimmungen für das private Sicherheitsgewerbe. Die wesentlichen Änderungen im § 34 a der Gewerbeordnung und in der Bewachungsverordnung sind die Einführung einer Sachkundeprüfung und die Verlängerung des Unterrichtungsverfahrens. Für die folgenden Tätigkeiten ist seither der Nachweis einer erfolgreich abgelegten Sachkundeprüfung erforderlich:

  • Kontrollgänge im öffentlichen Verkehrsraum oder in Hausrechtsbereichen mit tatsächlich öffentlichem Verkehr
    (z.B. Citystreifen),
  • Schutz vor Ladendieben (z.B. Einzelhandelsdetektive),
  • Bewachungen im Einlassbereich von gastgewerblichen Diskotheken (z.B. Türsteher).

Die Sachkundeprüfung wird von den Industrie- und Handelskammern abgenommen. Für alle anderen Bereiche des Bewachungsgewerbes, die nicht der verpflichtenden Sachkundeprüfung unterliegen, ist der Unterrichtungsnachweis Voraussetzung für die Ausübung der Tätigkeit. Die Unterrichtungszeiten wurden im Zuge der Novellierung verlängert, außerdem wurde die Zuverlässigkeitsprüfung verschärft.

Branchenexperten diskutieren immer wieder, ob es nicht sinnvoll wäre eine bundesweit einheitliche Ausbildung für Sicherheitspersonal einzuführen, die über die gesetzlichen Forderungen hinausgeht. Bisher haben viele Quereinsteiger in der Branche die nötigen Kenntnisse über Qualifizierungsmaßnahmen der Unternehmen selbst – einige Unternehmen unterrichten in eigenen Sicherheitsschulen/ -akademien – oder in mehrwöchigen Weiterbildungsmaßnahmen der Industrie- und Handelskammern erworben. Gängig waren bis Ende 2005 die Lehrgänge zur Werkschutzfachkraft. Seit 2006 bietet die IHK stattdessen die geprüfte Schutz- und Sicherheitskraft an, eine erweiterte und modernisierte Form der Werkschutzfachkraft.

Professionalisierung in der Ausbildung

Seit 2002 gibt es eine dreijährige Ausbildung zur „Fachkraft für Schutz und Sicherheit“, die auf eine Tätigkeit in der mittleren Führungsebene vorbereiten soll. Seither wurden und werden in diesem Beruf nach Angaben des Bundesverbands Deutscher Wach- und Sicherheitsunternehmen e.V. 3.000 junge Menschen ausgebildet. Eine weiterführende, häufig auf der Fachkraft für Schutz und Sicherheit aufbauende Qualifikation ist der Meister für Schutz und Sicherheit. Diese Fortbildung soll den Werkschutzmeister ersetzen. Voraussetzung für die Teilnahme an einem zweieinhalbjährigen berufsbegleitenden Kurs sind entweder die Ausbildung zur „Fachkraft für Schutz und Sicherheit“ mit anschließender einjähriger Berufserfahrung, eine andere Berufsausbildung mit anschließender zweijähriger Berufspraxis im Sicherheitsbereich oder eine einschlägige fünfjährige Berufspraxis. Die neueste Perspektive für das Sicherheitsgewerbe bietet die „Servicekraft für Schutz und Sicherheit“, über welche Manfred Jilg, stv. Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Sicherheit der Wirtschaft (ASW), Leiter Werkschutz BASF AG, auf einem Expertenworkshop der Forschungsstelle Sicherheitsgewerbe (FORSI – siehe Infobox) in Kooperation mit der Handelskammer Hamburg berichtete. Der zweijährige Ausbildungsberuf soll ab August 2008 angeboten werden. Diese Servicekräfte sollen, so Jilg, keine Personalführungs- oder Planungsaufgaben sowie keine kaufmännischen Aufgaben übernehmen. Vielmehr sollen sie im Objektschutz, bei Tor- und Empfangsdiensten, Revierdiensten oder in Einsatzzentralen arbeiten.

Mit dem zweiten Ausbildungsberuf ist dem wachsenden Qualitätsanspruch in der Branche aber noch nicht Genüge getan. In Hamburg haben am 1. Oktober 2007 die ersten Studenten des Studiengangs „Sicherheitsmanagement“ ihre Ausbildung begonnen. 19 Studienplätze stehen zur Verfügung. Die Besonderheit dieses Studiengangs:Die ersten acht Monate absolvieren Polizisten und künftige Sicherheitsmanager ein gemeinsames Grundstudium, erst danach teilen sich die Studiengänge. Auch in Berlin, Bremen und Schleswig-Holstein gibt es inzwischen Studiengänge für Führungskräfte im Wach- und Sicherheitsgewerbe. Die fortschreitende Professionalisierung wird von Seiten der Branche und der Polizei begrüßt.

Einheitliche Ausbildungswege für das Sicherheitspersonal und einheitliche Berufsbezeichnungen machen es Kunden leichter, Angebote verschiedener Dienstleister zu vergleichen und erschweren es Billiganbietern, ihre mangelnde Qualifikation hinter professionellklingenden Tätigkeitsbezeichnung zu verschleiern. Vertreter der Polizeibehörden erhoffen sich im Hinblick auf eine immer größere Zahl so genannter Policy Private Partnerships eine höhere Qualität der Dienstleistung. Darunter werden Kooperationen im Bereich der öffentlichen Sicherheit verstanden wie sie bereits während der Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland stattgefunden haben. 20.000 Sicherheitsmitarbeiter hatten zu einem reibungslosen Ablauf beitragen.

Norm soll Qualität sichern

Die Branche hat versucht, mit der DIN 77200 „Anforderungen an Sicherungsdienstleistungen“ gegenzulenken, nach der das entscheidende Kriterium bei der Vergabe nicht der Preis, sondern die Qualität ist. In der Realität wird die DIN aber oft durch eine geforderte „Zertifizierung“ nach DIN 77200 umgangen. Der Bundesverband Deutscher Wach- und Sicherheitsunternehmen (BDWS) stellt aber klar, dass die DIN 77200 bewusst keine Aussagen zu einer Zertifizierung von Unternehmen oder deren Dienstleistungen enthält. Sie diene vielmehr „als Anleitung zur Auswahl und nachvertraglichen Prüfung des geeignetsten Auftragnehmers von Sicherungsdienstleistungen“ und soll dem Auftraggeber als Arbeitsdokument dienen. Er soll damit entsprechend seinen Bedürfnissen bestimmen können, was aus der Norm für seine ganz konkrete Sicherungsdienstleistung erforderlich ist.

Rechtswissenschaftler und Vertreter der Polizei diskutieren heftig die wachsende Zahl der Public Private Partnerships (PPP) bzw. Policy Private Partnerships. PPP geht in vielen Fällen mit einer Teilprivatisierung öffentlicher Aufgaben einher. Sicherheitsdienstleister erschließen dadurch neue Märkte und sehen die Entwicklung positiv. Auch das Grundgesetz verbietet eine derartige Zusammenarbeit nicht. In der Luftsicherheit etwa werden solche Möglichkeiten bereits genutzt und weitere Beteiligungsmodelle in der Justiz werden diskutiert. Zu klären ist noch, welche Verantwortung bei der Erfüllung von Sicherheitsaufgaben beim Staat verbleiben muss.

Rebecca Eisert | rebecca.eisert@holzmannverlag.de