ISSA-Symposium/Interclean Amsterdam 2008 Zentral- und Osteuropa: Märkte mit beachtlichem Potenzial

Wie soll man am besten die Geschäfte in Zentral-, Osteuropa sowie den Staaten der CIS- Region (Russland, Ukraine) vorbereiten? Ein Symposium während der ISSA/Interclean lieferte dazu Ansätze mit Zahlen und Fakten über die Märkte.

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    ISSA-Direktor Mark Armitage bei der Eröffnung des Symposiums.
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    Im Gepräch: Yurij Ryabichew (ARUK-Präsident, links) und Marek Kowalski (PSC-Präsident).
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    Tibor Ritz (KonfirMATIZ Ltd.) beklagte unter anderem die negative Preisstruktur in Ungarn.
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    Yurij Ryabichew und Vera Ushakova (ARUK) berichteten vom „Zukunftsmarkt Russland“.
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    Daniela Petkova (Bulgarien), hier mit Mark Armitage, musste wirklich aktuelle Zahlen schuldig bleiben.

Zentral- und Osteuropa: Märkte mit beachtlichem Potenzial

-Das Symposium anlässlich der ISSA/Interclean, eröffnet von ISSA-Direktor Mark Armitage, gewinnt seinen Informationswert aus der Tatsache, dass echte Marktkenner die Situation in den jeweiligen Ländern schilderten.

Polen – „Herz Europas“

Als erstes stellte der polnische PSC-Vorsitzende Marek Kowalski Polen als das „Herz Europas“ vor. Mit zwei Billionen Euro pro Jahr und 120 ISSA-Mitgliedern entwickelt sich die Reinigungsbranche einschließlich der Zulieferer rasant.

In Kooperation mit dem TÜV Rheinland wurden in Polen nicht nur Ausbildungsmaßnahmen, sondern auch der „Nationale Reinigungstag“ etabliert. An diesem Tag werden landesweit Konferenzen für Entscheider aus Kommunen und Krankenhäusern angeboten. Laut Marek Kowalski ruft dieser Tag allen die Wichtigkeit der Reinigungsbranche ins Bewusstsein. Insgesamt beurteilte er die Situation und den Standort Polens als durchweg positiv.

Auch die sonstigen Wirtschaftsdaten für Polen sehen gut aus, unter drei Prozent Inflationsrate und ungebremstes Wirtschaftswachstum sprechen für Polen!

Nach Angaben des PSC, dem Polnischen Verband der Reinigungsunternehmen, werden von circa 6.000 Reinigungsunternehmen mit circa 320.000 gewerblichen Arbeitnehmern jährlich 200 Millionen Euro erwirtschaftet.

Russland mit rasanter Entwicklung

Yurij Ryabichew und Vera Ushakova, beide führend im Vorstand der ARUK, dem russischen Fachverband, tätig, zeigten die Chancen des russischen Marktes für Investoren anhand der Wachstumsdaten für dieses Land auf. Mit 146 Mio. Einwohnern ein stark wachsender Marktplatz, der sich rasant entwickelt. Der Grund für die rasante Entwicklung sind „schnell gestiegene Ansprüche der Russen“ sowie die Anpassung an Weltstandards. Mehr Sicherheit für Investoren, verbesserte Reisebedingungen sowie eine rege Verbandsarbeit machen, so Yuri Ryabichew, Russland zum Zukunftsmarkt . Vera Ushakova erörterte den Teilnehmern die Verbandstätigkeit in St. Petersburg, wo sie auch als Chefin eines Chemieherstellers tätig ist. Die Bedeutung der Verbands- und Öffentlichkeitsarbeit wurde den Zuhörern deutlich gemacht: Zehnmal CleanExpo St. Petersburg, faire Bedingungen, mäßige Steuern und ungeahnte Weiten geben dem russischen Markt die Würze. Die ARUK ist bereits seit sieben Jahren aktiv, derzeit gibt es ca. 120 Mitgliedsbetriebe. Schwerpunkt der Tätigkeit ist momentan die Erstellung eines modernen Ausbildungsrahmenplans.

Resignation in Ungarn?

Tibor Ritz (Budapest), Fachautor des Buches „Cleaning step by step“, lieferte einen etwas resigniert klingenden Bericht über Ungarn. In Ungarn sind nach Angaben von KonfirMATITZ Ltd. derzeit 225.000 Reinigungskräfte beschäftigt. Nur ein Prozent der Firmen beschäftigen mehr als 500 Kräfte, zehn Prozent zwischen 50 und 500 Arbeitnehmer und 89 Prozent weniger als 50 Reinigungskräfte. Nach den Aussgen von Tibor Ritz gibt es in Ungarn nur 550 mittelständische Reinigungsunternehmen, die sich allerdings einer Armada von ca. 5000 Subunternehmen bedienen. Etwa 205 Betriebe sind in Budapest ansässig, 160 in Györ, 50 in Pécs, 85 in Szeged und 50 in Eger. Diese Betriebe bilden derzeit insgesamt circa 400 junge Menschen aus. Wirklich professionel aufgestellt sind laut Tibor Ritz derzeit nur drei Reinigungsunternehmen in Ungarn. Nach Angaben der ISSA und von KonfirMATISZ Ltd. werden von allen in Ungarn tätigen Betrieben einschließlich Zulieferindustrie circa 100 Millionen Euro pro Jahr umgesetzt. Die Preisstruktur ist laut Tibor Ritz als durchweg negativ anzusehen. Beim Lohn ergibt sich im Vergleich zum Nachbarland Österreich ein Gefälle von ca. 70 Prozent. Die Steuern sind mit 18 Prozent bis 36 Prozent verhältnismäßig hoch, die Lebenshaltungskosten dagegen mit denen anderer EU-Länder vergleichbar.

Rumänien boomt

Ganz anders ist die Situation auf dem rumänischen Reinigungsmarkt, so Verbandsfunktionär Alin Gherman über seinen Heimatmarkt. In den vergangenen zwei Jahren seien in Rumänien über eine Million Quadratmeter neue zu bewirtschaftende Reinigungsflächen entstanden! Der Boom hält nach wie vor an, was Alin Gherman unter anderem mit den noch sehr niedrigen Löhnen und einer Steuerpolitik begründet, die ausländische Investoren anlockt. Verbandspolitisch wird derzeit wird die Einführung und Harmonisierung der HACCP-Richtlinien landesweit vorangetrieben.

Bulgarien: aktuelle Zahlen fehlen

Laut Daniela Petkova gibt es keinen aktuellen Zahlen über den Gesamtreinigungsmarkt. Den Gesamtumsatz teilten sich die Reinigungsbetriebe mit 55 Prozent, der Handel mit 25 Prozent mit 20 Prozent Zulieferindustrie. Die Reinigungsbetriebe erwirtschaften laut Daniela Petkova ihren Umsatz in erster Linie mit Arbeiten in öffentlichen Gebäuden, durch Industriereinigung und die Reinigung in der Lebensmittelindustrie, Kranken-, Büro- und Hotelreinigung.

Über Zahlen wurde nicht sehr viel geredet, dafür meinte Daniela Petkova, dass die EU für Bulgarien aus ihrer Sicht kein Segen sei! Unfaire Preispolitik und drastische Fehlentwicklungen seien an der Tagesordnung. Durch Professionalität, Knowhow, Trainingsmaßnahmen und die Zusammenarbeit mit der ISSA wolle man, so Daniela Petkova, den Missständen entgegenwirken.

Ukraine lockt Investoren

Die Funktionäre Vladimir und Maxim Fevralev aus der Ukraine erklärten ihr Land zum idealen Standort für Investoren. Angaben der ISSA scheinen diese Aussage zu bestätigen: Demnach gibt in der Ukraine keinen Maschinenhersteller, zwei Chemieproduzenten und vier Moppmanufakturen – und das bei 46 Millionen Einwohnern Hinzu komme die unmittelbare Nachbarschaft zu Russland mit 146 Millionen Einwohnern. Weitere Nachbarn sind Weißrussland, Ungarn, Moldawien, Polen, Rumänien und die Slowakei. Auch die Ukraine arbeitet mit dem TÜV Rheinland zusammen, beispielsweise bei der Zertifizierung in hygienesensiblen Bereichen. Die Ukraine bietet laut Vladimir Fevralev viele Optionen für Investitionen. Beispielsweise verfügt die Ukraine über elf spezielle ökonomische Zonen! Das Wachstum in diesem Land ist ungebremst, die Inflationsrate sank mittlerweile deutlich unter 10 Prozent.