Nach dem Winter ist vor dem Winter Winterdienst im Sommer

Verkürzt lässt sich sagen: Mit Winterdienstaufgaben sind Sie das ganze Jahr beschäftigt. Nicht weil es im Sommer schneien könnte, sondern weil viele Arbeiten zu erledigen sind, damit es im Winter reibungslos klappt.

Winterdienst im Sommer

-Der für den Winterdienst Verantwortliche hat im Sommer eine Vielzahl von Arbeiten zu erledigen und Termine zu beachten. Das Winterende ist regional verschieden. In Bayern beispielsweise ist es ohne Weiteres möglich, dass bis Ende April noch mit Schneefällen zu rechnen ist. Deshalb möchte ich warnen, die Winterdienstarbeiten zu früh zu beenden. In der Regel sollte, mit Ausnahme von schneereichen Gebieten, vor April nicht mit den Endarbeiten aus dem vergangenen Winter begonnen werden. Danach wird jedoch mit dem Einholen von Sandkisten, Schneezeichen und zum Schluss von Glatteis-Warntafeln begonnen.

Schäden an Schneezäunen, die naturgemäß nach jedem Abbau anfallen, sind am besten gleich zu beheben, denn die Sommerzeit ist relativ kurz und schon bald werden diese Dinge für den nächsten Winter benötigt. Die Schneezäune werden am besten unter Dach und nicht im Freien gelagert. Schneezeichen, die zu Bruch gegangen oder beschädigt wurden, sind entweder gleich zu erneuern oder aber es ist Ersatz zu beschaffen, eventuell neuen Anstrich anbringen und ebenfalls unters Dach einlagern.

Damit die Leitpfosten für den Verkehrsteilnehmer sichtbar sind, müssen diese gründlich gesäubert, auf Vollständigkeit hin überprüft und – soweit sie fehlen – ersetzt werden. Gleichzeitig sind die Fahrbahnen, Gehwege und Radwege von Splitt, Sand und Granulat zu säubern. Bei der Reinigung von Fahrbahnen einschließlich Gehwegen ist auf Schäden zu achten, vor allem an Brücken. Diese sind dem Tiefbauamt zu melden.

Geräte auf Schäden überprüfen

Nunmehr werden die Lkws und Geräteträger auf Sommerbetrieb umgerüstet. Die Fremdfirmen werden aufgefordert, Schneepflüge, Sonderausrüstungen, Anbauteile etc. zurückzugeben. Diese werden untersucht und repariert. Zur Kosteneinsparung wird empfohlen, Funkgeräte, welche nur im Winterdienst benötigt werden, im Sommer abzumelden. Zu beachten ist die seit 1992 gültige Vorschrift der seitlichen Kenntlichmachung von Schneepflügen. Dies ist der nächste Arbeitsgang.

Nun gilt es, die Schürfleisten auf ihre Verwendungsfähigkeit hin zu überprüfen. Diese werden nach Bedarf ausgewechselt. Ersatz ist gleich zu beschaffen, damit Sommerrabatte ausgenutzt werden können. Schlauchleitungen an Hydraulikzylindern und die gesamten elektrischen Einrichtungen an Fahrzeugen, Streugeräten und Schneepflügen sind auf Schäden hin zu überprüfen.

Streustoffe werden nach Möglichkeit (bis zu ein Drittel des Jahresbedarfes) im Sommer eingekauft, damit auch hier die günstigeren Sommerpreise ausgenutzt werden können. Die aufgebauten Streuaufbauten werden entleert, gründlich gereinigt, abgebaut und instand gesetzt. Zur Vermeidung von Rost und Korrosion ist es gerade bei Feuchtsalzgeräten dringend notwendig, eine rechtzeitige Wartung vorzunehmen. Motorisierte Gehwegräumer und Kleinfahrzeuge werden aus den Außendepots geholt, ebenfalls überprüft und instand gesetzt.

Ersatzteile im Sommer bestellen

Die vorgeschriebenen TÜV-Untersuchungen und Sonderuntersuchungen nach § 29 und 57 StVO werden in die Sommermonate verlegt. Fahrgestelluntersuchungen werden ebenfalls im Sommer vorgenommen. Außerdem sind Bremsen, Fahrerhaus, Außen- und Innenverkleidungen auf Roststellen hin zu überprüfen und auszubessern. Nach Möglichkeit sind während des Sommers Winterdienstfahrzeuge, Zubehörteile, Ersatzteile für Schneepflüge und Streuaufbauten zu bestellen, da sich im Winter Verzögerungen bei den Herstellern und Lieferfirmen ergeben. Im Sommer sind die übergeordneten Dienststellen bereits auf notwendiges Personal für den Winter hinzuweisen.

Neu hinzugekommene Straßen oder Straßenveränderungen sind während des Sommers in den Räum- und Streuplänen einzuarbeiten, damit es im Winter bei der Betreuung zu keinen Zerwürfnissen mit den Anliegern kommt. Im Herbst sind Probefahrten mit Fahrzeugen, Pflügen und Streugeräten vorzunehmen.

Genügend Finanzmittel sind rechtzeitig zu beantragen! Die Fahrer der Einsatzgebiete sind mit Veränderungen an Straßen, Parkplätzen, Brücken, Schächten, Fußgängerbereichen, 30-km/h-Zonen, Straßenverengungen vertraut zu machen. Die Räum- und Streupläne sind zu ergänzen, zu überarbeiten und Veränderungen aufzunehmen.

Zu beachten ist die Änderung des Kraftfahrzeugsteuergesetzes. Seit 1993 sind Kraftfahrzeuge für den Winterdienst wieder von der Kraftfahrzeugsteuer befreit. Kraftfahrzeugsteuer-Befreiungsanträge sind an das Finanzamt zu stellen.

Helmuth Hüttl, ehemaliger Leiter des Stadtbauhofs Kempten |

Herausgeber des Buches „Kommunaler Winterdienst und Städtereinigung“ (Franz Brack Verlag) | Veranstalter von Winterdienstseminaren | helmuth.huettl@gmx.de