Wie sich mit Nachhaltigkeit der Geschäftserfolg steigern lässt

Nachhaltigkeit wird in der Gebäudereinigung längst nicht mehr ausschließlich als ­ökologische Verpflichtung verstanden. Immer häufiger entwickelt sie sich zu einem messbaren Wettbewerbsfaktor, der neue Marktchancen eröffnet, Prozesse optimiert und Kundenbindungen stärkt. Ein Beispiel aus Hamburg.

Mit Fokus auf das Thema Nachhaltigkeit und nachhaltige Produkte ist der Umsatz von Marling Gebäudeservice deutlich gestiegen. - © Igefa

Innerhalb von drei Jahren hat Marling Gebäude­service den Gesamtumsatz und besonders den Umsatz mit nachhaltigen Produkten deutlich gesteigert. Möglich wurde diese Entwicklung durch eine langfristig angelegte Nachhaltigkeitspartnerschaft mit einem Fachgroßhändler und einen konsequenten Transformationsprozess entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Dazu gehört auch der nachhaltigkeitsorientierte Einkauf von Produkten für die Reinigung.

Nicht bloẞ ein Zusatzangebot

Oliver und Tobias Kühnel, beide Gebäudereinigermeister und Geschäftsführer des Familienunternehmens, haben frühzeitig erkannt, dass Nachhaltigkeit mehr ist als ein kurzfristiger Trend: nämlich ein zen­traler Baustein für die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens. "Wir waren überzeugt, dass Nachhaltigkeit kein Zusatzangebot sein darf, sondern Teil unseres Kerngeschäfts werden muss. Deshalb haben wir uns bewusst entschieden, ökologische und soziale Kriterien stärker in unsere Entscheidungen einzubeziehen, erläutert Oliver Kühnel. Auch Tobias Kühnel sieht darin einen entscheidenden Erfolgsfaktor: Unsere Kunden erwarten heute Lösungen, die wirtschaftlich, qualitativ hochwertig und gleichzeitig nachhaltig sind. Genau diese Verbindung wollten wir schaffen.

Ingreen-Report als ­Steuerungs­instrument

Die Anforderungen an Gebäudedienstleister haben sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Auftraggeber aus Industrie, Handel, Gesundheitswesen oder der öffentlichen Hand integrieren Nachhaltigkeitskriterien zunehmend in Ausschreibungen. Gleichzeitig gewinnen Themen wie CO2-Reduktion, Ressourceneffizienz, Kreislaufwirtschaft und soziale Verantwortung an Bedeutung. Für viele Unternehmen stellt sich dabei die Frage, wie Nachhaltigkeit konkret umgesetzt werden kann, ohne die Wirtschaftlichkeit oder die Reinigungsqualität zu gefährden. Ziel war es für Oliver und ­Tobias Kühnel, Nachhaltigkeit systematisch in Beschaffung, Prozesse und Dienstleistungen zu integrieren. Den entscheidenden Impuls ­lieferte bereits im Jahr 2023 der erste Ingreen-Report der ­Igefa.

Das Analyseinstrument schafft Transparenz über den Nachhaltigkeitsgrad des eingesetzten Sortiments und ermöglicht eine datenbasierte Bewertung von Produkten und Warengruppen. Der Report betrachtet verschiedene ökologische und soziale Kriterien. Dazu gehören unter anderem Nachhaltigkeitszertifizierungen, Ressourceneffi­zienz, Recyclinganteile, Verpackungskonzepte, Inhaltsstoffe sowie soziale Standards entlang der Lieferkette. Unternehmen erhalten eine belastbare Datengrundlage, um Nachhaltigkeit im Einkauf messbar zu machen.

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    "Unser Ziel war von Anfang an, ökologische Verbesserungen mit wirtschaftlichen Vorteilen zu verbinden", sagen Tobias (li.) und Oliver Kühnel, Geschäftsührer von Marling Gebäude­service.
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    Auch die Reinigungskräfte sind in die Veränderungen einbezogen worden.
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    Janick Schnorr, Leitung Nachhaltigkeit bei der Igefa: "Die erfolgreichsten Transforma­tionsprozesse entstehen dort, wo Einkauf, Vertrieb, Hersteller und ­Anwender gemeinsam ­Lösungen entwickeln."
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    Mit Fokus auf das Thema Nachhaltigkeit und nachhaltige Produkte ist der Umsatz von Marling Gebäudeservice deutlich gestiegen.

"Viele Unternehmen verfolgen Nachhaltigkeitsziele, verfügen aber nicht über die notwendigen Kennzahlen, um Fort­schritte sichtbar zu machen", sagt Janick Schnorr, Leitung Nachhaltigkeit beim Fachgroßhandelsunternehmen Igefa. Der Ingreen-Report schaffe diese Transparenz, zeige Potenziale auf und ermögliche eine kontinuierliche Steuerung der Entwicklung. Der Ablauf eines solchen Reports folgt einem klar strukturierten Prozess. Zunächst wird das bestehende Sortiment analysiert und hinsichtlich definierter Nachhaltigkeitskriterien bewertet. Anschließend erfolgt eine Auswertung nach Warengruppen sowie die Identifi­kation möglicher Optimierungsfelder. Gemeinsam mit dem Kunden werden Maßnahmen entwickelt, priorisiert und umgesetzt. Regelmäßige Folgereports dokumentieren die Fort­schritte und ermöglichen eine Erfolgskontrolle. Für Marling wurde der Report zum strate­gischen Steuerungsinstrument.

Immer mehr nachhaltige ­Produkte im Einsatz

Innerhalb von zwei Jahren stieg der Anteil nachhaltiger Produkte im eingesetzten Sortiment von knapp 30 Prozent auf 58 Prozent. Der Anteil nachhaltigerer Alternativen bei den verwendeten ­Hygienepapieren liegt inzwischen bei über 50 Prozent. Bei Reinigungsmitteln sind es sogar mehr als 60 Prozent. Am weitesten fortgeschritten ist die Umstellung im Bereich der Abfallsäcke: Hier bestehen bereits 98 Prozent des eingesetzten Sortiments aus ressourcenschonenden ­Lösungen, die der sogenannte Nachhaltige Warenkorb der Igefa bereithält.

Nachhaltigkeit ist bei Marling längst kein isoliertes Einzelprojekt mehr. Vielmehr wurden ökologische und soziale Kriterien Schritt für Schritt in die Einkaufs- und ­Unternehmensprozesse inte­griert und sind heute ein fester Bestandteil des operativen Geschäfts. Nachhaltiges Handeln wird dabei nicht punktuell, sondern strategisch umgesetzt. "Der entscheidende Faktor war die konsequente Betrachtung des gesamten Sortiments", erläutert Janick Schnorr und betont: "Nicht einzelne Produkte verändern ein Unternehmen, sondern die Summe vieler kleiner Entscheidungen im Einkauf und in den Prozessen."

Im Arbeitsalltag ­muss ­es ­funktionieren

Ein Erfolgsfaktor der Zusammenarbeit von Marling und Igefa waren regelmäßige Nachhaltigkeitstage. Dabei kamen Objektleiterinnen und -leiter, Beschäf­tigte aus dem Bereich Einkauf, Reinigungskräfte, Hersteller und Vertriebs­partner zusammen, um neue Lösungen zu testen und gemeinsam weiterzuentwickeln. Hersteller präsentierten ihre Innovationen direkt vor Ort. Neue Reinigungssysteme, ressourcenschonende Verfahren und nachhaltigere Produktalternativen konnten unmittelbar bewertet werden. "Nachhaltigkeit funktioniert nur dann dauerhaft, wenn die Menschen, die täglich mit den Produkten arbeiten, überzeugt sind", sagt Tobias Kühnel. "Deshalb war uns wichtig, unsere Objektleitungen und Reinigungskräfte in die Veränderungen einzubeziehen." Auch aus Sicht der Igefa ist dieser Beteiligungsansatz entscheidend. "Die erfolgreichsten Transformationsprojekte entstehen dort, wo Einkauf, Vertrieb, Hersteller und Anwender gemeinsam Lösungen entwickeln", erklärt Janick Schnorr und fügt hinzu: "Nachhaltigkeit darf nicht von oben verordnet werden. Sie muss im Arbeitsalltag funktionieren."

Effizienzgewinne statt ­Mehrkosten

Ein häufig geäußerter Vorbehalt gegenüber nachhaltigen Produkten betrifft mögliche Mehrkosten. Die Erfahrungen von Marling zeigen jedoch ein anderes Bild. Die Umstellung erfolgte ohne Qualitätsver­luste und ohne zusätzliche finanzielle Belastungen für die Kunden. Stattdessen wurden gezielt Prozesse optimiert und Einsparpotenziale identifiziert. Besonders relevant waren moderne Dosiersysteme, die den Verbrauch von Reinigungschemie reduzieren, sowie langlebige Alternativen bei Verbrauchsmaterialien. Weniger Materialeinsatz, geringere Lagerbestände und reduzierte Entsorgungsmengen führten zu zusätzlichen Effizienzgewinnen. "Nachhaltigkeit darf nicht im Widerspruch zur Wirtschaftlichkeit stehen", betont Oliver Kühnel. "Unser Ziel war von Anfang an, ökologische Verbesserungen mit wirtschaftlichen Vorteilen zu verbinden. Genau das ist gelungen." Diese Erkenntnis gewinnt in der Gebäudereinigung zunehmend an Bedeutung. Denn steigender Kostendruck, Fachkräftemangel und wachsende Anforderungen im Bereich Nachhaltigkeit zwingen Unternehmen dazu, effizientere Lösungen zu entwickeln.

Digitalisierung ­als ­Beschleuniger

Unterstützt wurde die Transformation durch die digitale Bestellplattform ICOS und ein Dash­board, das die Daten aus dem Ingreen-Report interaktiver und detailreicher zur Verfügung stellt. Die beiden Tools ermöglichen eine schnelle Identi­fikation nachhaltiger Produktalternativen und vereinfachen den Umstellungsprozess. Neue Produkte können transparent bewertet, verglichen und in bestehende Beschaffungsprozesse integriert werden. Gleichzeitig werden Nachhaltigkeits­kennzahlen zentral verfügbar gemacht. Die ­Digitalisierung entwickelte sich damit bei Marling Gebäudeservice zu einem wichtigen Hebel für die Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie.

Ökologische und soziale Kriterien gewinnen bei Beschaffungsentscheidungen zunehmend an Bedeutung. Ein entsprechendes Angebot kann Unternehmen dabei unterstützen, neue Marktpotenziale zu erschließen, auf veränderte Kundenanforderungen zu reagieren und die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Ausschreibungen berücksichtigen Kriterien einer verantwortungsvollen Unternehmensführung, Kunden fragen nachhaltigere Lösungen nach, Unternehmen positionieren sich über glaubwürdige Nachhaltigkeitsstrategien im Markt: "Wir beobachten branchenübergreifend, dass Nachhaltigkeit zu einem wichtigen Differenzierungsmerkmal wird", sagt ­J­anick Schnorr. "Unternehmen, die belastbare Konzepte vorweisen können, verschaffen sich klare Wettbewerbsvorteile."

Ganzheitlicher ­Transformationsansatz

Richtig umgesetzt kann Nachhaltigkeit zum Wachstumstreiber werden und Unternehmen dabei unterstützen, den steigenden Anforderungen gerecht zu werden. Entscheidend ist ein ganzheitlicher Transformationsansatz statt der Einführung einzelner Produkte, unterstützt durch digitale Tools und die konsequente Einbindung aller Beteiligten.

Quelle: Igefa | heike.holland@holzmann-medien.de