Wie sich die Grundreinigung vermeiden oder zumindest verzögern lässt

Pflegen und verdichten ­statt immer wieder neu beschichten: Mit geschickten Pflegemaßnahmen können Bodenbeschichtungen so gut erhalten werden, dass eine erneute Grundreinigung nicht mehr oder nur noch selten notwendig ist. Das bringt enorme Vorteile für Umwelt und Wirtschaftlichkeit. Durch homogene Oberflächen wird zudem die körperliche Belastung beim Reinigen reduziert.

Die meisten Grundreinigungen finden wahrscheinlich in Schulen und speziell in den Sommerferien statt – ein großer logistischer Aufwand für den Gebäudedienstleister. - © Andreas Carl

Es gab eine Zeit, noch gar nicht so lange her, da war eine Beschichtung die universelle Lösung für alle Hartbodenbeläge. Das Ergebnis ist sofort sichtbar, und es sieht toll aus, wenn ein Boden gleichmäßig glänzt und sauber ist. Auch die Reinigungskräfte in der Unterhaltsreinigung haben sich gefreut, denn im Anschluss war das Wischen sehr viel leichter und die Arbeit wurde mit einem sauberen Erscheinungsbild belohnt. Doch wo Licht ist, ist auch Schatten.

Eine Beschichtung nutzt sich ab

Je nach Beanspruchung ist eine Beschichtung nicht von Dauer. Durch physikalische Einflüsse wird sie täglich ein bisschen mehr beschädigt. Offene Poren und Risse entstehen, der Mopp gleitet schwerer über den Boden und der Schmutz sammelt sich in den immer größer werdenden Poren und Rissen. Die Qualität nach einer richtig gemachten Beschichtung liegt bei 100 Prozent und fällt dann zunächst langsam ab. Bei längerer Nutzung beschleunigt sich der Ab­nutzungsprozess bis zur nächsten Grundreinigung mit Beschichtung – es ist ein ständiges Auf und Ab. Wie lässt sich diese unregelmäßige Qualität stabilisieren?

Die Umwelt leidet

Zuvor noch ein kurzer Exkurs zu den weiteren Nachteilen der ständig neuen Grundreinigung und Beschichtung. Stichwort Umwelt: Bei jeder Grundreinigung wird die Beschichtung mit einem Grundreinigungsmittel gelöst und mechanisch entfernt. Die Mischung aus der Kunststoffbeschichtung mit dem Grundreiniger gelangt ins Abwasser. Wohl jedem ist bewusst, dass diese Abwässer nicht wirklich gut sind und nicht zur Nachhaltigkeit beitragen.

Logistisches Problem im Sommer

Und es gibt weitere Herausforderungen: Die meisten Grundreinigungen finden wahrscheinlich in Schulen und das speziell in den Sommerferien statt. Für Gebäudereiniger ergibt sich so jedes Jahr das logistische Problem, alle Schulen fast gleichzeitig zu bearbeiten und genügend gutes Fachpersonal einzusetzen. Und leider ist die Zahl der Fehlermöglichkeiten bei der Grundreinigung sehr groß. Kurz gesagt: Es gibt viele gute Gründe, Alternativen zur ständig wiederkehrenden Grundreinigung mit Beschichtung zu nutzen.

Bald nach der Beschichtung handeln

Um die Alternative zu finden, muss das Problem betrachtet werden. In der Regel ist die Ursache, dass die Beschichtung durch mechanische Einflüsse in der Oberfläche angegriffen wird. Das passiert bereits, kaum sichtbar, in den ersten Tagen der Nutzung. Je länger es dauert, desto größer werden die Schäden. Um eine Grundreinigung zu vermeiden und den Qualitätsstandard auf einem hohen Level zu halten, muss bald nach der neuen Beschichtung wieder gehandelt werden. Am besten lässt sich das am Beispiel von Schulen darstellen.

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    Das Pflegen und Erhalten funktioniert nicht nur bei beschichteten Böden, sondern auch bei Parkett – hier in einer Mensa.
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    Die meisten Grundreinigungen finden wahrscheinlich in Schulen und speziell in den Sommerferien statt – ein großer logistischer Aufwand für den Gebäudedienstleister.

Die Grundvoraussetzung ist eine professionell gut ausgeführte Beschichtung mit zwei bis drei Schichten. Nun gäbe es die Möglichkeit, den Boden mit einer wasserlöslichen Wischpflege zu reinigen, was die Poren ausfüllen soll. Doch in der Praxis hat sich das nicht als so positiv erwiesen, denn Überdosierung und/oder fehlerhafte Anwendung bilden schmutzgebundene Schichten auf dem Boden. Dazu kommt, dass zum Wischen der Treppen – häufig aus Stein – und gegebenenfalls PU-beschichteter Beläge die Reinigungsflotte gewechselt werden müsste.

Mit Wischpflege und High-Speed-Maschine

Bewährt hat sich, den Fußboden arbeitstäglich zu reinigen und gleich in den ersten Folgeferien zunächst mit einer höher dosierten Anwenderlösung einer Wischpflege zu wischen (in der Regel eine zehnprozentige Lösung, je nach Hersteller). Die Pflege­anteile setzen sich in die bereits entstandenen Poren und Risse. Nach dem Abtrocknen wird die Fläche mit einer High-Speed-Maschine verdichtet. Dabei ist eine hohe Umdrehungszahl wichtig, denn die Kunststoffpoly­mere der Beschichtung sollen durch die entstehende Hitze mit der Wischpflege verschmelzen und eine neue und stabile Oberfläche bilden.

Leichte Überschüsse der überdosierten Wischpflege werden so auch wieder entfernt. In der Regel bietet die neue Oberfläche genug Stabilität bis zu den nächsten Ferien. Wird nur ein Schnellläufer verwendet, entsteht zwar Glanz, doch er hält nur ein paar Tage und führt nicht zum notwendigen Verdichten der Oberfläche. In verschiedenen Räumen gibt es auch immer wieder exponierte Flächen, bei denen das Pflegen und Verdichten nicht ausreicht. Ein solcher Bereich ist in Schulen oft die Fläche vor der Tafel und im Eingangsbereich. Dort ist die Abnutzung der Beschichtung durch die starke Frequentierung besonders hoch. An diesen Stellen kommt zusätzlich das Sprüh-Cleanern zum Einsatz. So wird man dem erhöhten Bedarf an pflegender Unterstützung gerecht.

In allen Ferien wiederholen

Dieser Vorgang des Pflegens und Verdichtens muss in jeden Ferien wiederholt werden – auf diese Weise wird die Abnutzung der Beschichtung nie so stark, dass die Beschichtung dauerhaft beschädigt wird. Es bildet sich ein stabiler Schutzfilm auf und mit der Beschichtung. In Schulen mit normalen Bedingungen hält eine solche Beschichtung dann gut zehn Jahre und länger.

Neben der fast gleichbleibenden Qualität hat die Methode weitere Vorteile. Das Bedienen von High-Speed-Maschinen ist recht einfach zu erlernen und anspruchslos, es können daher auch die Reinigungskräfte aus der Unterhaltsreinigung eingesetzt werden. So sind sie auch in den Ferien ein Stück weit beschäftigt und der große Bedarf an Fachleuten speziell im Sommer wird reduziert. Zudem wird die Umwelt stark entlastet. Der größte Mehrwert liegt jedoch in der fast gleichbleibenden Qualität und der körperlichen Entlastung der Beschäftigten bei der Unterhaltsreinigung mit leichtgängigen Mopps auf der homogenen Oberfläche. Und die Wirtschaftlichkeit? Erfahrungen zeigen, dass der Aufwand des regelmäßigen Verdichtens in allen Ferien geringer ist als der Aufwand für eine Grundreinigung mit Beschichtung.

Die Beschichtung muss stabil sein

Es gibt aber auch Ausnahmen von der Regel. Wenn der Untergrund nicht ausreichend gut ist und die Beschichtung nicht stabil, kann auch durch Pflegen und Verdichten nicht das gewünschte Ergebnis erzielt werden. Ebenso ist es, wenn die Stühle keine Gleiter haben und eine Beschichtung schon nach einer Woche von den Stühlen zerkratzt ist. Hier ist der Auftrag­geber gefragt, für Abhilfe zu sorgen. Das eine schließt das andere ja nicht aus. Wenn es in einem Gebäude einen Raum gibt, der eine neue Beschichtung benötigt, muss das nicht im gesamten Haus passieren, wenn in anderen Räumen das Pflegen bestens funktioniert.

Inzwischen werden immer mehr werkseitig beschichtete Bodenbeläge verlegt, sodass das Problem langsam kleiner wird. Doch es ist noch immer vorhanden, sodass es sich lohnt, vom Beschichten zum Pflegen überzugehen. Nur bei den gerne verlegten strukturierten Vinylböden ergeben sich Herausforderungen, doch das ist ein anderes Thema.

Auch für Parkett eine Lösung

Das Pflegen und Erhalten funktioniert übrigens nicht nur bei Beschichtungen. Ein Beispiel aus der Praxis: ein Stäbchenparkett in einer ­Mensa mit täglich Hunderten Besuchern. Die Belastung war besonders vor der Essensausgabe extrem hoch. Die Optik verschlech­terte sich schon nach wenigen Wochen enorm und nach jeweils drei bis fünf Jahren wurde geschliffen beziehungsweise der Boden ausgetauscht. Schließlich ­wurde schon in der Ausschreibung dafür gesorgt, dass das Parkett zu pflegen und – besonders vor der Essensausgabe – einmal wöchentlich mit einem pflegenden Produkt zu cleanern ist. Inzwischen wird das im Objekt seit mehr als 15 Jahren so gemacht und das Parkett sieht noch immer aus wie neu. Der Aufwand ist kaum höher als bei der normalen Unterhaltsreinigung und eine Routine geworden.

Andreas Carl | heike.holland@holzmann-medien.de

Andreas Carl - © privat

Andreas Carl

ist Gebäudereinigermeister und selbststän­diger ­Berater in Nürnberg – rund um die Themen Reinigung und Hauswirtschaft. Ein Schwerpunkt dabei ist die Reinigung in Krankenhäusern und Senioren­einrichtungen.