Neue Steuergesetze – neue Strategien Wie reagiert die Branche auf die geänderten Vorschriften?

Seit Jahresbeginn ist die Unternehmensteuerreform in Kraft. Einige der Änderungen (siehe dazu Seite 55 und 56) fordern neue Strategien. Wir wollten von Dienstleistern und Zulieferern wissen, wie sie die neue Situation bewerten und wie sich ihre Unternehmen darauf einstellen.

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    Henrik Trenkel, Verkaufsleiter Columbus Reinigungsmaschinen.
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    Hans-Leo Fernschild, Segment Marketing Manager Institutional Central Ecolab Deutschland GmbH.
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    Frank Fischer, Geschäftsführer Mobiloclean Handelsgruppe.
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    Thomas Schmitz, Geschäftsführer NBRG Gebäudereinigung.
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    Dipl. Kfm. Nick Fabian Hauto, Geschäftsführer NR Neue Raumpflege GmbH & Co. KG.

Wie reagiert die Branche auf die geänderten Vorschriften?

Columbus Reinigungsmaschinen, Henrik Trenkel

Es ist natürlich ärgerlich, dass die aktuelle Unternehmensteuerreform den Firmen keine Auswahl mehr zwischen degressiver und linearer Abschreibung bietet und die Sofortabschreibung auf nur 150 Euro begrenzt. Glücklicherweise ist unser Topsauger ST 7 mit 149 Euro davon nicht betroffen. Bislang konnten wir keine negativen Auswirkungen im Investitionsverhalten unserer Kunden feststellen. Ich halte es für sehr unwahrscheinlich, dass sie sich künftig in Zurückhaltung üben. Benötigt ein Dienstleister eine Reinigungsmaschine, wird er sich auch eine zulegen – ob er sie nun kauft, least oder mietet. Für niemanden ist es wirtschaftlich tragbar, sich per Hand in die Steinzeit zurückzuwischen! Die Kunden werden in Zukunft bei der Auswahl eines anzuschaffenden Reinigungsgerätes noch genauer hinschauen und sorgfältig Vor- und Nachteile abwägen. Da bei unseren Geräten das Preis-Leistungs-Verhältnis optimal ist, profitieren sowohl unsere Kunden als auch wir von dieser Entwicklung. Zudem bieten wir Interessenten günstige Kaufalternativen wie etwa flexible Mietlösungen und Leasingangebote an, die verursachungsgerecht verbucht werden können.

Ecolab Deutschland GmbH, Hans-Leo Fernschild

Aus unserer Sicht führt der Wegfall der Bewertungsfreiheit für geringwertige Wirtschaftgüter zu einschneidenden Veränderungen bei der finanziellen Flexibilität, verbunden mit einem deutlich erhöhten bürokratischen Verwaltungsaufwand. Bedenklich ist bei dem geänderten Unternehmensteuergesetz besonders, dass die Abschreibungsdauer von geringwertigen Wirtschaftsgütern (150 Euro bis 1.000 Euro) auf fünf Jahre fixiert und dadurch von der tatsächlichen Nutzungsdauer des Produktes (z.B. Staubsauger, Reinigungswagen oder Computer) vollständig entkoppelt wurde.

Eine Restabschreibung aufgrund von Verkauf, Verlust oder Beschädigung ist ab sofort nicht mehr zulässig. Neben einem günstigen Preis werden daher zukünftig vor allem Qualität und Werterhalt eine entscheidende Rolle spielen.

Denn wer möchte schon gerne einen Reinigungswagen oder Sauger, der bereits nach einem Jahr Nutzungsdauer verschliessen ist und nicht mehr funktioniert, für weitere vier Jahre abschreiben?

Mobiloclean Handelsgruppe, Frank Fischer

Die geänderte Steuergesetzgebung ist in den Köpfen nicht angekommen, noch nicht. Der Mehrzahl unserer Kunden ist nicht bewusst, dass sie ihr bisheriges Einkaufsverhalten überdenken müssen. Das Thema ist noch nicht allen geläufig und deshalb denken nur wenige weiter. Auch wir haben mit unseren Herstellern bislang nicht ausreichend darüber gesprochen.

Die Auswirkungen sind größer, als man auf den ersten Blick annimmt. Ein Umsteuern der operativen Entscheidungen erscheint notwendig und sinnvoll. Sicherlich werden unsere Kunden in der zweiten Hälfte des Jahres die neuen Möglichkeiten bei ihren Entscheidungen berücksichtigen.

Es ist denkbar, dass Produkte knapp über 1.000 Euro gekauft werden, um auf die kürzere Nutzungsdauer von drei Jahren abzuschreiben. Die Pool-Regelung kann andererseits genutzt werden, um längere Abschreibungsdauern deutlich auf fünf Jahre zu verkürzen. 2008 kann es daher zu Investitionsanreizen kommen. In diesem Thema liegen Chancen für alle. Wir als bundesweit tätige Gruppe von Fachgroßhändlern werden unseren Kunden im Rahmen unserer Beratungstätigkeit Vorschläge unterbreiten, wie sie die eigentlich gegen die Unternehmer gerichtete Steueränderung positiv nutzen können.

NBRG Gebäudereinigung, Thomas Schmitz

Die zum 1. Januar 2008 in Kraft getretene Steuerreform bezüglich geringwertiger Anlagegüter wird das Investitionsverhalten unserer Firma nicht wesentlich, aber doch in Teilen beeinflussen. Waren bis zum 31. Dezember 2007 zumindest Bürstsauger, Wassersauger oder auch größere Systemwagen noch im Rahmen der 410 Euro zu beschaffen, so ist dies mit der Senkung der Grenze auf 150 Euro netto nahezu unmöglich geworden.

Die Großen unserer Branche mögen mit entsprechenden Rahmenverträgen noch das eine oder andere anschaffen können und dabei unter 150 Euro bleiben. Firmen unserer Größe, also der klassische Mittelstand und kleiner, haben nicht die dafür erforderlichen Abnahmemengen und damit auch nicht die Konditionen der Großen.

Als Möglichkeiten der Einflussnahme bleibt letztendlich nur die Anschaffung billigerer Geräte, vorzugsweise aus Fernost. Eine andere Möglichkeit wäre zu versuchen, die Standzeiten von Geräten zu verlängern. Sei es durch vermehrtes und umfangreicheres Überholen von Saugern oder auch das Aufarbeiten von Systemwagen. Unbefriedigend ist sowohl die eine wie auch die andere Lösung. Eine besondere Problematik sehe ich in der Übernahme neuer Aufträge. Viele Kollegen werden wie ich in die Lage kommen, dass die Abschreibung der Geräte erheblich länger ist als die Laufzeit des Reinigungsvertrages.

Entweder kalkuliere ich also die volle Abschreibung mit ein und riskiere, dass ich aus Preisgründen den Auftrag nicht erhalte, oder ich sitze nach Ablauf des Vertrages auf Abschreibungen fest, denen die Erwirtschaftung abhanden gekommen ist. Ich denke die Änderung des Gesetzes wird dazu führen, dass die Anschaffung von Geräten deutscher Hersteller abnimmt, da diese in aller Regel um einiges teurer sind als vergleichbare Geräte aus Fernost. Und das ist schade.

NR Neue Raumpflege GmbH & Co. KG, Nick Fabian Hauto

Aus Sicht eines Dienstleisters der Gebäudereinigung werden sich die Investitionsentscheidungen nicht wesentlich verändern. Die Grundausstattung für neue Objekte muss zum System des Dienstleisters passen. Nur bei Investitionen, die nahe der Sofortabschreibungsgrenze sind, kam es gelegentlich zu Anpassungen.

In der Vergangenheit waren das bei uns z.B. Waschmaschinen, die die GWG-Grenze nicht überschreiten sollten. In Zukunft werden es wohl Staubsauger schwer haben, die über der neuen 150-Euro-Grenze liegen.

Im Allgemeinen freuen wir uns natürlich über eine Unternehmensteuerreform, die uns insgesamt entlastet. Auch wenn das degressive Abschreibungsverfahren bei uns zur Anwendung kam und viele Investitionen des täglichen Bedarfs zwischen 150 Euro und 410 Euro liegen und jetzt nicht mehr sofort abgeschrieben werden können, gehen wir davon aus, dass die Unternehmensteuerreform die Belastung senkt. Eine so arbeitsintensive Branche wie die Gebäudereinigung profitiert kaum von der degressiven AfA, wohl aber von den Steuersatzsenkungen.

Schade nur, dass die Gewerbesteuer jetzt nicht mehr als Betriebsausgaben geltend gemacht werden kann, sodass die Steuerentlastung deutlich geringer ausfällt, als auf den ersten Blick vermutet werden könnte.

Peter Hartmann | peter.hartmann@holzmannverlag.de