Wenn die Kakerlaken Polonaise tanzen

»Wer wäre besser geeignet, Hygiene in der Gastronomie und im Lebensmittelbereich sicherzustellen, als die Betriebe im Gebäudereiniger-Handwerk?!«

Uwe Büttner | Gebäudereinigermeister, Berater und Sachverständiger für das Gebäudereiniger-Handwerk, Nürnberg

Das Smiley-System nach dänischem Vorbild finden in Deutschland nicht alle zum Lachen. Gar nicht lustig ist aber auch,  dass jährlich jeder vierte besuchte Betrieb von den Lebensmittelkontrolleuren beanstandet wird – ob Restaurant, Bäckerei, Café, Supermarkt oder Fleischerei. Mal sind es Lappa­lien, mal wird billiges Imitat als Edel-Schinken verkauft und mal tanzen in der Küche die Kakerlaken Polonaise. Nicht selten ohne wirkliche Konsequenzen.

Die große Mehrheit der Verbraucher fordert Transparenz über die hygienischen Zustände bei lebensmittelverarbeitenden Betrieben und im Lebensmittelhandel. Selbst Gastronomen, Hoteliers & Co. sprechen sich für eine Veröffentlichung der Ergebnisse von Hygienekontrollen vor Ort aus. Unterstützt wird die Smiley-Initiative seit Langem auch von Promiköchen wie Cornelia Poletto, Johann Lafer, Nelson Müller und der Organisation Foodwatch. Gescheitert ist das Ansinnen bislang am Widerstand von Lobbyverbänden und Politikern. Die Behörden bewahren über die Kontrollergebnisse Stillschweigen. Das ist nicht nur schlecht für uns Verbraucher, sondern auch für all die Betriebe, denen Transparenz wichtig ist. Wer sauber bleibt, ist von den Schmuddelbetrieben nicht zu unterscheiden und hat sogar einen Wettbewerbsnachteil, weil Hygiene und Ehrlichkeit Geld kosten, das sich die Unredlichen sparen.

Hygiene ist absolute Voraussetzung für Qualität und Transparenz, und wer wäre besser geeignet, Qualität und Hygiene sicherzustellen, als die Betriebe im Gebäudereiniger-Handwerk?! Doch da beginnt das Dilemma. Denn zum einen wird der Gebäudereiniger in der Öffentlichkeit nicht zwingend als Hy­giene­dienstleister verstanden (unserer Branche würde in der Außenwirkung ein Smiley-System übrigens auch sehr gut stehen). Zum anderen kommt den Gastronomen bei hygienischen Problemen der Gebäude­reiniger meist überhaupt nicht in den Sinn. Mit zum Teil katastrophalen Folgen. Ich erinnere nur an den Fall einer Großbäckerei in Freising. Selbst der mit der Entwesung (richtig gelesen!) beauftragte Gebäudedienstleister war nicht mehr in der Lage, die Produktionsgebäude wieder in einen hygienisch tragbaren Zustand zu versetzen. Da muss man sich wirklich fragen, was mit unseren Lebensmittelkontroll­systemen nicht stimmt. Würde bei uns endlich das Smiley-System eingeführt, hätte nicht nur der Verbraucher Vorteile. Auch das Gebäudereiniger-Handwerk würde Kunden gewinnen, denen Sauberkeit, Transparenz, Qualität und Image vor Gewinnstreben geht. Einen fairen Qualitätswettbewerb kann es nur geben, wenn der Kunde weiß, wie sauber und ehrlich ein Gastronomie-/Lebensmittelbetrieb arbeitet. Und zur Sauberkeit könnte auch unsere Branche ein ordentliches Quäntchen beitragen! 

Uwe Büttner