»Fast jeder zweite Ausbildungsvertrag im Gebäudereiniger-Handwerk wird vorzeitig gelöst. Das ist nicht nur eine bildungspolitische Herausforderung.«
Auf Ausbildungsmessen und in Schulen werben, Praktika anbieten, Tage der offenen Tür ausrichten, in sozialen Netzwerken aktiv werden, Kinder von Mitarbeitern ansprechen, vielleicht sogar an Nachwuchs aus dem Ausland oder Teilzeit-Azubis denken: Wer jetzt noch nicht in Bewegung gekommen ist, könnte leer ausgehen im Ausbildungsjahr 2015. Lehrlinge zu finden, ist im Gebäudereiniger-Handwerk schwierig genug. Umso schlimmer, wenn die dann auch noch das Handtuch werfen. Fast jeder zweite Ausbildungsvertrag im Gebäudereiniger-Handwerk (46,2 Prozent) wird laut Berufsbildungsbericht 2014 vorzeitig gelöst – ein überdurchschnittlich schlechter Wert. Nur in wenigen Berufen fällt die Abbruchquote höher aus – bei Köchen zum Beispiel (48,4 Prozent) oder bei Restaurantfachleuten (50,7 Prozent). Das ist nicht nur eine bildungspolitische Herausforderung.
Es lässt sich nicht schönreden: In fast jedem zweiten Fall geht Ausbildung schief im Gebäudereiniger-Handwerk. Da müssen bei Betriebsinhabern und Ausbildern die Alarmglocken klingeln. Zwar ist nicht jeder Abbrecher für die Branche verloren. Ein Teil der Unzufriedenen sucht sich erfahrungsgemäß einen anderen Betrieb. Für die betroffenen Unternehmen ist das aber kein Trost. Denn sie haben den Ärger und müssen damit rechnen, den Ausbildungsplatz nicht so schnell oder gar nicht wieder besetzen zu können.
Falsche Vorstellungen, mangelndes Durchhaltevermögen, vielleicht auch schiefe Blicke im Freundes- und Bekanntenkreis, wenn die Sprache auf das Thema Gebäudereinigung kommt – all das mag bei Ausbildungsabbrüchen eine Rolle spielen, doch vergessen darf man nicht: Einer der Hauptgründe für Azubis ist laut Bundesinstitut für Berufsbildung die Qualität der Ausbildung. Ein anderer wichtiger Grund: Konflikte mit Chef und Ausbildern.
Was auch immer die Ursachen im Einzelfall sind: Angesicht der hohen Vertragslösungsquote im Gebäudereiniger-Handwerk kann es nicht schaden, auch die Ausbildungsbedingungen in Betrieb und Schule in den Blick zu nehmen. Was lässt sich verbessern? Wird den Lehrlingen wirklich alles beigebracht, was sie als Gesellen wissen müssen? Werden sie ausreichend angeleitet? Sind Überstunden ein Dauerzustand? PSA und Arbeitssicherheit selbstverständlich? Fühlen sich die Lehrlinge im Betrieb wohl? Nur wer auf solche und ähnliche Fragen befriedigende Antworten hat, wird im Wettbewerb um Azubis und damit auch um Fachkräfte auf Dauer erfolgreich sein. Autos für den Nachwuchs, Zuschüsse zum Führerschein, Smartphones – alles schön und gut. Die Qualität der Ausbildung darf aber nicht auf der Strecke bleiben.
Heike Holland
