»Versuchen Sie, weiterzudenken!«
Was die Dampflok mit Reinigung zu tun hat
Technische Neuerungen werden seit jeher skeptisch beäugt - und das ist noch die geringste Ausprägung einer negativen Einstellung allem Neuen gegenüber.
Als die ersten Eisenbahnen Mitte des 19. Jahrhunderts, angetrieben von einem Feuer und Rauch speiendem Ungetüm, auf schwindelerregende Geschwindigkeiten von 50 bis 60 km/h beschleunigten, brach unter den ersten Passagieren Panik aus. Bald waren die meisten Menschen davon überzeugt, solch unglaubliche Geschwindigkeiten könnten der Gesundheit kaum zuträglich sein. Meist fällt mir diese Anekdote auf der Strecke Frankfurt-Köln ein, wenn ich mit 280 km/h über Brücken und durch Tunnel rasend meinem nächsten Termin entspannt entgegengleite.
Als Henry Ford zu Beginn des 20. Jahrhunderts von einem Auto für jedermann träumte, einem Massenprodukt, wurde er belächelt und verspottet: Welcher normale Mensch brauche denn ein eigenes Auto, und wofür überhaupt? Wie wenig absurd Henry Fords Idee war, beweist unsere Gesellschaft, die auf absolute Mobilität fokussiert ist.
Aber man braucht nicht in die (zeitliche) Ferne zu schweifen: Ich kann mich noch gut an die Diskussionen vor knapp anderthalb Jahrzehnten erinnern, als wir alle ins neue Jahrtausend aufbrachen und Telekommunikationskonzerne für die ersten UMTS-Lizenzen zweistellige Milliardenbeträge „über die Theke“ schoben. Den Finanzminister hat’s gefreut, die meisten anderen schüttelten ungläubig den Kopf. Nur die größten Visionäre - wenn überhaupt - konnten sich ausmalen, was man denn mit einem Breitbandzugang für ein Mobiltelefon soll. Nun, man braucht heute nur in einem Lokal oder einem öffentlichen Verkehrsmittel seine Nachbarn (und sich selber!) zu beobachten.
Wenn Sie übrigens an solchen Geschichten über technische Meilensteine und deren Rezeption zur jeweiligen Zeit interessiert sind: Es gibt etliche Bücher darüber. Gehen Sie doch einfach mal schnell mit Ihrem Smartphone auf amazon.de und legen sich solch ein Buch zu. Vielleicht liefert Jeff Bezos’ Konzern ja bis dahin mit einer Drohne.
Und wenn Sie nun im Flugzeug Ihrem nächsten Termin entgegenrasend diese Zeilen auf Ihrem Tablet lesen und sich fragen, was das alles mit Reinigung zu tun hat, dann wischen Sie jetzt bitte einige Seiten zurück oder geben einfach in die Volltextsuche „Roboter“ ein. Dann erfahren Sie, dass bereits in fünf Jahren die Büroreinigung von Robotern übernommen werden könnte - und das wäre erst der Anfang der technischen Entwicklung! Finden Sie das etwa erschreckend? Dann fragen Sie mal in 20 bis 30 Jahren Ihre Kinder oder Enkel, wie diese das sehen.
Denken Sie das mal zu Ende. Oder vielmehr: Versuchen Sie, weiterzudenken!
Markus J. Targiel
