Ob manuell oder maschinell präpariert: Das Arbeiten mit vorgetränkten Wischbezügen und Reinigungstüchern statt mit Doppelfahreimer und Presse macht vieles einfacher für den Gebäudedienstleister und die Reinigungskräfte vor Ort. Was dabei zu beachten ist.

Das einstufige Nasswischen mit vorgetränkten Bezügen ist im Reinigungsergebnis vergleichbar mit dem des zweistufigen Nasswischens. Wegen der Präparation der Reinigungstextilien entfallen jedoch das Ausspülen, das kräftezehrende Auspressen und das Tränken der Reinigungstextilien im Eimer sowie die zweite Stufe, das Nachtrocknen. Dadurch entsteht eine erhebliche Zeitersparnis. Diese moderne Reinigungsmethode ist nicht nur effizient, sie schützt auch die Haut der Reinigungskräfte bei Feuchtarbeit, weil der Kontakt mit Reinigungslösung minimiert wird.
Gebrauchsfertig auf dem Wagen
Die vorgetränkten Reinigungstextilien befinden sich in speziellen Boxen auf dem Reinigungswagen. Gestapelt passen meistens zehn Wischbezüge in die rechteckigen Plastikboxen. Um eine gleichmäßige Flüssigkeitsverteilung zu gewährleisten, sollten die Boxen mit dem Deckel nach unten transportiert und erst bei Gebrauch umgedreht werden. Spezielle Reinigungswagen, die den Abmessungen der Boxen entsprechen und für diese konstruiert sind, gibt es inzwischen in unterschiedlichen Größen auf dem Markt.
Die Bezüge oder auch Tücher werden aus den Boxen genommen, benutzt und nach Gebrauch in den Wäschesack abgeworfen. Die Feuchtigkeitsabgabe eines präparierten Bezuges reicht bei normaler Verschmutzung für rund 20 bis 25 Quadratmeter. Die meist schon vorgefalteten Tücher werden je nach den abzuwischenden Flächen aus hygienischen Gründen gewechselt. Die Methode ist auch im Gesundheitswesen einsetzbar, um Keimverschleppungen zu vermeiden.
Zwei Wege führen zum Ziel
Die Präparation der Reinigungstextilien kann auf zwei Arten erfolgen. Unterschieden werden die maschinelle und die manuelle Aufbereitung.
Maschinelle Präparation: Die maschinelle Aufbereitung ist komfortabel, weil das Programm der Waschmaschine alle Arbeitsschritte übernimmt. An die professionelle Maschine angeschlossen ist ein Dosiersystem. Mittels Dosierpumpen werden die Chemikalien zum Waschen der Reinigungstextilien und danach die entsprechende Menge an Wasser sowie Reinigungsmittel oder Desinfektionsreiniger exakt zugegeben. Dosierfehler können nicht entstehen.
Die Menge an Reinigungslösung, die in den präparierten Bezügen zurückbleiben soll, wird vom Waschmaschinentechniker oder Anwendungstechniker der Chemikalien-Zulieferindustrie nach Bedarf einmal eingestellt, ständig überprüft und ist als Programm jederzeit abrufbar. Der arbeitstägliche Bedarf an präparierten Reinigungstextilien wird der Maschine entnommen und in die Plastikboxen eingeräumt. Meist erfolgt dies abends nach der Unterhaltsreinigung. Am nächsten Tag werden die vorbereiteten Textilien verbraucht und aufbereitet. So können Verkeimungen der Wischbezüge und Reinigungstücher vermieden werden.
Manuelle Präparation: Nach dem Waschen der Wischbezüge oder Tücher wird die entsprechende Zahl trockener Textilien in eine Moppbox gestapelt und mit Reinigungslösung übergossen. Je nach Saugfähigkeit der Textilmaterialien werden pro Wischbezug etwa 300 bis 500 Milliliter Reinigungs- beziehungsweise Desinfektionsreinigerlösung gebraucht. Bei Reinigungstüchern rechnet man zwischen 30 und 50 Milliliter pro Stück. Für die Herstellung der Reinigungslösung sind die Mitarbeiter zuständig, sodass es wichtig ist, sie in der Dosierung zu schulen. Um eine gleichmäßige Verteilung der Reinigungslösung bei der manuellen Präparation zu erzielen, kann mit einem Siebaufsatz auf der Box gearbeitet werden. Die auf das Sieb geschüttete Lösung verteilt sich wie bei einer Gießkanne. Auch bei der manuellen Präparation wird die arbeitstägliche Menge an Bezügen und Tüchern vorbereitet und in Boxen gelagert – aus hygienischen Gründen nicht länger als einen Tag.
Entscheidend ist die Gröẞe des Objekts
Die Entscheidung, ob die manuelle oder maschinelle Präparation vorzuziehen ist, wird in der Regel von der Größe des Objektes bestimmt. Gibt es vor Ort schon eine Waschmaschine, kann geprüft werden, ob sie umrüstbar ist oder ob es sich rechnet, sie auszutauschen.
Bei einem arbeitstäglichen Bedarf ab 100 Bezügen pro Objekt und/oder einem Auftrag zur desinfizierenden Unterhaltsreinigung ist es auf Dauer wirtschaftlicher, eine Maschine zu installieren. Die Zeitersparnis gegenüber dem zweistufigen Verfahren ist erheblich, die Dosierfehlerquote bei der desinfizierenden Reinigung geht gegen null.
Bei einer Umstellung muss sichergestellt sein, dass auch die Reinigungswagen für die Boxen geeignet sind. Es gibt am Markt unterschiedliche Systeme. Die rechteckigen Boxen sollten einen dicht schließenden Deckel haben und stapelbar sein. Bei manchen Herstellern haben die Boxen einen gewölbten Boden, was das Einführen des Breitwischgerätes erleichtert.
Was bei der Umstellung zu bedenken ist
Weitere Kosten bei einer Umstellung auf vorgetränkte Reinigungstextilien entstehen durch die Anschaffung von (zusätzlichen) Bezügen und Tüchern. Für diese Methode eignen sich am besten Mikrofaserbezüge und -tücher. Im Vergleich zu Reinigungstextilien aus Baumwolle geben sie bei der Reinigung die Feuchtigkeit und beim anschließenden Waschen den Schmutz besser ab. Berücksichtigt werden muss auch, dass durch den höheren Bedarf an Bezügen und Tüchern die Waschkosten entsprechend steigen. Das Personal muss bei einer Umstellung zudem in die neue Methode eingeführt werden.
Vortränken im Objekt oder im Betrieb?
Bei kleineren Objekten, die bisher schon mit gewaschenen, trockenen Bezügen von den Objektleitungen beliefert werden, lohnt sich die Investition in eine Waschmaschine vor Ort nur selten. Die manuelle Aufbereitung kann in einem solchen Fall von einer geschulten Arbeitskraft bereits im Betrieb durchgeführt werden, wenn die Reinigungstextilien dort arbeitstäglich abgeholt werden.
Erfolgt die Aufbereitung im Objekt selbst, muss das Personal dort ebenfalls unterwiesen sein, um Dosierfehler zu vermeiden. Auch in kleinen Objekten gilt es zu berücksichtigen, dass die Boxen eventuell mit Fahrgestell und eine höhere Zahl an Bezügen benötigt werden. Doppelfahreimer mit Pressen sind im Gegenzug überflüssig. Auch in kleinen Objekten kann es durch die Zeitersparnis, das gute Reinigungsergebnis und den verbesserten Arbeitsschutz durchaus lohnenswert sein, auf vorgetränkte Reinigungstextilien umzustellen.
Maẞnahme gegen Keimverschleppung
In Krankenhäusern, Sanatorien, Rehabilitationskliniken oder Alten- und Pflegeheimen sind bei der Reinigung Keimverschleppungen zu vermeiden. Durch die Verwendung je eines präparierten Wischbezugs pro Zimmer beziehungsweise Sanitärbereich sowie mehrerer Reinigungstücher für Griffbereiche, Oberflächen, Waschbecken und Toilettenbereich kann eine Keimverschleppung innerhalb des Raumes und von Zimmer zu Zimmer unterbunden werden. Das Robert-Koch-Institut verlangt jedoch in seinen Empfehlungen, dass das Verfahren und damit die Waschmaschine gemäß DIN 13063 [148] zu validieren ist.
Bei der Anschaffung von Waschmaschinen oder Dosiergeräten für Einrichtungen im Gesundheitswesen ist deshalb darauf zu achten, dass die Maschinen validiert sind und dass der Maschinenhersteller in den geforderten Zeitabständen eine erneute Überprüfung der Maschinen anbietet. Denn es muss ausgeschlossen werden, dass ein Dosierfehler, eine Kontamination oder eine Beeinträchtigung der Desinfektionswirkung zum Beispiel durch eine Reaktion von anionischen und kationischen Tensiden (Seifenfehler) erfolgt. Das bedeutet jedoch im Umkehrschluss, dass die maschinelle Ausrüstung von Reinigungstextilien in Objekten des Gesundheitswesens nur mit entsprechend geprüften Maschinen möglich ist.
Die Wischmethode mit präparierten Reinigungstextilien ist auch für die Reinraumreinigung geeignet. Entsprechende Reinigungswagen und Boxen aus Edelstahl sind am Markt erhältlich. Sie sind chemisch und auch thermisch desinfizierbar und so konstruiert, dass sie wenig Partikel in Reinräumen abgeben.
Dem Kostendruck entgegenwirken
Durch die Umstellung auf die Arbeit mit vorgetränkten Wischbezügen und Reinigungstüchern kann dem Kostendruck entgegengewirkt werden und das Personal hinsichtlich des Arbeits- und Gesundheitsschutzes entlastet werden. Wichtig bei einer Umstellung sind auch in diesem Fall die Kostenanalyse und das Mitnehmen und Instruieren des Reinigungspersonals.
Claudia Liersch | heike.holland@holzmann-medien.de
Claudia Liersch
ist Lehrerin an der Gewerblichen Schule Metzingen. Sie unterrichtet seit vielen Jahren Gebäudereiniger-Auszubildende und -Meisterschüler.
