Lang- oder kurzflorig, Velours und Schlingenware, gewebt oder getuftet: Die Vielfalt bei textilen Bodenbelägen ist groß. Mit welchen Verfahren und Methoden sind sie bestmöglich zu reinigen? Und was gilt für die punktuelle Fleckentfernung? Ein Überblick.

Der Anteil der textilen Beläge an allen verlegten Böden beträgt zwar gerade einmal rund 20 %. Nutzer fühlen sich in Räumen mit Teppichboden allerdings häufig wohler. Das liegt sicherlich zum einen an der Tritt- und Schalldämmung – anders als glatte Bodenbeläge reflektieren Teppichböden die Umgebungsgeräusche nicht, sondern schlucken sie weitestgehend. Zum anderen erhöhen textile Beläge das Gefühl von Wärme und Wohlbehagen. Weil die gefühlte Temperatur in Räumen mit Teppichen um etwa zwei Grad höher liegt als in Räumen mit glatten Böden, lassen sich laut Europäischer Teppich-Gemeinschaft mit textilen Belägen sogar Heizkosten sparen. Teppich rein und die Heizkosten purzeln? Klingt gut, ist aber nur die halbe Wahrheit. Denn zu den Unterhaltskosten zählen bei Bodenbelägen die Reinigung, Wartung, Reparatur und die angenommene Nutzungsdauer der Beläge.
Textile Beläge: Der Aufwand ist hoch
Und dabei gilt: Teppichböden reagieren empfindlich auf mechanische und andere Belastungen. So entstehen zum Beispiel Laufstraßen, und die Optik leidet bei verschütteten Getränken wie Kaffee, Tee oder Fruchtsaft. Bei glatten Bodenbelägen lassen sich diese Verunreinigungen allein durch tägliches Nasswischen rückstandslos beseitigen. Bei Teppichböden ist der Aufwand um ein Vielfaches höher. Flecken müssen entweder täglich detachiert oder in regelmäßigen Abständen mit einem Sprühextraktionsgerät oder im Pad-Bonnet-Verfahren zwischengereinigt werden. Das kostet Zeit beziehungsweise Geld und birgt zudem das Risiko, dass der Teppichboden oder die Verklebung durch die Detachur oder Sprühextraktion Schaden nehmen. Laut Definition der Reinigungsverfahren des Bundesinnungsverbands des Gebäudereiniger-Handwerks (BIV) gehört die Fleckenentfernung zu den laufenden Arbeiten der Unterhaltsreinigung. Dabei sind täglich alle Flecken zu entfernen, jedoch in der Summe nicht mehr als 1 dm2 von 100 m² der täglichen Reinigungsfläche.
Auf den ersten Blick ist das eher kein Pluspunkt für Teppichböden. Doch es gibt sehr große Unterschiede, was Anschmutzung, Nutzungsdauer, Reinigungsfähigkeit sowie Tritt- und Schalldämmung der Beläge betrifft, und das sogar bei gleicher Machart. Da das Saugen im Vergleich zum Nasswischen etwa ein Drittel schneller geht, fallen die Unterhaltskosten bei Teppichböden auf den ersten Blick vermeintlich geringer aus – allerdings nur, wenn man bei der Rechnung die tägliche Fleckentfernung nicht berücksichtigt.
Die Vielfalt ist groẞ
Teppichböden können grob nach lang- und kurzflorig, Velours oder Schlingenware, Kugelgarn oder Nadelvlies, gewebt, getuftet oder beflockt unterschieden werden. Je nach Machart haben die Beläge unterschiedliche Nutzungseigenschaften und müssen zum Teil auch mit unterschiedlichen Verfahren unterhaltsgereinigt werden.
Aufgebaut ist ein Teppichboden in der Regel immer in mehreren Schichten: der oberen Nutzschicht (Flor), der Trägerschicht (Pol) und einer Rückenschicht aus zum Beispiel Styrol-Butadien-Schaum, Polyurethan, Naturlatex, Bitumen oder einem Textil aus Synthetik- oder Pflanzenfasern. Träger- und Nutzschicht können aus natürlichen und synthetischen Fasern bestehen, auch eine Mischung verschiedener Fasern ist möglich. Synthetische Fasern sind zum Beispiel Polyester, Polyacryl, Polyamid, Polypropylen oder auch Zellwolle und Viskose. Bei den natürlichen Fasern sind Pflanzenfasern – Sisal, Baumwolle, Hanf, Flachs, Kokos oder Jute – ebenso möglich wie tierische Fasern aus Wolle oder Seide.
Kurzvelours: Mit Bürstsauger reinigen
Der wohl bekannteste Teppichboden ist neben der Schlingenware der Kurzvelours-Textilbelag. Velours wird auch Schnittflor genannt. Die aufgeschnittenen Schlingen bilden eine dichte Faseroberfläche mit einer Höhe von bis zu 1,5 cm. Da Veloursteppiche aus offenen Fasern bestehen, sollten sie mit einem Bürstsauger gereinigt werden. Die Mechanik der Bürsten befördert den tiefliegenden Schmutz an die Flor-Oberfläche, wo sie vom Bürstsauger aufgenommen werden.
Langflorigen Velours vakuumsaugen
Langflorige Veloursbeläge mit einer Höhe von bis zu 5 cm finden sich – zum Glück für den Gebäudereiniger – eher selten, und das überwiegend in Vorstandsetagen oder SPA-Einrichtungen und exklusiven Hotels. Ein Langflorbelag darf im Vergleich zum kurzflorigen Belag nicht mit dem Bürstsauger gesaugt werden. Die langflorigen Teppichfasern würden sich in den rotierenden Bürstenwalzen verfangen und aus dem Trägermaterial gerissen werden. Daher dürfen langflorige Teppichbeläge nur mit einem Vakuumsauger gereinigt werden.
Frisé ist eine Unterart des Veloursteppichs, bei der das Garn spiralförmig stark in sich verdreht ist – in kurz- oder langfloriger Ausführung. Es handelt sich um Teppichbeläge aus Schlingenware. Die Schlingen sind geschlossen und nicht wie bei Velours aufgeschnitten. Dadurch sind sie belastbarer und Begehspuren werden nicht so schnell sichtbar wie bei Veloursbelägen. Schlingenbeläge werden wie kurzfloriger Velours mit einem Bürstsauger gereinigt.
Bouclé besteht ebenfalls aus Schlingen, allerdings in unterschiedlicher Florhöhe. Das verleiht dem Bouclé eine besondere Optik und Strapazierfähigkeit. Wegen der unterschiedlichen Florhöhe ist zum Reinigen dieser Belagsart ein Bürstsauger am besten geeignet. Zur Not geht aber auch ein Vakuumsauger.
Nadelvlies: stabil und langlebig
Ein weiterer oft verlegter Teppichboden ist der Nadelvlies. Nadelvliesbeläge werden als Rollenware, aber oft auch als Teppichfliesen verlegt. Die Wolle für Nadelvlies-Böden wird mithilfe spezieller Nadeln in das Trägermaterial genadelt und mit Bindemittel fixiert, sodass sich die einzelnen Fasern ineinander verhaken und durch das Bindemittel eine strapazierfähige geschlossene Oberfläche entsteht. Das Material ist nicht nur stabil und langlebig, sondern auch schwer entflammbar und hat eine geringe elektrostatische Aufladung. Nadelvlies-Beläge werden oft in Büro- und EDV-Räumen verlegt, da sie sich nur in geringem Maß elektrostatisch aufladen. Nadelvlies kann im Allgemeinen mit einem geeigneten Bürstsauger – die Höhe der Bürste muss einstellbar sein – gereinigt werden.
Kugelgarn-Teppichbeläge bestehen aus gesponnenen Garnen, die zu Faserkugeln mit Durchmessern zwischen 2 und 6 mm geformt und stark verdichtet werden. Als Garne werden wie bei den meisten Teppichbelägen synthetische Fasern aus Polyamid, Polypropylen oder Polyamid und Polyester verwendet. Nach der Verdichtung werden die Faserkugeln wie bei Nadelvlies mit Bindemittel verklebt. Auch Kugelgarn-Beläge sollten mit einem Bürstsauger gereinigt werden.
80 Millionen Fasern pro Quadratmeter
Der beflockte Textilbelag steht in Sachen Nutzungseigenschaften und Haltbarkeit einem PVC- oder Fliesenbelag in nichts nach. Beflockte Textilbeläge bestehen aus Fasern, die es aufgrund ihrer Machart und Verarbeitung in sich haben. Die Zahl der Fasern liegt bei rund 80 Mio. pro m2. Diese enorme Faserdichte sorgt dafür, dass der Bodenbelag nahezu unzerstörbar ist. Durch den Aufbau – eine wasserdichte Trägerschicht aus Vinyl und eine stabilisierende Glasfasermatte, auf der die Fasern mit einem speziellen Verfahren senkrecht aufgeklebt werden – ist der beflockte Textilbelag extrem widerstandsfähig und vielseitig einsetzbar. Durch seine hohe Abriebfestigkeit eignet er sich für alle hochfrequentierten und mechanisch stark beanspruchten Bereiche. Zudem ist der Belag auch mit antibakterieller Ausrüstung erhältlich und daher auch prädestiniert für den Einsatz in hygienerelevanten Einrichtungen. Ein beflockter Textilbelag ist pflegeleicht, langlebig und verzeiht seinen Nutzern nahezu alles. Bei Beschädigung oder optischen Beeinträchtigungen kann er punktuell ansatzlos ausgebessert werden. Wegen der hohen Faserdichte und des kurzen Flors (rund 5 mm) muss bei der Unterhaltsreinigung ein leistungsstarker Bürstsauger eingesetzt werden.
Sprühextraktion oder Garnpad?
Als Zwischenreinigungsverfahren bieten sich für all diese unterschiedlichen Teppichbodenbeläge die Sprühextraktion sowie das Garnpad-Verfahren an. Beim Garnpad-Verfahren wird eine Einscheibenmaschine (max. 150 U/min.) oder eine Oszillationsmaschine mit einem mit Reinigungslösung getränkten saugfähigen Mikrofasergarnpad eingesetzt. Die Bodenoberfläche wird in gleichmäßigen Bahnen mit einer 50%-igen Überdeckung abgefahren. Durch das Zusammenspiel aus Mechanik von Einscheibenmaschine, Mikrofaser und Reinigungslösung (am besten tensidfrei) werden die Verunreinigungen an der Teppichoberfläche gelöst und vom Garnpad aufgenommen. Alsdann wird das Garnpad mit klarem Wasser ausgewaschen, erneut mit Reinigungslösung getränkt und der nächste Teilabschnitt abgefahren.
Keine Trocknungszeit erforderlich
Die Reinigungsleistung des Garnpads bei zweiseitiger Nutzung beträgt in der Praxis je nach Verschmutzungsintensität etwa 50 bis 200 m². Der Vorteil dieser Methode ist, dass die Teppichoberfläche eine bis zwei Stunden nach der Reinigung wieder begangen werden kann. Anders bei der Sprühextraktion.
Dabei wird unter Druck (etwa 3 bar) die Reinigungslösung mit der Sprühlanze bis tief in die Polschicht des Teppichbodens gesprüht und ansatzlos wieder abgesaugt. Dadurch benötigt der Belag nach der Sprühextraktion eine gewisse Trocknungszeit – die Spanne kann zwischen sechs Stunden und einem Tag liegen. Diesen Nachteil macht das Verfahren dadurch wett, dass auch Verschmutzungen wie Sand oder Staub überwiegend entfernt werden. Beide Methoden können auf allen Textilbelägen angewendet werden. Bei Nadelvlies entsteht bei der Sprühextraktion allerdings nur ein geringes Vakuum und beim Garnpad-Verfahren könnten durch die starke Reibungsmechanik Fasern aus der Bindeschicht gerissen werden.
Grundreinigung: Mit Spezialshampoo
Bei der Grundreinigung werden Textilbeläge mit einer Einscheibenmaschine und weicher Shampoonierbürste oder einer Oszillationsmaschine unter Zugabe der Reinigungslösung aus dem Reinigungsflottentank shampooniert. Als Reinigungsmittel können tensidfreie Reiniger oder Teppichshampoo verwendet werden.
Allzweckreiniger sind ungeeignet, da die im Teppich verbleibenden Tenside den Belag verkleben und zu einer erhöhten Wiederanschmutzung führen. Anders ist dies bei Teppichshampoo: Die Reste kristallisieren bei der Trocknung aus und können im Anschluss mit einem leistungsstarken Bürstsauger abgesaugt werden. Das verhindert die erhöhte Wiederanschmutzung.
Die Teppichbodenoberfläche wird beim Shampoonieren ebenfalls in gleichmäßigen Bahnen mit einer 50%-igen Überdeckung langsam abgefahren. Der entstehende Schaum umschließt alle Teppichfasern und dringt bis zur Polschicht durch. Nach einer Einwirkzeit von 5 bis 15 min. wird der Belag ein- bis zweimal mit klarem Wasser sprühextrahiert. Dadurch werden die Reinigungsflotte und der gelöste Schmutz nahezu rückstandslos ausgespült und die Teppichfasern wieder aufgerichtet. Nach einer Trocknungszeit von 8 bis 24 Stunden muss der shampoonierte Boden mit einem leistungsstarken Bürstsauger intensiv gesaugt werden. Dadurch werden die letzten Reste des kristallisierten Teppichshampoos und gelöste Schmutzpartikel entfernt.
Das gilt für die Reinigung von textilen Belägen
Unterhaltsreinigung:
- Bürstsaugen ist effektiver als Vakuumsaugen. Dabei gilt: Hochflorige Teppichböden dürfen nie mit einem Bürstsauger bearbeitet werden.
- Die Fleckentfernung (Detachur) gehört zur Unterhaltsreinigung – allerdings maximal 1 dm² von 100 m² Reinigungsfläche.
Zwischenreinigung
- Vor der Zwischenreinigung (und auch vor der Grundreinigung) muss der textile Belag gründlich gesaugt werden. Die Detachur ist an dieser Stelle obligatorisch (auch wenn der Praktiker häufig erst am Ende der Zwischenreinigung detachiert).
- Durchgeführt wird die Zwischenreinigung üblicherweise mit Hilfe von Sprühextraktion oder im Garnpad-Verfahren.
Grundreinigung
- Eine Grundreinigung textiler Beläge erfolgt grundsätzlich mit einer Einscheiben-, Bürstenwalzen- oder Oszillationsmaschine und anschließender Sprühextraktion.
- Ein tensidfreier Reiniger ist bei der Grundreinigung aufgrund der geringeren Wiederanschmutzung zu bevorzugen.
Eine Sonderstellung bei der Teppichgrundreinigung nimmt der beflockte Textilbelag ein. Durch die spezielle Herstellungsart lassen sich nahezu alle Flecken rückstandslos entfernen. Der Belag ist sehr robust und kann bei einer Grundreinigung mit einem Hochdruckreiniger abgestrahlt oder mit einer Scheuersaugmaschine abgefahren werden. Festanhaftende Verschmutzungen wie Kaugummi oder eingetrocknete Speisereste lassen sich problemlos mit einem Spachtel abschaben, ohne dass der Belag geschädigt wird.
Detachur: Vorsicht bei Spezialchemie
Für die Detachur, die punktuelle Fleckentfernung im Rahmen der Unterhaltsreinigung oder vor der Grund- und Zwischenreinigung, eignet sich die Sprühextraktion mit einem kleinen Sprühextraktionsgerät oder einem kompakten Handnasssauger mit Wassertank.
Für die manuelle Detachur stehen je nach Verschmutzungsart unterschiedliche Reinigungswirkstoffe zur Verfügung. Sie sind nur für den erfahrenen Anwender sinnvoll einzusetzen. Denn um den richtigen Wirkstoff auszuwählen und den Fleck zu entfernen, muss zuerst die Verschmutzung eindeutig identifiziert und dann das passende Detachiermittel gewählt werden. Da dies von Unterhaltsreinigungskräften fachlich nicht zu leisten ist, werden zur Fleckentfernung im Rahmen der Unterhaltsreinigung meist ein tensidfreier Reiniger und ein Mikrofasertuch oder ein Handnasssauger verwendet. Die Detachur mit Spezialchemie bleibt dem erfahrenen Anwender vorbehalten, denn das Schadenspotenzial ist beträchtlich.
Grundsätzlich gilt bei der Detachur: Nie den Fleck verreiben, sondern immer vom äußeren Rand des Flecks nach innen arbeiten. Zudem sollte man äußerst vorsichtig bei der Anwendung von sauren oder bleichendem Reinigungsmitteln sein. Sowohl saure als auch bleichende Reinigungsmittel können die Farbstoffe chemisch zerstören. Einmal das falsche Mittel angewendet und der Fleck ist weg – aber auch die Farbstoffe. Und der Teppich ist ein Versicherungsfall.
Uwe Büttner | heike.holland@holzmann-medien.de
