Von Original und Fälschung

»Ergebnisorientierte Reinigung und Sichtreinigung werden immer wieder vermischt – nicht nur aus Unkenntnis.«

Uwe Büttner | Gebäudereinigermeister, Berater und Sachverständiger für das Gebäudereiniger-Handwerk, Nürnberg

Von Original und Fälschung

Ergebnisorientierte Reinigung ist konsequent und systematisch auf ein zu erzielendes Ergebnis ausgerichtet. Kreative Stilblüte davon ist die kosten- und qualitätsreduzierende Sichtreinigung.

Ergebnisorientierte Reinigung hat die Bedürfnisse des Nutzers im Blick und zielt auf dessen absolute Zufriedenheit. Das bedeutet viel Spielraum für gut geschulte Reinigungskräfte und Individualität für Gebäudenutzer, Transparenz durch Qualitätsabsprachen und Qualitätskontrollen sowie einigen Aufwand für Gebäudereiniger durch Personalschulungen und maßgeschneiderte Abläufe. Zu Beginn gibt es meist noch Reibungspunkte, was zu einer intensiven Kommunikation beider Vertragspartner und zwangsläufig zu einer gemeinsamen Sichtweise führt. Vorausgesetzt, beide Parteien haben die gleiche Auffassung von ergebnisorientierter Reinigung. Hingegen ist Ziel der Sichtreinigung, Kosten zu senken und gerade noch so viel Qualität zu bieten, dass Reklamationen sich in einem für den Auftraggeber erträglichen Maß bewegen. Die Themen Werterhalt und Nutzerzufriedenheit werden ausgeblendet. Mit Folgen: Sichtreinigung stellt eine Anleihe auf die Gebäudesubstanz dar, und der Auftraggeber hat vermutlich Einbußen, da sich seine Mitarbeiter wohl kaum in einem notgereinigten Arbeitsumfeld wohl- und wertgeschätzt fühlen und nicht mehr leisten, als unbedingt erforderlich.

Ergebnisorientierte Reinigung oder Sichtreinigung - welcher Auftraggeber kennt wirklich den Unterschied? Für unseriöse Consulter und ausschreibende Stellen tun sich prächtige Spielwiesen auf. „Super, wir schreiben die Reinigung als Sichtreinigung unter dem Deckmäntelchen der ergebnisorientierten Reinigung aus, merkt ja erst mal keiner, und schwuppdiwupp sparen wir 30 Prozent der Reinigungskosten“, flüstern sich die Beteiligten zu. Die Einsparung wird als Honorar oder Kostenreduzierung verbucht, und somit ist der finanzielle Aufwand für die Ausschreibung gleich null. Das mag in manchen Ohren verlockend klingen, aber bestimmt nicht für den Gebäudereiniger, der dabei ordentlich zur Ader gelassen wird. Erkennbar sind solche Mogelausschreibungen häufig daran, dass ein Reinigungsturnus vorgegeben und einziges Kriterium der Preis ist. Bei der ergebnisorientierten Reinigung hingegen stehen Leistungsniveaus im Mittelpunkt und der Preis ist nicht allein entscheidend. Zwei Definitionen, die eigentlich keinen Deutungsspielraum zulassen und trotzdem immer wieder vermischt werden - aus Unkenntnis, aber auch mit dem Ziel, auf Kosten anderer zu sparen. Ergebnisorientierte Reinigung ist eine exzellente Möglichkeit für alle Beteiligten - wenn es sich denn um das Original handelt.

Uwe Büttner