War Unkrautbeseitigung mit Chemie früher gang und gäbe, sind heute andere, umweltschonende Methoden gefragt. Egal, wofür man sich entscheidet: Die Regelmäßigkeit gibt den Ausschlag darüber, wie effektiv sich Schäden an Gehwegen und Straßen durch Unkraut eindämmen lassen. Wer ein stimmiges Maßnahmenpaket aus Kehren und Mechanik, elektrischer Unkrautbeseitigung und Heißwasser schnürt, schützt die Infrastruktur vor dem sprießenden Grün, ohne der Natur zu schaden.

Um Unkraut an Straßen und Gehwegen bestmöglich zu verhindern, ist bei allen Gegenmaßnahmen die Wachstumskurve der Gräser im Blick zu behalten. In der ersten Wachstumsphase von März bis Mai steigt diese stark an, wohingegen in den heißen Sommermonaten kaum Wachstum zu verzeichnen ist. Danach folgen eine zweite Wachstumsphase im Herbst und eine Winterruhe, die abhängig von den Temperaturen mehr oder weniger lange dauert.
Soll die Ausbreitung von Unkraut dauerhaft verhindert werden, ist regelmäßiges Kehren zur Prävention unerlässlich. Denn mit einer Saugkehrmaschine lassen sich nicht nur Staub und Schmutz entfernen, die in Kombination mit Regenwasser einen guten Nährboden für Pflanzen bieten, sondern auch die Samen selbst. Während der Wachstumsphasen sind acht Arbeitsdurchgänge mit einer Saugkehrmaschine empfehlenswert, in der Pollenflugphase können sich sogar tägliche Einsätze lohnen. Verfügt die Saugkehrmaschine über Kunststoff-, Stahlkunststoff- oder Stahlbürsten, lockern sie die Unkrautreste, sodass sie mit eingesaugt werden können. Wer den hohen Aufwand bewerkstelligen kann, profitiert von sauberen Straßen und Wegen, weniger Feinstaubbelastung und wenig bis gar keinem Unkraut.
Eine Saugkehrmaschine ist mit dem richtigen Zubehör aber auch dann die richtige Lösung, wenn sich Wegerich und Löwenzahn bereits mit tiefen Wurzeln festgesetzt haben. Für diese Anwendung sind Unkrautbesen verfügbar, die als Seitenbesen mit Stahlzöpfen die Pflanzen samt Wurzel aus dem Boden reißen. Anschließend entfernt die Saugkehrmaschine die Unkrautreste, sodass mit einem Einsatz alles erledigt ist.
Effizient auch auf der Fläche: Unkrautbeseitigung mit 8.000 Volt
Die elektrische Unkrautbeseitigung war lange Zeit der Landwirtschaft vorbehalten, wo große Traktoren mit entsprechenden Aufbauten ausgestattet werden. Mittlerweile gibt es aber auch Lösungen am Markt, die diese Methode für Kommunen und Dienstleister nutzbar machen. Der Clou besteht darin, dass Pflanzen Flüssigkeit enthalten, welche Strom bei Kontakt mit Blättern, Blüten oder Stängeln durch das ganze Gewächs bis in die Wurzel leitet. Dadurch bricht die Zellstruktur und die Pflanzen sterben vollständig ab, was ein erneutes Austreiben verhindert. Je nachdem, wie viele neue Samen sich durch Wind und Wetter einnisten können, reichen zwei bis drei Einsätze pro Jahr aus, um die Ausbreitung von Unkraut wirksam einzudämmen.
Das dafür benötigte Anbaugerät umfasst einen Generator, der Strom von bis zu 8.000 Volt erzeugt, und einen sogenannten Applikator, der vorne am Geräteträger montiert ist. Am Applikator sind flexibel hängende Metallstreifen angebracht, die den Plus- und Minuspol bilden, sodass Strom fließen und mit den Pflanzen in Berührung kommen kann. Soll Unkraut an schwer zugänglichen Stellen beseitigt werden, kann eine Handlanze genutzt werden.
Um Unfälle zu vermeiden, ist während eines Einsatzes ein Sicherheitsabstand von drei Metern einzuhalten. Zudem erkennen 360-Grad-Kamerasysteme KI-gesteuert, ob sich eine Person nähert, und stoppen die Maschine in diesem Fall automatisch. Die Anwendung ist einfach und sorgt durch die hohe Wirksamkeit für eine Reduktion der Einsatzhäufigkeit und benötigten Arbeitszeit, vor allem auf größeren Flächen. Zudem fallen keine Kosten für eine regelmäßige Wartung an, da keine Verschleißteile wie Pumpen oder ähnliche benötigt werden.
Für punktuelle Einsätze: Heiẞe Luft, heiẞes Wasser
Ist Unkraut noch nicht hoch gewachsen, eignen sich für punktuelle Einsätze Heißluftlösungen, die als Handgeräte oder als Anbaugeräte für Geräteträger verfügbar sind. Bis zu 450 Grad Celsius heiße Luft oder Flammen sprengen Samenkrusten auf, sodass sie nicht mehr keimen, und trocknen die Pflanzen aus. Allerdings ist Unkraut sehr robust, sodass zwar oberflächlich eine Verbrennung entsteht, diese aber nicht bis zur Wurzel reicht. Da sich die Pflanzen wieder erholen, sind pro Wachstumsphase im Schnitt acht Durchgänge erforderlich, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Zu beachten ist, dass Heißluftlösungen nur zu verwenden sind, wenn sich kein naheliegendes Grün entzünden und für Wald- oder Innenstadtbrände sorgen kann.
Im Gegensatz zur Heißluftmethode eignet sich Heißwasser auch für bereits hoch gewachsene Pflanzen, beispielsweise an Orten, wo eine regelmäßige Entfernung nicht notwendig ist. In diesem Fall erzeugen Heißwasser-Hochdruckreiniger konstant Wasser mit einer Temperatur zwischen 92 und 99 Grad Celsius. Anwender bringen es über Unkrautlanzen oder Anbaugeräte für Geräteträger aus, sodass es die Wurzeln der Pflanzen mit hohen Temperaturen erreicht. Die Pflanzen sterben ab und verwelken. Direkt nach der Behandlung sieht das Unkraut aus wie blanchiert, nach zwei bis drei Tagen hat es sich zurückgebildet. Zu empfehlen sind etwa drei Durchgänge pro Wachstumsphase, um die Ausbreitung von Unkraut wirksam einzudämmen.
Der Mix macht’s: Passende Lösung wählen
Es zeigt sich: Jede Methode hat ihre Vorteile, und abhängig von Bedarf, Maschinenpark und verfügbaren Arbeitskräften kann die passende Kombination gewählt werden. Frühzeitiges Kehren zum Beispiel kann die Ausbreitung junger Pflanzen eindämmen, wodurch der Einsatz von Elektrizität, heißer Luft oder heißem Wasser weniger häufig und nur an bestimmten Orten notwendig ist. Wer jedoch für Kehren gar keine Kapazität hat, kann über die anderen Methoden sowohl auf der Fläche als auch punktuell bereits höher stehendes Unkraut entfernen und die Infrastruktur schützen. Egal, wofür die Entscheidung fällt: Je regelmäßiger Maßnahmen ergriffen werden, desto höher der Effekt.
Blick in die Zukunft: Nachhaltiger durch Spot-Spraying
Auch in der Unkrautbeseitigung halten kontinuierlich neue, innovative Methoden Einzug. Derzeit wird die Wirksamkeit des sogenannten Spot-Spraying untersucht, das Heißwasseranwendungen noch nachhaltiger machen soll. Auf dem Geräteträger befindet sich eine Kamera, die KI-gestützt erkennt, wo Unkraut wächst. Heißes Wasser wird somit nur an den Stellen ausgebracht, wo es notwendig ist, um einen sparsamen Ressourceneinsatz zu ermöglichen.
Alexandra Lachner, freie Autorin, Radu Domnita, Kärcher Municipal | markus.targiel@holzmann-medien.de