Umweltverträglich reinigen: Was möglich und sinnvoll ist

Viele Auftraggeber möchten, dass ihre Objekte möglichst umweltverträglich gereinigt werden. Andererseits soll der Preis stimmen und der gewünschte Hygienestandard muss eingehalten werden. Was ist unter diesen Umständen bei der Reinigung möglich und aus ökologischer Sicht sinnvoll? Ein Überblick.

Reinigungs- und Pflegemittel sollten immer korrekt dosiert werden. - © Guido Hahn

Reinigungsverfahren unter ökologischen Gesichtspunkten zu vergleichen, ist grundsätzlich nicht ganz einfach. Oftmals gibt es Vor- und Nachteile, zudem werden die Umwelt­auswirkungen teilweise unter­schiedlich bewertet. Es gibt aber auch Bereiche, wo eindeutige Empfehlungen gegeben werden können.

Reinigungsmittel korrekt dosieren

Die korrekte Dosierung der Reinigungs- und Pflege­mittel sollte immer eingehalten werden. An den Flaschen sollte hierzu für die Unterhaltsreinigung eine Dosiervorrichtung angebracht sein. Eine Spritzvorrichtung ist auch akzeptabel, weil damit deutlich geringer dosiert wird. Am besten ist allerdings die Zwangsdosierung direkt am Wasserhahn, weil dadurch sichergestellt ist, dass korrekt dosiert wird. Bei Dosiersystemen an Flaschen kann beispielsweise die doppelte Menge in den Eimer gegeben werden, indem zweimal zudosiert wird. Bei Spritzvorrichtungen kann ebenfalls überdosiert werden.

Bei Hochkonzentraten scheiden sich bereits die Geister. Die einen befürworten sie, weil weniger Wasser und mehr Chemie im Lkw befördert wird und somit weniger Kraftstoff und weniger Verpackungen verbraucht werden. Die Gegner verweisen auf die Gefahr, dass Hochkonzentrate wie Normalkonzentrate verwendet und somit überdosiert werden könnten. Wenn Hochkonzentrate geordert werden, sollten sie daher auf Normalkonzentration verdünnt werden, um eine Überdosierung zu vermeiden.

Öko-Linien und ­Recyclat­flaschen

Viele Hersteller bieten bei den drei wichtigsten Reinigungsmitteln für die Unterhaltsreinigung – Sanitär-, Boden- und Oberflächenreiniger – auch eine Öko-­Linie an. Der Sanitärreiniger ist in der Regel auf ­Zitronensäurebasis und kann daher nur in Objekten eingesetzt werden, in denen das Wasser wenig Kalk enthält und aufgrund einer niedrigen Nutzerzahl nur geringe Kalkablagerungen auftreten. Bei ­Boden- und Oberflächenreinigern sind die Einsatzmöglichkeiten vielfältiger. Einige Hersteller füllen Reinigungs- und Pflegemittel in Recyclatflaschen und -kanister aus recyceltem Kunststoff ab. Die Umstellung auf Recyclatflaschen und -kanister ist sinnvoll, da dadurch weniger Neu-Kunststoff zum Einsatz kommen muss.

Der richtige Rhythmus: Nicht­ zu oft und ­n­icht zu selten

Der Reinigungsrhythmus sollte dem Schmutz­anfall und dem gewünschten Hygie­nestandard angepasst werden. Wird zu oft gereinigt, wird mehr Chemie aufgetragen, als erforderlich ist. Wird zu selten ­gereinigt, so ist öfter eine Grundreinigung erforderlich, bei der härtere Chemie eingesetzt wird. Kommen Mikrofasertuch und -wischbezug zum Einsatz, kann eventuell mit weniger Chemie gereinigt werden, da diese Produkte abrasivere Fasern haben als Baumwolltextilien. Mikrofaserprodukte sind jedoch meist teurer. Anstelle von Kunststoffsäcken, die nur einmal genutzt werden, können für die Papierentsorgung Abfallsäcke aus Papier oder Textil­gewebe zur Mehrfachnutzung eingesetzt werden.

Was aus Umweltgründen ­entbehrlich ist

Auf welche Reinigungs- und Pflege­mittel kann oder sollte verzichtet werden? ­Becken- und Urinalsteine behindern die gründliche Reinigung. Hinter ihnen können sich Keime gut vermehren, da in diesem Bereich nicht gereinigt werden kann. Auf Becken- und Urinalsteine kann daher verzichtet werden.

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    Auf einen Beckenstein in der Toilette kann man verzichten, denn er behindert die Reinigung.
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    Energie­­effi­zienzklassen: Aus A+++ bis D wurde im Jahr 2021 wieder A bis G. Die Energieeffizienzklasse gibt an, ob ein Gerät vergleichsweise viel oder wenig Strom verbraucht.
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    Reinigungs- und Pflegemittel sollten immer korrekt dosiert werden.

Im Sanitärbereich werden zudem oftmals Duftstoffe/Luftverbesserer versprüht, um den Nutzern zu ­suggerieren, dass es hygie­nisch sauber ist. Bei diesen Düften handelt es sich um eine zusätzliche Umwelt­belastung, die eigentlich nicht nötig wäre, da ja nur die Reinigung gewünscht wurde. Andererseits berichten Gebäude­reiniger von Kunden, die zunächst die Reinigung reklamierten. Sobald Frischeduft eingesetzt wurde, hörten die Reklamationen auf. In beiden Fällen wurde gründlich gereinigt. Hier liegt es an einzelnen Nutzern, dass der Duftstoff zum Einsatz kommt.

Eine gute Alternative zum chemischen Rohrreiniger sind meist die Rohrreinigungsspirale und Rohrreiniger auf mikrobiologischer Basis.

Auf Energieeffizienz ­der Maschinen achten

Worauf kann oder sollte bei Reinigungsgeräten und -maschinen geachtet werden? Reinigungsautomaten mit geschwindigkeitsgesteuerter Dosierung verbrauchen weniger Chemie, da sie bei langsamerer Fahrweise eine geringere Menge an Reinigungsflotte ­herauslassen und beim Halten die Dosierung beenden.

Viele Hersteller bieten Eco-Staubsauger mit geminderter Leistung. Sie verbrauchen zum Teil deutlich weniger Energie und sind zusätzlich noch leiser. Aufgrund der geringeren Lautstärke werden Eco-Sauger vor allem in der Tagesreinigung sehr gerne eingesetzt – aber auch, wenn zu anderen Zeiten gereinigt wird. In Bereichen mit besonders hohem Schmutzanfall kann ein leistungsstärkeres Gerät erforderlich sein. Einige Hersteller bieten auch Sauger aus Recyclat an. Geräte mit Leistungsregulierung statt Luftregulierung haben einen geringeren Stromverbrauch. Wenn die Leistung heruntergesetzt wird, sinkt auch der Stromverbrauch. Das ist bei den Luftregulierten in der Regel nicht der Fall.

Werden neue Waschmaschinen und Trockner angeschafft, sollte auf die Energieeffizienzklasse geachtet werden. Besonders effiziente Maschinen haben einen deutlich geringeren Stromverbrauch bei gleicher Reinigungs- und Trocknungsleistung. Auf der Skala von A bis G sind mit A gekennzeichnete Maschinen die sparsamsten.

Abwechselnd feucht und nass wischen

Welche Alternativen gibt es bei den Reinigungsverfahren? In Bereichen, wo weniger Schmutz anfällt, kann abwechselnd feucht und nass gewischt werden. Beim Feucht­wischen kommt keine Chemie zum Einsatz. Beim Nasswischen hat man einen deutlich besseren Reinigungseffekt, weil mehr Wasser und eben auch Chemie im Einsatz ist. Auf Flächen, die weniger frequentiert und daher geringer beansprucht werden, kann eine Wischpflege verwendet werden. Die dadurch aufgetragene Schutzschicht wird mit jeder Reinigung automatisch erneuert.

Wo aufgrund der starken Frequentierung jährlich eine Grundreinigung erforderlich ist, ist meist das Auftragen einer Polymerbeschichtung sinnvoll. UV-PU-Versiegelungen halten länger. Der Grundreinigungs­turnus kann daher verlängert werden. Andererseits ist vor allem das Entfernen der Versiegelung, aber auch das Auftragen aufwendiger und teurer. An diesem Punkt scheiden sich wiederum die Geister. Einige raten zu Polymerbeschichtungen, andere zur UV-PU- Versiegelung.

Die Grundreinigung ­hinaus­zögern

Um die Grundreinigung hinauszuzögern, können Laufstraßen, auf denen die Beschichtung nicht mehr intakt ist, im Cleaner-Verfahren gereinigt und neu beschichtet werden. Einige Unternehmen tragen auch einfach nur eine höher dosierte Wischpflege oder eine Beschichtung auf. Dazu ist jedoch einige Erfahrung erforderlich. Andere Firmen führen eine trockene Grundreinigung auf den Laufstraßen durch und beschichten dann nur die Laufstraßen neu.

Bei der trockenen Grundreinigung der Laufstraßen wird meist ein blaues oder rotes Pad eingesetzt, um Beschichtungsreste und Verschmutzungen zu entfernen. Die Einscheibenmaschine muss eine Absaugfunktion haben, um Beschichtungsreste und Schmutz abzusaugen. Aus ökologischer Sicht ist die trockene Grund­reinigung der chemischen Grundreinigung vorzuziehen. Dabei werden mit einer Einscheibenmaschine und einem braunen oder schwarzen Pad auf der gesamten ­Fläche Schmutz und Beschichtungsreste entfernt und abgesaugt.

Zwischenreinigung ­auf Textilbelägen

Bei stark frequentierten textilen Belägen kann die (chemische) Grundreinigung hinaus­gezögert werden, wenn regelmäßig eine (chemiefreie) Zwischenreinigung vorgenommen wird. Der Teppich wird dazu nur mit Wasser besprüht und mit einer Einscheiben­maschine mit Garnpad abgefahren. Die Garnpads werden anschließend in der Waschmaschine gereinigt. Daher ist dieses Zwischenreinigungsverfahren nicht vollständig chemiefrei. Auch hier sind sich Experten nicht einig, welches Verfahren das umweltfreundlichere ist.

Desinfizieren? ­Nur ­dort, wo nötig

Desinfektionsmittel sollten nur dort zum Einsatz kommen, wo diese unbedingt erforderlich sind. Auf Bodenbelägen ist die Desinfektion in der Regel nicht erforderlich. In Krankenhäusern wird die Desinfektion von Bodenbelägen in bestimmten Bereichen angeordnet, wobei einige Stu­dien zu dem Ergebnis gekommen sind, dass selbst dort eine Bodendesinfektion nicht erforderlich sei. Daher wird auch in einigen Krankenhäusern auf die Desinfektion der Bodenbeläge verzichtet.

In Kindertagesstätten wird manchmal auch die Desinfektion elastischer Bodenbeläge verlangt. Die Befürworter begründen dies damit, dass die Kinder auf dem Boden kriechen und ihn manchmal auch ablecken. Die Gegenseite argumentiert, dass übertriebene Hygiene für die Ausbildung eines robusten Immunsystems nicht förderlich sei und die Kinder ja auch im Sandkasten spielen, in dem es alles andere als steril ist.

Die Desinfektion von Telefonen, Türgriffen, Sanitärarmaturen und anderen Oberflächen, die von vielen Menschen berührt werden, ist nur sinnvoll, wenn sich besonders immungeschwächte, gefährdete Personen im Objekt befinden, bei denen Krankheitserreger zu schweren Erkrankungen führen können. In diesem Fall müssen alle Oberflächen gründlich desinfiziert werden.

Guido Hahn | heike.holland@holzmann-medien.de

Guido Hahn - © privat

Guido Hahn  

ist Inhaber der Firma Guido Hahn Umwelt- und Qualitäts­managementberatung in Schwalmstadt. Zugleich arbeitet der Diplom-Ökotrophologe als Referent Betriebs­beratung bei der Landes­innung Hessen des Gebäudereiniger-Handwerks.