Umstellung auf Daytime Cleaning an Schulen: "Reinigung mit Gesicht"

Um die Sauberkeit der Schultoiletten zu verbessern, stellt die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt Düsseldorf die Schulreinigung sukzessive auf Tagesreinigung um. Wie das gelingt, zeigt das Praxisbeispiel Gymnasium Koblenzer Straße.

An Düsseldorfer Schulen wie dem Gymnasium Koblenzer Straße wird jetzt im laufenden Betrieb beziehungsweise nach Bedarf gereinigt. - © Thea Wittmann

Vermüllt, zu dreckig, teils unzumutbar: Der schlechte Zustand von Schultoiletten ist bundesweit ein Dauer­thema. Regelmäßig hagelt es Beschwerden von Eltern, Lehrerschaft und Kindern. Das Kernproblem: Bei zum Teil mehr als 1.000 Schülern reicht eine einmalige ­Toilettenreinigung pro Tag nicht aus. Dieser Herausforderung begegnet die Stadt Düsseldorf nun mit einem neuen Konzept: Tagesreinigung. In der Sache ist das nicht neu, für Schulen aber ungewöhnlich. Die Reinigung des kompletten Schulgebäudes erfolgt parallel zum Schulalltag. Sanitäranlagen werden mehrmals am Tag gereinigt, sodass die Toiletten den ganzen Schultag über sauber sind.

Pilotphase erfolgreich

Die Pilotphase des Düsseldorfer Projektes "Tagesreinigung von Schultoiletten" startete am 1. Februar 2024 mit 16 Schulen und dem Ziel, die Sauberkeit zu verbessern, gleichzeitig aber auch ein Bewusstsein für die Reinigung vor Ort zu schaffen. Ein begleitendes pädagogisches Konzept sensibilisierte die Schülerinnen und Schüler für die Arbeit, die die Reinigungskräfte leisten.

Im August 2024 wurde der Testbetrieb evaluiert und das Ergebnis im Schulausschuss sowie im Ausschuss für Digitalisierung, Personal und Organisation der Landeshauptstadt Düsseldorf vorgestellt. Keine Überraschung: Durch eine höhere Frequenz der Reinigung – während der Schulzeit – wurde es wahrnehmbar sauberer. Die Empfehlung: Sukzessive wäre eine Umstellung aller Düsseldorfer Schulen, die mitmachen wollen, auf Tagesreinigung vorstellbar.

"Stadtrat und Verwaltung wollten das Thema in den Griff bekommen und die Schulreinigung zukunftsfähig aufstellen", fasst ­Michael Dams, Leiter der Abteilung Gebäudereinigung der Landeshauptstadt Düsseldorf, das Vorhaben zusammen. Der ehrgeizige Plan sieht so aus: Zwei Drittel aller 170 Düsseldorfer Schulen sollen bis Jahresende auf "Tagesreinigung von Schultoi­letten" umgestellt werden. An 77 Schulstandorten ist das schon geschehen, für 43 weitere gibt es konkrete ­Pläne. "Wir sprechen die Schulen aktiv an und vereinbaren Termine vor Ort. Verlaufen die Gespräche positiv, wird die Umstellung vorgemerkt. Die Verwaltung ist bestrebt, interessierten Schulen eine möglichst zügige Umstellung zu ermöglichen", sagt Michael Dams. Gezwungen wird niemand: "Einige wenige Schulstandorte wünschen derzeit keine Umstellung."

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    Die Reinigungskräfte, die klassischerweise nach Schulschluss tätig werden, starten ihren Einsatz am "Kobi" nun bereits um 9.45 Uhr. Sie sind nicht zu übersehen, ihre Arbeit wird wahrgenommen und geschätzt.
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    Für die sanitäre Sichtreinigung sind drei Durchgänge vorgesehen: um 10 Uhr, 11.30 Uhr und nach 15 Uhr. Hier bei der Arbeit: Fatma Karabacak.
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    Zwischen 10 und 17 Uhr wird das komplette Gebäude gereinigt – immer da, wo gerade niemand unterwegs ist. "Früher habe ich bis 20 Uhr gearbeitet. Jetzt fange ich morgens an und bin früher fertig", sagt Reinigungskraft Naima Tahouli.
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    Ziehen in Sachen Tagesreinigung an Schulen an einem Strang (v.li.): Pascal Schmitt, Sachgebietsleiter Technik in der Abteilung Gebäudereinigung der Stadt Düsseldorf, Philipp Radermacher, Leiter des Gymnasiums Koblenzer Straße, und Michael Dams, Leiter der Abteilung Gebäudereinigung.
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    An Düsseldorfer Schulen wie dem Gymnasium Koblenzer Straße wird jetzt im laufenden Betrieb beziehungsweise nach Bedarf gereinigt.

Ein ernsthaftes Problem

Wie ernst die Lage ist, belegt eine Studie der ­German Toilet Organization (GTO) in Kooperation mit dem Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit der Universität Bonn zum Zustand der Berliner Schul­toiletten. Schülerinnen und Schüler bewerteten den Zustand im Durchschnitt mit Note 4: Gestank, fehlende Privatsphäre, Klopapier nicht vorhanden. Um den Gang zur Toilette zu vermeiden, trinken und essen Schüler bewusst weniger. Rund 60 Prozent der Schulleitungen berichteten, dass in ihrem Schulhaus nicht alle Sanitäranlagen vollständig funktionieren. Vandalismus hinterlässt seine Spuren in Form von Löchern in den Kabinenwänden und Türen, nassen Papierhandtüchern oder Wasserflecken an der Decke. Diese Missstände sind nicht neu – die Mehrheit der Toilettennutzer hat jedoch nicht den Eindruck, dass Probleme angegangen werden. Die Studie nennt als konkrete Lösungsvorschläge: die Schülerschaft einbeziehen, die Reinigungsfrequenz erhöhen.

Projekt "Sauberes Schulklo"

Im Düsseldorfer Gymnasium Koblenzer Straße, auch "Kobi" genannt, ist genau das gelungen. Als eine der 16 Schulen aus der Pilotphase hat das Gymnasium die Tagesreinigung über die Sommerferien hinaus weitergeführt. "Ich möchte diese Verbesserung nicht mehr missen", lautet das klare Urteil von Schulleiter Philipp Radermacher. 1.035 Schülerinnen und Schüler besuchen das Gymnasium, die Schulräume verteilen sich auf ein Haupt- und zwei Nebengebäude. Die Schülertoiletten sind in einem separaten Bau auf dem zentralen Schulhof untergebracht.

Tagesreinigung bedeutet hier: Reinigung bei laufendem Betrieb und Reinigung nach Bedarf. Die Unterrichtszeit beginnt um acht Uhr, an drei Langtagen endet der Schultag um 15 Uhr, an Kurztagen ist schon um 12.30 Uhr Schluss. Die Arbeitszeit des Reinigungspersonals, die klassischerweise nach Schulschluss beginnt, ist nach vorne verlegt.

WC-Reinigung: Drei Durchgänge am Tag

Die Reinigungsarbeiten bestreiten hier fünf Reinigungskräfte, ausschließlich städtische Mitarbeiterinnen. Sie treten um 9.45 Uhr ihren Dienst an. Für die sanitäre Sichtreinigung sind drei Durchgänge vorgesehen: um 10 Uhr, 11.30 Uhr und nach 15 Uhr. Zwischen 10 und 17 Uhr wird das komplette Gebäude gereinigt – immer da, wo gerade niemand unterwegs ist. Verwaltungsflächen und Sanitäranlagen sind während der Unterrichtszeit leer. Flure und Treppen werden auf dem Weg von A nach B gereinigt, so lassen sich unproduktive Wegeeinheiten vermeiden. Nur die Klassenräume sind erst nach Schulschluss an der Reihe.

Dass die Reinigungsarbeiten parallel zum Schulalltag stattfinden, bedeutet eine Umstellung für alle: Reinigungskräfte müssen Rücksicht auf die Schülerströme nehmen. Wird zum Beispiel ein Flur gewischt, darf die Arbeit keine Laufwege blockieren, die nasse Fläche muss aber wegen der Rutschgefahr durch Aufsteller gekennzeichnet sein. Für Reinigungskräfte, die es gewohnt sind, nach Schulschluss "freie Bahn" zu haben, ist das gewöhnungsbedürftig.

Höhere Frequenz, besseres Ergebnis

Die Veränderungen sind auffällig: Keine Papierrollen am Boden, keine herumliegenden Plastikflaschen oder Müll, die Toiletten und Urinale stinken nicht mehr nach Urin. WC-Papier und Handtücher werden regelmäßig nachgefüllt – jetzt steht beides den ganzen Schultag über zur Verfügung.

Ausgestattet mit Reinigungswagen oder Scheuersaugmaschine sind die Teams nicht zu übersehen, ihre Arbeit wird wahrgenommen und honoriert. Ein positiver Effekt ist zudem mehr Kontrolle. "Schüler sind gehemmter, die Räume mutwillig zu verschmutzen, wenn das Reinigungspersonal anwesend ist", erklärt Philipp Radermacher. Ein weiteres Plus ist die Wertschätzung: "Die Reinigungskräfte sind ein Teil des Kollegiums geworden, die Reinigung hat ein Gesicht bekommen", betont der Schulleiter. "Wir haben seit Februar keinerlei Verunreinigungen im größeren Stil zu verzeichnen, das ist ein deutlich positives Zeichen."

Viel Zeit und Aufwand, teilweise mehrfach pro Woche, musste Philipp Radermacher investieren, sich mit dem Hausmeister und dem Sekretariat abstimmen, um ­teure Sonderreinigungen über die Stadt zu beauftragen, weil die Toiletten stark verschmutzt oder beschmiert worden waren. "Das war den Reinigungskräften im Haus oft nicht zuzumuten", sagt er rückblickend. Seit Einführung der Tagesreinigung habe es dagegen keinen einzigen Vorfall gegeben. "Mir wird durch die Umstellung sehr viel abgenommen", so sein Fazit.

Häufigere Intervalle in der Tagesreinigung schaffen Erleichterung. Reinigungskraft Naima Tahouli kommt das entgegen. "Es nicht mehr so viel Arbeit auf einmal, weil ich am Tag eben mehrfach pro Toilette da bin", sagt sie. Die neue Arbeitszeit kommt ihr sehr entgegen: "Früher habe ich bis 20 Uhr gearbeitet. Jetzt fange ich morgens an und bin früher fertig". Ebenfalls neu ist das unmittelbare Feedback. "Alle sind zufrieden, Schüler und Lehrer bedanken sich."

Gelungene Umsetzung

Für Pascal Schmitt ist das neue Konzept eine Herzensangelegenheit. Als Sachgebietsleiter Technik in der Abteilung Gebäudereinigung der Stadt Düsseldorf ist er dafür zuständig, dass die Umsetzung funktioniert. Pascal Schmitt kennt das Handwerk von der Pike auf. Als Gebäudereinigermeister, Fachkraft für Arbeitssicherheit und staatlich geprüfter Desinfektor hat er den Blick für das große Ganze ebenso wie für die Details, angefangen bei den Ausschreibungsverfahren bis hin zur klaren Definition der Arbeitsbereiche. "Wir sind wie ein Gebäudereinigerbetrieb aufgestellt und arbeiten mit zertifizierten Objektleitern und ausgebildeten Reinigungsfachkräften", erklärt er.

"Kleinster Aufwand, maximales Ergebnis" lautet ­seine Maxime. Das fängt bei der Definition der Leistungen an. "Wenn die Fensterreinigung nicht nur die Glasflächen, sondern auch die Rahmen einschließen soll, muss das ausdrücklich definiert sein, ebenso beim Kehren oder Nasswischen", erläutert Pascal Schmitt. Bei der Reinigung großer Flächen mit der Scheuersaugmaschine setzt er beispielsweise auf ein Stehfahrzeug. "Im Stehen kann ich kurz absteigen und größere Verunreinigungen mit einem Spatel entfernen oder Müll von Hand aufnehmen, im Sitzen fällt das viel schwerer", erklärt er.

Für die Reinigungskräfte soll möglichst alles einfach und ergonomisch zu bewerkstelligen sein: Teleskopstangen erreichen die Ecken an der Decke, zum Befüllen der Wasserbehälter gibt es eine Einfüllhilfe. Düsseldorf ist laut Pascal Schmitt die erste Stadt in Deutschland, die in der Eigenreinigung ein eigenes Label eingeführt hat: "Landeshauptstadt Düsseldorf" steht auf den Reinigungsmittelflaschen. Der Universalreiniger heißt "der Blaue", die Wischpflege "der Grüne" und der Sanitärreiniger- und Kalklöser "der Rote" – einfach und verständlich. Ebenso ist die Stadt die erste Kommune, die Robotik für die Reinigung von Turnhallen einsetzt. In vier Sporthallen fahren derzeit Reinigungsroboter, drei bis fünf weitere sind in Planung. Statt der 120-Liter-Plastiksäcke für die Abfälle hat Pascal Schmitt ein System mit Mehrwegmüll­säcken eingeführt. Beim Material setzt er auf bewährte Partner für Reinigungswagen und Wassereinfüllhilfe, Wischbezüge, Reinigungsmaschinen und Wasch­maschinen.

Höhere Kosten, mehr Personal

Die Vorteile der Tagesreinigung liegen so klar auf der Hand, dass sich unwillkürlich die Frage stellt: Warum kommt dieser Vorstoß erst jetzt? Das größte Hemmnis für Kommunen sind die Kosten. "Die Umsetzung des Konzepts bedeutet einen Spagat zwischen Handwerk und Bürokratie", erklärt Pascal Schmitt. Sie belastet den Düsseldorfer Stadthaushalt mit 900.000 Euro pro Jahr zusätzlich und erfordert mehr Personal. Im Zuge des Projektes "neue Reinigung" wurden zahlreiche Reinigungs­kräfte zu tariflich gesicherten Arbeitsbedingungen neu in den Dienst der Stadt eingestellt. "Im Hinblick auf den Fachkräftemangel der Branche ist die Work-Life-Balance entscheidend, um neue Mitarbeiter zu gewinnen", weiß Pascal Schmitt. Tagesreinigung sei für viele attraktiver als Schichten bis in die späten Abendstunden.

Externe Dienstleister mit im Boot

2019 umfasste das städtische Reinigungsteam 320 Köpfe, die für 480 Gebäude mit 4,8 Millionen Quadratmetern zuständig waren. 2025 beschäftigt das Amt für Zentrale Dienste 513 Reinigungskräfte, viele davon auch in Schulen. Das Reinigungsteam ist gewachsen, die Reinigungsfläche auch: auf 526 Gebäude und 5,8 Millionen Quadratmeter. Eine Herausforderung, die ohne externe Dienstleister nicht zu bewerkstelligen ist. Die Reinigung in Düsseldorf ist hälftig zwischen städtischen Mitarbeitenden und Externen aufgeteilt, an der Tagesreinigung der Schulen sind bislang 21 regio­nale Dienstleister aus Nordrhein-Westfalen beteiligt. "Für jede Schule muss ein passendes Konzept erstellt werden, inklusive der Verträge der Reinigungskräfte. Wenn sich die Arbeitszeit ändert, ist auch eine Vertragsanpassung nötig", erläutert Pascal Schmitt.

An Schulstandorten, an denen ausschließlich städtische Beschäftigte reinigen, ist eine Umstellung auf das neue Konzept schneller durchführbar. Standorte, an denen Gebäudedienstleister im Einsatz sind, brauchen einen längeren Vorlauf. Denn vertragliche Bindungen bestehen für das bisherige Reinigungsmodell. Ein entscheidender Faktor für zeitliche Flexibilität ist also häufig, ob die Arbeiten in Eigen- oder Fremdleistung erbracht werden. Pascal Schmitt scheut den Organisationsaufwand nicht. Wichtig sei ihm die fachliche Zusammenarbeit auf Augenhöhe, ganz gleich, ob sie städtische Mitarbeitende oder Gebäudedienstleister betrifft.

Thea Wittmann | heike.holland@holzmann-medien.de