Tartanbahnreinigung: Porentief rein dank Sauerstoff

Bisher wurde die Laufbahn des Olympiastadions in Berlin mit Walzenbürsten, Hochdrucksprühern und Wasser gereinigt. Dabei wurde jedoch nicht das gewünschte Ergebnis erzielt, denn die Verschmutzungen ließen sich nur oberflächlich aus dem tiefporigen Kunststoffbelag entfernen. Daher wurde ein speziell für Kunststoffoberflächen entwickeltes Produkt neu eingesetzt – mit einem sehr guten Reinigungsergebnis.

Für die charakteristisch blaue Tartanbahn im Berliner Olympiastadion wurde mithilfe eines neuen Produktes die passende Reinigungslösung gefunden. - © Arva Greentech

Sie ist auffällig und sorgte bei ihrer Präsentation für Diskussionsstoff: die blaue Tartanbahn im Berliner Olympiastadion. Eigentlich müsste sie unter Denkmalschutz gestellt werden, schließlich hat der jamaikanische Sprinter Usaine Bolt hier Geschichte geschrieben: Am 16. und 20. August 2009 stellte er auf ihr die bis heute gültigen Weltrekorde im 100-m- und 200-m-Sprint der Herren auf. Ob sie eingestellt oder irgendwann gar unterboten werden, hängt auch vom Zustand der kunststoffbeschichteten Laufbahn ab.

Tartan, ursprünglich ein Markenname der Firma 3M, ist ein offenporiger, elastischer Kunststoff, der zum Beispiel auf Leichtathletikbahnen in Stadien vor allem für Lauf- und Sprungwettbewerbe verwendet wird. Er kann vor Ort gegossen oder vorproduziert ausgelegt werden. Wichtig sind Drainagesysteme, die eine zuverlässige Entwässerung ermöglichen.

Die erste Tartanbahn in Europa wurde 1968 im Züricher Stadion Letzigrund eröffnet. Zuvor dominierte Aschebelag aus dunkler Schlacke oder rotem gemahlenen Ziegelmehl. Man kann getrost davon ausgehen, dass die Reinigung der Sportkleidung zu jenen Zeiten aufwändiger war als die Pflege der Platzoberfläche: Hier genügten zumeist Rechen, Harke oder Besen.

Bei den modernen Kunststoffbahnen setzte sich Terrakotta als Belagfarbe durch. Erst bei der Sanierung des Berliner Olympiastadions 2004 kam Farbe ins Spiel: Auf Wunsch des Stadionhauptnutzers Hertha BSC erstrahlte die Laufbahn in der Vereinsfarbe Blau. Andere Stadien zogen nach, aber Blau blieb nicht die einzige ungewöhnliche Farbe: Nur wenig später erhielt das Stuttgarter Gottlieb-Daimler-Stadion als einziges großes Leichtathletikstadion eine grüne Laufbahn, die aber dem späterem Umbau zur reinen Fußball­arena zum Opfer fiel.

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    Auf die zu reinigende Fläche werden die beiden Komponenten für Kunststoff aufgesprüht. Sie entwickeln durch Reaktion aktiven Sauerstoff.
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    Anschließend wird der Spezialreiniger eingearbeitet. Nach einer kurzen Einwirkzeit kann dann der Schmutz ausgespült werden.
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    Vorher/Nachher-Vergleich: Das Reinigungsergebnis (oben im Bild) kann sich sehen lassen.
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    Für die charakteristisch blaue Tartanbahn im Berliner Olympiastadion wurde mithilfe eines neuen Produktes die passende Reinigungslösung gefunden.

Egal, ob ausgelegt oder gegossen – wichtig ist, dass eine Tartanbahn elastisch, trocken und eben ist, dass es keine Verhärtungen oder Verwerfungen gibt. Deshalb ist die Reinigung der Kunststoffbahnen im Vergleich zu den früheren Ascheplätzen sehr viel aufwändiger. Witterungsbedingte Verschmutzungen, die durch Regen, Staub und andere Umwelteinflüsse ausgelöst werden, können sich tief im Belag festsetzen, zudem können Hinterlassenschaften der Stadionbesucher aus Unachtsamkeit oder Nachlässigkeit auf die Bahn gelangen. Durch diese Verschmutzungen leidet nicht nur die Elastizität, auch die Poren verstopfen. Die Folge: Moose und Algen erzeugen einen rutschigen Film, der die Verletzungsgefahr erhöht und die Drainagewirkung reduziert. Das wiederum wirkt sich auf die Ebenmäßigkeit und Haltbarkeit des Kunststoffbelags aus. Zudem besteht die Gefahr, dass eine nur unzureichend gereinigte Laufbahn die Performance der Sportler negativ beeinflusst, was gerade bei Anlagen, die für internationale Wettkämpfe genutzt werden, für Imageschäden und unnötige Verluste sorgen kann. Reinigung ist eben nicht nur eine Frage der Optik.

Mit Hochdruck reinigen

Die Pflege von Tartanbahnen dient also mehr als nur der Reinigung, sie ist auch ein wichtiger Teil der Wert­erhaltung. Üblicherweise werden Fahrzeuge eingesetzt, die die Bahn mit Hochdruck reinigen. Hierbei ist zu beachten, dass der Kunststoffbelag nicht zu stark belastet wird, um Risse und andere Schäden zu vermeiden. Zudem dürfen keine Schmierstoffe aus dem Fahrzeug auf die Oberfläche gelangen. Reicht der Wasserstrahl nicht aus, müssen Reinigungsmittel zugegeben werden. Die verwendeten Chemikalien dürfen sich aber nicht im Boden festsetzen, da dadurch der Stadionrasen in Mitleidenschaft gezogen werden kann.

Speziell der Rasen im Berliner Olympiastadion, auf dem nationale und internationale Wettbewerbe ausgetragen werden, unterliegt einer strengen Kontrolle. Bevor zum Beispiel das jährliche DFB-Pokalfinale der Herren stattfinden kann, prüft der Deutsche Fußballbund eingehend Zustand und Qualität des Spielfelds. Schließlich dient das Stadion bei solchen Ereignissen als Visitenkarte des Veranstalters, und die Ansprüche des größten nationalen Sportverbands der Welt sind hoch: Das Stadion soll picobello glänzen, der Rasen muss in einem einwandfreien Zustand sein. Rückstände von Chemikalien aller Art darf es nicht geben.

Sauerstoff reinigt schonend, aber kraftvoll

Zufällig erfuhr Moritz Schellenberg, Key-Account-Manager bei Arva Greentech, von den besonderen Anforderungen an die blaue Tartanbahn und die architektonisch bedingten Problemstellen. Das ­vielgerühmte und weltbekannte Tribünendach ist zum westlichen Marathontor hin unterbrochen. An dieser Stelle kann Regenwasser ungehindert organischen Schmutz von der Dachkonstruktion ins Stadioninnere transportieren, der in den Kurven der Laufbahn und dem Innenbereich in die offenporige Kunststoffoberfläche dringt. Der Schatten, den das Tribünendach wirft, erschwert zusätzlich die Trocknung dieser Bereiche und erleichtert so die Algenbildung. Wenn sich durch die Algen ein rutschiger Film gebildet hat, kann es leicht passieren, dass üblicherweise verwendete Hochdruckreiniger selbst bei Zugabe der unterschiedlichsten Reinigungsmittel kapitulieren. So entstand die Idee, Arvox Pro, einen Zwei-Komponenten-Reiniger mit aktiviertem Sauerstoff, einzusetzen.

Der Praxistest fürs Neuprodukt

Bisher stehen in der Produktreihe vier Reiniger zur Verfügung: Für die Anwendung auf Holz- und Stein­oberflächen wie auch auf Fliesen und Fugen sowie für Parkett und Dielen. Ein Produkt für die Anwendung auf Kunststoff­oberflächen stand kurz vor der Fertigstellung. Was lag also näher als ein Praxistest?

Im ersten Schritt führte Arva Greentech gemeinsam mit dem Partner Kleine Reinigungs- und Dienstleistungsgesellschaft aufwändige Tests durch, um die optimale Reinigungsleistung bei gleichzeitiger Schonung der Oberfläche zu erzielen. Die Tests bewiesen, dass das Verfahren auch bei hochwertigen Kunststoff­oberflächen einwandfrei funktioniert: Verschmutzungen werden durch die Aktivierung von Sauerstoff zersetzt und an die Oberfläche gebracht, wo sie einfach abgespült werden können.

Nachdem sich auch die Olympiastadion GmbH von der Reinigungsleistung überzeugt hatte, schritt ­Kleine zur Tat. Auf die zu reinigende Fläche, rund 1.500 m², wurden die beiden Arvox-Pro-Komponenten für Kunststoff aufgetragen. Dann erfolgte die schonende, aber gründliche Einarbeitung mithilfe einer normalen Einscheibenmaschine und einem Kunstrasenpad. Nach einer kurzen Einwirkzeit konnte der Schmutz bereits wieder ausgespült werden. Die Arvox-Komponenten produzieren neben Sauerstoff lediglich Wasser und Natriumcarbonat, ein Salz, das in der Natur vorkommt. Die Reaktionsprodukte können problemlos in die Umwelt gelangen, die gereinigten Flächen müssen nicht neutralisiert werden. Der Vorher/Nachher-Vergleich (siehe Bild) belegt den Erfolg. Auf diese Weise wurde Meter um Meter der Laufbahn wie auch des Innenraumbelags zur Zufriedenheit aller Beteiligten mit dem umweltneutralen Produkt gereinigt.

Es muss nicht immer ein Stadion sein

Die Reinigung der berühmten blauen Tartanbahn ist ein schöner Beweis für die Leistungsfähigkeit des Reinigers für Kunststoffoberflächen. Wichtiger aber ist die Vielfalt der Einsatzmöglichkeiten: Jetzt können auch Indoor-Spielplätze, Sporthallen, Sportstudios von der Sauerstoffkraft profitieren, denn eine gründliche Reinigung erhält den Wert und spart Kosten für Reparaturen oder die Neuanlage. Neben Sport- und Spielflächen ist das neue Arvox Pro für Kunststoff auch für die gründliche, umweltneutrale und scho­nende Reinigung von vielen anderen Kunststoffoberflächen geeignet: Außenmobiliar, Campingfahrzeuge, Plastikverkleidungen und viele mehr.

Quelle: Arva Greentech | markus.targiel@holzmann-medien.de