Tarifauftakt 2024 im Gebäudereiniger-Handwerk: Nach rund vier Stunden wurden die Gespräche zwischen IG BAU und Bundesinnungsverband in Frankfurt am Main beendet. Der BIV spricht von "völlig überzogenen Visionen" der Gewerkschaft.

Die IG BAU fordert für Lohngruppe 1, die beschäftigungsstärkste Entgeltgruppe, 16,50 Euro pro Stunde statt bislang 13,50 Euro – eine Erhöhung von 22,22 Prozent – und ein 13. Monatseinkommen für Gewerkschaftsmitglieder. Dies bedeutet laut Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks (BIV) eine zusätzliche Lohnsteigerung von 8,33 Prozent. Insofern summiere sich die "IG-BAU-Rekordforderung" auf mehr als 30 Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Zudem sollen die Ausbildungsvergütungen steigen – im ersten Lehrjahr um 150 Euro, im zweiten um 200 Euro und im dritten um 300 Euro pro Monat.
"Die Lohnforderung der IG BAU von mehr als 30 Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten bewerten wir als eine Mischung aus Maßlosigkeit und Realitätsverweigerung", sagte Christian Kloevekorn, Vorsitzender der BIV-Tarifkommission, nach der ersten Tarifrunde. Aus diesem Grund habe die Arbeitgeberseite kein Gegenangebot vorlegen können. Zu eklatant sei der Abstand zwischen den "völlig überzogenen Visionen der IG BAU und dem Blickwinkel der Unternehmen". Die Gewerkschaft blende den wirtschaftlich schwierigen Kontext für das Gebäudereiniger-Handwerk völlig aus. Während sich die Inflation gerade auch im Sinne der Beschäftigten normalisiere, sei die Wirtschaftsprognose für Deutschland mager, die Auftraggeber für Reinigungsdienstleistungen agierten merklich zurückhaltend und die Branchenstimmung der Unternehmen sei gedämpft.
"In dieser ersten Runde haben die Arbeitgeber jegliche Wertschätzung für die Beschäftigten vermissen lassen", sagte Ulrike Laux, Verhandlungsführerin der IG BAU und im Bundesvorstand der Gewerkschaft zuständig für die Gebäudereinigung. Nach einer jüngsten Erhebung sei die Branche mittlerweile am untersten Ende der Einkommensskala angekommen, im Schnitt würden 2.400 Euro brutto pro Monat bezahlt. Zudem hätten die Reiniger und Reinigerinnen bis heute "keinen Cent Inflationsausgleichsprämie bekommen". Deshalb sei die Forderung mehr als angemessen.
Die Tarifverhandlungen sollen voraussichtlich im September fortgesetzt werden. Der aktuelle Tarifvertrag gilt bis Ende des Jahres. /HH