Rutschfrei unterwegs Streumittel gezielt einsetzen

Schnee und Eisglätte werfen immer wieder die Frage nach dem Für und Wider des Einsatzes von Streumitteln auf. Für saubere Straßenverhältnisse zu sorgen und gleichzeitig die Umwelt zu schützen, stellt den Winterdienst vor Herausforderungen.

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    Salz, Kies, Sand: Ob tauendes oder abstumpfendes Streugut angebracht ist, entscheidet sich nach der aktuellen Wetterlage.

Streumittel gezielt einsetzen

-Die ausgebrachten Streumittel zeigen viele unerwünschte Nebenwirkungen: Beeinträchtigungen der Böden und Schädigung von Pflanzen, insbesondere am Straßenrand (z.B. Bäume) Belastung der Gewässer und des Trinkwassers.

Streumittel Salz

Die Salzstreuung gewährleistet die Verkehrssicherheit im Winter. Nur mit Auftausalz ist es möglich, die Autobahnen und andere Hauptverkehrsstraßen optimal freizuhalten. Zu Beginn der 60er Jahre wurden aufgrund schlechter Streutechnik mehr als 40 g/m2 auf die Straßenfläche gestreut. Die verbesserte Streutechnik mit automatisierten, wege- und geschwindigkeitsabhängigen Dosiereinrichtungen hat die Streumenge vom Salz auf ca. 10–20 g/m2 reduziert. Das häufigste verwendete Auftaumittel ist Natriumchlorid (NaCI = Kochsalz). Erhältlich ist es in feinkörniger und in grobkörniger Form. Als Auftausalze werden auch andere Chloride – Calciumchlorid (CaCI2), Magnesiumchlorid (MgCI2) – und deren Mischungen mit Natriumchlorid eingesetzt. Natriumchlorid ist das preiswerteste Auftausalz und eignet sich für Temperaturen von –1 °C bis –10 °C, während bei tieferen Temperaturen Magnesium- und Calciumchlorid besser geeignet sind.

Feuchtsalz (also Calciumchlorid- oder Magnesiumchlorid-Lösungen) haftet besser als Trockensalz auf der Straße und besitzt eine höhere Tauwirkung. Es haftet besser auf reif- und eisglatter Fahrbahn und ist daher bei Glatteis effektiver als Trockensalz. Zudem wird Feuchtsalz kaum verweht und belastet die Umwelt dadurch weniger. Die Feuchtsalzausbringung mit einem Streuteller geschieht wie folgt: In einem separaten, an den Feststoffbehältern angebrachten Tank befindet sich eine NaCI-/CaCI2-/MgCI2-Lösung.

Im nächsten Behälter ist Auftausalz gelagert. Die Lösung und das Salz sind also voneinander getrennt. Bevor jetzt der Streuvorgang beginnt, wird das Salz mit der Lösung angefeuchtet und mittels des Streutellers auf die Fahrbahnfläche aufgebracht. Das Mischverhältnis liegt bei 70 Gewichtsprozent Auftausalz und 30 Gewichtsprozent Lösung. Das Verfahren wird auch „FS30“ genannt. Durch eine konsequente Einführung der Feuchtsalzstreuung lässt sich die auszubringende Salzmenge bei gleicher Wirkung gegenüber der Granulatstreuung halbieren.

Was passiert mit dem Salz?

Das auf die Fahrbahn ausgebrachte Salz bildet ein Gemisch mit Eis und Schnee. Ein Teil des Salzes geht in Lösung und wird mit dem von der Straße abfließenden Schmelzwasser in den Straßenrandbereich befördert, wo es versickert und bis ins Grundwasser gelangt.

Der andere Teil des Salzes erreicht über Spritzwasser den Straßenrandbereich. Umfangreiche Untersuchungen haben gezeigt, dass die Beeinträchtigung des Bodenmechanismus durch Streusalz jedoch nicht von Dauer ist. Das Chlorid wird im Boden kaum zurückgehalten und beginnt unmittelbar nach der Anwendung zu versickern. Schon im Frühjahr verschwindet es fast vollständig aus dem Bodenprofil. Das Natrium verbleibt auch nicht auf Dauer im Boden. Es wird zunächst gegen im Boden vorhandene Calcium- und Magnesiumionen ausgetauscht. Die Auswaschung erfolgt hier erst verzögert vom Spätfrühjahr bis zum September. Bei erhöhter Salzbelastung unmittelbar nach der Schneeschmelze sind Schädigungen möglich. Das besagen Untersuchungen des Umweltinstituts des Landes Vorarlberg (Österreich) aus dem Jahr 2004.

Obwohl der Einsatz von Tausalzen vor allem im Verkehrsbereich große Vorteile mit sich bringt, sollten sich auch Gedanken über die Nebenwirkungen gemacht werden. Immerhin werden Jahr für Jahr, je nach Ausprägung des Winters, tausende Tonnen Salz der Umwelt zugeführt. Salz verschwindet nicht nur im Boden, es wird auch in die Luft geschleudert und bleibt dann als Salzkruste an Fassaden, Brückenpfeilern und Autokarosserien haften.

Mit dem Einsetzen von Schnee und Eis kann es auch auf Geh- und Radwegen wieder gefährlich glatt werden. Hier haben die Eigentümer und Hausbesitzer die Streu- und Räumpflicht. Im Gegensatz zum kommunalen Winterdienst, wo auch Salz gestreut werden darf, herrscht auf den Gehwegen totales Salzverbot. Hier dürfen nur abstumpfende Streumittel verwendet werden.

Es gilt der Satz: Weniger Streumittel einsetzen, durch eine rasche
mechanische Entfernung des Schnees mittels Schaufel, Schneeschieber oder Besen. Besteht nach der mechanischen Räumung noch Rutschgefahr, dann muss gestreut werden.

Abstumpfende Streumittel

Abstumpfende Streumittel sind: Splitt, Granulat, Sand, Kies oder
Asche. Das gebräuchlichste und bekannteste Streumittel ist Splitt.

Er wird in Steinbrüchen gebrochen und dann gemahlen. Die Körnung muss bei 3–5 mm liegen. Zu fein staubt er, zu grob hat er kaum eine abstumpfende Wirkung. Wegen der Feinstaubbelastung sollten bei Splitt nur harte, abriebfeste Gesteine wie Basalt oder Dolomit verwendet werden. Lange Jahre galt Splitt als eine umweltfreundliche Methode, die Straßen winterfest zu machen. Diese Meinung ist überholt, denn auch Splitt hat negative Auswirkungen, z.B. verursachen gestreute oder aufgewirbelte Körner Lackschäden an Kraftfahrzeugen. Die Autoreifen schleudern den Splitt in Richtung Straßenrand, wo er sich anhäuft und zur die Rutschgefahr für Zweiradfahrer erhöht. Das zermahlene Streugut setzt Staub frei, der wiederum der Gesundheit von Fußgänger und Anwohner schadet. Splitt verbessert die Verkehrssicherheit nur kurzfristig und verkürzt außerdem die Streuintervalle. Auf eisglatten Fahrbahnen ist Splitt gänzlich ungeeignet, weil er dort zum größten Teil durch den fließenden Verkehr mangels Haftung von der Fahrbahn geweht oder geschleudert wird. Die Streumenge bei Splitt beträgt zwischen 100 g/m2 und 150 g/m2 im Gegensatz zum Salz, wo nur 10–20 g/m2 benötigt wird. Daher haben Streufahrzeuge mit Splitt einen kleineren Wirkungskreis. Splitt ist jedoch bei dicker Schneedecke sinnvoll. Auch andere abstumpfende Streumittel wie Sand und Granulat müssen anschließend nach dem Streudurchgang wieder aufgesammelt werden und aufgrund der beinhaltenden Schadstoffe gesondert entsorgt oder gesäubert werden, um weiter Verwendung zu finden.

Sand als Streustoff wird – abgesehen beim Winterdienst auf Gehwegen – nicht eingesetzt, da keine positive Wirkung auf die Verkehrssicherheit nachweisbar ist. Das ideale Streumittel gibt es damit nicht. Sinnvoll scheint daher ein differenzierter, dreistufiger Winterdienst zu sein.

  • Stufe 1: Nebenstraßen werden lediglich geräumt, aber nicht gestreut (weißer Winterdienst).
  • Stufe 2: Bürgersteige und Radwege werden geräumt und nur mit salzfreien Streumitteln behandelt.
  • Stufe 3: Gefahrenstellen und Kreuzungen werden mit Feuchtsalz abgestreut.

Eine weitere Möglichkeit für die Winterräumung kann je nach Belastung einer Straße auch die sogenannte Nullstreuung sein. Bei der Nullstreuung wird der Schnee geräumt, ohne zu streuen. Eine Schicht Schnee bleibt liegen. Eigentlich kann man hier nicht von Sicherheit reden, aber die Erfahrungen zeigen, dass sich Menschen in solchen Verkehrssituationen vorsichtiger verhalten und weniger Unfälle passieren. Diese Art der Schneeräumung eignet sich nur für unwichtige Nebenstraßen. Eine weitere Art von Verzicht auf Streumittel ist die mechanische Schneeräumung, eine Kombination von Schneepflug und Kehrbesen. Der Schnee wird zur Seite geschoben und die Reste werden mit dem Kehrbesen entfernt. Auf Streumittel kann verzichtet werden.

Fazit: Trotz vieler Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen ist bislang noch kein umweltfreundlicheres Auftaumittel als Tausalz auf dem Markt. Abstumpfende Streumittel, wie Sand und Splitt erfordern einen deutlich höheren Energieaufwand als Salz. Um den Salzverbrauch möglichst gering zu halten, sollte die Feuchtsalztechnologie konsequent eingesetzt werden.