Von Tellern, Salzen und Sicherheit Streumaschinen erfüllen wichtige Aufgaben im Winterdienst

Für den Hausbesitzer oder Mieter ist es bei Glatteis keine Frage: Er holt sein Eimerchen mit Splitt oder Streusalz heraus und beginnt den Bürgersteig vor seinem Haus gegen Glätte abzusichern. Auf die Dosierung wird er oft nicht achten. Hauptsache ist, dass der Fußweg für Passanten sicher ist. Sollte das Streugut zur Neige gehen, wird im Baumarkt Nachschub geholt.

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    Gerüstet für alle Fälle: Mit Schneepflug, Ketten und Streumaschine ist dieses Fahrzeug auch im stärksten Winter sicher unterwegs.
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    Das Angebot an Streumaschinen ist sehr vielseitig. Trend: die Ausstattung mit einer Feuchtsalzausrüstung.

Streumaschinen erfüllen wichtige Aufgaben im Winterdienst

-Für Straßenmeistereien, kommunale Bauhöfe und Dienstleister stellt sich die gleiche Aufgabe, allerdings auf einem viel höheren Niveau. Statt 20 m Bürgersteig auf einer Breite von 1 m eisfrei zu halten, wird bei ihnen die Flächenleistung in Quadratkilometern gemessen. So betreut die Autobahnmeisterei Offenburg etwa 78 Kilometer der A5 zwischen Baden-Baden und Rust. Vier Spuren plus Auffahrten, mehrere Parkplätze und eine handvoll Raststätten müssen verkehrssicher gehalten werden. Da spielt die Frage der Dosierung wirtschaftlich eine große Rolle. Schließlich muss das Salz gekauft und gelagert werden. Beides verursacht Kosten. Bis zu 700 t wurden in schwierigen Wintern ausgebracht. Dementsprechend sind moderne Streumaschinen heute technische Meisterwerke, bei denen ein Bediener Variablen wie Streudichte, Querverteilung oder Streubild genau einstellen kann. Und das unabhängig von den genutzten Streustoffen und gezielt auf die jeweilige Glätte. Denn Schneeglätte, also festgefahrener, verdichteter Schnee, Glatteis, das durch Niederschlag entsteht, und Eisglätte, die vom Verkehrsfunk als „überfrierende Nässe“ bezeichnet wird, werden unterschiedlich abgestreut. Spezialisierung ist daher bei Streumaschinen ein wichtiger Aspekt. Schließlich haben auch Straßen und Wege unterschiedliche Profile. Eine Streumaschine, die für den Einsatz auf einer dreispurigen Autobahn konzipiert ist, wäre bei der Glättebekämpfung eines lokalen Radwegenetzes völlig unwirtschaftlich und ginge zudem zu Lasten der Umwelt. „Das passt nicht“, sagt denn auch René Wender. Der Niederländer ist einer der Verantwortlichen im Bereich Glättebekämpfung bei der Schmidt Winterdienst- und Kommunaltechnik GmbH.

Letztes Glied in der Kette

Eine Streumaschine besteht im Wesentlichen aus einem Streugutbehälter mit oder ohne Tanks für Sole und der tatsächlichen Streueinheit mit dem Streuteller. Er bildet das letzte Glied in der Kette. Seine Beschaffenheit sorgt für die genaue Verteilung. Je größer der Durchmesser eines Streutellers, desto weiter kann er das Streugut präzise und daher wirtschaftlich verteilen. Für schmale Stellen sind groß dimensionierte Streuteller dagegen ineffizient. Außerdem gibt es Streuteller, die speziell für das Streuen von Flüssigkeiten entwickelt worden sind. „Es muss ein genaues Profil geben“, sagt Andreas Schwald, Vertriebsinnendienstleiter für Deutschland bei Schmidt in St. Blasien. Die Allzweckwaffe im Kampf gegen Glätte gibt es nicht, genauso wie es keinen Bohrer gibt, der perfekte Löcher in Holz, Stahl, Marmor oder Kunststoff setzen kann. Wender: „Das Angebot bei den Streumaschinen reicht von der Anhängestreumaschine mit 0,8 m3 oder einer Anbau-Streumaschine für Traktoren mit 0,9 m3 Fassungsvermögen bis zur 9 m3 großen Aufbaustreumaschine – mit oder ohne Feuchtsalzausrüstung.“

Auslastung vorhandener Fahrzeuge

Das große Sortiment trägt auch dazu bei, dass Kommunen, Straßenmeistereien und Dienstleister ihren Fahrzeugpark auch im Winterdienst optimal einsetzen können. Unimogs aller Baureihen, Schmalspurfahrzeuge, Transporter mit Pritsche und Lkw jeder Größe sind die häufigsten Fahrzeuge, die im Winterdienst eingesetzt werden. Doch auch kleinere Autos können unterstützen. Schon ein leistungsstarker Kombi oder ein Pick-up lassen sich mit einer Streumaschine ausrüsten – entweder als kleiner Aufbau oder als Anhänger. Damit kann die Glättebekämpfung effizient ausgerichtet werden. „Es gibt für jedes Fahrzeug eine Lösung“, sagt der Winterdienstexperte von Schmidt. Dabei ist ein Trend unverkennbar. „80 Prozent aller in Deutschland und zum Beispiel den Beneluxstaaten verkauften Streumaschinen sind mit einer Feuchtsalzausrüstung ausgestattet“, sagt der Niederländer.

Nicht mehr als nötig

Etwa seit 1960 wird Salz im Winterdienst eingesetzt. Seitdem wird an der Technik des Ausbringens gefeilt. Bereits heute werden Dosierungen mit Feuchtsalz von bis zu 7 g/m2 erreicht, erläutert Wender. Dabei liegt die Nettoausbringung aufgrund der Zusammensetzung von Salz und Wasser bei 5,4 g/m2. Durch die exakte Steuerung von Streubildern und Querverteilung, satellitengestützte Navigation und ein modernes Streudatenmanagement lassen sich die drei Schwerpunkte der täglichen Arbeit (Umweltschutz, Wirtschaftlichkeit und Sicherheit) problemlos vereinbaren. Denn es wird nur so viel gestreut, wie tatsächlich benötigt wird, erläutert Wender. Und das Ende der Fahnenstange ist nicht erreicht, gibt Wender einen Ausblick in die nahe Zukunft: In einigen europäischen Ländern wird 20-prozentige Lauge zur Glättebekämpfung genutzt. Die Sprüh- und Streufahrzeuge bringen etwa 20 g/m2 aus; eine Salzmenge von 4 g/m2.

Patrik Merk | freier Journalist