Spa-Einrichtungen reinigen: Wenn Wellness zur Herausforderung wird

In reinigungstechnischer Hinsicht ungeeignete Materialien, hohe Temperaturen beziehungsweise Luftfeuchtigkeit und anspruchsvolle Nutzer: Bei der Reinigung und Desinfektion von SPA- und Wellnesseinrichtungen warten oft besondere Herausforderungen auf den Gebäudereiniger und seine Beschäftigten. Wie sie zu bewältigen sind.

In SPA- und Wellnesseinrichtungen hat der Gebäudereiniger es oft mit Materialien zu tun, die optisch ansprechend, reinigungstechnisch aber eher dysfunktional sind. Das gilt zum Beispiel für säureempfindlichen Stein in Nassbereichen wie dem Hamam. - © Uwe Büttner

Vielfach hat man es in SPA- und Wellnesseinrichtungen mit Materialen und Einbauten zu tun, die unter reinigungstechnischen Aspekten – vorsichtig formuliert – eher als wenig geeignet anzusehen sind. Dazu gehören Duschbereiche mit Marmorwandverkleidungen, Bodenfliesen mit Wasserverdrängungsnoppen oder gesandeter Oberfläche, unversie­gelte Holz- und Parkettbodenbeläge in den Ruhe- und Entspannungsbereichen sowie unzählige Exponate und Ausstattungsdetails. Oder medizinische Bäder und Massageräume mit Fango, Moor und Öl auch in Holzzubern, Sprudelwannen oder Steintrögen, Whirlpools mit jeder Menge Sprudeldüsen, Wärmebänke, Fuß­becken, ein Hamam, natürlich aus weißem Marmor, und Eisgrotten mit Minusgraden für die Kältetherapie. Obendrein liegen die Reinigungszeiten meist fernab der üblichen Einsatzzeiten auch für Reinigungskräfte und die Umgebungstemperaturen verlangen den Beschäftigten alles ab. Zudem sind die Nutzer sehr anspruchsvoll – sie erwarten einen perfekten Tag in einem top-gepflegten, gereinigten und hygienisch anspruchsvollen Umfeld.

Viele problematische Materialien

Bei der Reinigung von SPA- und Wellnesseinrichtungen in Bädern oder entsprechenden Hotels stehen Dienstleister und Reinigungskräfte oft vor schier unlösbaren Problemen. Die Materialien der Einbauten und Ausstattung sind oft für die Reinigung ungeeignet – es werden Materialien verbaut, die zwar optisch ansprechend, aber reinigungstechnisch dysfunktional sind. Wie soll eine Reinigungskraft eine Dusche mit Marmorfliesen oder eine Wärmebank aus kalkhaltigem Gestein reinigen, wenn sich darauf kalkhaltige Verschmutzungen befinden? Der saure Reiniger unterscheidet schließlich nicht, wo die kalkhaltige Verschmutzung aufhört und die Marmorfliese anfängt. Und warum rostet der Edelstahl der Handläufe oder Verblendungen, der ja eigentlich rostfrei ist, beziehungsweise wie entfernt man die Rostflecken, ohne die Oberfläche zu schädigen? Für manche Probleme gibt es Lösungen, auch wenn sie einigen Aufwand verursachen (mehr dazu weiter unten), für andere hingegen nicht. Wie beispielsweise soll die Salzkristallwand im Ruheraum oder der Salzgrotte hygienisch gereinigt werden, wo Salz bekanntlich wasserlöslich ist und empfindlich auf saure oder alkalische Desinfektionsreiniger reagiert? In diesem Fall gibt es keine schonende Art, von den Nutzern verursachte Verunreinigungen zu entfernen. Bei wiederkehrendem Kontakt mit Wasser wird die Oberfläche angegriffen und die Salzkristallwand kann ihr homogenes Aussehen verlieren.

Ein Paradies für Mikroorganismen

Die Nassbereiche wie Duschen, Hamam oder Dampfsaunen machen bei der Reinigung oft Probleme, sind zeitintensiv zu reinigen und bieten Mikroorganismen wie Algen und dem Aspergillus Niger (Schimmelpilz) ein hervorragendes Wachstumsmilieu. Die Flächen in den Duschbereichen sind gut temperiert und den ganzen Tag herrscht hohe Feuchtigkeit – ideal für die Bildung von Rot-Algen in den Zementfugen und ­Aspergillus Niger in den Silikonfugen. Im feucht-­heißen Klima der Dampfsauna bildet sich in kürzester Zeit an allen Ecken, Kanten und Vorsprüngen ein ­Teppich aus diversen Mikroorganismen, ein Biofilm. Um dieser Armada an unerwünschten Bakterien, Pilzen, Sporen und Viren Herr zu werden, bedarf es gut abgestimmter Reinigungschemie und Reinigungstechnik. Tag­täglich müssen diese Flächen intensiv manuell – und wo möglich maschinell – mit geeigneter Reinigungschemie gereinigt werden, um zu verhindern, dass es zu unerwünschten Ablagerungen kommt.

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    Auch unversiegelte Holzbeläge sind in SPA- und Wellnessbereichen aus dem Blickwinkel der Reinigung eher ungeeignet.
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    Nassbereiche wie Duschen, Hamam oder medizinische Bäder machen bei der Reinigung oft Probleme, sind zeitintensiv zu reinigen und bieten Mikroorganismen wie Algen und dem Aspergillus Niger ein hervorragendes Wachstumsmilieu.
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    Bei Kalksteinen sind saure und alkalische Reiniger tabu. Kalkablagerungen müssen mit viel kratzfreier Mechanik, Schwamm und Reinigungsmilch sowie einigem Durchhaltevermögen entfernt werden.
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    Auch Edelstahl kann rosten – durch dauerhafte Einwirkung von chlor­haltiger Luft. Meist genügt es, die Roststellen mit kratzfreier Reinigungsmilch und ebenfalls kratzfreiem Schwamm zu bearbeiten.
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    Schön, aber schwer zu reinigen: Der Zeitaufwand für die Reinigung von reinigungstechnisch dysfunktionalen Oberflächen ist erheblich, und viele Betreiber sind nicht gewillt, die Mehrkosten dafür zu tragen.
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    In SPA- und Wellnesseinrichtungen hat der Gebäudereiniger es oft mit Materialien zu tun, die optisch ansprechend, reinigungstechnisch aber eher dysfunktional sind. Das gilt zum Beispiel für säureempfindlichen Stein in Nassbereichen wie dem Hamam.

Sauer und alkalisch im Wechsel

Wird nicht wechselnd sauer und alkalisch gereinigt, lagern sich die Hautfette, Hautschuppen und Seifenreste auf den Oberflächen ab, können sich ungestört vermehren und zu einem hartnäckigen und schwer zu entfernenden Biofilm auf den Oberflächen auswachsen. Daher muss abwechselnd mit einem sauren und alkalischen Desinfektionsreiniger, der auf diese Verunreinigungen abgestimmt ist, gereinigt werden. Üblicherweise wird zweimal sauer und dann einmal alkalisch gereinigt. Dadurch wird verhindert, dass sich aus Hautfetten, Hautschuppen sowie Seifenresten und luftgetragenen Mikroorganismen Ablagerungen bilden, den saure Desinfektionsreiniger nicht entfernen und die zu hartnäckigen Verunreinigungen, Schimmelbildung und letztendlich zu einem Biofilm führen.

Was tun bei Marmor und Kalkstein?

Erschwert wird die desinfizierende Reinigung, wenn säureempfindliche Materialien wie Marmor, Muschel­kalk oder sonstiger Kalkstein verbaut ist. Diese Kalkgesteine verkalken und verschmutzen genauso schnell und stark, je nach Wasserhärte, wie eine ­optisch identische Keramikfliese. Die Reinigung einer verkalkten Kalksteinfläche gestaltet sich jedoch um ein Viel­faches schwieriger und benötigt sehr viel mehr Zeit und manuellen Einsatz von den Reinigungskräften als herkömmliche Keramikfliesen.

Mit Schwamm und Reinigungsmilch

Um den Kalkstein nicht zu schädigen, sind saure und alkalische Reiniger tabu. Sie würden den Kalk chemisch lösen und dadurch die Kalksteinoberfläche zerstören. Die einzige Möglichkeit: Die Kalkablagerungen müssen mit viel kratzfreier ­Mechanik, Schwamm und Reinigungsmilch sowie einer guten Portion Opti­mismus und Durchhaltevermögen manuell entfernt werden. Vorbeugend können die Kalksteinflächen mit einem Komplexbildner wie Lavidol – er reduziert die Wasserhärte und somit den Kalkaufbau auf der gereinigten Oberfläche – unterhaltsgereinigt werden. Das funktioniert jedoch nur, wenn sich auf der Oberfläche noch keine Kalkablagerungen gebildet haben.

Mit Reinigungsmilch und Edelstahlpads

Um Edelstahl von Rost zu befreien, der – abhängig von der Materialqualität – durch dauerhafte Einwirkung von chlorhaltiger Luft entstehen kann, genügt es in der Regel, mit kratzfreier Reinigungsmilch und einem kratzfreien Schwamm die Roststellen manuell zu bearbeiten. Dies funktioniert meist aber nur, wenn der Edelstahl regelmäßig ein- bis zweimal monatlich mit Schwamm und Reinigungsmilch gereinigt wird. Handelt es sich um hartnäckigere Rostflecken, kann man zu einem kratzfreien Edelstahlpad greifen. Aber Achtung: Unter keinen Umständen darf die Schmutzflotte in die Schwimm- und Freizeitbecken gelangen!

Aufgetrocknete Mineralien

Ein weiteres schwerwiegendes Reinigungsproblem sind mineralische Ablagerungen wie Mangan – besser bekannt als Braunstein – oder Eisen und Nickel. Mineralische Ablagerungen dieser Art kommen überwiegend in Kureinrichtungen mit eigenem mineralischen Tiefenwasser vor. Diese Heil- und Tiefenwässer werden in Kureinrichtungen nicht nur getrunken, sondern auch als Brauchwasser genutzt. Sie finden Anwendung bei Heilbädern oder Entspannungsbecken. Das stark mineralhaltige Wasser kann den Tag über verdunsten, auftrocknen und seine Mineralien ablagern. Die ­mineralischen Bestandteile lagern sich dann bei porösen Werkstoffen an der Oberfläche ab und sind je nach Oberflächenstruktur und Material nur sehr schwer und mit speziellen Reinigern wie Oxalsäure zu entfernen. Werden die mineralischen Verschmutzungen nicht regelmäßig entfernt, können sie versintern und sind dann chemisch nahezu unlösbar.

Ebenfalls ein Problem: Die Ruheliegen, die täglich gereinigt und desinfiziert werden müssen. Aufgrund ihrer Bauart und der verwendeten Materialien – etwa geöltes Holz, Auflagen aus Korbgeflecht oder Bespannungen aus Baumwolle – ist es oftmals allerdings sehr schwer möglich, die Liegen desinfizierend zu reinigen, ohne dass sie mittelfristig durch die Desinfektionswirkstoffe Schaden nehmen. In solchen Fällen kann ein Heißdampfgerät eingesetzt werden, sofern die Materialien den Heißdampf vertragen. Ein Problem jedoch bleibt bestehen: Der Zeitaufwand für die Reinigung von reinigungstechnisch dysfunktionalen Oberflächen ist erheblich, und viele Betreiber sind nicht gewillt, die Mehrkosten zu tragen.

Desinfektionspläne beachten

Für Gebäudereinigungsunternehmen bedeutet dies, unbedingt die Desinfektionspläne zu beachten, die grundsätzlich der Betreiber der Einrichtungen dem Gebäudereiniger zur Verfügung stellen muss.

Die Reinigungskräfte benötigen Arbeitsbekleidung, die wasserfest und atmungsaktiv ist, ohne die Bewegungsfreiheit und den Komfort einzuschränken. Die Reinigungschemie muss sowohl auf den Desinfek­tionsplan als auch auf die verbauten ­Materialien und Verschmutzungen abgestimmt sein. Es müssen zudem spezielle Reinigungsmaschinen und Geräte angeschafft werden, denen sowohl hohe Luftfeuchtigkeit als auch chlorhaltige Luft nichts anhaben können. Außerdem werden Hochdruckreiniger mit gekapselter Sprühlanze, Baumspritzen für die Desinfektions­lösung, Schaumkanonen usw. benötigt.

Darüber hinaus braucht es sehr zuverlässige und fachlich kompetente Reinigungs- und Aufsichtskräfte, die bereit sind, in den Nachtstunden selbstständig und gewissenhaft die Hinterlassenschaften des Tages zu beseitigen. Nach der Reinigung und Desinfek­tion muss alles tiptop sein, denn der Besucher erwartet am nächsten Morgen eine perfekt gereinigte und hygie­nische SPA- und Wellness-Landschaft.

Uwe Büttner | heike.holland@holzmann-medien.de

Uwe Büttner - © privat

Uwe Büttner

ist Gebäudereinigermeister, öffentlich ­bestellter ­und vereidigter Sachverständiger ­und selbst­ständiger Berater mit dem ­­Schwerpunkt öffentliche Ausschreibungen ­­– www.reinigungsexperte.de.