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Schulreinigung: Wie ein höheres Hygieneniveau gelingen kann

Sauberkeit und Hygiene sind an Schulen aktuell wichtiger denn je. Das ist in der Corona-Krise deutlich geworden. Mit einem strikten Sparkurs öffentlicher Auftrag­geber bei der Reinigung verträgt sich das nicht. Was nun?

Reinigungskräfte sind in Zeiten von Corona ganz besonders gefordert. Mit der täglichen Unterhalts­reinigung sorgen sie nicht nur für die Einhaltung der hy­gienischen Standards, sondern auch für Infektions- und Gesundheitsschutz. Seit jeher ist die Schulreinigung für Gebäudereiniger eine besondere Herausforderung, da gesetzliche Anforderungen wie das Infektionsschutzgesetz und die DIN 77 400 eingehalten werden müssen. Allerdings fährt vielerorts die öffentliche Verwaltung seit Jahren einen rigiden Sparkurs. Aus Kostengründen wurden die Reinigungs­intervalle derart gesenkt, dass Eltern, Lehrer und Schülervertreter bereits vor der Corona-Krise über unzumutbare Hygienezustände klagten.

Reinigungs-Sparkurs an vielen Schulen

Logisch: Mit nur einer Reinigung am Tag können viele Schulen für den Ganztagsbetrieb nicht saubergehalten werden. Wer Böden nur zweimal in der Woche wischen lässt, muss sich nicht wundern, wenn sie an drei Tagen in der Woche schmutzig sind. Deutlich geworden ist: Die Corona-Krise mit ihren Hygiene­regeln verträgt sich nicht mit dem Reinigungssparkurs an den meisten Schulen.

Zuletzt hat sich deshalb der Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks (BIV) an Bundesbildungsministerin Anja Karliczek gewandt – mit folgendem Anliegen: Im Zuge eines Hygiene-Gipfels sollen Verbesserungsvorschläge diskutiert und Handlungsempfehlungen erarbeitet werden. Die Schulreinigung soll damit auf höchster politischer Ebene zum Thema gemacht werden, um die Schulhygiene perspektivisch auf ein höheres Niveau zu heben (mehr dazu lesen Sie im Beitrag BIV regt Hygienegipefel an). Das erscheint dringend notwendig.

Wie es zu Hygienemängeln kommen konnte

Ein Rückblick: Gut 40 Jahre ist es her, dass die öffentliche Hand unter teils großer Anstrengung begann, Reinigungs- und Hausmeisterdienstleistungen aus verwaltungstechnischen und wirtschaftlichen Gründen an die Privatwirtschaft zu vergeben. Vor allem hatten sich seinerzeit im öffentlichen Bereich ineffektive Strukturen mit starker personeller Unflexibilität und hohen Kosten gebildet. Die öffentliche Hand war damals nur eingeschränkt in der Lage, auf diese Herausforderung zu reagieren und gab die Schul­reinigung an die Privatwirtschaft ab. Die Verwaltung dieses Outsourcings hat jedoch nicht nur vorteilhafte Entwicklungen hervorgebracht.

Es mag Kommunen geben, in denen es funktioniert hat. Nehmen wir aber nur einmal Berlin: Dort gibt es rund 2.000 öffentliche Vergabestellen und deren Ausschreibungspolitik ist so ungenügend koordiniert, dass in der Vergangenheit handwerklich schlecht gemachte Ausschreibungen zu erheblichen Qualitäts­einbußen in der Reinigung geführt haben. Von der öffentlichen Verwaltung wurden dabei Leistungsbeschreibungen und Leistungsverzeichnisse vorgegeben, die dem tatsächlichen Bedarf an Reinigung und Hygiene in den öffentlichen Einrichtungen nur unzulänglich genügt haben.

Dubiose Geschäftsmodelle entstanden

Weiter führte auch die Personalknappheit in der öffentlichen Verwaltung in der Vergangenheit dazu, dass unseriöse Beratungsfirmen und dubiose ­Facility-Management-Dienstleister auf den Plan ­traten. Diese versuchten, aus der personellen Mangelsituation im öffentlichen Dienst einerseits und der Abhängigkeit der Auftragnehmer vom öffentlichen Sektor andererseits selbst Kapital zu schlagen. Das führte zu Geschäftsmodellen, bei denen Honorare der Beratungsunternehmen prozentual von den durch die Ausschreibung erzielten Einsparungen ab­­hängig gemacht wurden. Die Honorarmaximierung führte zur Maximierung der Einsparungen mit dem Ergeb­nis sinkender Dienstleistungsqualität in den Pro­­jek­ten, in denen Beratungsunternehmen eingeschaltet waren.

Beispiel Berlin: Schmutzige, stinkende Toiletten, verstaubte Klassenräume und Wollmäuse in den Ecken: Der Reinigungszustand an etlichen Berliner Schulen ist katastrophal und hat Auswirkungen auf die Lern- und Arbeitsbedingungen. Der Verein „Schulen in Not“, ein Bündnis aus Lehrern, Eltern, Sonderpädagogen und Bürgern, wollte das nicht länger hinnehmen und fordert – gemeinsam übrigens mit den Gewerkschaften GEW, verdi und IG BAU – die schnelle Rekommunalisierung der Schulreinigung.

Tipps für die Reinigung (nicht nur) von Schulen

Mehr hilft nicht mehr: Die angegebene Dosierung von Reinigungsmitteln muss eingehalten werden, damit sie wirken. Mehr hilft hier nicht mehr, sondern kann den Oberflächen, der Haut oder den Atemwegen sogar schaden.

Wischen statt Sprühen: Das Sprühen von Reinigungs- und Desinfektionsmitteln sollte noch mehr als sonst hinterfragt werden. Bei diesem Verfahren ist eine vollständige Benetzung der Oberfläche nicht gewährleistet, so dass in der Regel sowieso nachgewischt werden muss. Außerdem gelangen die dabei entstehenden kleinen Tröpfchen auch in die Atemwege der Beschäftigten, was die Schleimhaut schädigt. Das sollte man immer, aber insbesondere jetzt, vermeiden.

Bitte Abstand: Die Einhaltung der Abstandsregeln von mindestens 1,5 bis 2 Metern ist obligatorisch. Wo dies nicht möglich ist, müssen Reinigungskräfte durch persönliche Schutz­ausrüstung – mindestens Mund-Nasen-Schutz sowie Handschuhe – geschützt sein, wobei die Auswahl der Schutzbedeckung immer vom Infektionsrisiko und der Art der Tätigkeit abhängt.

Handhygiene: Den Händen, wichtigstes Gut im Handwerksberuf, muss besondere Aufmerksamkeit zukommen. Die Hände müssen so desinfiziert werden, dass das Händedesinfektionsmittel auf die gesamte Hautoberfläche der Hände einwirken kann. Die vollständige Verteilung ist nicht einfach, sondern nur mit einem bewussten schritt­weisen Vorgehen zu erreichen. Allerdings stellt häufiges Händewaschen auch eine zusätz­liche Belastung dar. Deshalb sind sorgfältiger Schutz und intensive Pflege der Haut bei häufigem Waschen wichtig.

Für Reinigungs­kräfte bedeutet dies auch, bei allen Feuchtreinigungs- und Desinfektionsarbeiten, die nicht berührungslos funktio­nieren, geeignete Handschuhe zu tragen. So kann verhindert werden, dass die Hände mit der Reinigungs­flüssigkeit in Kontakt kommen. Es ist darauf zu achten, dass die Handschuhe innen trocken sein und bleiben müssen. Gegen das Schwitzen helfen Baumwollunterziehhand­schuhe.

Besondere Vorsicht muss walten, wenn Reinigungsflüssigkeit in die Handschuhe hineingelangt. In einem solchen Fall müssen die Handschuhe sofort getauscht werden. Die Hände müssen noch häufiger als sonst eingecremt werden. Besonders wichtig sind die Fingerzwischenräume, die oft vergessen werden, denn dort ist die Haut besonders empfindlich. Auch hier sind Baumwollunterziehhandschuhe sehr hilfreich, die nach dem großzügigen Eincremen der Hände unter die Schutzhandschuhe gezogen werden.

Berlin: Ruf nach Rekommunalisierung

Um das Problem „schmutzige Schule“ zu lösen, fordert der Verein, Reinigungskräfte wieder beim jewei­ligen Bezirk anzustellen – Berlin hat zwölf Bezirke – und einzelnen Schulen zuzuordnen. Der Weg dahin führt über ein Bürgerbegehren, das die Bezirksämter zur Übernahme der Forderungen zwingen soll. Die Kampagne startete Anfang 2019, bis heute sammelte der Verein in Berlin mehr als 25.000 Unterschriften.

Inzwischen haben die ersten Bezirksverordneten­versammlungen in dieser Sache entschieden. Mit Friedrichshain-Kreuzberg, Neukölln, Tempelhof-­Schöneberg, Pankow, Charlottenburg-Wilmersdorf und Steglitz-Zehlendorf haben sechs von zwölf Berliner Bezirken dem Bürgerbegehren bereits zugestimmt, die Schulreinigung wieder auf Eigenleistung umzustellen. In drei Bezirken läuft die Kampagne noch: Dort werden entweder noch Unterschriften der Bürger gesammelt oder die jeweiligen Bezirksverordneten­versammlungen beschäftigen sich aktuell mit der Frage der Rekommunalisierung. Auffällig: Plötzlich ist Geld da. Im Doppelhaushalt 2020/2021 wurden die finan­ziellen Mittel für die Schulreinigung in Berlin um 16 Millionen Euro aufgestockt. Die Corona-Pandemie hat es möglich gemacht, denn das Geld wird im Zuge zusätzlicher Reinigungsmaßnahmen ausgegeben.

Es gibt auch andere Stimmen

Aber es gibt aus der öffentlichen Verwaltung auch ­andere Stimmen, nämlich diejenigen, die mit der Leistung der gebundenen Gebäudereinigungsunternehmen sehr zufrieden sind und seit Jahren eine sehr gute Partnerschaft mit oft regional ansässigen Unternehmen pflegen. Im Übrigen lehnt die Interessenvertretung der Berliner Schulleiter (IBS) die Rekommuna­lisierung aufgrund der Erfahrung, die mit der öffentlichen Schulreinigung gemacht wurde, bevor sie outgesourct wurde, komplett ab. Der Grund sind insbesondere die hohen Krankenstände, die es gab, als die Reinigung noch in der öffentlichen Hand war.

Verstaatlichung bringt Mehrkosten

Am Ende steht in Berlin wohl die Rekommunalisierung der Schulreinigung. Die Verstaatlichung der Schulreinigung ist jedoch ein entscheidender Eingriff in den privatwirtschaftlichen Bereich, der den Mittelstand trifft. Die meist kleinen und mittleren Gebäudereinigungsbetriebe in Berlin wären stark betroffen, wenn ihnen die öffentliche Hand durch Rekommunalisierung wesentliche Aufträge entzieht. Tatsächlich muss bei einer Rekommunalisierung – und das muss den Befürwortern klar sein – auch mit erheblichen Mehrkosten gerechnet werden . Es fallen an: Gehälter für bezirklich angestellte Reinigungskräfte, Kosten für Reinigungsmittel, Maschinen und Geräte, Kosten für Schädlingsbekämpfung, zusätzlicher Verwaltungsaufwand sowie die Kosten für eine Personalreserve bei Urlaub oder Krankheit. Die Bezirke Pankow und Steglitz-Zehlendorf haben es nach Informationen des Berliner "Tagesspiegel“ bereits durchgerechnet: In Pankow entstehen für rund 350 Reinigungskräfte Mehrkosten in Höhe von mehr als acht Millionen Euro im Jahr, Steglitz-Zehlendorf beziffert die zusätzlichen Ausgaben auf voraussichtlich 2,8 Millionen Euro – ohne Krankheits- und Urlaubsvertretungen. Der Bezirk Marzahn-Hellersdorf rechnet mit einer Kosten­steigerung von etwa 16 bis 20 Prozent.

Studie: Fremdreinigung wirtschaftlicher

Gebäudedienstleister, die im Bundesinnungsverband beziehungsweise in Landesinnungen organisiert sind, haben Qualitätsverbände gegründet, sind zu hoher Dienstleistungsqualität auf Grundlage einschlägiger Normen, zum Beispiel der DIN EN ISO 9001, angehalten – und zeigen gleichzeitig hohe wirtschaftliche Performance. Die Studie "Wirtschaftlichkeit der Fremdreinigung im Vergleich zur Eigenreinigung bei der Öffent­lichen Hand am Beispiel der Kommunen" liefert Fakten. Die als „Rödl-Studie“ bekannt gewordene Untersuchung zeigt neben höherer Transparenz, Effizienz, Qualität und Flexibilität vor allem klare Kostenvorteile einer Fremd­reinigung gegenüber der Eigenreinigung auf: Im Schnitt liegen die empirisch ermittelten Kostenvorteile der Fremdreinigung, trotz Belastung mit Umsatzsteuer, b ei etwa 34 Prozent. Ausgehend von einem durchschnittlichen Anteil der Eigenreinigung von 53 Prozent über alle betrach­teten Kommunen führt die Umstellung von Eigen- auf Fremd­reinigung zu einem Einsparpotenzial von durchschnittlich 4,27 Euro je Einwohner. Für eine Kommune mit 100.000 Einwohnern bestehe damit ein Einsparpotenzial von jährlich 427.000 Euro. Der ­populistische Ruf nach Rekommunalisierung in einigen Bundesländern, allen voran in Berlin, ist verfrüht, historisch falsch und perspektivisch nicht berechtigt.

Anforderungen der Hygienemaßnahmen

Hygiene ist in einer Pandemiesituation von allergrößter Bedeutung – für alle. Dies gilt besonders für die Beschäftigten der Reinigungsbranche, denn sie sind in der Regel diejenigen, die für saubere und hygienische Zustände sorgen. Dies nicht nur durch die Reinigung von Fußböden oder Türklinken, sondern auch durch das Auffüllen von Seifenspendern und Einmalhandtüchern. Es geht aber auch um den Schutz der Beschäftigten. Vor allem das Händewaschen ist eine der grundlegenden Hygienemaßnahmen und derzeit besonders wichtig. Zur Reinigung der Hände müssen im Schulbetrieb hautschonende Flüssigseife und Handtuchspender zur Verfügung gestellt werden.

Unternehmen stehen vor der Herausforderung, die Vorgaben und besonderen hygienischen Anforderungen in die Arbeitsabläufe zu integrieren. Die Hygiene­pläne und Regeln der Kultusministerien der Bundesländer für die Schulreinigung haben ent­sprechend Einfluss auf die Arbeit der Reinigungs­branche. So müssen auch in den Bildungseinrichtungen die ­Reinigungskräfte Regeln wie das Abstandsgebot und die Hygieneetikette beachten. Es gilt zugleich die eigene Gesundheit, die der Schüler und die des Lehrpersonals zu schützen.

Klare Empfehlungen der BG BAU

So hat auch die BG BAU klare Empfehlung zur Reinigungshäufigkeit ausgesprochen – mit dem Grundtenor, die Reinigungsinter­valle zu erhöhen. Eine vermehrte Reinigung kommt zum Beispiel für Bereiche in Frage, an denen sich viele Personen aufhalten. Dazu zählen in Schulen insbesondere Eingangs­bereiche, Klassen­räume und Sanitärräume. Aber auch viel genutzte Ober- und Kontaktflächen wie Türklinken, Treppengeländer oder Schülertische sollten häufiger gereinigt werden (mehr dazu lesen Sie im Beitrag Reinigung in Corona-Zeiten: Was Dienstleister jetzt beachten müssen).

Michael Dräger | heike.holland@holzmann-medien.de

Und was sagen Gebäudedienstleister aktuell zum Thema Schulreinigung?

Peter Weiß: "Wir Gebäudedienstleister haben die Wahl ... "

Peter Weiß

Peter Weiß, Geschäftsführer Technik, Moritz Fürst, Nürnberg: Das Thema Corona in Verbindung mit Schulen und Unterricht nimmt derzeit viel Raum in den Medien ein. Vor den Sommerferien wurden in geplanten Stufen Präsenzunterricht in kleinen Gruppen oder andere Modelle ausprobiert. Nach den Ferien starteten nach dem politischen Willen wieder alle Schulen mit Präsenzunterricht. Damit verbunden ent­wickelte sich ein neues Bewusstsein für Hygiene in den Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen. Die derzeitige Selbstverständlichkeit von Hygiene ist sicherlich in der Corona-Pandemie begründet. Aktuell setzen wir Hygienemaßnahmen um, welche wir gemeinsam mit unseren Ansprechpartnern erarbeitet haben. Unser erklärtes Ziel ist es, das Bewusstsein für Hygiene auf einem hohen Niveau zu halten.

Wenn wir auf die Zeit vor Corona zurückblicken, erinnern wir uns an sehr unterschiedliche Reinigungs- und Hygiene­situationen in Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen. Vom Neubau mit neuwertiger Ausstattung bis zum Altbau mit umfangreichem Sanierungsstau sahen wir uns mit sämtlichen Anforderungen konfrontiert. Besonders die Sanitärbereiche entsprachen teilweise nicht den aktuellen Hygieneanforderungen. Aufgrund der Pandemie wird allerdings mit Hochdruck an einer Verbesserung der Situation gearbeitet.

In den letzten Jahren wurde immer wieder über die Notwendigkeit einer angemessenen Reinigungsqualität, gerade in Schulen, gesprochen. Auch das Thema Rekommunalisierung wurde dabei immer wieder aufgegriffen. Die Qualität einer Reinigungsleistung beschreiben die definierten Leistungen und deren Häufigkeiten. Ob eine gute Qualität dann tatsächlich erreicht werden kann, ergibt sich aus machbaren Stunden­vorgaben für das Reinigungspersonal, unabhängig davon, ob der Arbeitgeber der Reinigungskraft ein Dienstleister oder eine Kommune ist.

Gerade bei öffentlichen Auftraggebern erkennen wir eine Zweiteilung bei den Vergabekriterien. Ein Teil achtet immer noch auf die Wirtschaftlichkeit beziehungsweise den niedrigsten Preis, während ein größer werdender Teil auf Qualität setzt. Wir Gebäudedienstleister haben die Wahl, an welchen Ausschreibungen wir uns beteiligen.

Ulf Henning: "Der Staat ist nicht der bessere Unternehmer"

Ulf Henning

Ulf Henning, Geschäftsführer, Henning Facility Services, Lüneburg: Schule ist die Institution, die jeder besuchen muss. Das ­bedeutet, dass die Verantwort­lichen in den Kommunen und Ländern alles tun müssen, um ein gefahrfreies Lernen zu ­ermöglichen. Für uns Gebäudedienstleister bedeutet dies, dass wir, wie bei allen anderen Dienstleistungen auch, unser ganzes Können darauf konzentrieren, beste Handwerksarbeit gerade in Schulen abzuliefern.

Nichts ist so schlecht, dass nicht auch etwas Gutes dabei herauskommt: Die Covid-19-Pandemie hat dazu geführt, dass Hygiene einen ganz neuen Stellenwert bekommen hat. Wenn ich nach Hamburg schaue, so hat die Stadt in Zusammenarbeit mit der Innung und den Dienstleistern wichtige und wegweisende Entscheidungen getroffen: Bei Schulschließungen wird weiter gereinigt, es werden Grund- und Sonderreinigungsarbeiten durchgeführt. Hamburger Schüler besuchten zwar bereits vor dem Lockdown Schulgebäude in einem sehr guten Zustand, allerdings konnte man zu Beginn des neuen Schuljahres feststellen: Die Objekte befinden sich in einem außerordentlich guten Reinigungszustand, ganz nach dem alten Claim: Reinigen, pflegen, schützen.

Staunend schaue ich daher nach Berlin: Dort will man die Reinigungsorganisation in kommunale Hände zurückführen. Begründung: Mangelhafte Sauberkeit. Richten soll es nun der Staat mit eigenen Reinigungskräften. Dabei sehen wir allerorten: Der Staat ist nicht der bessere Unternehmer. Ich kann den Berliner Bezirken den Blick nach Hamburg nur wärmstens empfehlen. Hier wird nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten ausgeschrieben, eine staatliche Stelle in der Finanzbehörde, besetzt mit Reinigungsfachleuten, bewertet die Angebote, ein unabhängiger Verein kontrolliert die Einhaltung tariflicher und gesetzlicher Vorgaben und eine externe Prüfinstanz kontrolliert regelmäßig die Reinigungsqualität in allen Schulen. Zusätzlich stellen die Reinigungsfirmen nun Tagesreinigungskräfte zur Verfügung, damit eine zusätzliche Sanitärraumreinigung durchgeführt und Spontanverschmutzungen sofort entfernt werden können. Die Nutzerzufriedenheit in den Schulen spricht für sich. Qualität hat ihren Preis, an diesem Grundsatz ändert eine staatlich getragene Reinigung auch nichts.

Peter Hollmann: "Rekommunalisierung ist keine Lösung "

Peter Hollmann

Peter Hollmann, Betriebsleiter, Niederberger, Berlin: Keine Schule wird sauberer, weil Reinigung verstaatlicht wird. Der Berliner Senat hat sich vor mehr als 30 Jahren bewusst und gewollt aus der Eigenreinigung verabschiedet. Die Corona­virus-Epidemie wird von den Befürwortern benutzt, um Argumente für eine Rekommunalisierung zu finden. Dabei ist das Problem der fehlenden Sauberkeit in Schulen hausgemacht und die Schulreinigung wieder zu rekommunalisieren, so wie es der Berliner Senat anstrebt, ist keine Lösung. Jahrelang wurde im Drei-Jahres-Rhythmus die Schulreinigung neu ausgeschrieben und fast immer wurde der billigste Anbieter gewählt. Das Ergebnis: Schulen wurden nicht richtig gereinigt oder waren richtiggehend verdreckt. Verstärkt wurde diese Entwicklung durch Defizite in der Bauunterhaltung.

Reinigung wird aber nicht besser, nur weil sie verstaatlicht wird, sondern dann, wenn mit ordentlichen Leistungsverzeichnissen und auskömmlichem Budget ausgeschrieben wird. Wer bereits handwerkliche Fehler in der Ausschreibung macht, muss sich nicht wundern, wenn das zu erheblichen Qualitätseinbußen in der Reinigung führt. So hat beispiels­weise die öffentliche Verwaltung Leistungsbeschreibungen und Leistungsverzeichnisse vorgegeben, die dem tatsächlichen Bedarf an Reinigung und Hygiene in den öffentlichen Einrichtungen nur unzulänglich genügt und den oft in die Jahre ­gekommenen Baulichkeiten bezüglich Pflege und Wert­erhaltung nicht genügt haben.

Zudem hat die Landespolitik über Jahrzehnte einen gnadenlosen Sparkurs gefahren, der auch bei den Reinigungsleistungen nicht halt machte. Das Ergebnis dieser Politik: Wer Klassenräume nur zweimal in der Woche reinigen lässt, muss sich dessen bewusst sein, dass die Räume zweimal in der Woche sauber und an drei Tagen in der Woche schmutzig sind. Dieser Zustand ist nicht schön, aber dafür kann der Auftraggeber den Dienstleister nicht verantwortlich machen. Verstärkt wird ein schlechter Reinigungszustand aber auch durch jahrelang vernachlässigte bauliche Instandhaltung vieler Schulen. Wo Fugen schimmeln, Entwässerungen nicht funktionieren und Schmutz und Staub durch undichte Fenster eindringen, ist eine gute Reinigung oft faktisch unmöglich.

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