Interview mit Claudia Liersch Schüler sind viel besser als ihr Ruf

Claudia Liersch, Studienrätin an der Gewerblichen Schule Metzingen und Fachlehrerin der Gebäudereinigerazubis. Mit den Deutschlehrern Hilde Aubermann und Bernd Schulz betreut sie „Die Azubiseite“. - © Privat

Schüler sind viel besser als ihr Ruf

rationell reinigen: Frau Liersch, Sie sind seit 17 Jahren Fachlehrerin für Gebäudereinigungstechnik an der Gewerblichen Schule Metzingen. Haben Sie je bereut, dass Sie in den Schuldienst gegangen sind?

Liersch: Nein, nach wie vor macht mir mein Beruf Spaß. Die 17 Jahre sind wie im Fluge vergangen. Ich unterrichte gerne und setze mich, so gut ich kann, für meine Schüler ein.

Jedes Jahr, wenn die neuen Azubis oder Meisterschüler kommen, habe ich Lampenfieber und bin gespannt, wen ich kennen lernen werde. Die Gebäudereinigerwelt ist klein, man trifft sich auch nach der Schulausbildung immer wieder. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich auf Tagungen oder Messen ehemalige Schüler sehe, und bin stolz darauf zu hören, wie sie sich weiterentwickelt haben. Der Lehrerberuf ist aber natürlich auch mit viel Idealismus verbunden.

rationell reinigen: Von Idealismus allein lässt sich aber nicht leben.

Sicher nicht, aber das Entgelt ist durchaus vergleichbar mit einem mittleren Gehalt in der Wirtschaft und natürlich können sie im Schuldienst auch Karriere machen, vielleicht Abteilungsleiter oder sogar Schulleiter werden.

rationell reinigen: Eine Frage, die Sie sicherlich öfter hören: Sind die Azubis so schlimm wie ihr Ruf?

Nein. Natürlich kommt es vor, dass sich ein Schüler nicht benimmt oder Anweisungen nicht befolgt. Dann bekommt er einen Eintrag und als Klassenlehrerin führe ich auch Verwarnungs- und Schlichtungsgespräche. Es gibt aber auch sehr viele freundliche Schüler, die mir schon von weitem „Hallo Frau Liersch, wie geht es Ihnen!“ entgegenrufen und mich für den Ärger entschädigen.

rationell reinigen: Wie motivieren Sie die Schüler?

Die Schüler morgens um 7.15 Uhr zu motivieren, bedarf schon einiger Kreativität. Mit ein bisschen Geduld schaffe ich es aber, dass sich die Jungs und Mädels am Unterricht beteiligen. Wichtig ist auch, anschaulich zu unterrichten. Wenn wir etwa elastische Bodenbeläge durchnehmen, bekommt jeder Schüler ein Stück, das er anschauen, befühlen und untersuchen kann.

rationell reinigen: Würden Sie Ihren Beruf weiterempfehlen?

Auf jeden Fall. Wenn man gerne und intensiv mit jungen Menschen zusammenarbeiten möchte, ist es genau das Richtige.

rationell reinigen: Frau Liersch, vielen Dank für das Gespräch.