Wenig Fläche, hoher Aufwand: Sanitärräume haben einen Anteil von nicht einmal fünf Prozent der Nutzfläche in Bürogebäuden, für ihre Pflege ist aber bis ein Drittel der Gesamtreinigungskosten zu veranschlagen. Zugleich sind sie die Raumgruppe mit den meisten Beschwerden von Gebäudenutzern. Mit der richtigen Herangehensweise lässt sich die Sanitärreinigung trotzdem erfolgreich gestalten – im Sinne aller Beteiligten.

Durchschnittlich benutzt ein Erwachsener fünf bis zehn Mal täglich eine sanitäre Einrichtung. Etwa die Hälfte der Toilettenbesuche fallen in der Arbeitszeit an, und je nach Tätigkeit lässt sich fast schon erahnen, ob die sanitäre Anlage dem Nutzer Freude oder Schrecken bereitet.
Die typische Assoziation der meisten Menschen mit einem außerhäuslichen Toilettengang – vor allem an stärker frequentierten Orten – sind üble Gerüche, fehlendes Handtuch- oder Toilettenpapier und Seife sowie Defekte an Spendern, überquellende Papierabfallbehälter, unansehnliche WC-Schüsseln, fehlende und/oder defekte Toilettensitze, dreckige und schäbige WC-Bürsten, Staub in allen Ecken und auf allen Kanten, verschmierte Bodenfliesen und oftmals Kabineninnenwände, die mit mehr oder weniger geistreichen Sprüche und Skizzen versehen sind – Orte des Schreckens statt Wohlfühlzonen.
Eigentlich könnte man ja annehmen, dass bei einem Aufwand, der für bis zu 30 Prozent der Gesamtreinigungskosten steht, die sanitären Anlagen nach jeder Unterhaltsreinigung strahlen, blitzen und nach Veilchen duften. In der Realität stellt sich dies häufig anders dar. Statt nach Veilchen riecht es in vielen Sanitärräumen penetrant nach Urin und die Oberflächen wirken schmuddelig und klebrig.
Systematisch und gut überlegt vorgehen
Um bei der Sanitärreinigung zu punkten, auch wenn die baulichen Gegebenheiten dagegensprechen, ist es von Vorteil, systematisch und gut überlegt vorzugehen. Mit Sanitärräumen werden üblicherweise Umkleide-, Wasch-, Dusch- und Toilettenräume bezeichnet. Aus Sicht des Gebäudereinigers ist bei der Reinigung vor allem die Begehsicherheit der Bodenbeläge und die Hygiene der Einbauten wichtig. Für die Nutzer spielen Optik und Geruch hingegen eine weit größere Rolle als die Hygiene.
Kurz gesagt: Wenn es gut riecht und die Optik stimmt, verbinden die Nutzer das mit Sauberkeit und Hygiene. Optik und Geruch werden beim Betreten sofort wahrgenommen, Hygiene – die Abwesenheit humanpathogener Keime – kann von den Nutzern hingegen nicht gezielt bestimmt werden. Hygiene ist für die meisten von ihnen ein Gefühl, das entsteht, wenn die sanitären Anlagen gut riechen, einen sauberen Eindruck vermitteln, modern, hell und freundlich gestaltet sind und am besten noch Lounge-Musik oder Vogelgezwitscher aus verdeckt eingebauten Lautsprechern rieselt.
Der Reinigungsablauf ist das A & O
Die Basis für eine hygienische und wirtschaftliche Reinigung von Sanitärräumen ist neben dem geeigneten Equipment der Ablauf. In welcher Reihenfolge die Reinigung mit welcher Chemie und welchem Equipment durchgeführt wird, hat großen Einfluss auf Hygiene, Effizienz und somit Wirtschaftlichkeit.
Das Equipment besteht immer aus einem geeigneten Reinigungswagen, der bei der Arbeit üblicherweise vor dem Sanitärraum abgestellt wird. Er beinhaltet neben der Reinigungschemie auch die benötigten Verbrauchs- und Hygienematerialien wie WC-Papierrollen, Hygienebeutel, Handtuchpapier, Seife, gegebenenfalls Händedesinfektionsmittel und Abfallbeutel.
Was auf den Reinigungswagen gehört
Für die Ausführung der Sanitärreinigung muss der Reinigungswagen mit einem Farbensystem – Eimer, Mikrofasertücher und Schwämme in Rot und Gelb – ausgestattet sein. Je nach Arbeitsweise bei der Bodenreinigung ist der Wagen mit einer Moppbox mit vorgetränkten Nasswischbezügen oder alternativ mit einer Flach- oder Vertikalpresse bestückt. Weil die Reinigungskräfte beim klassischen Tränken beziehungsweise Auswaschen der Nasswischbezüge in direkten Kontakt mit ihnen kommen, ist eine Vertikalpresse aus hygienischer Sicht allerdings wenig vorteilhaft. Deren Einsatz bei der Bodenreinigung sollte auf das Nötigste reduziert werden. Idealer-weise werden vorgetränkte Reinigungstextilien (Pre-Prepared-Verfahren) verwendet und nach der Reinigung abgeworfen. Dadurch lässt sich eine mögliche Keimverschleppung effektiv verhindern.
Nur Mikrofasermopps führen zum Erfolg
Sanitärräume ohne Barfußbereiche müssen laut den Technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR) mindestens mit Sicherheitsfliesen der Rutschhemmungsklasse R9 ausgestattet sein. Überwiegend sind in Sanitärräumen R9-Fliesen aus Feinsteinzeug oder Keramik verlegt. Die mikrokraterartige Oberflächenstruktur der Feinsteinzeugfliesen, die für die R9-Eigenschaften sorgt, hat einen Bruchteil des Durchmessers einer Baumwollfaser. Baumwollnasswischbezüge sind daher aufgrund ihrer Fasereigenschaften nicht in der Lage, Sicherheitsfliesen der Klasse R9 oder höher aus Feinsteinzeug mit einem befriedigenden optischen Ergebnis zu reinigen. Der Versuch, Verschmutzungen aus den Mikrokratern durch Nasswischen mit einem Baumwollwischbezug zu entfernen, kann nur scheitern. Lediglich Mikro- oder Melaminharzfasern, auch als Padscheibe, sind aufgrund der Fasergröße in der Lage, in die Krater vorzudringen und vorhandene Schmutzpartikel zu lösen. Deswegen sollten bei der Reinigung von Feinsteinzeugfliesen ausschließlich Mikrofasern zum Einsatz kommen. Dabei ist zu bedenken, dass Mikrofaserbezüge eine hohe mechanische Reinigungsleistung besitzen, was eine gewisse Schwergängigkeit beim Nasswischen verursacht. Aus ergonomischen Gründen sollte mit maximal 40 Zentimeter breiten Mikrofasermopps gearbeitet werden.
Keine Regel ohne Ausnahme
Erschwerend kommt hinzu, dass Architekten es in Sanitärräumen mit der Begehsicherheit oftmals übertreiben. So werden gesandete oder Fliesen mit Rutschhemmungsklasse R11 und höher, zum Teil noch mit Verdrängungsstruktur, verbaut, die nur für Barfußbereiche vorgeschrieben und sinnvoll sind. Bei gesandeten Fliesen oder solchen mit Verdrängungsstruktur hilft der klassische Mikrofaserwischbezug nicht richtig weiter. In diesen Fällen müssen alternative Reinigungsverfahren angedacht werden. Möglich wäre zum Beispiel, einen Igel-Mopp zum Vorschrubben und einen Mikrofaserbezug zum Nachwischen zu verwenden. Oder klassisch mit Schrubber und Wasserschieber zu arbeiten. Denkbar ist auch der Einsatz einer kleinen, portablen Bodenscheuermaschine.
Was bei der Chemie zu beachten ist
Hauptentscheidend für den optischen Erfolg bei der Reinigung von R-Fliesen aus Feinsteinzeug und Keramik ist neben dem Reinigungsverfahren die Reinigungschemie. Sanitärräume sollten grundsätzlich mit einem leistungsfähigen Sanitärreiniger gereinigt werden. Dies gilt für Inventar, Wände und Bodenbelag. Wird bei der Bodenreinigung fälschlicherweise Reinigungschemie mit pflegenden Substanzen oder ein alkalischer beziehungsweise pH-neutraler Reiniger verwendet, weist der Belag meist eine leichte speckige und wolkige Optik mit Schmutzaufbauten oder Pflegefilm hin zu den Rändern auf. Neben dem Nasswischbezug kommt dem Sanitärreiniger eine wichtige Rolle zu. Hauptentscheidend sind die verbauten Materialien und die Frequentierung der Sanitärräume. Dabei gilt: Je empfindlicher die Materialien – etwa Marmor, Muschelkalk oder Travertin – umso weniger aggressiv beziehungsweise sauer darf der Reiniger sein. Je höher die Frequentierung, umso leistungsfähiger muss der Reiniger sein. Denn höhere Frequentierung bedeutet ein Mehr an Kalk-, Urin-, Fett- und Seifenrückständen im Sanitärraum.
Rückstände entfernen, Metalle schützen
Der Markt bietet eine Vielzahl von Wirkstoffen mit unterschiedlichen Eigenschaften und Wirkungsweisen. Alkalische Sanitärreiniger für empfindliche Oberflächen basieren meist auf chlorhaltigen Wirkstoffen wie Natriumhypochlorit – das ist ein Oxidationsmittel und bewirkt eine Dissoziation, ein Auseinanderfallen der Verschmutzungen.
Bei sauren Sanitärreinigern (pH-Wert < 2) kommen Amidosulfon-, Phosphor-, Zitronen-, Essig-, Milch- oder Oxalsäuren als Wirkstoffe zum Einsatz. Die Ionen in den Säuren geben Protonen ab und lösen dadurch den Kalk, es entsteht Kohlensäure, die zu Wasser und Kohlendioxid zerfällt (gut erkennbar am Aufschäumen der Säure bei Kontakt mit kalkhaltigen Ablagerungen). Saure und auch alkalische Reiniger greifen die meisten Metalle an. Besonders bei Aluminium- und Chromarmaturen, je nach Qualität, kommt es zu Material- und Farbveränderungen, Verätzungen und Abplatzungen der Chromschicht.
Amidosulfon- und Zitronensäure sind bei der Reinigung von Sanitärräumen die unproblematischsten Säuren, da sie wenig korrosiv wirken und daher eher nicht dazu neigen, Chromarmaturen anzugreifen. Bei Aluminium – zu finden etwa an den Stellfüßen der Kabinentrennwände und Glaseinfassungen der Duschkabinen – besteht immer Verätzungsgefahr durch alle sauren, aber auch alkalischen Sanitärreiniger.
Im Zweifel lieber kratzfrei
Einige Sanitäreinbauten reagieren aber auch auf starke Mechanik mit Veränderungen der Oberflächenstruktur bis zur vollständigen Zerstörung. Mechanisch wirkende Reinigungstextilien aus Aktivfasern und Schwämme mit schwarzem, grünem oder braunem Vlies können die Oberflächen von Chromarmaturen, Toilettendeckeln, WC-Rollen- und Bürstenhaltern aus Kunststoff oder Waschbecken aus Corina nachhaltig schädigen und/oder verkratzen. Als kratzfreie Reinigungsutensilien bieten sich Viskose- oder PU-Schwämme mit weißem oder blauem Vlies und gewebte oder im Wasserstrahlverfahren hergestellte Mikrofasertücher an. Problematisch sind PU-Schwämme in hygienerelevanten Bereichen, da sie im Kern nicht oder nur nach sehr langer Zeit austrocknen und Mikroorganismen sich im Schwamm dadurch stark vermehren. Auf Baumwoll- oder PU-Schwammtücher sollte aus hygienischen Gründen ebenso verzichtet werden. Eine gute Alternative ist ein Viskoseschwamm, der im Kern vollständig durchtrocknet.
Mit das Wichtigste ist, dass alle Ober- und Bodenflächen sauer gereinigt werden, wenn dies die Materialien zulassen, um dem Aufbau von Kalk- und Schmutzrückständen, die einen hervorragenden Nährboden für Mikroorganismen aller Art abgeben, vorzubeugen. Die Reinigung mit sauren Produkten ist aber keine Desinfektion, da sie nur eine etwa 80-prozentige Keimreduktion (mit Mikrofasern zum Teil
95 Prozent) bewirkt. Im Vergleich dazu wird bei einer desinfizierenden Sanitärreinigung eine Keimreduktion von mindestens 99,99 Prozent erzielt.
Durch die Brille des Nutzers sehen
Wie bei allen Reinigungsarbeiten ist es auch im Sanitärbereich sinnvoll, sich einen Überblick darüber zu verschaffen, wie der Besucher den Raum wahrnimmt, um die kritischen Punkte nicht zu übersehen: Die Reinigungskraft sollte sich die Zeit nehmen, den Sanitärraum aus Sicht des Nutzers zu betrachten. Dazu gehört auch, sich auf die Toilette zu setzen, die Tür zu schließen und sich umzusehen. Dabei lässt sich etwa feststellen, ob die innenliegenden Türscharniere und die Verriegelung verstaubt sind oder ob sich um die Stellfüße der Kabinenwände herum eine Schmutzinsel angehäuft hat. Zuletzt noch mit den Fingern überprüfen, ob sich auf den Trennwandoberkanten Staub gesammelt hat – und dann kann die Reinigung losgehen.
Die Arbeitsschritte im Sanitärraum
Die Arbeit sollte mit dem Applizieren des Sanitärreinigers beginnen (WC-Schüssel, Urinal, Waschbecken), sodass er genügend Zeit hat, seine Wirkung zu entfalten, um die Verschmutzungen aufzubrechen und zu lösen. Auf dem Weg zurück zum Reinigungswagen kann gleich der Abfallbehälter geleert und am Wagen entsorgt werden.
Im nächsten Schritt werden Türgriffe, Türen, Lichtschalter, Heizkörper, Fensterbretter, Spiegel, Ablagen, Spender, Abfallbehälter außen, Beleuchtung, Armaturen, Waschbecken, Spritzbereiche, Drückerarmaturen und WC-Rollenhalter mit einem gelben Schwamm beziehungsweise Tuch rückstandsfrei gereinigt. Dabei wird kontrolliert, ob Papier, Seife oder Händedesinfektionsmittel fehlen und nachgefüllt werden müssen. Wenn nötig, wird bei diesem Arbeitsschritt der Abfallbehälter mit einem neuen Müllsack oder -beutel bestückt.
Anschließend werden die Spritzbereiche und Kabinenwände sowie die Spritzbereiche der Urinale und deren Stellwände (wenn vorhanden) mit einem roten Tuch gereinigt. Urinale, Toilettenschüsseln, Hygienebehälter und Toilettenbürstenhalter werden zuletzt mit rotem Schwamm beziehungsweise Tuch gereinigt.
Zum Schluss erfolgt die ein- oder zweistufige Bodenreinigung mit einem Mikrofaserwischbezug und saurem Reiniger. Noch ein kleiner Spritzer Duftöl oder Lufterfrischer, wenn vom Kunden gewünscht, und der Sanitärraum ist fertig.
Bei Sanitärräumen im Industriebereich gelten zum Teil andere Spielregeln, was die Reinigungschemie betrifft. Bei einem hohen Eintrag von Öl- und fetthaltigen Verschmutzungen kann es helfen, wenn der Bodenbelag zuerst alkalisch gereinigt wird. Im Anschluss wird sauer gereinigt, um Kalk und Urinrückstände zu beseitigen.
Uwe Büttner | heike.holland@holzmann-medien.de
