In Bädern etwa von Hotels oder in nassbelasteten Bereichen wie Sport- und Wellnesseinrichtungen kommt es oft zu hartnäckigen Ablagerungen – besonders in Duschen und an Waschtischen. Wie eine Entfernung der unansehnlichen Rückstände gelingt.

Ablagerungen in Bädern entstehen unter anderem durch sogenanntes hartes Wasser mit einem hohen Anteil an Kalzium- und Magnesiumionen, die sich an Fliesen, Armaturen und Glasoberflächen niederschlagen. Auf der rauen Oberfläche von Kalk haften wiederum Schmutz, Seifenreste und Bakterien sehr gut. Die regelmäßige Beseitigung von Kalk und Rückständen ist daher ein ästhetisches und gleichzeitig ein hygienisches Problem.
"Der größte Feind für keramische Fliesen und Natursteinbeläge in nassbelasteten Innenräumen sind neben Kalk insbesondere auch Seifenrückstände, Verschmutzungen und Schimmel. Bei der Beseitigung ist die Wahl der Reinigungsmethode und der Reinigungsmittel von maßgeblicher Bedeutung. Dabei besteht jedoch das Risiko, dass die Fugen beschädigt werden oder die Säure die Oberfläche von weichen Natursteinen wie Marmor oder Kalkstein angreift", merkt Evangelos Iordanidis, Steinpfleger und Geschäftsführer von Finalit Deutschland, dazu an.
Bei glasierten Feinsteinzeugfliesen oder harten Natursteinen wie Granit können zur Entfernung von hartnäckigem Kalk und sonstigen Ablagerungen saure Spezialreiniger wie zum Beispiel der Kalklöser Nr. 6 oder der Kalk- und Zementschleierentferner Nr. 9 von Finalit eingesetzt werden. Je nach Verschmutzungsgrad lassen sich diese mit Wasser im Verhältnis 1:20 verdünnen. Die Bearbeitung der Wand- oder Bodenbeläge kann händisch mit einem brauen Pad oder mit einer Einscheibenmaschine mit Siliciumbürste erfolgen.
Nach der Behandlung ist der saure Reiniger auf jeden Fall mit einem entsprechenden Reiniger zu neutralisieren, anschließend müssen die Flächen gründlich mit Wasser nachgewaschen werden. Wird die Säure auf Wände aufgetragen (absäuern), muss die Fläche vorher mit Wasser benetzt und anschließend der Reiniger von unten nach oben aufgetragen werden. Erfolgt der Auftrag umgekehrt, bilden sich Ätzstreifen, die nur durch Abschleifen der Fläche entfernbar sind.
Handelt es sich beim Naturstein um den Kalkstein Solnhofer, so darf dieser nicht mit den beiden erwähnten sauren Reinigern behandelt werden, da er säureempfindlich ist. Alternativ würde in diesem Fall der sogenannte Finalit Nr. 7+ Radikal-Graffiti-Lackentferner zum Beseitigen von hartnäckigen Kalkrückständen mit anschließender Neutralisierung (Finalit Nr. 1 Intensivreiniger und Wasser) zum Einsatz kommen.
Das Problem mit Epoxidharzrückständen
Gerade in nass belasteten öffentlichen Räumen müssen Fliesenböden hart im Nehmen sein. Sie sind ständig starken mechanischen Beanspruchungen ausgesetzt, müssen aus Sicherheitsgründen rutschfest und auch wasserdicht sein. So dürfen in gewerblichen Bereichen nur Fliesen mit einer Rutschhemmung von R9 und R13 verwendet werden. Die Rutschfestigkeitsklassen der Fliesen werden in einem standardisierten Test (Schiefe Ebene) durch das Begehen einer Person mit definiertem Schuhwerk und Gleitmittel (Öl) auf einer schiefen Ebene geprüft und festgelegt. Die Klasse R9 hat eine geringe Rutschhemmung und in der Prüfung einen Neigungswinkel von bis zu 10 Grad. Die Fliesen der Gruppe R13 haben eine hohe Rutschhemmung mit einem Neigungswinkel bis 35 Grad und kommen in Räumen mit sehr hoher Rutschgefahr zum Einsatz.
In nass belasteten Bereichen wie Schwimmbädern oder Saunen gibt es die Einteilung in die Kategorien A bis C; sie beschreiben die Rutschhemmung in Barfußbereichen, in denen Wasser die Fliesen bedeckt. In Bereichen, die gelegentlich nass werden wie etwa die Umkleideräume, kommen Fliesen der Gruppe A zu Anwendung. Fliesen der Gruppe B kommen in Räumen mit häufig nassen Oberflächen wie Umrandungen von Schwimmbecken oder als Bodenbelag in Duschräumen zum Einsatz. Dauerhaft nasse Fliesen müssen der Klasse C entsprechen.
Beim Verlegen von rutschfesten Fliesen im Dünnbettverfahren und bei den Fugen kommen wegen ihrer positiven Eigenschaften (hohe chemische Beständigkeit, Wasserdichtigkeit und Temperaturbeständigkeit) häufig Epoxidharzfugenmörtel oder Epoxidharzkleber zum Einsatz. Die Produkte entfalten ihre Wirkung durch die Mischung von zwei Komponenten vor der Verarbeitung oder werden bereits gebrauchsfertig geliefert. Entscheidend bei der Verarbeitung ist: Überschüssiges Material und Rückstände müssen bereits während des Verlegens mehrfach und gewissenhaft von der Belagsoberfläche abgewaschen werden. Nur so vermeidet man Epoxidharzschleier oder die Aushärtung von Epoxidharz auf den Fliesen.
Zum Problem kann es werden, wenn derartige Verschmutzungen erst zeitversetzt nach dem Aushärten sichtbar werden und sich dann kaum noch mit herkömmlichen Reinigungsmethoden und -mitteln entfernen lassen. Denn auf den stark profilierten oder rauen Oberflächen der vorgeschriebenen Fliesen haften diese Rückstände sehr gut. Weitere häufige Ursachen für mögliche Verunreinigung bei neuverlegten rutschfesten Fliesen sind das vorzeitige Betreten der Flächen durch andere Personen auf der Baustelle – die Trockenzeit beträgt üblicherweise 12 bis 24 Stunden – oder auch der Schmutz von gleichzeitig ausgeführten Arbeiten anderer Gewerke.
Mit herkömmlichen Reinigungsmitteln und Methoden, wie in der Gebäudereinigung üblich, lassen sich diese Verschmutzungen kaum mehr beseitigen. Meist hilft in diesen Fällen nur eine Spezialbehandlung. Im ersten Arbeitsschritt werden dabei großflächig oder auch punktuell vorhandene Epoxidharzrückstände mit einem sauren Reiniger entfernt. Nach dem Auftragen und einer Einwirkzeit von 60 Minuten wird die Bodenfläche mit Quarzsand (Körnung 0,1 bis 1,0 Millimeter) unter Zugabe von Wasser sowie mit einer Einscheibenmaschine und Siliciumbürste (Korn 180) behandelt.
Je nach erzieltem Arbeitsergebnis und der Hartnäckigkeit der Verschmutzungen muss der Vorgang mit einer längeren Einwirkzeit noch einmal ausgeführt werden. Anschließend ist auch hier das gründliche Neutralisieren des sauren Reinigers (1:20 mit Wasser verdünnt) auf den behandelten Flächen erforderlich. Dazu kommt ein basischer Intensivreiniger zum Einsatz, der den sauren Reiniger neutralisiert und die Fugen schützt. Werden die Fugen nicht fachmännisch und gewissenhaft neutralisiert, kann die Säure noch jahrelang aktiv weiterarbeiten und so Folgeschäden verursachen. Starke saure Reiniger mit einem pH-Wert 2 sind durch basische Reiniger mit einem pH-Wert 12 (stark basisch) zu neutralisieren. Im letzten Arbeitsgang wird dann der neutrale Reiniger wiederum gründlich mit Wasser abgespült.
Wenn Kalk auf Epoxidharz trifft
Gerade in Duschen – zum Beispiel in Hotels, Sport- und Wellnesseinrichtungen – kommen zu den Epoxidharzrückständen auf den Fliesen noch Kalkflecken hinzu. "Das erleben wir in vielen Fällen, die Rückstände sind häufig nicht sofort erkennbar", berichtet Evangelos Iordanidis und führt weiter aus: "Wird die Dusche dann benutzt, trifft der Kalk aus dem Wasser auf die Epoxidharzrückstände und setzt sich dort fest. Die Kombination wird erst mit der Zeit sichtbar und lässt sich mit üblichen Reinigungsmitteln nicht mehr entfernen."
In solchen Fällen setzen die Steinpflegeprofis zusätzlich zu dem Reiniger zum Entfernen von Kalk noch einen weiteren Spezialreiniger ein, um das Epoxidharz nach dem Kalk zu beseitigen. Dieser Reiniger wird ebenfalls mit einer Einscheibenmaschine und einer Siliciumbürste (Korn 180) oder einem braunen Pad eingearbeitet. Die beiden Reiniger (Kalklöser oder Kalk- und Zementschleierentferner) können den Kalk von dem Epoxidharz entfernen, aber nicht das Epoxidharz beseitigen. Für die besonders hartnäckigen Rückstände kommt daher der saure Radikal-Graffiti-Lackentferner zum Einsatz. Dieser wird flüssig vollflächig aufgesprüht und nach einer Einwirkzeit von 30 Minuten erfolgt die Behandlung mit Quarzsand (Körnung 0,1 bis 2,0 Millimeter), einer Einscheibenmaschine und Siliciumbürste. Und auch hier gilt: Der saure Reiniger muss in jeden Fall immer mit einem basischen Intensivreiniger neutralisiert und anschließend gründlich mit Wasser abgewaschen werden.
Sven Henry Wegerich | guenter.herkommer@holzmann-medien.de