Im Frühjahr steht vor allem der Rückschnitt von Sträuchern und Hecken auf dem Programm von Gebäudedienstleistern, die auch im Bereich Grünpflege tätig sind. Was dabei zu beachten ist.

Der (richtige) Schnitt hat viele positive Auswirkungen. Er kann in erster Linie zu deutlichem Wachstum anregen. Vor allem, wenn sehr stark zurückgeschnitten wird, treiben Gehölze wieder sehr stark aus. Obstbäume reagieren darauf mit vermehrten Wasserreisern, die steil nach oben wachsen. Bei geringem Rückschnitt treiben die Pflanzen schwächer aus. Bei Ziergehölzen kann die Entwicklung von Blütentrieben durch einen fachgerechten Schnitt angeregt werden, bei Obstbäumen der Ertrag sichergestellt beziehungsweise erhöht werden. Zudem sorgt der richtige Schnitt für ein stabiles Gerüst. Ein regelmäßiger Formschnitt verhindert, dass Gehölze vergreisen.
Bei steil stehenden Trieben wird die Spitzenknospe stärker gefördert als tiefer liegende Knospen. Die Stammverlängerung von Bäumen wird somit immer im Höhen-Wachstum gefördert. Bei schräg wachsenden Trieben hat die oberste Knospe einen nicht so hohen Saftdruck. Weil sich der Saftdruck gleichmäßiger verteilt, treiben alle Knospen der Oberseite fast auf ganzer Trieblänge aus. Jeder einzelne Neutrieb bleibt schwächer als bei steil stehenden Trieben der Trieb der Spitzenknospe. Auf der Triebunterseite entstehen nur kurze oder gar keine Triebe. Überhängende Äste vergreisen durch den nachlassenden Saftdruck mit den Jahren. Die Knospen auf dem Scheitelpunkt treiben am stärksten aus. Diese Triebe sind ideal, um überhängende, vergreiste Triebe zu ersetzen.
Gefragt sind die passenden Werkzeuge
Bei Garten- und Astscheren sind Bypass-Scheren den Amboss-Scheren vorzuziehen. Bei Amboss-Scheren werden Äste stärker gequetscht. Scharfe, gut gepflegte Bypass-Scheren führen einen sauberen Schnitt durch. Mit Teleskop-Astscheren können bis zu vier Zentimeter dicke Triebe geschnitten werden. Mit Teleskopstangen lässt sich der Einsatz von Leitern oftmals vermeiden. Mit Hochentastern können stärkere Äste in fünf bis sieben Metern Höhe entfernt werden.
Starke Triebe über vier Zentimeter müssen mit Sägen entfernt werden. Bei Schwertsägen werden kleinere Äste nur auf Zug geschnitten. Mit Bügelsägen können stärkere Äste auf Zug und Druck gesägt werden. Wer mit Motorsägen arbeitet, muss zunächst einen Motorsägen-Schein machen. Diesen bieten zum Beispiel Forstämter an.
Mit professionellen Akku-Heckenscheren können die meisten Hecken geschnitten werden. Motorheckenscheren sind leistungsfähiger und kommen bei Hecken mit dichterem Wuchs – etwa Thuja – oder starkem Astdurchmesser zum Einsatz. Leitern sollten nur dann verwendet werden, wenn die ungefährlicheren Alternativen – wie Teleskopstangen oder Arbeitsbühnen – nicht infrage kommen. Je größer die Standverbreiterung, desto sicherer stehen die Leitern. Auf unebenem Untergrund muss mithilfe von Unterlegscheiben oder Brettern eine standfeste Positionierung sichergestellt werden.
Je früher man schneidet, desto stärker ist der Austrieb
Grundsätzlich gilt: Je früher im Jahr man schneidet, desto stärker ist der Austrieb. Je später geschnitten wird, umso mehr Reservestoffe wurden bereits von der Wurzel in die Triebe verlagert. Der Saftdruck ist bei einem späteren Schnitt geringer und der Neuaustrieb fällt schwächer aus. Wenig vitale Gehölze sollten schon im Februar geschnitten werden. Sie treiben dann stärker aus. Bei frostempfindlichen Gehölzen wie Lavendel sollte der Rückschnitt bis April hinausgezögert werden. (Anmerkung der Redaktion: Eine Auflistung verschiedener Zier- und Obstgehölze mitsamt ihrer günstigen Schnittzeitpunkte finden Sie am Ende dieses Beitrags.)
Frühjahrsblüher nach der Blüte schneiden
Frühjahrsblüher wie Kornelkirschen, die schon vor dem Triebwachstum blühen, schneidet man nach der Blüte. Wenn sie vor der Blüte geschnitten werden, würden die meisten Blütentriebe entfernt. Bei Frühjahrsblühern, die ihre Blüten vor allem an einjährigen Trieben bilden – dazu gehören Spiräen, Mandelbäumchen, Sauerkirsche und Pfirsich – sollte jährlich kräftig zurückgeschnitten werden. Dadurch erhält man längere einjährige Triebe, die kräftig blühen und fruchten.
Bei einigen Frühjahrsblühern findet sich das ergiebigste Blütenholz an zweijährigen Trieben, die bereits einjährige Seitenverzweigungen haben. Dazu gehören Forsythie, Schneeball und Rote Johannisbeere. Altes Holz (älter als drei Jahre) sollte regelmäßig entfernt werden. Zweijährige Triebe sollten unbedingt belassen werden. Gehölze wie Zierapfel, Apfel, Birne, Süßkirsche und Goldregen blühen an zweijährigen und älteren Trieben. Sie bilden ein stabiles Triebgerüst, das dauerhaft besteht. Ihr Blütenholz vergreist erst nach Jahren.
Sommerblüher vor der Blüte schneiden
Sommerflieder, Hibiskus und sommerblühende Spiräen blühen an diesjährigen Trieben. Die Blütenfülle der Sommerblüher steigt mit der Stärke des Neuaustriebs. Jedes Frühjahr vor der Blüte werden sie kräftig zurückgeschnitten, um das Wachstum neuer Triebe anzuregen. Ältere Triebe werden regelmäßig entfernt.
Was bei Rosen und Lavendel zu tun ist
Einmalblühende Rosen blühen an einjährigen Trieben und werden daher nach der Blüte geschnitten. Öfterblühende Rosen blühen an einjährigen und diesjährigen Trieben. Sie werden im Frühjahr vor dem Austrieb und nach der Blüte geschnitten. Lavendel kürzt man jährlich stark ein, damit er noch nach Jahren junge Bodentriebe bildet und nicht stark verholzt. Er darf nicht bis in den verholzten Bereich zurückgeschnitten werden, weil er dort nicht mehr austreibt und somit abstirbt.
Von Pflanzschnitt bis Verjüngungsschnitt
Grundsätzlich gibt es vier Schnitttechniken:
- Pflanzschnitt: Wurzelnackte Gehölze müssen stark zurückgeschnitten werden – mindestens um ein Drittel bis die Hälfte der Trieblänge. Sie sind noch nicht in der Erde verwurzelt und sollten daher möglichst wenig Blattmasse haben, über die sie Wasser verdunsten. Topfware mit einem festen Erdballen muss nicht so stark zurückgeschnitten werden. Es kann gleich mit dem Erziehungsschnitt gestartet werden.
- Erziehungsschnitt: Triebe, die nach innen wachsen, werden entfernt. Sofern es im Inneren immer noch zu dicht ist, können weitere Triebe entfernt werden. Um das Triebwachstum anzuregen und die Leitäste zu stärken, können die Triebe eingekürzt werden. Je stärker man zurückschneidet, desto stärker wachsen die Triebe nach. Bei Gehölzen mit kurzlebigen Trieben ist die Erziehungsphase nach drei Jahren abgeschlossen. Bei Obstbäumen wie Apfel und Birne dauert die Erziehungsphase fünf bis sieben Jahre, weil ein stabiles Gerüst gebildet werden muss.
- Erhaltungsschnitt: Mit dem Erhaltungsschnitt will man die Vitalität des Gehölzes bewahren, sodass es reichlich Blüten und Früchte bildet und seine Struktur behält. Alte, vergreiste Triebe entnimmt man vollständig, sodass junge Triebe nachwachsen.
- Verjüngungsschnitt: Vor allem, wenn der Erhaltungsschnitt vernachlässigt wurde, aber auch, wenn das Gehölz in der Höhe und im Umfang stark reduziert werden soll, wird ein Verjüngungsschnitt vorgenommen. Überalterte Triebe werden vollständig entnommen. Der Strauch wird stark ausgelichtet, indem weitere Äste entfernt werden. In den Folgejahren müssen nach innen sehr dicht oder steilwachsende Jungtriebe entfernt werden. Allmählich wird wieder zum Erhaltungsschnitt übergegangen.
Einkürzen, umlenken, verschlanken oder auslichten?
Die vier grundlegenden Schnittformen sind das Einkürzen, Umlenken, Verschlanken und Auslichten:
- Einkürzen: Das Einkürzen ist die am häufigsten verbreitete Schnittform – vorgenommen entweder mit der Heckenschere oder der Garten- oder Astschere. Es werden vor allem die einjährigen Triebe im äußeren Astbereich reduziert. Bei Sommerflieder und anderen Sträuchern, die an diesjährigen Trieben blühen, ist das sinnvoll. Bei anderen Sträuchern werden damit die Blühtriebe entfernt. Möchte man die Triebe bei diesen Sträuchern einkürzen, empfiehlt es sich, den Schnitt im Juni durchzuführen. Sie treiben anschließend nochmals aus, jedoch nicht so stark wie in blattlosen Jahreszeiten.
- Umlenken: Beim Umlenken werden steile oder überhängende Triebe entfernt, vor allem wenn die Äste zu dicht wachsen oder die Höhe reduziert werden soll. Ein Haupttrieb wird auf einen Seitentrieb zurückgeschnitten. Er wird der neue Haupttrieb. Neutriebe entwickeln sich schwächer als beim Einkürzen.
- Verschlanken: Verschlanken heißt, dass mit dem Spitzentrieb konkurrierende Seitentriebe entfernt werden. Es gelangt so mehr Licht in das Innere. Die inneren Triebe treiben nun etwas stärker. Im äußeren Bereich wächst das Gehölz schwächer und bleibt somit kleiner. Beim Verschlanken wird der Neuzuwachs am geringsten angeregt.
- Auslichten: Es werden ganze Triebe am Boden entfernt. Neue Bodentriebe steigen auf. Die Pflanze wird nachhaltig verjüngt.
Treten Krankheiten an Blättern und Trieben auf, ist es oftmals hilfreich, die befallenen Triebe zu entfernen. Dies gilt vor allem für die Pilzkrankheiten Monilia an Sauerkirschen, Echter Mehltau und Rostpilze sowie die Bakterienkrankheit Feuerbrand an Birne, Quitte, Apfel und Weißdorn. Das Schnittgut sollte vor allem beim Feuerbrand in der Mülltonne entsorgt werden, um die Ausbreitung zu unterbinden.
Nadelgehölze behutsam schneiden
Die Eibe ist das einzige Nadelgehölz, das einen Rückschnitt ins alte, unbenadelte Holz gut verträgt. Bei allen anderen Gehölzen darf man nur im benadelten Bereich schneiden, da die Triebe sonst eintrocknen. Zu groß gewordene Nadelgehölze ersetzt man besser, als ihnen durch einen Rückschnitt die Vitalität oder den typischen Charakter zu nehmen. Kleine Schnittmaßnahmen, die im grünen Bereich bleiben, sind zulässig – zum Beispiel beim regelmäßigen Heckenschnitt.
Hecken sind meist einmal im Jahr an der Reihe
Hecken werden in der Regel einmal jährlich geschnitten. Starkwüchsige Arten, zum Beispiel Hainbuchenhecken, werden teilweise zweimal jährlich geschnitten, um zu verhindern, dass sie zu weit auf den Bürgersteig ragen. Der normale Heckenschnitt erfolgt meist im Juni, Juli oder August. Stärkere Rückschnitte dürfen nur von Oktober bis Februar durchgeführt werden. Dies regelt § 39 Abs. 5 Bundesnaturschutzgesetz, da in diesem Zeitraum Vögel nicht brüten. Dies gilt auch für den starken Rückschnitt von einzeln stehenden Sträuchern und Bäumen.
Wildhecken werden in der Regel mit der Astschere oder der Gartenschere geschnitten, indem man einzelne, alte Äste entfernt und damit eine Verjüngung erzielt. Lange Triebe können auf seitliche Triebe abgeleitet oder eingekürzt werden.
Guido Hahn | heike.holland@holzmann-medien.de
Guido Hahn
ist seit vielen Jahren mit seiner Firma Gärtner Guido im Gartenbau tätig. Zugleich arbeitet der Diplom-Ökotrophologe als Referent Betriebsberatung bei der Landesinnung Hessen des Gebäudereiniger-Handwerks.

