Fachgerechte Pflege von Grünanlagen Rotstift darf keine Rolle spielen

Grünanlagen im öffentlichen, gewerblichen oder privaten Bereich werden häufig hochwertig gestaltet und fachgerecht angelegt. Bei der anschließend notwendigen Pflege setzt dann aus Kostenzwängen oftmals der Rotstift an. Dies hat fatale Folgen: Nicht nur, dass die Folgekosten langfristig betrachtet höher sind. Auch die wertsteigernden, imagegebenden Faktoren sinken bei einer vernachlässigten Pflege rapide ab.

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    © Stihl
    Die Pflege von Gehölzpflanzungen und Hecken bedarf intensiver und professioneller Handarbeit.
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    Bei der Rasenpflege spielen moderne Geräteträger mit Mähsaugkombinationen eine wichtige Rolle.

Rotstift darf keine Rolle spielen

- Immer mehr Menschen leben in städtischer Umgebung - dichte Bebauung, Straßen, Plätze, Hektik und Lärm sind das tägliche Umfeld. Grün bildet einen als wohltuend empfundenen Kontrast zur gebauten Umwelt. Einen besonderen Stellenwert haben Grünanlagen für Freizeit und Erholung, denn trotz häufiger Reisen wird auch heute der größte Teil der Freizeit in der Wohnung oder deren Nähe - also in der Stadt - verbracht. Diese Ansprüche, die je nach Alter und Lebenssituation wechseln, kann Grün erfüllen - wenn es dementsprechend gestaltet ist und gepflegt wird.

Ziele der Pflege

Bei der Planung berücksichtigt der Landschaftsarchitekt nicht nur funktionale Anforderungen, die an eine Grünanlage gestellt werden, sondern er verbindet mit seinem Entwurf auch eine ästhetische Absicht. Die Auswahl der Pflanzen, ihre Proportion zueinander, ihre Farbigkeit und Struktur sollen eine bestimmte Atmosphäre vermitteln. Bäume, Beete und Abpflanzungen machen durch ihre Anordnung funktionale Zusammenhänge sichtbar, bieten geschützte Räume oder unterstreichen die Wegeführung. Ziel der Pflege ist es hier, durch landschaftsgärtnerische Maßnahmen so einzugreifen, dass trotz der mit dem Wachstum und dem natürlichen Altern verbundenen Veränderungen das in der Gestaltung angelegte Erscheinungsbild erreicht und langfristig erhalten wird.

Welche Bedeutung die Pflege hat, wird insbesondere bei alten verwilderten Gärten und Parks sichtbar, die vielleicht als romantisch empfunden werden, bei denen die ursprüngliche Gestaltungsintention jedoch kaum noch erkennbar ist. Ein Park Pückler übt seine besondere Anziehungskraft aus und existiert heute nur noch, weil er gepflegt worden ist. Diese Folgerung lässt sich auf jede Grünanlage übertragen.

Immer haben Grünanlagen auch eine oder mehrere Funktionen zu erfüllen. Dies ist umso offensichtlicher, je spezieller sie für eine bestimmte Nutzung eingerichtet sind, wie zum Beispiel Kinderspielplätze. Dagegen fordern multifunktionale Anlagen, zum Beispiel Parks oder auch Freiräume in Wohnanlagen, durch die Art ihrer Gestaltung zu den unterschiedlichsten Nutzungen auf - zu Sport und Spiel, zum Verweilen und Ausruhen, als Treffpunkt, zum Spazierengehen u.a.m.

Folgen vernachlässigter Pflege

Jede Nutzung ist eine Belastung für das empfindliche Gefüge Grün - und dies besonders dort, wo intensive Nutzbarkeit, wie bei Spiel- und Sportbereichen, gefordert ist. Und schnell wird eine Grenze erreicht, bei der sich das Grün ohne pflegende Eingriffe nicht mehr regenerieren kann. Das wiederholte Begehen oder Bespielen eines Rasens an immer derselben Stelle hinterlässt kahle Flächen. Das Gras kann in dem verdichteten Boden nicht mehr wachsen. Nur wenige trittfeste Wildkräuter bleiben bestenfalls übrig. Eine schön blühende, artenreiche Blumenwiese verträgt nicht einmal mehr eine Belastung durch Lagern und Begehen. Je mehr das Grün einer einseitigen, übermäßigen und andauernden Belastung ausgesetzt ist, umso notwendiger ist eine darauf abgestimmte Pflege, die dessen Leistungsfähigkeit erhält. Vor allem der Kostendruck führt dazu, dass heute vielfach an der Pflege gespart wird. In Unkenntnis über die Belange einer fachgerechten Grünpflege wird dem Hausmeister aufgetragen, diese „mal eben mitzumachen“, oder es wird eine fachfremde Firma - möglichst preiswert - beauftragt, Rasen zu mähen und, falls unumgänglich, Unkraut zu beseitigen und auch mal zu düngen. Weiterhin vielleicht, um im Winter einen Gehölzschnitt - und mehr noch, einen Baumschnitt - vorzunehmen.

Abgesehen davon, dass die Anzahl der Arbeitsgänge aus Kostengründen auf ein Minimum reduziert ist, werden die Pflegeentscheidungen oftmals von Fachfremden - Politikern, Hausverwaltungen, unkundigen Firmen - vorgenommen, ohne Rücksicht auf das Erscheinungsbild und die Funktionalität einer Anlage. Beson-derheiten, wie die Auswahl der Pflanzenarten und ihre Anordnung, aber auch die Belastung der Anlage, werden aus den Augen verloren. Die Folgen von Einzelentscheidungen, die vorrangig nach kurzfristig anfallenden Kosten gefällt werden, sind unerwünschte Veränderungen des Erscheinungsbilds. Nichtpflege und unqualifizierte Pflege führen zum Verlust des Gestaltungswillens. Häufig ist damit auch ein Verlust an Funktionalität verbunden, wenn zum Beispiel zugewachsene Wege nicht mehr begangen werden können oder kahle Flächen im Rasen das Picknick verleiden. Auch wenn die Toleranz gegenüber Schäden unterschiedlich ist, so besteht doch die Tendenz, ungepflegte Anlagen selten aufzusuchen oder ganz zu meiden. Diese verwaisen und verwahrlosen zusehends, denn, wo sich im ungepflegten Begleitgrün Schmutz und Papier fangen, wird schnell noch eine Dose oder Flasche dazugeworfen, wo die Parkbank nicht mehr ganz fest steht, ist sie leicht ganz aus der Verankerung zu brechen. Dabei ist erwiesen, dass Benutzer mit gepflegten Anlagen auch sorgsamer umgehen. Ungepflegtes Grün lässt dagegen die Hemmschwelle für Vandalismus sinken. Dadurch entstehen hohe Kosten für Reparaturen, die bei einer entsprechenden Pflege vermeidbar gewesen wären.

Qualitätsniveau und Pflegestandard

Während die Leistungen der Fertigstellungspflege bis zur Abnahme u.a. das gesicherte Anwachsen des Grüns oder das Schließen der Vegetation zum Ziel haben, sind Art und Umfang von Maßnahmen bei Entwicklungs- und Unterhaltungspflege davon abhängig, welches Gestaltungsziel angestrebt wird und welche Funktionen das Grün zu erfüllen hat. Grundlage für die Vereinbarung über Leistungen einer fachgerechten Pflege ist die Festlegung des Begrünungs- oder Pflegezieles. Dieses muss die vom Landschafts-architekten vorgegebene Gestaltung und die geplante bzw. die tatsächliche Nutzung einer Grünanlage ebenso wie zum Beispiel ökologische Aspekte berücksichtigen. Daher wird das Pflegeziel am zweckmäßigsten von Planern und Bauherren gemeinsam festgelegt.

Während der Vertragslaufzeit, die aus fachlichen, wirtschaftlichen und organisatorischen Gründen nicht weniger als drei Jahre betragen sollte, obliegt es dem Fachmann, zu erkennen, wo sich Verän-derungen in der Grünanlage vollziehen, um dann dem Auftraggeber veränderte Pflegemaßnahmen vorzuschlagen oder auf die Notwendigkeit zusätzlicher Maßnahmen zu verweisen. Schäden (durch Standortveränderungen oder Zerstörungen) im Vegetationsbestand, die Verlagerung von Nutzungen in Bereiche, die vielleicht nicht dafür geplant sind, oder Veränderungen in der Nutzungsart bzw. -intensität und damit verbunden ein schnellerer Verschleiß der Grünanlage können Entwicklungen sein, die Konsequenzen bei den Pflegemaßnahmen notwendig machen.

Bündelung von Leistungen

„Alles aus einer Hand“ ist heute eine gängige Werbeformel, wenn es gilt, im Dienstleistungsbereich Kunden an sich zu binden. Die Vorteile liegen auf der Hand: Nur ein Vertrags- und Verhandlungspartner und der Wunsch, gute Leistungen für weniger Geld zu erhalten. Insbesondere bei Wohnungsbau- und Immobiliengesellschaften, aber auch bei Privateigentümern, ist eine Tendenz sichtbar, Leistungen rund um das Gebäude gebündelt zu vergeben. Auch Garten- und Landschaftsbaubetriebe bieten über die eigentliche landschaftsgärtnerische Tätigkeit hinaus andere Arbeiten wie Hausmeister- und Reinigungsdienste an.

Ein aus den USA stammendes „Alles-aus-einer-Hand-Konzept“ ist das Facility Management, das alle Leistungen rund um eine Immobilie berücksichtigt. Das Ziel liegt in einer optimalen Wert- und Substanzerhaltung. Gleichzeitig wird bei der Bewirtschaftung eine Optimierung des Kosten-Nutzen-Verhältnisses angestrebt.

Das Facility- oder Gebäudemanagement umfasst nach DIN 32736 während der Bewirtschaftungsphase drei Leistungsbereiche:

  • technische Gebäudemanagement,
  • infrastrukturelles Gebäudemanagement und
  • kaufmännisches Gebäudemanagement.

Leistungen der Grünflächenpflege sind in allen drei Managementbereichen angesiedelt. Das technische Management umfasst die Leistungen, die zur Entwicklung und Erhaltung der Anlage erforderlich sind. Dazu gehören die Bedarfsanalysen - im landschaftsgärtnerischen Bereich zum Beispiel das Aufstellen von Pflegeplänen - ebenso wie das Betreiben (Wartung und Sicherheitskontrollen) oder die Leistungen, die im Zusammenhang mit einer Modernisierung und Sanierung der Anlagen stehen.

Die Gärtnerdienste umfassen dabei die „Gesamtheit der Leistungen zur Instandhaltung und Pflege der Außenanlagen (Vegetationsflächen, Wege und Plätze, Spiel- und sonstige Freizeitanlagen) sowie der Bauwerksbegrünung (Dach-, Fassaden-, Innenraumbegrünung). Dabei orientiert sich das Facility Management gemäß DIN 32736 an den landschaftsgärtnerischen Fachnormen und verweist auf diese. Weitere Arbeiten, die in den Kompetenzbereich der Landschaftsgärtner fallen, sind Reinigungs-, Wartungs- und Winterdienste für Wege, Plätze, Spiel- und Sportflächen. Hinzu kommen das Entleeren von Papierkörben sowie die Organisation von Entsorgung bzw. Wiederverwertung. Im Rahmen des kaufmännischen Managements werden alle mit dem technischen und infrastrukturellen Pflegemanagement zusammenhängenden Leistungen erwartet, die das Vertrags-, Rechnungs- und Kostenwesen betreffen. Bereits heute deckt der Landschaftsgärtner einen Teil des infrastrukturellen Bereichs im Rahmen des Facility Managements ab. Neben Gärtnerdiensten übernimmt er teilweise auch Arbeiten der in DIN 32736 aufgezählten Positionen Hausmeister-, Reinigungs- und Pflegedienste, Winterdienste und Abfallentsorgung, da diese im engen Zusammenhang mit landschaftsgärtnerischen Tätigkeiten stehen.

Fazit: Qualität hat ihren Preis

Eine fachgerechte Pflege ist nur mit Fachpersonal möglich, das nicht nur die Pflanzen kennt, sondern auch deren Standortansprüche und die jeweilige Nutzung der Grünanlage. An Fachpersonal zu sparen, hieße den Pflegestandard aufs Spiel zu setzen. Auch Kostenersparnis durch einen vermehrten Einsatz von Maschinen oder das Einsparen von Arbeitsgängen sind nur bedingt möglich. Die Pflege von Gehölz- oder Staudenpflanzungen muss in den meisten Fällen in Handarbeit durchgeführt werden. Und den Rasen einfach kürzer zu schneiden, um das Mähen einmal zu sparen, hat häufig eine Schädigung der Grasnarbe zur Folge. Verbrannte und verkahlte Stellen müssen dann in zusätzlichen Arbeitsgängen wieder ausgebessert werden.

Fachgerechte Pflege hat ihren Preis, ist aber notwendig, um die Pflegequalität von Grün zu sichern. Fachgerechte Pflege ist langfristig kostengünstiger. Sparen an qualifizierten Pflegeleistungen bedingt immer nur eine augenblickliche Kostensenkung. So ist zum Beispiel der einheitliche Rückschnitt von Gehölzpflanzungen auf den einmaligen Arbeitsgang bezogen sicher billiger als das gezielte Entfernen oder Auslichten von Gehölzen durch Fachkräfte. Über Jahre hinweg ist das Schneiden der „grünen Wände“, das ein- bis zweimal jährlich notwendig wird, um Wege und Plätze freizuhalten, jedoch wesentlich teurer als der einmalige Arbeitsgang und ein Verjüngungsschnitt etwa alle drei bis fünf Jahre.

Nach allgemeinen Erfahrungen machen auch die Pflegekosten einen erheblichen Anteil an den Gesamtkosten einer Grünanlage aus. Dieser Kostenanteil wurde bisher bei der Planung häufig nicht mitbedacht. Der Erfolgsschlüssel für eine kostengünstige Pflege liegt bereits in der fachgerechten Konzeption einer Grünanlage. Eine standortgerechte Bepflanzung, die Auswahl resistenter Sorten und eine auf die Nutzung abgestimmte Zusammensetzung von Pflanzen können helfen, die Pflegekosten zu senken. Trotz allem wird die Kostenminimierung bei einer sachgerechten Grünpflege auch zukünftig ihre Grenzen haben. Da die Ausgaben in der Planungs- und Bauphase häufig verdrängt werden, wird oftmals nachher an der Pflege gespart - mit den aufgezeigten Folgen.

Niels W. Buhrke |freier Journalist |

peter.hartmann@holzmann-medien.de