Baumwolle, Mikrofaser, Diamantfaser und Co. – es gibt unterschiedliche Fasern für Reinigungstextilien. Was die Unterschiede sind und welchen Einfluss sie auf das Reinigungsergebnis haben.
Die Entwicklung der Reinigungstextilien für den Boden, der Breitwischbezug, im Sprachgebrauch meist Mopp genannt, ist ein Lehrstück dafür, wie Materialtechnik und Reinigungspraxis ineinandergreifen. Der Breitwischbezug ist das zentrale Arbeitsmittel in der Unterhaltsreinigung und prägt Qualität, Ergonomie, Ressourceneinsatz und letztlich die Kostenstruktur. Über die Jahrzehnte hinweg hat sich die eingesetzte Fasertechnologie grundlegend verändert: von groben Naturfasern über synthetische Mischungen bis hin zu hochfeinen, funktional veredelten Mikrofasern. Jede Stufe brachte konkrete Verbesserungen für Reinigungspersonal und Auftraggeber mit sich.
Der Baumwollmopp: Ausgangspunkt der modernen Flächenreinigung
Bis weit in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts war Baumwolle das dominierende Material für Mopps. Die Baumwollfaser besitzt einen Durchmesser von rund zwölf bis 35 Mikrometern und zeichnet sich durch hohe Saugfähigkeit aus. Dadurch kann sie viel Wasser aufnehmen, was bei der Nassreinigung großer Flächen ein Vorteil war. Allerdings war die mechanische Schmutzlösekraft begrenzt: Baumwolle schiebt Schmutz eher vor sich her, anstatt ihn effektiv zu binden. In der Praxis bedeutete dies in der Regel einen höheren Chemikalieneinsatz und mehr Nacharbeit. Hinzu kamen Nachteile wie langsames Trocknen, Geruchsbildung und eine eher geringe Standzeit, da Baumwollfasern nach häufigem Waschen verfilzen oder reißen. Für die damalige Zeit erfüllte Baumwolle dennoch ihren Zweck: Sie machte die rationelle Bodenreinigung mit Klapphaltern und Breitwischsystemen überhaupt erst möglich.
Synthetische Fasern und Mischgewebe: Schritt in Richtung Effizienz
Ab den 1970er-Jahren hielten synthetische Fasern wie Polyester und Polypropylen Einzug in die Fertigung von Breitwischbezügen. Zunächst wurden sie Baumwolle beigemischt, um die Haltbarkeit zu erhöhen und die Fasern weniger anfällig für Verrottung und Geruchsbildung zu machen. Reine Synthetikfasern dieser Zeit waren allerdings vergleichsweise grob, meist über 20 Mikrometer dick, und hatten noch nicht die Fähigkeit, feinen Staub oder Mikroverschmutzungen effizient zu binden. Dennoch besaßen bereits diese Breitwischbezüge eine längere Lebensdauer, höhere Waschbeständigkeit und eine gleichmäßigere Qualität als reine Naturfasern. In der Praxis reduzierte sich dadurch der Materialverbrauch, und die Reinigungsleistung wurde konsistenter.
Mikrofaser: Revolution seit den 1990er-Jahren
Den entscheidenden Qualitätssprung brachten die Breitwischbezüge aus Mikrofaser, die seit den 1990er-Jahren in der professionellen Gebäudereinigung Standard geworden sind. Unter Mikrofaser versteht man Fasern mit weniger als einem Dezitex Feinheit; praktisch liegen sie meist im Bereich von 0,3 bis 0,8 Dezitex, was etwa drei bis zehn Mikrometern Durchmesser entspricht, also einem Bruchteil der Dicke eines menschlichen Haars. Diese feine Struktur vergrößert die Oberfläche enorm, sodass mehr Schmutzpartikel aufgenommen werden können.
Besonders wirksam sind gesplittete Mikrofasern mit sternförmigem Querschnitt, die durch Kapillarkräfte Feuchtigkeit und feinste Partikel binden. Dadurch konnte bei verbessertem Reinigungsergebnis der Einsatz der Reinigungschemie in der Reinigungsflotte reduziert werden. Studien zeigten, dass allein durch die mechanische Wirkung der Mikrofasertextilien der Anteil pathogener Keime auf der Oberfläche reduziert werden konnte. In der Praxis bedeutet dies nicht nur ein besseres Reinigungsergebnis, sondern auch eine deutliche Verbesserung der Arbeitsergonomie, da die Breitwischbezüge aus Mikrofaser leichter sind und weniger Wasser transportieren müssen. Ihre Haltbarkeit erreicht mehrere Hundert Waschzyklen. Kritisch diskutiert wird lediglich der Aspekt des Mikroplastikabriebs beim Waschen, was bei nachhaltigkeitsorientierten Beschaffungsstrategien beachtet werden sollte.
Diamantveredelte Mikrofaser: Die jüngste Entwicklungsstufe
Die jüngste Entwicklung im Bereich der Breitwischbezüge ist die diamantveredelte Mikrofaser. Hierbei wird ein Mikrofaserflor mit einer Faserfeinheit im Bereich weniger Mikrometer oberflächlich mit feinsten Diamantpartikeln beschichtet. Dadurch entsteht eine zusätzliche, sehr kontrollierte mechanische Komponente. Hartnäckige Schmutzfilme, Grauschleier oder Rückstände auf schwierigen Belägen wie Feinsteinzeug oder Sicherheitsfliesen werden mechanisch aufgebrochen, ohne den Belag zu beschädigen.
Wahl des Moppbezugs: Darauf kommt es an
Die Entscheidung für einen Moppbezug darf sich nicht auf kurzfristige Kalkulationen oder Stückpreise beschränken. Zwar variieren die Anschaffungskosten deutlich zwischen Baumwolle, Standardmikrofaser und diamantveredelter Mikrofaser. Doch dieser Vergleich greift zu kurz. Ausschlaggebend sind ausschließlich zwei Kriterien: das Reinigungsergebnis und die Ergonomie.
Ein Breitwischbezug, der die Fläche nicht zuverlässig sauber hinterlässt, verursacht Mehrarbeit, Reklamationen und Folgekosten. Ebenso führt ein Breitwischbezug, der einen hohen Kraftaufwand erfordert, zu schneller Ermüdung, höherem Krankenstand und geringerer Flächenleistung. Die vermeintliche Ersparnis beim Einkauf verwandelt sich dann rasch in ein betriebswirtschaftliches Defizit.
Daher gilt: Der geeignete Breitwischbezug ist derjenige, der bestmögliche Sauberkeit mit geringstmöglicher Belastung für die Reinigungskräfte verbindet.
Der Effekt ist eine deutlich höhere Reinigungsleistung pro Wischzug, während Wasser und Chemie weiter reduziert werden können. Feldberichte erstellt durch REFA-Consulting dokumentieren eine Verringerung der Arbeitszeit von rund 20 Prozent im Vergleich zu herkömmlichen Bezügen. Gleichzeitig verbessert sich die Ergonomie: Der Gleitwiderstand sinkt spürbar, was den Kraftaufwand für Reinigungskräfte erheblich verringert. Damit wird ein Kernproblem der klassischen Mikrofaser, hoher Reibungswiderstand auf rauen Flächen, gelöst, wodurch sich die Investition trotz höherem Anschaffungspreis rechnet.
Von der Saugkraft zur Mechanik
Die historische Entwicklung des Breitwischbezugs lässt sich als Weg von der Masse zur Präzision beschreiben. Baumwolle brachte Volumen und Saugfähigkeit, war aber ineffizient bei der Schmutzlösekraft. Synthetische Fasern verbesserten Haltbarkeit und Pflegeeigenschaften, ohne das Grundprinzip zu verändern. Mit der Mikrofaser kam die Wende: Feine Fasern mit großer Oberfläche ermöglichten gründliche Reinigung bei minimalem Chemieeinsatz. Die diamantveredelte Mikrofaser schließlich setzt auf gezielte mechanische Unterstützung, die auch hartnäckige Rückstände löst, ohne die Beläge zu schädigen.
Für die heutige Unterhaltsreinigung bedeutet das: Je nach Anforderungsprofil können die passenden Fasertechnologien gewählt werden – von der preiswerten, robusten Mikrofaser bis hin zur High-End-Lösung mit Diamantveredelung. Klar ist: Der Trend geht zu mehr Mechanik und Präzision bei gleichzeitig weniger Wasser, weniger Chemie und weniger Belastung für das Reinigungspersonal.
Sascha Hintze | markus.targiel@holzmann-medien.de
Sascha Hintze
ist Gebäudereinigermeister sowie öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger; E-Mail: hintze@sachverstaendigenbuero-hintze.de.

