Reinigungsroboter: Wie verbreitet sind die autonomen Kollegen?

Die Reinigungsrobotik nimmt allmählich Fahrt auf. Konkrete Stückzahlen zu erfassen – insbesondere was den Echtbetrieb angeht –, ist allerdings kein leichtes ­Unterfangen. Über den Versuch, ein Flotten-Ranking für die Branche zu erstellen und die dabei ­gewonnenen Erkenntnisse.

Die Reinigungsrobotik gewinnt international an Bedeutung. Gerade im asiatischen Raum fördern staatliche Subventionen die Verbreitung der Technologie. - © helloabc – stock.adobe.com

Das Schlagwort Robotik ist in der Branche omnipräsent. Valide Informationen zur tatsächlichen Verbreitung sind jedoch rar und selbst etablierte Anbieter von Reinigungsrobotern tun sich schwer, ein branchenweites Gesamtbild zum Stand der Verbreitung dieser neuen Technologie zu zeichnen. Unter anderem wäre es interessant zu wissen: Welcher Dienstleister oder Eigenreiniger hat bereits wie viele Geräte im Einsatz? Mit dem Ziel, hier etwas mehr Licht ins Dunkel zu bringen, wurde im August vergangenen Jahres unter dem Titel "The Biggest Fleet" der Versuch gestartet, ein entsprechendes Ranking zu erstellen – und zwar auf internationaler Ebene. Es soll unter anderem dazu beitragen, Fachwissen zu fördern und zugleich eine solide Datenbasis zu schaffen, die der gesamten Branche zugutekommt.

Nun liegt die erste Auflage des Rankings – "The Biggest Fleet 2024" – vor, und man muss ehrlicher­weise zugeben: Die Resultate entsprechen noch nicht dem, was sich die Initiatoren des Projektes erwartet haben beziehungsweise sie sind (noch) nicht repräsentativ (Anmerkung der Redaktion:Hier kann die vollständige Auswertung als PDF ­heruntergeladen werden. Aktuell finden sich unter den 40 im Ranking gelisteten Flottenbetreibern lediglich sieben aus Deutschland, darunter vier Gebäudedienstleister und drei Industrieunternehmen beziehungsweise ­Eigenreiniger). Dies lässt sich unter anderem damit erklären:

  • Zum einen befindet sich das Ranking erst im Aufbau, bei "The Biggest Fleet 2024" handelt es sich um die erste Ausgabe. Das so in der Branche noch nie durchgeführte Vorhaben hat zwar grundsätzlich großes Interesse bei den dazu befragten Akteuren geweckt, jedoch auch zu einer gewissen Zurückhaltung geführt, was die Preisgabe eigener Daten und Fakten betrifft. Offensichtlich betrachten viele Unternehmen Robotikdaten als sensibel und ­scheuen sich, diese zu teilen.
  • Zum anderen ist die Anzahl der Flotten noch überschaubar, da der Markt noch jung ist und viele Projekte sich noch in der Testphase befinden. Häufig ist eine PR-Meldung über anfängliche Erfolge schneller formuliert als die tatsächliche Implementierung von Reinigungsrobotik umgesetzt.

Ungeachtet dessen haben die umfangreichen Recherchen und Hunderte Telefonate, die im Zuge der Erstellung des Rankings geführt wurden, wertvolle Einblicke und Erkenntnisse geliefert, die im Folgenden kurz zusammengefasst werden.

Microbots und groẞe Roboter werden noch nicht zusammengedacht

Um das Ranking möglichst gerecht zu gestalten, ­wurde im Zuge der Datenerhebung zwischen Großrobotern und sogenannten Microbots differenziert: FM-Roboter mit einem Anschaffungspreis von weniger als 10.000 US-Dollar vor Steuern zählen als Microbots; Reinigungsroboter, die über diesem Anschaffungspreis liegen, als Großroboter. Da sich die Technologien von Großrobotern und Microbots zum Teil stark unterscheiden, werden beide Gerätegattungen oft isoliert voneinander betrachtet, obwohl ihre jeweiligen Stärken sich hervorragend ergänzen könnten. Oder anders gesagt: Viele Unternehmen entscheiden sich derzeit entweder für große Maschinen oder für Kleinroboter, ohne sich der potenziellen Synergien zwischen beiden Gerätetypen bewusst zu sein.

Natürlich ist es zu Beginn sinnvoll, sich auf einen Hersteller und eine Gerätekategorie zu konzentrieren, um wertvolles Fachwissen aufzubauen. Dennoch sollte ­eine langfristig ausgerichtete Robotikstrategie – ge­rade in den spezifischen Einsatzszenarien in ­Europa – immer beide Robotertypen einbeziehen, um das volle Potenzial der Technologie auszuschöpfen. Dies passiert derzeit unserer Meinung nach noch zu selten.

Wie steht es um die traditionelle ­Marktdreiteilung?

Jahrzehntelang haben sich Hersteller, Händler und FM-Dienstleister in einem gut etablierten Dreiklang bewegt: Hersteller entwickeln und produzieren Reinigungsgeräte, Händler vertreiben diese in enger regionaler Bindung und Dienstleister setzen sie beim Endkunden ein. Die Frage, die sich nun stellt: Rüttelt die Reinigungsrobotik an diesem gut eingespielten Triumvirat? Nachfolgend ein paar Gedanken hierzu.

Das Fachwissen für den effizienten Einsatz von Robotik wird derzeit weltweit vor allem von Reinigungsdienstleistern aufgebaut. Dabei reicht die bloße Anschaffung von Hardware nicht aus. Es erfordert umfassendes Wissen über geeignete Reinigungsmittel, die Entwicklung ganzheitlicher Reinigungskonzepte und Kenntnisse zu regionalen Vorschriften – alles Bereiche, in denen Facility-Management-Unternehmen bereits lange Erfahrung haben.

Felix Krichenbauer: "Gemeinsam einen Mehrwert für alle schaffen"

Felix Krichenbauer - © S.C.O.

Felix Krichenbauer, Betriebsleitung, S.C.O. Gebäudereinigungs GmbH, Plochingen: "Wir haben bereits über ein Dutzend Reinigungsroboter verschiedener Hersteller in unseren Betrieb integriert, um unsere Dienstleistungen effizienter und qualitativ besser zu gestalten. Diese Entscheidung spiegelt unser Engagement wider, innovative Technologien zu nutzen, um den sich ständig ändernden Anforderungen unserer Kunden gerecht zu werden. Trotz dieser Fortschritte stehen wir jedoch vor einigen Herausforderungen, die uns bei der umfassenden Nutzung dieser Technologie im Weg stehen.

Ein großes Problem sind die teilweise noch hohen Anschaffungskosten der Roboter. Diese Investitionen lohnen sich oft nur bei großen Flächen oder intensiven Reinigungseinsätzen. Besonders bei kleineren Objekten, ist es schwer, diese Kosten zu rechtfertigen. Dies führt dazu, dass wir in bestimmten Segmenten Schwierigkeiten haben, die Vorteile der Robotik überzeugend darzustellen. Darüber hinaus können Reinigungsroboter nicht alle Bereiche abdecken – Ecken und schwer zugängliche Stellen bleiben oft außen vor. Diese Einschränkungen erfordern weiterhin den Einsatz von menschlicher Arbeitskraft, was bedeutet, dass wir als Dienstleister nur den Aufgabenbereich verschieben und nicht vollständig automatisieren können. Zudem brauchen die Roboter tägliche Pflege und Wartung, was zusätzlichen Aufwand bedeutet.

Nichtsdestotrotz sehen wir Reinigungsroboter als wertvolle Ergänzung für bestimmte Reinigungsflächen. Sie helfen uns dabei, wiederkehrende Aufgaben schneller und effizienter zu erledigen, sodass unsere Mitarbeiter sich auf anspruchsvollere Tätigkeiten konzentrieren können. Ein weiterer Vorteil ist ihre Fähigkeit, eine gleichbleibende Leistung zu bieten und die Reinigungsintensität zu verbessern. Roboter sind auch dann einsetzbar, wenn unsere Reinigungskräfte nicht verfügbar sind oder zusätzliche Unterstützung benötigt wird. Dies ermöglicht es uns, einen kontinuierlichen Service anzubieten und auf unvorhergesehene Anforderungen schnell zu reagieren.

Wichtig ist jedenfalls, dass Hersteller und Dienstleister zusammenarbeiten, um praktikable Lösungen zu finden und bestehende Herausforderungen anzugehen. Nur so kann ­diese innovative Technologie echten Mehrwert für alle schaffen."

Ihre starke Vernetzung und fundierten Marktkenntnisse machen regionale Händler besonders für ausländische Roboterhersteller attraktiv. Diese sind auf die Glaubwürdigkeit der Händler angewiesen, um ihre Produkte erfolgreich in unbekannten Märkten zu verkaufen. Das festigt auf der einen Seite den Status des etablierten Handels. Auf der anderen Seite sorgt die Robotik aber durchaus für Bewegung in den Geschäftsmodellen – wie im nächsten Punkt klar wird. Der momentane Zustand ist also alles andere als in Stein gemeißelt. Hinzu kommt: Die anfängliche Euphorie um die Exklusivverträge mit neuen Herstellern ist abgeflaut und viele Händler haben erkannt, dass Robotik nicht selten mehr Aufwand als Gewinn mit sich bringt – zumindest im heutigen Stadium. Denn, wie eingangs bereits angedeutet: Roboter sind beratungs- und wartungsintensiv und erfordern somit einen völlig neuen Ansatz in Vertrieb und Service.

Bewegung in den Geschäftsmodellen

Die Einführung von Robotik führt zu spannenden Veränderungen in den Geschäftsmodellen der Reinigungsbranche. So gründen Reinigungsunternehmen auf Robotik spezialisierte Handelsunternehmen, zum Beispiel die Wackler Service Group. Andere gehen noch einen Schritt weiter und beteiligen sich direkt an Roboterherstellern – wie etwa Reiwag und Wisag an Lionsbot (Singapur). Auch der Blick ins Ausland lohnt sich hier für deutsche Businessdeveloper: So geht beispielsweise Softbank Robotics (Singapur) den umgekehrten Weg und übernimmt den Reinigungsdienstleister Millennium in Australien. Zudem arbeiten mit Lionsbot und Nilfisk zwei führende Hersteller zusammen, um gemeinsam neue Roboter zu entwickeln.

Es tut sich also einiges über die traditionellen Geschäftsmodell- und Unternehmensgrenzen hinaus. Die gute Nachricht: Auch deutsche Unternehmen sind aktiv dabei und scheinen den Trend nicht zu verschlafen. Die marginale Rolle, die sie zumindest in der ersten Auflage des Rankings spielen, legt jedoch nahe, dass die heimischen Hersteller in den nächsten Jahren ihr Entwicklungstempo erhöhen müssen, um nicht hinter der asiatischen und nordamerikanischen Konkurrenz zurückzufallen.

Blick über den nationalen Tellerrand

Es sind gerade die stürmisch-optimistischen US-Amerikaner, die als Early Adopter bereits große Robotik-Roll-outs umsetzen. Ihre Risikobereitschaft zeigt sich auch in den größten Flotten des Rankings (Anmerkung der Redaktion: Auf Platz eins im Ranking steht Philips (USA) mit einer Flotte von 7.000 Großrobotern, gefolgt von Walmart (USA) mit 1.850 Großrobotern). Deutsche und europäische Reinigungsdienstleister können von diesem Mindset profitieren, ohne es einfach nachzuahmen. Sie können sowohl aus den Erfolgen als auch aus den Misserfolgen internationaler Flotten lernen – solange sie dabei die Besonderheiten ihrer eigenen Märkte berücksichtigen. In Deutschland größere Roboterflotten etwa bei Filialisten einzuführen, ohne zuvor den Austausch mit den internationalen Kollegen beispielsweise von Walmart (USA), Albert (Tschechien) oder Maxie (Serbien) zu suchen, wäre aus unserer Sicht jedenfalls fahrlässig.

Besonders Flughäfen und Metrostationen gehören aktuell zu den führenden Sektoren, was den Einsatz von Reinigungsrobotern angeht. Diese Orte erfordern eine kontinuierliche, effiziente Reinigung von großen Hallen und Korridoren, ohne den Betrieb zu stören. Als Aushängeschilder ihrer jeweiligen Länder und Regi­onen unterliegen Flughäfen gleichzeitig einem gewissen politischen Druck, der zu einer beschleunigten Einführung von Automatisierungstechnologien führt. Zudem dürfte die Covid-19-Pandemie als Katalysator für die Reinigungsrobotik an Flughäfen gewirkt haben.

Christian Bein: "Roboter werden unsere ­Arbeit positiv verändern"

Christian Bein - © Alles klar! Dienstleistungs GmbH

Christian Bein, Geschäftsführer, Alles klar! Dienstleistungs GmbH, Erlenbach: "Ich bin technisch sehr affin, aus diesem Grund interessiert mich die Robotertechnik in der Gebäudereinigung in hohem Maße. Grundsätzlich würde ich dabei zwischen kleineren Saug­robotern in der Unterhaltsreinigung und größeren, autonom fahrenden Scheuersaugmaschinen in der Industrie­reinigung unterscheiden.

Bei der Großflächenreinigung sollten bestenfalls Reinigungsautomaten eingesetzt werden, die eine automatische Be- und Entsorgungsstation selbstständig anfahren können. Dabei sehe ich allerdings die Problematik, dass bei Bestandsgebäuden der Aufbau einer Entsorgungsstation sehr kostenintensiv werden kann, da ein Wasser- und Stromanschluss sowie eine Abwasserleitung vorhanden sein müssten. Unter diesem Aspekt lohnt sich meiner Meinung nach ein Einsatz nur, wenn eine große Reinigungsfläche vorhanden ist und zudem ein hoher Reinigungsturnus durchgeführt werden würde.

Bei den kleineren Saugrobotern sehe ich eher eine Chance, diese in der Unterhaltsreinigung als unterstützendes Moment für unsere Mitarbeiter einzusetzen. In der Zeit, in der der Saugroboter reinigt, könnte die Reinigungskraft die 'Oben­arbeiten` erledigen. Der Vorteil in der kombinierten Arbeit liegt meines Erachtens darin, dass Mitarbeiter notfalls geschlos­sene Türen öffnen könnten.

Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass wir unsere Mitarbeiter in der Zusammenarbeit mit der neuen Technik intensiv schulen müssen, damit diese die kleinen Probleme unmittelbar vor Ort lösen können. Zudem habe ich die Erfahrung gemacht, dass der Kunde bei Einsatz der Robotertechnik von Anbeginn mit einbezogen werden muss und insbesondere auch seine Bereitschaft zum Einsatz erklärt. Denn verschiedene Roboter müssen in das WLAN des Objektes integriert werden, was seitens der Kunden jedoch nicht immer gewünscht ist.

Festzuhalten bleibt: Die Robotertechnik wird mit Sicherheit in der Gebäudereinigung als Unterstützung Einzug halten und unsere zukünftige Arbeit positiv verändern. Der zögerliche Einsatz ist nach meiner Einschätzung der aktuell noch geringen Erfahrung und auch dem nach wie vor hohen Kostenaufwand in der Gebäudereinigung geschuldet."

Der Blick auf das internationale Feld der Roboterflotten zeigt, dass neben Flughäfen gerade auch der Einzelhandel besonders großes Potenzial für den Einsatz von autonomer Reinigungstechnik birgt. In Deutschland ist der Drogeriemarkt-Filialist Rossmann – er hat bereits 45 Reinigungsroboter in Betrieb und stockt seine Flotte in den nächsten Monaten auf 170 Geräte auf – aber noch eine Ausnahme. In der Breite werden Roboter momentan vor allem dezentral von Filialbetreibern getestet – etwa in einigen Rewe- oder Edeka-Filialen. Ein zentral gesteuerter Roll-out ist hier aber noch nicht geplant.

Was ebenfalls auffällt: Im Ranking bleibt der Einsatz von Reinigungsrobotern in Bürogebäuden hinter unseren Erwartungen zurück. Obwohl Büroflächen ähnliche Raumaufteilungen wie in Hotels oder Krankenhäusern aufweisen, hat sich die Automatisierung hier noch nicht wirklich durchgesetzt. In Branchen wie Hospitality und Healthcare hingegen scheinen sich Reinigungsroboter bereits häufiger zu etablieren. Die standardisierten Räume und hohen Hygieneanforderungen dieser Sektoren bieten jedenfalls eine ideale Grundlage für die Einführung autonomer Reinigungslösungen.

Microbots sind stark in der ­Hospitality-­Branche

Immer wieder trafen wir bei unseren Recherchen auf den "Drop and Go"-Einsatz von Microbots in der Hotellerie. Das bedeutet: Kleine Staubsaugerroboter werden vom Reinigungspersonal in Hotelzimmern abgesetzt und übernehmen dann selbstständig die Bodenreinigung, während das Reinigungspersonal im nächsten Zimmer bereits andere Aufgaben ausführt. Besonders effektiv erweist sich dieses Konzept in Regionen mit Arbeitskräftemangel oder hohen Arbeitskosten. Was in Großbritannien – allen voran beim Hotelriesen Travelodge (mit 7.500 Microbots auf Platz drei im Ranking) – bereits mit Erfolg umgesetzt wird, könnte auch in der DACH-Region Schule machen.

Flottenmanagement wird wichtiger

Bisher bieten Hersteller in der Regel noch nicht die gesamte Bandbreite an Robotern, die von Microbots über kompakte bis hin zu großen Reinigungsrobotern reicht. Aus diesem Grund müssen Dienstleister zunehmend auf verschiedene Hersteller und Roboter­typen zurückgreifen, um ihren Anforderungen gerecht zu werden. Im Ranking zeigt sich, dass europäische Anbieter im internationalen Vergleich aber verhältnismäßig gut aufgestellt sind und ihre Flotten eine größere Diversität aufweisen. Daraus resultiert aber auch, dass ein koordiniertes Management dieser vielfältigen Flotten in Zukunft immer wichtiger wird, um die Effizienz und den Betrieb der Robotiklösungen zu gewährleisten und zu optimieren.

Mehr staatliche Förderung für ­Automatisierung?

Aus deutscher Perspektive stellt sich die Frage, wie man sich gegenüber staatlichen Förderungen positioniert. Denn Flotten mit Robotern aus Singapur spielen nicht ohne Grund eine zentrale Rolle im Ranking, und auch chinesische Hersteller profitieren maßgeblich von politischer Unterstützung bei ihrer Expansion. Diese Unternehmen, die meist erst nach 2010 gegründet wurden, nehmen bereits heute eine führende Stellung in "The Biggest Fleet" ein. Neben der hohen Innovationskraft der asiatischen Länder ist es offensichtlich, dass staatliche Förderungen einen erheblichen Einfluss auf die schnelle Entwicklung und Einführung von Reinigungsrobotik haben. Unabhängig von der persönlichen Haltung gegenüber staatlichen Subventionen: Es ist kaum zu leugnen, dass diese massiven Förderungen eine spürbare Wettbewerbsverzerrung mit sich bringen.

Wie es mit "The Biggest Fleet" weitergeht

Jede Menge zusätzlicher Arbeit neben dem Tagesgeschäft und am Ende nicht die repräsentativen Ergebnisse, die wir uns gewünscht haben – nicht gerade ideale Voraussetzungen für eine Fortführung des Rankings. Dennoch glauben wir daran, dass es genau solch eine tabellarische Auflistung und Analyse der weltweit größten Reinigungsrobotik-Flotten braucht. Dabei sehen wir den größten Mehrwert – etwas kontraintuitiv bei einem Ranking – nicht im direkten Vergleich der Teilnehmenden untereinander. Vielmehr kann für Betreiber der Blick in andere Branchen ebenso wertvoll sein wie auch der Blick in andere Regionen und Länder. Erfolgreiches von dort lässt sich übertragen, weniger Erfolgreiches umgehen.

Benjamin Volk: "Es braucht einfach noch mehr Pioniere"

Benjamin Volk - © Volk & Volk

Benjamin Volk, Geschäftsführer, Volk & Volk Gebäudereinigung, Spenge: "Die Reinigungsrobotik hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht. Die Geräte werden kleiner, leistungsfähiger und auch bezahlbarer. Die Technologie ist meiner Meinung nach also grundsätzlich bereit für den breiten Einsatz. Allerdings sprechen wir noch nicht von flächendeckender Einführung.
Wir selbst haben erste Tests mit Reinigungsrobotern durchgeführt, die an unausgereifter Software beziehungsweise am fehlenden Service scheiterten. Wir bleiben aber dran und testen aktuell kleinere Saugroboter in unseren Büros. Ich glaube, es braucht einfach noch mehr Pioniere und Erfolgsgeschichten, damit sich die Reinigungsrobotik durchsetzt.
Die Zurückhaltung in der Branche beim Flotten-Ranking ist verständlich – viele scheuen den Wettbewerbsvergleich und haben vielleicht noch nicht genug Erfahrung gesammelt, um wirklich etwas berichten zu können. Die Angst, dass Kunden nach der Einführung von Robotik auf den Dienstleister verzichten könnten, halte ich für übertrieben. Es gibt genügend Aufgaben, die weiterhin menschliche Reinigungskräfte erfordern. Die Hersteller müssen sich aber klar positionieren, für wen sie ihre Geräte entwickeln – Dienstleister oder ­Gebäudebetreiber.
Ein stärkerer Austausch in der Branche wäre sicherlich hilfreich, um voneinander zu lernen und die Technologie gemeinsam voranzubringen. Preislich und technisch sind die Geräte auf einem guten Weg. Was fehlt, sind verlässlicher Service, Ersatzteilversorgung und vor allem praxisnahe Schulungen und Kalkulationstools. Klar ist, dass asiatische Hersteller ­aktuell den Markt dominieren. Europäische Firmen sollten sich hier auf ihre Stärken besinnen und hochwertige, spezialisierte Lösungen anbieten – ähnlich wie in der Automobilindustrie.
Reinigungsrobotik ist auch keine Spielwiese nur für große Unternehmen; gerade kleinere Reinigungsfirmen können hier ihre Flexibilität nutzen und sich durch innovative Konzepte am Markt positionieren. In Summe bin ich überzeugt, dass die Reinigungsrobotik in Zukunft eine wichtige Rolle spielen wird. Es braucht aber noch mehr Erfahrungswerte, bessere Rahmenbedingungen und vor allem eine offene Diskussion in der Branche, um das volle Potenzial dieser Technologie auszuschöpfen."

Idealerweise könnte ein Ranking zudem die Kommunikation unter Flottenbetreibern mit ähnlichen Herausforderungen anstoßen – es kann anspornen, die eigene Organisation in Sachen Automatisierung voranzubringen, und als Argumentationshilfe für ­Robotikverantwortliche dienen, um interne Widerstände zu überwinden.

Um künftig repräsentativere Ergebnisse zu erzielen, werden wir das Ranking kontinuierlich pflegen und das Format flexibler gestalten. Zukünftig sollen Daten laufend gesammelt und analysiert werden. Betreibern wird es also ganzjährig möglich sein, ihre Flotten anzumelden beziehungsweise diese in ­ihrer Größe zu aktualisieren. Die Ergebnisse der kontinuierlichen ­Datensammlung sollen dann jeweils am Jahresende veröffentlicht werden. Durch diesen Ansatz möchten wir langfristig die Akzeptanz und Teilnahme­be­reitschaft für dieses wichtige Branchenthema ­erhöhen.

Philipp Feil | guenter.herkommer@holzmann-medien.de

© Fieldbots

Philipp Feil

ist Geschäftsführer von Fieldbots, ­bekannt für die herstellerunabhängige ­Flottenmanagement-Software Fieldbots OS.Er hat zusammen mit seinem Bruder Alexander Feil das Ranking "The Biggest Fleet" initiiert.