Große Flächen mit Publikumsverkehr, Rolltreppen, Aufzüge, dazu Sanitärbereiche: Ein Einkaufszentrum sauber zu halten, ist eine Herausforderung. Damit die Reinigungsziele erreicht werden können, braucht es ein durchdachtes Konzept und passende Technik. Wie zudem Robotik und Sensorik, gepaart mit digitalen Lösungen, wirtschaftliches Arbeiten erlauben und das Personal entlasten.

Gerade in komplexen Umgebungen wie Einkaufszentren kommt es auf ein durchdachtes Konzept und systematische Umsetzung an, um hohe Qualität in der Reinigung zu erreichen. Mit dem PDIR-Konzept lässt sich der Reinigungsaufwand erheblich reduzieren und die Lebensdauer von Oberflächen und Böden verlängern.
Die vier Buchstaben PDIR leiten sich von den englischen Begriffen Preventative (vorbeugende Reinigung), Daily (tägliche Reinigung), Interim (Zwischenreinigung) und Restorative (Grundreinigung) ab. Das bedeutet: Durch vorbeugende Reinigung im Außen- und Eingangsbereich lässt sich der Reinigungsaufwand im Innenraum reduzieren, weil weniger Schmutz ins Gebäude gelangt. Zusätzlich lässt sich der Schmutzeintrag durch Schmutzfangmatten im Eingangsbereich noch weiter minimieren. Die kontinuierliche Tagesreinigung reduziert den Reinigungsaufwand insgesamt. Regelmäßige Zwischenreinigung dient dem Werterhalt der Materialien und zögert die nächste Grundreinigung weiter hinaus. Wird die Grundreinigung schließlich nötig, dient sie dem Werterhalt und lässt Böden und Oberflächen wieder wie neu aussehen.
Attraktiver Auẞenbereich bei jedem Wetter
Der Außenbereich ist das Aushängeschild für jedes Einkaufszentrum und sollte bereits bei der Ankunft der Besucher ein einladendes Bild abgeben. Zufahrtsstraßen, Parkplätze und Parkhäuser, Rampen, Gehwege, Einkaufswagenstationen: Überall ist Sauberkeit entscheidend – allerdings nicht nur aus optischen Gründen, sondern auch damit weniger Schmutz in den Innenraum gelangt. Je nach Witterungsverhältnissen gibt es verschiedene technische Hilfsmittel, die die Arbeit effizienter gestalten.
Bei warmer, trockener Witterung können Parkflächen, Zufahrtswege und -rampen sowie Gehwege mit Kehrsaugmaschinen gereinigt werden. Sie haben dabei den entscheidenden Vorteil, dass sie aufgewirbelte Partikel direkt mit einsaugen und die Autos auf Parkplätzen nicht eingestaubt werden. Kehrmaschinen mit einer leicht zu öffnenden Grobschmutzklappe sind hilfreich, um den Müll rund um Einkaufswagenstationen zu beseitigen. Handgeführte Kehrmaschinen oder Aufsitzmodelle sind gut geeignet, um lose Verschmutzungen von Wegen, aus Parkhäusern, von Parkplätzen oder Eingängen zu entfernen.
Bei kühler, nasser Witterung, Salz und haftenden Verschmutzungen sind Scheuersaugmaschinen das Mittel der Wahl. Müll, grobe Verschmutzungen und Laub lassen sich mit einem Laubbläser aus den Anlagen entfernen und dann aufnehmen. Akkubetriebene Modelle sind wesentlich angenehmer für die Besucher, da sie geräuschärmer sind. Zudem sind sie leichter und anwenderfreundlicher. Handgeräte mit Tragegurt ermöglichen ermüdungsfreies Arbeiten und Geräte mit federgelagerten Gebläsen dämpfen die Vibrationen für den Anwender ab. Je nach Wetterlage und Größe der Anlage ist bei Schneefall die passende Lösung zum Räumen und Streuen zu wählen, damit die Besucher sich sowohl mit dem Auto als auch zu Fuß sicher bewegen können.
Sauberkeit in Treppenhäusern, Fahrstühlen und auf Rolltreppen
Ist das Auto geparkt, führt der Weg meist über Treppenhäuser von Parkhäusern oder Parkdecks in das Einkaufszentrum. Sie zu reinigen ist aufgrund der beengten Platzverhältnisse eine Herausforderung. Lose Verschmutzungen lassen sich mit einem Rücken-Akkusauger beseitigen. Akkugeräte haben den Vorteil, dass keine Kabel zur Stolperfalle werden können und die Steckdosensuche entfällt. Haftende Verschmutzungen lassen sich mithilfe eines Mopps entfernen. Stark haftenden Verschmutzungen rückt man am besten mit einem Hochdruckreiniger zu Leibe. Zudem ist eine regelmäßige Reinigung und Desinfektion der Handläufe wichtig, um Keimübertragungen zu vermeiden.
Innerhalb des Einkaufszentrums sorgen Rolltreppen und Laufbänder für ein entspanntes Einkaufserlebnis. Sie befördern täglich eine Vielzahl an Kunden und hartnäckige Verschmutzungen wie verschüttete Getränke oder Speisereste sind keine Seltenheit. Eine Nassreinigung lässt sich hier deshalb meist nicht vermeiden. Kaugummi, festhängende Steinchen und andere grobe Verunreinigungen sind vorab manuell mit einem Kratzer zu entfernen und aufzukehren. Um die Rolltreppe anschließend wieder zum Glänzen zu bringen, ist ein Rolltreppenreinigungsgerät eine effiziente Lösung. Dabei greifen Führungskämme in die Rolltreppe ein, dichten die Oberfläche zum Saugkanal hin ab und erzeugen so den erforderlichen Unterdruck zur Absaugung. Je nach Rolltreppenfabrikat sind die Kämme in verschiedenen Ausführungen erhältlich. Zudem sollten Seitenwände und Handläufe regelmäßig saubergemacht werden. Um die Handläufe zu reinigen, werden vorkonditionierte, mit Desinfektionsmittel getränkte Mikrofasertücher einfach auf das fahrende Handlauf-Band gehalten.
Analog zu Treppen und Rolltreppen sind auch Fahrstühle stark frequentiert und die Platzverhältnisse begrenzt. Daher sollten sie mehrmals täglich inspiziert werden. Lose Verschmutzungen lassen sich mit einem Rucksacksauger oder einem Elektrobesen von der Bodenfläche entfernen. Ein Mopp ist für haftende Verunreinigungen geeignet. Eine praktische Lösung für verglaste oder verspiegelte Aufzüge ist ein handgehaltener Oberflächensauger. Rutschgefahr und Verunreinigungen durch Spritzwasser lassen sich damit vermeiden, da das Gerät das Wasser direkt wieder aufnimmt.
Die tägliche Reinigungsroutine
Sauberkeit hebt die Kauflaune beim Schlendern durch die Gänge und dem Blick in die Schaufenster. Damit das Einkaufsglück nicht durch Verunreinigungen getrübt wird, führen Tagesreinigungskräfte oder sogenannte Hygiene-Stuarts an neuralgischen Punkten eine Sichtreinigung durch. Dabei sind viele Details zu beachten. Sitzbereiche müssen saubergemacht, Griffspuren von Glasflächen beseitigt und Mülleimer geleert werden. Schmutzfangmatten sind tagsüber regelmäßig abzusaugen und spontan auftretende Verschmutzungen mit Mopp, Elektrobesen oder einer kompakten Scheuersaugmaschine aufzunehmen. Damit für den kommenden Tag alles bereit ist, werden diese Reinigungsmaßnahmen zu Schließzeiten nochmals wiederholt.
Vollflächige Trockenreinigung der Böden reicht oft aus
Um den Publikumsverkehr nicht zu behindern, wird die vollflächige Bodenreinigung meist zu Randzeiten durchgeführt. Kehrsaugmaschinen entfernen Staub und Sand schnell und effizient. Eine Trockenreinigung ist meist völlig ausreichend, solange keine haftenden Verschmutzungen vorhanden sind. Kehrsaugmaschinen sind auch für Granit- und Kautschukböden, also matte und polierte/glänzende Flächen geeignet. Dadurch lässt sich Zeit sparen und die Produktivität des Reinigungspersonals erhöhen, was vor allem bei dünner Personaldecke zu empfehlen ist.
Scheuersaugmaschinen sind die richtige Wahl, wenn eine Nassreinigung nötig ist. Für die Unterhaltsreinigung von Kunststeinböden aus Weichgestein können Diamantpads zum Einsatz kommen, um den Glanz zu erhalten. Allerdings sollte vorab mit dem Auftraggeber geklärt werden, ob der Effekt tatsächlich gewünscht ist. Wichtig beim Einsatz von Diamantpads ist, dass für ein einheitliches Bild möglichst sorgfältig gearbeitet werden muss.
Einsatz von Robotik entlastet das Personal
In weitläufigen Einkaufszentren mit großen Bodenflächen bindet die Bodenreinigung Mitarbeiter für längere Zeiträume. Aus diesem Grund können heute Reinigungsroboter diese gleichförmigen und zeitintensiven Aufgaben übernehmen. Dadurch wird das Personal entlastet und die Reinigungskräfte stehen für komplexere Tätigkeiten zur Verfügung, die sonst unerledigt bleiben. Roboter sind in der Lage, große Flächen zügig zu bearbeiten und selbst in engeren Umgebungen zu manövrieren. Autonom arbeitende Modelle bringen einige Vorteile mit sich: Sie steuern Dockingstations selbstständig an, füllen Ressourcen nach und reinigen mehrere Tausend Quadratmeter Bodenfläche pro Tag ohne menschliches Eingreifen. Reinigungsrouten lassen sich auch ohne Programmiererfahrung einfach anlegen. Für die Routenplanung sollte im Vorfeld überlegt werden, wo im Gebäude mit hohen Verschmutzungen zu rechnen ist und wo wenig frequentierte Bereiche sind, die seltener zu reinigen sind. Das Fachpersonal sollte Dockingstations zum Laden und Befüllen so anlegen, dass sich Wege einsparen lassen.
Beim Einsatz von Robotik mitten im Besucherstrom gelten Sicherheitsvorgaben. Der Roboter muss in frequentierten Bereichen mithilfe moderner Technik zuverlässig Hindernisse umfahren. Im Idealfall wurde das Navigationskonzept von einer externen Prüfstelle bestätigt. Beim Einsatz von Reinigungsrobotern in Bereichen mit Publikumsverkehr ist zudem IT-Sicherheit zentral. Daten von Kameras sollten nur in Echtzeit verarbeitet und nicht gespeichert werden, um Zugriffe zu verhindern.
Bedarfsgerecht reinigen mithilfe von Sensorik und digitalen Tools
Um das Personal noch weiter zu entlasten und den Fachkräftemangel abzufedern, kann der Einsatz von Sensorik hilfreich sein. Sensoren liefern zum Beispiel Informationen zur Frequentierung einzelner Bereiche oder Messwerte zum Füllstand von Mülleimern oder Seifenspendern in Sanitäranlagen. Auf diese Weise lassen sich überflüssige Wege einsparen und die Reinigungskräfte müssen nicht mehr stur nach Reinigungsplänen vorgehen. Bei Problemen wird eine Alarmmeldung an die Reinigungskraft geschickt, die dadurch direkt reagieren kann. Das verbessert die Servicequalität der Gebäudedienstleister und erhöht die Kundenzufriedenheit.
Zusätzlich sorgt Digitalisierung in der Gebäudereinigung für mehr Effizienz in allen Arbeitsprozessen. Statt manuell erstellter Listen und Zeitnachweisen et cetera bündeln digitale Lösungen alle Informationen an einer Stelle – vom Flotten- über Personalmanagement bis zum Kundenfeedback. So entlasten digitale Systeme die Mitarbeitenden in der Verwaltung und erlauben den Gebäudedienstleistern, wirtschaftlicher zu arbeiten. Robotik und Sensorik in Verbindung mit digitalen Systemen sind der Schlüssel, um Reinigungsziele möglichst effizient und wirtschaftlich zu erreichen.
Alexandra Lachner, freie Autorin Christoph Scheiwiller, Kärcher | markus.targiel@holzmann-medien.de