Bundesleistungswettbewerb 2008 Reine Frauensache

Die besten Gebäudereinigergesellinnen- und gesellen aus elf Bundesländern trafen sich in Kiel zum Bundesleistungswettbewerb. Nach tollen Leistungen und engagiertem Einsatz aller Teilnehmer setzte sich wie schon 2006 und 2007 ein junge Frau durch: Die Bundessiegerin 2008 heißt Rebecca Rode.

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    Der Morgenröte folgte leider ein Regentag – keine leichten Bedingungen für die Teilnehmer am Bundesleistungswettbewerb.
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    Polsterreinigung auf der „Stadt Kiel“: Eine der Aufgaben, die Rebecca Rode mit Bravour löste.
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    Knochenarbeit Deckenreinigung: Tim Götze kam die Körpergröße dabei zugute.
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    Wasser Marsch: Gründliches Abspülen war bei der Fassadenreinigung, hier mit Rauno Dahl, nötig.
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    Glasreinigung am Museum: Nicht alle Scheiben waren so groß bemessen wie die, die Malte Vollmer hier bearbeitet.
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    Medienpräsenz: Selbst so unscheinbare, aber wichtige Arbeiten wie die Absperrung zum Schutz der Passanten wurden gefilmt.
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    Die drei Sieger (Tim Götze, 2. Platz; Rebecca Rode, 1. Platz und Javier Murcia, 3. Platz) mit Bundesinnungsmeister Dieter Kuhnert (li.) und seinem Stellvertreter Horst Stippschild.
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    Erinnerungsfoto am Ende eines langen und anstrengenden Tages.

Reine Frauensache

-„Allein dabei zu sein ist eine hervorragende Leistung.“ Wolfgang Mehl, Vorsitzender des Ausschusses für Berufsbildung im Bundesinnungsverband, macht den Teilnehmern am Bundesleistungswettbewerb am Donnerstag bei der Besichtigung der Wettbewerbsobjekte deutlich, dass sie sich schon jetzt alle als Sieger betrachten könnten. Dennoch, den jungen Gesellinnen und Gesellen ist die Spannung anzusehen, auch wenn sie sich noch so relaxed geben.

Schnell werden bei der Besichtigung der historischen Wettbewerbsobjekte auch die ersten Pläne für den anstehenden Bundesleistungswettbewerb geschmiedet. Das Kieler Schifffahrtsmuseum mit historischer Fassade und Ausstellungsraum und das Salonmotorschiff „Stadt Kiel“ als technisches Kulturdenkmal sind schließlich ausgefallene Reinigungsobjekte mit zahlreichen schwierigen Details. Auch bei der gemeinsamen Stadtbesichtung mit anschließendem Abendessen auf Einladung der Landesinnung Nord, zu dem Bundesinnungsmeister Dieter Kuhnert die Teilnehmer in seiner Heimatstadt herzlich begrüßte, ist der bevorstehende Wettbewerb naturgemäß das beherrschende Gesprächsthema.

Für den herrlichen Sonnenaufgang am nächsten Morgen hat allerdings kaum einer der Kandidaten und Kandidatinnen des Bundesleistungswettbewerbs einen Blick übrig. Einweisung in den Ablauf des Wettbewerbs, Einteilung der Gruppen, Zuteilung der ersten Aufgabe und Herrichten der notwendigen Materialien und Gerätschaften – da bleibt keine Zeit für Romantik, die Szene ist vielmehr von leicht hektischer Betriebsamkeit beherrscht.

Morgens um halb sieben ...

Mit Beginn der Arbeiten gegen 7.30 Uhr scheint die Anspannung wie weggeblasen, die Teilnehmer gehen konzentriert und erstaunlich routiniert ans Werk. „Am Museum stehen Glas- und Fassadenreinigung auf dem Programm, auf dem Schiff müssen Polster und Decken gereinigt werden“, nennt Wolfgang Mehl die Aufgaben- stellung.

Polsterreinigung

Mit René Frackowiak und Michaela Wizany beobachten wir die erste Gruppe bei der Polsterreinigung auf dem Museumsschiff. „Zunächst muss geprüft werden, ob Flecken, Kaugummi oder sonstige grobe Verschmutzungen auf den Polstern zu finden sind. Dann werden die Polster mit Schaum behandelt und abgesaugt. Nach der Sprühextraktion mit klarem Wasser werden die Polster mit dem Garnpad und einer Handmaschine bearbeitet, um den Flor hochzuholen“, erklärt René Frackowiak die Aufgabe. Die notwendigen Materialien werden gestellt, ebenso alle Gerätschaften und Maschinen. „Was er wo einsetzt, entscheidet der Prüfling allerdings selbst.“

Die Prüfer beobachten jeden Handgriff genau, achten auf das richtige Ansetzen der Reinigungslösung und natürlich auf den fachgerechten Einsatz der Gerätschaften. Alles läuft bestens, Anlass zur Kritik gibt es nicht.

Deckenreinigung

Ein paar Meter weiter ist die zweite Gruppe mit den Vorbereitungen zu Deckenreinigung beschäftigt. Tische und Bänke abdecken, Reiniger ansetzen – das richtige Mischungsverhältnis wird in Gemeinschaftsarbeit ermittelt – Schutzbrillen aufsetzen; und los geht’s. Was genau zu tun ist, erklärt Jurymitglied Norbert Jung, der zusammen mit Susanne Selbrede für die Bewertung dieser Aufgabe zuständig ist: „Die Resopaldecke wird mit Mikrofasertüchern und Alkoholreiniger bearbeitet. Mit Poliertüchern wird die Fläche nachgearbeitet. Für das Lampenglas kommt ebenfalls Alkoholreiniger zum Einsatz. Die Holzteile an der Decke müssen aufbereitet werden, die Messingfassungen der Lampen werden poliert.“

Was sich aufs Erste so einfach anhört, ist echte Knochenarbeit: Es wird über Kopf gearbeitet, die Schulter- und Nackenmuskulatur dabei auf eine harte Probe gestellt. Entsprechend angestrengt sieht mancher Kandidat nach Beendigung dieser Aufgabe auch aus.

Glasreinigung

Nächste Station: die Glasreinigung am Schifffahrtsmuseum. Hier warten auf die Wettbewerbsteilnehmer unterschiedliche Aufgaben. Einmal gilt es die Fenster der Ausstellungsräume des Museums von innen zu reinigen; eine weitere Aufgabe ist die Glasreinigung außen. Dabei wird auch die fachgerechte Anwendung der Hubarbeitsbühne mitbewertet. Bei beiden Reinigungsaufgaben beobachtet die Jury zunächst vor allem, ob die Unfallverhütungsvorschriften eingehalten werden, erklärt uns Stefan Junghans, der auch als Koordinator fungiert: „Hat in Sachen UVV alles seine Ordnung, sehen wir uns die einzelnen Arbeitsgänge an: Welche Gerätschaften werden verwendet – Wischer, Leder, Poliertuch. Wichtig ist uns auch die Arbeitsweise. Das heißt, hier an den kleinen Scheiben sollte man eigentlich auf einen Wischer verzichten. Einwaschen, ledern – dann muss dieses Fenster stehen“, klingt erstmals Kritik an der Arbeitsweise von Wettbewerbsteilnehmern an. Wolfgang Mehl, der die Situation mitbeobachtet, ergänzt: „Fensterputzen ist die Grundlage der Gebäudereiniger überhaupt. Wenn das Leder nicht richtig zusammengelegt wird oder Einwaschtücher nach unten baumeln und die schon geputzten Scheiben wieder schmutzig machen, ist das keine einwandfreie Handwerksleistung.“

Die falsche Handhabung der Reinigungsuntensilien wirft Roland Böhm als weiterer Beobachter allerdings nicht nur den Teilnehmern vor: Er sieht die Defizite in solchen Fällen auch beim Ausbilder: „Was durch den Ausbilder nicht richtig vermittelt wurde, kann man dem Kandidaten eigentlich nicht anlasten“. Dass ab 2009 wieder der Meisterbrief beziehungsweise eine Ausbildereignungsprüfung Voraussetzung für die Lehrlingsausbildung sein sollen, begrüßt Wolfgang Mehl vor diesem Hintergrund ausdrücklich.

Ansonsten sind die Prüfer mit den gezeigten Arbeitsweisen und Leistungen durchweg zufrieden. Nicht nur in der Glasreinigung, sondern bei allen anderen Wettbewerbsaufgaben auch.

Fassadenreinigung

Richtig nass geht es mittlerweile bei der Fassadenreinigung zu. Es regnet seit einiger Zeit, zudem rücken die jungen Wettbewerbsteilnehmer der Fassade kräftig mit Wasser zu Leibe.

„Natürlich müssen vor Arbeitsbeginn alle vorgeschriebenen Sicherheits- und Umweltschutzmaßnahmen ergriffen werden“, erklärt Jurymitglied Martin Gleitsmann. Dazu gehört neben der persönlichen Schutzausrüstung (Schutzbekleidung, Schutzbrille, Helm) auch die Sicherung beziehungsweise Sperrung der Baustelle, um Passanten nicht zu gefährden. Das bei der Reinigung anfallende Schmutzwasser wird mit Folien aufgefangen. Die erforderlichen Arbeitsschritte bei der Fassadenreinigung nennt Martin Krüger, der mit Martin Gleitsmann diese Aufgabe beurteilt: „Zuerst ist die noch trockene Fassade von Grobschmutz zu befreien; danach wird die Fläche mit einem Alkoholreiniger eingewaschen, um den Schmutz anzulösen. Dann wird die Fassade mit klarem Wasser abgespült.“ Und davon wird reichlich eingesetzt, die Wettbewerbsteilnehmer saugen deshalb das Wasser immer wieder auf, damit es nicht in die Kanalisation gelangen kann.

Großes Medieninteresse

Auch der diesjährige Bundesleistungswettbewerb findet in den Medien große Aufmerksamkeit. Der NDR berichtet in kurzen Interviews und Einspielungen im Radio den ganzen Tag über das Ereignis. Im Mittelpunkt steht dabei der Teilnehmer Rauno Dahl aus Schleswig-Holstein. Auch das Kamerateam, das gegen Mittag die Arbeiten filmt, legt seinen Schwerpunkt auf den Lokalmatador. Für den jungen Gebäudereiniger und seine Mitstreiter ist das eine aufregende Sache und für das Gebäudereiniger-Handwerk eine tolle Imagewerbung. Und auch dem Fernsehteam macht die Arbeit sichtlich Spaß, ob Polsterreinigung, Fassadenreinigung oder auch die Arbeit auf der Hubarbeitsbühne – die Kameraleute sind mit Begeisterung bei der Sache.

Meister von morgen

Nach einem langen und anstrengenden Tag treffen sich die Teilnehmer am Abend zur Siegerehrung. Mit dabei sind natürlich auch die Prüfer sowie Bundesinnungsmeister Dieter Kuhnert, sein Stellvertreter Horst Stippschild sowie Vertreter der Landesinnung Nord und der Sponsoren. Dieter Kuhnert, der den Sponsoren und der Landesinnung für die hervorragende Organisation, allen voran Horst Albert und Wilfried Birck, dankt, fasst sich bewusst kurz, um die Wettbewerbsteilnehmer nicht zu lange auf die Folter zu spannen. Er versäumt allerdings nicht, der Besatzung des Museumsschiffes für die Unterstützung während des Tages zu danken: Zur Unterstützung der ehrenamtlichen Arbeit zum Erhalt des Kulturdenkmals überreicht der Bundesinnungsmeister einen Scheck an
H. Herold als Vertreter des Fördervereins.

Horst Stippschild nimmt im Anschluss die Siegerehrung vor. Er betont, dass alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen meisterliche Leistungen unter schwierigen Wettbewerbsbedingungen abgelegt hätten. „Sie bringen die besten Voraussetzungen mit, um auch zukünftig in der Gebäudereinigung erfolgreich sein zu können.“

Und er hofft, dass möglichst viele der Teilnehmer als nächstes Ziel den Meistertitel anvisieren: „Der Meistertitel ist und bleibt ein wichtiges Qualitätssiegel des Gebäudereinigers.“

In alphabetischer Reihenfolge kommen dann die Teilnehmer nach vorne - die Platzierungen eins bis drei natürlich ausgenommen. Dann ist es soweit: Horst Stippschild ruft Javier Murcia (3. Platz; Baden-Württemberg; Siegerprämie 500 Euro), Tim Götze (2. Platz; Bremen, Siegerprämie 1.500 Euro) und schließlich Rebecca Rode (1. Platz; Hessen) als Bundessiegerin nach vorne. Die stolze Siegerin freut sich über 2.500 Euro, die wie die anderen Geldpreise aus der Carl-Gegenbauer-Stiftung stammen.

Auch rationell reinigen gratuliert den Teilnehmern, für die
drei Ersten gibt es ein Jahresabonnement als Geschenk.

Peter Hartmann | peter.hartmann@holzmannverlag.de

Lesen Sie auch das Interview mit Rebecca Rode auf der Azubiseite. Mehr Bilder vom BLW finden Sie in unserer Bildergalerie .

Rebecca Rode im InterviewBildergalerie BLW