Praxis -

Raumdesinfektion mit Ozon im Praxistest

rationell reinigen begleitete in einer Fachklinik in Schwaben einen Praxistest zur Wirksamkeit und Effektivität der Raumdesinfektion mittels Ozon. Der Dienstleister ­setzte das mobile Desinfektionsgerät eines dänischen Herstellers in drei Patientenzimmern ein.

Das im Patientenzimmer stehende Gerät hat seine Arbeit verrichtet und meldet dies auf dem Tablet des Bedieners: Der Desinfektionszyklus ist abgeschlossen, man kann das Zimmer wieder gefahrlos betreten – das für die Desinfektionsmaßnahme eingesetzte Ozon ist komplett abgebaut. Betritt man anschließend das Zimmer, empfängt einen ein deutlich wahrnehmbarer Frischegeruch, der sich nur schlecht beschreiben lässt. Am ehesten so: Man fühlt sich ganz leicht an den Geruch in einem Schwimmbad erinnert.

Ort des Geschehens ist die Fachklinik Ichenhausen in Schwaben. Die für Reinigung und Hygiene im Haus zuständige KDS hat soeben einen weiteren Test durchgeführt, bei dem die Desinfektion von Räumen mittels Ozon auf Herz und Nieren abgeklopft wird. Den Nachweis der Wirksamkeit sollen (und werden) in wenigen Tagen die Ergebnisse der vor und nach der Desinfektionsmaßnahme entnommenen Abklatschproben liefern.

Zum Einsatz kommt dabei Sterisafe Pro, ein Gerät des gleichnamigen dänischen Herstellers. Das Start-up wurde vor gut einem Jahr an der Kopenhagener Universität gegründet. Den Vertrieb der innovativen Technik in Deutschland hat Kenter übernommen. Die KDS ist der erste Kunde aus dem Gesundheitswesen.

Hygiene stets im Blick

Die KDS, spezialisiert auf Dienstleistungen in Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen, beobachtet laufend die Entwicklungen auf dem Gesundheitsmarkt und setzt sich dabei auch mit innovativen Technologien auseinander, die dabei helfen können, die Reinigungs- und Desinfektionsqualität und damit den Hygienestandard zu verbessern. Im Fokus stehen dabei seit geraumer Zeit auch automatisierte Systeme zur Raumdesinfektion. Beispielsweise konnten bereits in verschiedenen von der KDS betreuten Objekten Systeme für die Raumdesinfektion mit Wasserstoffperoxid getestet und im Anschluss ein geführt werden. Und gerade in Zeiten der Corona-Pandemie hat das Thema Desinfektion nochmal zusätzlich an Bedeutung gewonnen.

Raumdesinfektion mit Ozon: So wird es gemacht

Bereits 2019 hat sich die KDS auch intensiv mit der Raumdesinfektion mittels Ozon beschäftigt und sich dabei von der Wirksamkeit und den Vorteilen des Verfahrens überzeugen lassen. So garantiert das Gerät Sterisafe Pro durch seinen patentierten Full-Depth-­Disinfection-Cycle eine Desinfektion des kompletten Raums und filtert darüber hinaus Partikel aus der Luft. Durch die schnelle Distribution des aus der Raumluft erzeugten gasförmigen Ozons entstehen keine Schattenbereiche, wodurch auch schwer zugängliche Stellen im Raum in gleicher Qualität desinfiziert werden. Hierin besteht einer der wesentlichen Unterschiede zu Systemen, die Chemikalien in Wasser lösen und diese vernebeln, wie zum Beispiel Wasserstoffperoxyd­geräte.

Neben dem Aspekt der Umweltfreundlichkeit, da kein chemischer Abfall entsteht, ist der ständige Nachkauf von Chemikalien sowie die zusammenhängende Logistik nicht mehr notwendig. Das Ozon wird direkt vor Ort aus der Umluft produziert. Nach der Desinfektion wandelt das Gerät das entstandene Ozon automatisch wieder in Sauerstoff um und entfernt Nanopartikel und Nebenprodukte.

Claudia Conrad, Geschäftsführerin der KDS stellt klar, dass diese Art von Desinfektion als zusätzlicher Prozess angedacht sei. „Textilien wie der in diesem Fall verlegte Teppichboden im Zimmer oder auch die Vorhänge sowie alle Ecken, Kanten und Ritzen werden durch diesen Prozess sicher desinfiziert“, streicht Conrad die wichtigsten Vorzüge heraus.

Prozesssicherheit und Validierung

Das mobile Gerät ist im Objekt flexibel einsetzbar und kann via Tablet bedient werden. Während der Prozedur ist es wichtig, dass der Raum nicht betreten wird und Rauchmelder, Lüftungen oder andere Öffnungen zuvor abgedichtet werden. Zur Sicherheit wird auch die Tür von außen mit Isolierband abgeklebt. Da die Steuerung von außerhalb des zu desinfizierenden Raumes erfolgt, ist die Sicherheit für Bediener, Patienten und Mitarbeiter stets gegeben.

Der Desinfektionsprozess kann i n Echtzeit verfolgt und überwacht werden. Erst nach der vollständigen Entfernung des Ozons kann der desinfizierte Raum wieder betreten werden. Wann es soweit ist, überwacht ein im Sterisafe Pro eingebautes Messgerät, dies wird dem Bediener außerhalb des Raumes auf seinem Tablet angezeigt. Ozon hat den Vorteil, dass es auch bei relativ hohen Konzentrationen, anders als zum Beispiel Wasserstoffperoxyd, genau gemessen werden kann. Dadurch kann der vollständige Vorgang zudem automatisch vom Gerät dokumentiert werden und garantiert so die Prozesssicherheit und Validierung der Desinfektion. Der Hersteller stellt die automatisch generierten Berichte online zur Verfügung und unterstützt somit die Gebäudereiniger in ihrem Bestreben nach voller Transparenz und Compliance gegenüber ihren Kunden.

Das Desinfektionsverfahren

Der Desinfektionsprozess gliedert sich in drei Phasen:

  • Die Aufbauphase. Das Gerät baut mit Hilfe von destilliertem Wasser und Sauerstoff Luftfeuchtigkeit und Ozon im Raum auf. Durch die aufgebaute hohe Luftfeuchtigkeit erreicht das Biozidgas Ozon alle Bereiche des Raumes.
  • Die Desinfektionsphase. Die Konzentration des Ozons wird für einen bestimmten Zeitraum stabilisiert.
  • Die Reinigungsphase. Das Gerät saugt die Luft im Raum an und wandelt das Ozon in Sauerstoff und Wasser um. Die Luft wird dabei zusätzlich von kleinen Partikeln (VOC) gereinigt.

Je nach Raumgröße und erwünschter Wirkung kann zwischen drei unterschiedlich langen Desinfektionszyklen gewählt werden. Diese unterscheiden sich vor allem in der Dauer der Desinfektionsphase.

Der Test im Detail

Bereits die Ergebnisse des ersten Tests im Sommer dieses Jahres, der gemeinsam mit dem Hygieneinstitut Parat in der Fachklinik Ichenhausen durchgeführt wurde, überzeugten. Insbesondere die Keimreduzierung auf Textilien wie dem Teppichboden und auf Reinigungsgeräten beeindruckten die Verantwortlichen der KDS. Um diese Ergebnisse zu verifizieren erfolgte im Oktober 2020 ein weiterer Testlauf.

Dieser wurde in Patientenzimmern mit dazugehöriger Nasszelle durchgeführt. Die Zimmer entsprechen einem typischen Patientenzimmer einer Rehaklinik: Durch die Teppichböden, die Vorhänge und die Einrichtung entsteht ein wohnlicher Charakter. Ein Testlauf erfolgte in einem Zimmer ohne Teppichboden.

Um die Wirksamkeit des Sterisafe Pro zu kontrollieren, wurden jeweils vor und nach dem Desinfektionszyklus mit Rodac-Platten Abklatschproben von diversen Flächen genommen. Zu den Probeentnahmeflächen zählten beispielsweise die Matratze, der Teppichboden, der Holzgriff am Stuhl, die Waschbeckenarmatur, das Schubladeninnere, die Tischoberfläche, die Vorhänge und die Lichtschalter. Die Proben nahmen Anna Hils, Geschäftsführerin des Parat Institut für Hygiene, und Mariell Weber von der KDS vor.

Marco Gratzke, Key-Account-Manager Süd bei Kenter, bereitete die Zimmer zuvor für den Testlauf vor und dichtete sie wie beschrieben ab. Schranktüren, Schubladen und die Tür zur Nasszelle wurden anschließend geöffnet, damit das Ozon alle Bereiche des Raumes und Mobiliars erreichen konnte. Abschließend wurde das Zimmer abgesperrt, die Tür mit Klebeband abgedichtet und an der Tür ein Warnschild angebracht.

Der Desinfektionszyklus konnte anschließend außer­halb des Zimmers via Tablet gestartet werden. Zuvor wurde in der digitalen Eingabemaske die Zimmergröße (geschätzt) in Kubikmetern angegeben, die korrekte Vorbereitung des Raumes bestätigt und die gewünschte Länge der Desinfektionsphase (0,5 Stunden, 1 Stunde oder 1,5 Stunden) angegeben. Die Eingabe des geschätzten Raumvolumens erfolgt, um die Dauer des Zyklus zu kalkulieren und damit dem Bediener die Handhabung zu vereinfachen. Die Validierung des Prozesses erfolgt ausschließlich aufgrund der gemessenen Konzentration im Raum. Damit sind bei der Prozessvalidierung Eingabefehler durch das Personal ausgeschlossen.

Damit die Messungen nicht beeinträchtigt werden, betraten nach Abschluss des Desinfektionszyklus Anna Hils und Mariell Weber allein das Zimmer, um die Abklatschproben sofort nach der Desinfektion durchzuführen.

Insgesamt wurden in der Fachklinik drei Testläufe durchgeführt:

  • Testlauf: Kurzer Zyklus. Das Zimmer wurde vor dem Test nicht gereinigt. Nach der Ozon-Desinfektion konnte eine erhebliche Keimreduzierung nachgewiesen werden. Im Fall der Matratze und des Teppichbodens waren die Reduktionswerte mit hoher Wahrscheinlichkeit höher, da das Labor nur Werte bis 200 KBE angibt und diese bei den Werten vor der Desinfektion sehr wahrscheinlich überschritten wurden.
  • Testlauf: Mittlerer Zyklus. Das Zimmer wurde vor dem Test ebenfalls nicht gereinigt.
  • Testlauf: Langer Zyklus. Im dritten Zimmer wurde nur eine Abklatschprobe vorher und nachher entnommen um die Desinfektionswirkung nachzuweisen. Die Keimbelastung befand sich bereits vor der Desinfektion auf einem niedrigen Niveau.

Nach der Ozon-Desinfektion konnte bei allen Zyklen eine erhebliche Keimreduktion nachgewiesen ­werden. Die detaillierten Ergebnisse der durchgeführten Tests können beim Hersteller Sterisafe beziehungsweise beim Vertriebspartner Kenter angefragt werden.

Vorteile und Fazit

Das Fazit der KDS fiel auch nach dem zweiten Test im Fachklinikum Ichenhausen positiv aus: Insgesamt ergab sich auf allen beprobten Flächen eine deutliche Reduktion von Mikroorganismen. Auch auf textilen Flächen konnte die angestrebte Reduktion festgestellt werden.

Darüber hinaus sehen die Verantwortlichen der KDS einige grundsätzliche Vorteile, die sich aus diesem Desinfektionsverfahren ergeben:

  • Die Desinfektion mittels Ozon kann dazu beitragen, Infektionsketten zu unterbrechen und damit verbundene Behandlungskosten senken. Das Robert Koch-­Institut empfiehlt den Einsatz solcher Geräte bereits bei erhöhter Infektionsgefahr.
  • Die Technologie stellt eine ressourcen- und umweltschonende Alternative zur manuellen Desinfektion dar, da keine Reinigungschemie benötigt wird, Nebenprodukte abgebaut werden und keine giftigen Rückstände zurückbleiben.
  • Positiver Nebeneffekt ist di e Verbesserung des Raumklimas.

Florian Hartung, Mitglied der Geschäftsführung von Sterisafe, merkt an, dass die Norm DIN EN 17272 in Bearbeitung sei. Diese behandelt „Chemische Desinfektionsmittel und Antiseptika – Verfahren zur luftübertragenen Raumdesinfektion durch automatisierte Verfahren“. Laut Hartung werden durch die Umsetzung der neuen Norm alle Geräte vom Markt verschwinden, die nicht die gewünschte Wirksamkeit sowie eine gleichmäßige Desinfektion aller Oberflächen im Raum, auch die schwer erreichbaren Oberflächen, nachweisen können.

Insgesamt kann laut KDS die Desinfektion mittels Ozon somit zur Erhöhung des allgemeinen Hygienestandards beitragen. Und das nicht nur in Krankenhäusern. Bei Alten- und Pflegeheimen komme zum Beispiel auch noch der zusätzliche Vorteil der Geruchsbeseitigung zum Tragen. Aber auch in Bildungseinrichtungen und weiteren Branchen sieht man Einsatzszenarien.

Für erhebliche Verbesserungen könnte das Verfahren auch bei der Desinfektion von persönlicher Schutzausrüstung (PSA), Geräten oder Einrichtungsgegenständen wie Rollstühlen, Betten oder Reinigungsutensilien sorgen. Krankenhäuser in ganz Europa haben für die Ozonisierung solcher Gegenstände bereits spezielle Räume eingerichtet.

„Wir können das Gerät gut in den Unterhaltsreinigungsprozess einbinden“, ist sich Claudia Conrad sicher. „Einsetzbar ist das Verfahren ab sofort. Unsere Aufgabe ist es jetzt, bei unseren Kunden dafür zu werben, die Vorteile aufzuzeigen und so für Akzeptanz zu sorgen“, fasst Conrad den Status quo zusammen.

Deshalb hat sich die KDS entschlossen, gemeinsam mit der Firma Kenter als Vertriebspartner für Steri­safe, zukünftig die Desinfektion mittels Ozon als zusätzliche Leistung auf dem Markt anzubieten.

Markus J. Targiel | markus.targiel@holzmann-medien.de

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