Ob Epoxidharzfugen oder unangenehme Gerüche, die nicht nur ein Problem für die Nase sind, und Materialien, die keine säurehaltigen Reiniger vertragen: Sanitärräume sorgen immer wieder für Herausforderungen. Wie sie zu bewältigen sind.

Weiße Schleier oder Schlieren, besonders auf strukturierten Böden: Ablagerungen und Rückstände auf den Fliesen – in der Regel den Bodenfliesen – gehören zu den Problemen, die im Sanitärbereich sehr häufig vorkommen. Bloß Kalkablagerungen, denen sich mit höher dosiertem Sanitärreiniger und etwas längerer Einwirkzeit (vorwässern nicht vergessen!) beikommen lässt? In vielen Fällen leider nicht. Oft ändert sich durch eine solche Behandlung gar nichts.
Worum handelt es sich also bei diesem weißen, milchigen Film? Kalkrückstände können es ja nicht sein. Denn die lassen sich mit einem Standardsanitärunterhaltsreiniger sehr gut entfernen. Etwas höher dosiert ist das Problem meist schnell gelöst. Man sieht auch sofort eine Reaktion des säurehaltigen Sanitärreinigers auf dem vorhandenen Kalk: Es fängt sofort an zu schäumen.
Zement- oder Epoxidharzfugen?
Was aber, wenn es mit der Säure keine Reaktion gibt? Spätestens dann sollte der Gebäudereiniger sich die Reinigungs- und Pflegeanleitung des Fliesenlegers zukommen lassen und dort einmal nachsehen, welches Fugenmaterial verbaut wurde. Handelt es sich um eine klassische Zementfuge (kalkhaltig!) oder ist eventuell eine Epoxidharzfuge verbaut?
Wenn es nach Kunststoff riecht ...
Falls man keine Reinigungs- und Pflegeanleitung bekommen kann – leider ein altbekanntes Problem –, muss man sich selbst helfen: mit einem Brenntest. Dabei wird die Fuge angebrannt, natürlich an einer unauffälligen Stelle, etwa in einer Ecke oder unter einem Heizkörper. Wenn sich ein brauner Fleck bildet und es nach Kunststoff riecht, handelt es sich mit sehr großer Wahrscheinlichkeit um eine Epoxidharzfuge. Oder man macht den Säuretest: Eine Zementfuge schäumt beim Kontakt mit einer Säure auf. Der Säuretest sollte aber zweimal an derselben Stelle durchgeführt werden, da auch ein kleiner Kalkaufbau schäumen kann und vorher entfernt werden muss. Wenn man diese Tests gemacht hat, weiß man genau, um welches Fugenmaterial es sich handelt.
Probleme bei Epoxidharzfugen
- Aufgrund ihrer Säurebeständigkeit lassen sich Epoxidharzrückstände von einer nicht fachgerechten Verfugung sehr schlecht oder nur sehr aufwändig entfernen.
Epoxidharzfugen haben für den Gebäudereiniger auch einige Vorteile. Sie sind wasserdicht und saugen sich damit nicht mit Wasser, Urin oder säurehaltigem Sanitärreiniger voll. Sie sind säurebeständig und daher nicht gefährdet durch unsachgemäßen Einsatz von sauren Reinigern. Aufgrund ihrer wasserabweisenden Eigenschaften sind Epoxidharzfugen weniger anfällig für Schimmel- und Bakterienwachstum. Durch Dauerfeuchtigkeit entstandener Schimmel zum Beispiel bildet sich nur oberflächlich und kann so leichter beseitigt werden. Die Fugen sind zudem widerstandsfähig gegenüber Abnutzung und anderen mechanischen Belastungen (harte Bürsten, Hochdruckreiniger). Es gibt aber einen Haken: Sehr oft ist bei einer Objektübernahme oder nach der Baufeinreinigung augenscheinlich alles in Ordnung und der Bodenbelag frei von Verfugungsrückständen. Optisch lässt sich nichts Störendes wahrnehmen. Doch der Eindruck kann täuschen.
Das Problem entsteht beim Verfugen
Beim Verfugen wird das Fugenmaterial mit einem Fugengummi in die Fuge eingearbeitet, die Rückstände werden danach mit einem Glättebrett abgewaschen. Epoxidharzfugen werden oft in Sanitärräumen und bei Bodenbelägen in Nasszonen verarbeitet. Diese Bereiche müssen mit rutschsicheren Fliesen versehen werden. Aber auf solchen rauen oder strukturierten Fliesen ist es schwierig, die Fugenmaterialrückstände komplett zu entfernen. Nur durch mehrmaliges Auswaschen der Rückstände kann das einigermaßen gelingen. Vielfach bleibt aber ein dünner, durchsichtiger Film zurück, der anfänglich nicht erkennbar ist. Im Laufe der Zeit wird er meist sichtbar – als milchige Schicht beziehungsweise Schleier auf dem Bodenbelag. Erst jetzt erkennt man den ungewollten Filmaufbau – und denkt irrtümlicherweise oftmals zuerst an Kalkrückstände.
Positive Eigenschaften von Epoxidharzfugen
- Schimmel- und Bakterienresistenz: Aufgrund ihrer wasserabweisenden Eigenschaften sind Epoxidharzfugen weniger anfällig für Schimmel- und Bakterienwachstum. Dies trägt zu einer hygienischeren Umgebung bei.
- Chemikalienbeständigkeit: Epoxidharzfugen sind beständig gegenüber verschiedenen Chemikalien. Dies macht sie besonders geeignet für Umgebungen, in denen sie mit Reinigungsmitteln oder anderen aggressiven Substanzen in Kontakt kommen können. Speziell Säuren führen bei normalen Zementfugen regelmäßig zu Schäden.
- Langlebigkeit: Die Aushärtung von Epoxidharz führt zu einer äußerst harten und langlebigen Oberfläche. Diese Fugen sind widerstandsfähig gegenüber Abnutzung und anderen mechanischen Belastungen (harte Bürsten oder gar Hochdruckreiniger), was ihre Lebensdauer verlängert.
- Wasserdichtigkeit: Epoxidharzfugen sind bekannt für ihre ausgezeichnete Wasserdichtigkeit. Sie bilden eine undurchlässige Barriere gegen Feuchtigkeit und Nässe, wodurch sie sich ideal für Bereiche wie Duschen, WCs und andere Nassbereiche eignen.
Eigentlich sollte das kein Problem des Gebäudereinigers sein, denn selbst bei einer Bauschluss- beziehungsweise Baufeinreinigung sollten die Fliesen frei von sogenannten Verlegerückständen sein. Dies ist genauer nachzulesen im BIV-Merkblatt 1.10 "Reinigung und Pflege von mineralischen Belägen im Innenbereich" unter Punkt 7.1 Übergabebedingungen/Bausoll: "Die Beläge sind vom Steinmetz/Fliesenleger frei von Verlegerückständen und besenrein zu übergeben". Soweit die Theorie. Aber mal ehrlich: Wann kommt das bei einer Bauschlussreinigung vor?
Was gegen Epoxirückstände hilft
Epoxirückstände lassen sich nur sehr aufwendig entfernen. Die altbekannte Methode der Zementschleierentfernung bei der Bauschlussreinigung führt nicht zum Erfolg, da Epoxidharz säurebeständig ist. Es kann nur durch lösemittelhaltigen Spezialreiniger gelöst werden. Ein Beispiel dafür ist EpoxyEx. Das sehr viskose Produkt von Pramol-Chemie wird auf die zu lösenden Epoxidharzreste aufgetragen und nach einer Einwirkzeit von mindestens 15 Minuten mit einem grünen Pad gut abrasiv abgereinigt. Die enthaltenen Wirkstoffe lösen das Harz an und die Abrasivstoffe helfen mit der passenden Mechanik, die hartnäckigen Rückstände zu entfernen. Leider kommt es bei deren Entfernung immer auch auf die Stärke des Films oder der Rückstände an. Die Aushärtezeit des Materials spielt ebenfalls eine Rolle. Je eher man die Rückstände entfernen kann, umso größer ist der Erfolg.
Wasserlose Urinale reinigen
Normale Sanitärreiniger auf Säure- und Tensidbasis dürfen bei wasserlosen Urinalen nicht zum Einsatz gebracht werden, um den Geruchsverschluss nicht zu schädigen und die ordnungsgemäße Funktionalität zu beeinflussen. Auch so können Geruchsprobleme entstehen.
Unangenehme Gerüche beseitigen
Ein weiteres Problem in Sanitäranlagen sind unangenehme Gerüche. Sind Epoxidharzfugen – wasserfest und dicht – im Spiel, tritt eine Geruchsbelästigung eher selten auf. Bei Zementfugen ist dies anders. Sie können sich nicht nur mit säurehaltigen Reinigungslösungen vollsaugen, sondern auch mit Urin und anderen organischen Verschmutzungen, was unangenehme Gerüche begünstigen kann. Ist Urin in der Fuge, reicht eine normale Unterhaltsreinigung mit Standardsanitärreinigern nicht aus. Dabei wird meist nur der aufliegende Schmutz von der Oberfläche entfernt. Verschmutzungen in der Fuge können auf diese Weise nicht beseitigt werden. Die schlechten Gerüche, die durch Bakterien verursacht werden, lassen sich aber mit speziellen mikrobiologischen Reinigungsmitteln wie Pramador (Konzentrat) oder Redi Pramador (Anwendungslösung) von Pramol entfernen. Sie erzeugen ein Mikroklima, das geruchsbildende Bakterien dauerhaft verdrängt. Oft kann die Erstbehandlung (höher dosieren und lange einwirken lassen) schon einen Erfolg erzielen. Danach wird der Reiniger als Unterhaltsreiniger (Konzentration: ein bis zwei Prozent) eingesetzt. Das trägt dazu bei, die Geruchsbelästigung nach mehreren Tagen nochmals deutlich zu verringern.
Bei wasserlosen Urinalen ist Säure tabu
In modernen Sanitäranlagen sind immer häufiger wasserlose Urinale zu finden. Sie sind wassersparend beziehungsweise sie benötigen eigentlich gar kein Wasser. Je nach Konzeption und Art der Urinale entsteht aber oft ein unangenehmer Geruch, verursacht durch nicht fachgerechte Reinigung oder nicht geeignete Produkte, die Urinablagerungen auf den Oberflächen der Urinale entstehen lassen. Bei wasserlosen Urinalen darf auf keinen Fall ein klassischer Sanitärreiniger mit Säure und Tensiden eigesetzt werden. Er würde die Sperrflüssigkeit oder die Membran des Geruchsverschlusses beschädigen und die ordnungsgemäße Funktionalität beeinflussen. Ein besserer Ansatz ist die regelmäßige Reinigung mit einem mikrobiologischen Reiniger wie Redi Pramador, der anhaftende Urinrückstände auf den Oberflächen beseitigt und so für eine hygienische und materialschonende Reinigung von wasserlosen Urinalen sorgt. Dies beugt auch unangenehmen Gerüchen vor.
Nicht säurefeste Werkstoffe und Oberflächen im Sanitärbereich
Bei nicht säurefesten Werkstoffen beziehungsweise Oberflächen muss vom ersten Tag an mit einem säurefreien Sanitärreiniger gearbeitet werden, um Schäden zu vermeiden. Informationen darüber gibt immer die Reinigungs- und Pflegeanleitung des Herstellers.
Gelb verfärbte WC-Brillen
Schlecht gereinigt oder verfärbt von Urin? Häufig wird der Gebäudereiniger bei einer Objektübernahme mit gelblichen Verfärbungen an WC-Brillen konfrontiert. Auch in einem solchen Fall ist es ratsam, sich vom Auftraggeber eine Reinigungs- und Pflegeanleitung aushändigen zu lassen (wie eigentlich immer bei einem Neuauftrag). Darin wird nicht selten darauf hingewiesen, dass auf eine Reinigung mit säurehaltigen Produkten und scheuernden Tüchern (wie Mikrofasertücher) verzichtet werden soll oder es wird sogar ausdrücklich ausgeschlossen. Nicht selten ist der Kunststoff vergütet, zum Beispiel mit einer antibakteriellen Nanovergütung. In solchen Fällen beziehungsweise bei allen säureempfindlichen Werkstoffen oder Oberflächen im Sanitärraum, bei denen ein Kalkaufbau zu erwarten ist, muss vom ersten Tag an ein säurefreier Sanitärreiniger eingesetzt werden (zum Beispiel Sansoft von Pramol). Bei regelmäßiger Anwendung wird ein Kalkaufbau verhindert und so bleiben die Flächen sauber und hygienisch einwandfrei. Ist der Schaden beziehungsweise der Gelbstich erst einmal eingetreten, lässt er sich nahezu nicht mehr beheben.
Michael Heimpel | heike.holland@holzmann-medien.de
