Der Bedarf an Hygienepapieren wächst, der Wettbewerb wird verschärft und europaweit geführt. Hersteller ziehen an einem Strang, wenn es um die Sachlichkeit der Darstellung der Hygiene eigenschaften des Papiers geht. Der Verband der Hygienepapierhersteller, das European Tissue Symposium (ETS), trägt dazu aktiv bei.
Papierhandtücher bevorzugt
- Im Interview mit dem General Manager von Wepa Professional, Hans-Jürgen Zecher, versucht der Kölner Journalist Klaus Wohlert, für rationell reinigen Gebäudedienste wichtige und aktuelle Aspekte zum Thema „Waschraumhygiene“ aufzuzeigen.
Wohlert: Papier gilt im Allgemeinen als geduldig. Doch in letzter Zeit bewegt sich einiges rund um das Thema „Hygienepapier“. Ich denke in erster Linie an ein erhöhtes Aufkommen zahlreicher neuer Papierspender rund um den Globus. Was steht für Sie an erster Stelle?
Zecher: Im meinem Fokus steht die Kommunikation um unser Core-Produkt, das Papier. Denn Hygienepapiere haben klare Vorteile und wir als Hersteller müssen daran interessiert sein, dass diese sachlich und fachlich einwandfrei dargestellt bzw. kommuniziert werden. Es nützt uns nichts, wenn unsere Produkte herausragende Eigenschaften besitzen, die „unter Verschluss“ gehalten werden.
Wohlert: Welche sachliche und fachliche Darstellung ist denn grundsätzlich damit gemeint?
Zecher: Es geht darum, dass Hygienepapiere beim Händetrocknen die Keimzahlen am niedrigsten halten, während sich bei Heiß- und Kaltlufttrocknern die Bakterien im Luftstrom vermehren können und damit die Keimzahlen sehr ungünstig beeinflussen. Damit können diese Trocknungsmethoden zweifelsfrei ein erhöhtes, gesundheitliches Risiko darstellen.
Wohlert: Wer hat diese Keime an den Händen mit und ohne Luftstrom gezählt?
Zecher: Das European Tissue Symposium (ETS) hat eine Studie in Auftrag gegeben. Renommierte Wissenschaftler der Westminster Universität haben daraufhin die Forschung aufgenommen und nachgewiesen, dass unter hygienischen Gesichtspunkten das Papierhandtuch am besten abschneidet. Gleichzeitig wird von Mikrobiologen die Empfehlung ausgesprochen, dass in allen öffentlichen oder privaten Einrichtungen oder Institutionen, wo Hygiene ein Thema ist, Papierhandtücher eingesetzt werden sollten. Und das Thema „Hygiene“ ist heute nicht auch zuletzt der Schweinegrippe wegen fast überall präsent.
Wohlert: Hat sich das Thema „Hygiene“ eher zur Pandemie entwickelt als wie befürchtet die Schweinegrippe?
Zecher: Die Schweinegrippe hat in der Tat dazu geführt, dass sich das Hygienebewusstsein in der zivilisierten Gesellschaft weiter geschärft hat. Es ist erwiesen, dass Hygiene ein aktiver Schutz vor Erkrankungen ist und damit eine 100-prozentig wirksame Prophylaxe darstellt. Das Thema „Hygiene“ ist darüber hinaus heute auch in den Köpfen der Personalmanager fest verankert. Ein Fazit lautet: Maximale Hygiene kann nur erreicht werden, wenn in einem Waschraum auch qualitativ einwandfreie Papierhandtücher zum Einsatz kommen.
Wohlert: Kann man dem Waschraumbenutzer nicht selber überlassen, wie und womit er sich die Hände trocknet, indem man ihm einen Lufttrockner und einen Papierhandtuchspender oder sogar eine Textilhandtuchrolle wahlweise anbietet?
Zecher: Das wird vielfach praktiziert. Waschräume, besonders auf Messen, bieten häufig sowohl Heißluft als auch Papierhandtücher an. Hier muss nun aus hygienischen Gründen eingeblendet werden, dass durch den warmen Luftstrom des Trockners Keime meterweit transportiert werden können und damit eine akute Ansteckungsgefahr im Raum generiert wird. Gebäudenutzer oder -betreiber können diesen kritischen Aspekt natürlich ausblenden oder ignorieren. Professionelle Gebäudemanager dürfen aber das Wissen um diese Tatsachen nicht leugnen.
Wohlert: Für welche Methode entscheidet sich aber nun der Waschraumbenutzer?
Zecher: Zu diesem Thema liegt ja bereits eine große, europäisch ausgerichtete Umfrage vor, die das ETS durchführen ließ. Darin werden die bevorzugten Händetrocknungsmethoden der Menschen in Teilen Europas sehr differenziert beleuchtet. Die Tendenz zum Hygienepapier als bevorzugte Trocknungsmethode ist dabei höchst signifikant. Der Waschraumnutzer wünscht sich eine Papierlösung, weil der Kontakt mit diesen Produkten exklusiv und einmalig ist. Der Mensch hat ein sehr feines Gespür für Reinheit und Sauberkeit. Verantwortliche in Sachen Waschraumhygiene handeln, wenn sie andere Trocknungsmethoden anbieten, eindeutig gegen den Wunsch der meisten Waschraumbenutzer.
Wohlert: Gibt es Erfolgsfaktoren für das Produkt „Hygienepapier“?
Zecher: Ein Erfolgsfaktor ist der Wohlfühlfaktor und die Gewissheit, ein einwandfrei hygienisches Mittel zum Zweck einsetzen zu können und dieses nicht mit anderen teilen zu müssen. Aber auch der Komfortgedanke ist ausschlaggebend. Der Faktor Zeit spielt eine große Rolle; denn nur mit einem entsprechenden Papierhandtuch lässt sich in wenigen Sekunden von fast beliebig vielen Personen in einem Waschraum der Trocknungsprozess reibungslos abschließen. Stellen wir uns dagegen nur einmal eine Menschenreihe an der Gerätschaft einer anderen Trocknungsmethode vor. Der Wohlfühlfaktor tendiert gegen null.
Wohlert: Was passiert, wenn Randalierer dem Trocknungsprozess in öffentlichen Waschräumen durch Vandalismus den Garaus machen?
Zecher: Dann darf man durchaus die Frage stellen: Was ist teurer? Die Beschädigung eines Heißlufttrockners oder Papierhandtuchspenders? Während Dienstleistungen rund um Heißlufttrockner nur vom Fachpersonal ausgeführt werden können und damit entsprechend teuer ausfallen und bei Defekten die Waschraumhygiene nicht gesichert werden kann, wird der Trocknungsprozess als Notlösung mit einigen Papierhandtuch-Stapeln auf einfache Art sichergestellt. Ein Hausmeister tauscht einen Spender, meist ist ein Ersatz vorrätig, ohne große Mühe aus. Die Kosten für ein neues Gerät betragen rund 30 Euro.
Klaus Wohlert | peter.hartmann@holzmannverlag.de