Ob maschinell oder manuell mit Handpad, rotierend, drehend, kontrarotierend oder oszillierend: Bei der Reinigung von Hartboden- und Textilbelägen kommt es nicht nur auf die passende Antriebstechnik an. Auch die richtige Auswahl von Pads oder Bürsten ist entscheidend für den Erfolg.

Ausschlaggebend für Ergebnis und Wirtschaftlichkeit von Unterhalts- und Grundreinigung oder optischer Aufbereitung von Hartbodenbelägen ist, was sich zwischen Maschine und Bodenbelag befindet. Um die Kräfte auf die Bodenbelagsoberfläche zu übertragen, gibt es sehr unterschiedliche Möglichkeiten: Treibteller, Walzenbürsten und Tellerbürsten sowie Pads oder Bürstenerzeugnisse.
Tellerbürste oder Treibteller plus Pad
Die klassische Einscheibenmaschine mit rotierender Tellerbürste oder Treibteller plus Pad ist nach wie vor der Standard bei der maschinellen Bodengrundreinigung. Die Standard-Einscheibenmaschine dreht sich mit 150 Umdrehungen/Minute und bringt rund 35 Kilogramm auf die Waage, bei einem Durchmesser von 400 bis 430 Millimetern. Einscheibenmaschinen gibt es in diversen Spezifikationen: mit einem Durchmesser von 330 bis 500 Millimetern, einem Gewicht von bis zu 55 Kilogramm und bis zu 400 Umdrehungen/Minute. Neben der eingesetzten Technik sowie Pad oder Bürste spielen das Gewicht und die Drehzahl der Maschine eine entscheidende Rolle. Dabei gilt: Je höher das Gewicht, umso höher das Drehmoment.
Bei der Grundreinigung ist das Drehmoment der Einscheibenmaschine gleichbedeutend mit dem Wirkungsgrad. Je höher das Gewicht und je stärker der Motor, umso effizienter werden Schmutz und alte Pflegefilme entfernt. Drehzahlen von mehr als 250 Umdrehungen/Minute sind eher kontraproduktiv und sorgen dafür, dass die Reinigungsflotte ohne Spritzschutz auf die Bodenbereiche links und rechts der Bürste oder des Pads gelangt. Das kann zu unschönen Flecken an Wand, Sockelleisten oder Einbaumöbeln führen.
Tellerbürsten: Von weich bis hart
Besohlt werden kann die Einscheibenmaschine mit Treibteller plus Pad oder Tellerbürste. Tellerbürsten gibt es in verschiedenen Härtegraden und Macharten. Die weichsten Bürsten sind die Shampoonierbürste und die Polierbürste. Die härtesten sind die Gritbürste und die Stahlbürste.
Die meisten Hersteller bieten Schrubbbürsten in verschiedenen Härtegraden, je nach Einsatzzweck. Sie eignen sich gut für die Grundreinigung und Entfernung von Pflegefilmen bei homogenen Stein- und Fliesenbelägen. Für die Grundreinigung von Feinsteinzeugfliesen sind sie allerdings weniger gut geeignet. Für die Reinigung oder Grundreinigung von strukturierten Bodenbelägen, Steinteppichen oder Belägen mit Verdrängungsvolumen V4 bis V10 eignen sich Bürsten mit Hoch-Tief-Beborstung besonders gut. Die höhergestellten Borsten reinigen die Verdrängungsräume, die tieferliegenden die höheren Belagsflächen. In solchen Fällen funktionieren auch Walzenbürsten und Dreiteller-Maschinen hervorragend.
Mit Korund oder Diamantsplittern
Die Borsten von Gritbürsten bestehen aus einem sehr harten Kunststofffaserkern, auf dem sich Korund oder Industriediamantsplitter befinden. Korund oder Diamantensplitter fräsen quasi mechanisch den Schmutz von der Bodenbelagsoberfläche, wissen aber sozusagen nicht, wo der Schmutz aufhört und der Bodenbelag anfängt. Dieses Verfahren ist nur für Beläge geeignet, die gegenüber starker Mechanik unempfindlich sind. Daher werden Gritbürsten überwiegend bei der Grundreinigung von Industrie- oder Betonböden oder zur Entfernung von Markierungslinien auf diesen Böden eingesetzt.
Durch den hohen Wirkungsgrad (Mechanik) der Gritbürste bedarf es einer sehr leistungsstarken Einscheibenmaschine mit niedriger Drehzahl und am besten hohem Gewicht. Standard-Einscheibenmaschinen können für einen solchen Einsatz mit Zusatzgewichten ausgestattet werden, haben aber oft den Nachteil, dass die Motoren durch die hohe Mechanik und das Gewicht überhitzen oder ernsthaft Schaden nehmen.
Pads: Die Farbe zeigt den Wirkungsgrad
Etwas anders verhält es sich bei Padscheiben. Bei Pads kann der Wirkungsgrad anhand der Farbe bestimmt werden. Jede Farbe steht immer zuerst für die Abrasivität, also den mechanischen Wirkungsgrad. Dabei gilt: Je dunkler, umso abrasiver ist das Pad. Schwarz steht für die abrasivste Wirkung und Weiß für die am wenigsten abrasive. Anhand der Farbe kann man also grob bestimmen, wie wirkungsvoll die Padscheibe den Schmutz entfernt. Es lässt sich an der Farbe auch erkennen, für welchen Verwendungszweck sich das Pad im Allgemeinen am besten eignet. Schleifpads für die Holzbodensanierung und Schleifpads mit Diamantblöcken zur Steinbelagssanierung können von diesem Schema abweichen.
Die Standfestigkeit (Lebensdauer) lässt sich hingegen nicht unbedingt an der Farbe der Padscheibe festmachen. Die Standfestigkeit hängt zum einen von der Qualität der verwendeten Kunststofffasern (meist Polyester- und Nylonfasern) und zum anderen von der Art der Herstellung ab. Es gibt eine Vielzahl von Herstellern und etliche Kunstfaservarianten. Bei der Herstellung der Pads werden Kunstfaservarianten vorwiegend zusammen mit einem Klebstoff vermengt und zu Matten verfestigt. Sie werden dann nach der Trocknung zugeschnitten beziehungsweise ausgestanzt. Abhängig von der beabsichtigten Verwendung werden den Kunstfasern zusätzlich Schleifpartikel aus Korund in verschiedenen Körnungen, je nach gewünschter Abrasivität, zugefügt. Bei Korund handelt es sich um ein häufig vorkommendes Mineral aus Oxiden und Hydroxiden. Die Mohshärte von Oxiden und Hydroxiden entspricht 9 auf der bis 10 (Diamant) reichenden Skala nach Friedrich Mohs.
Zwei Stärken zur Auswahl
Padscheiben werden in zwei Stärken angeboten: Normalpads mit rund zehn Millimetern Stärke, was je nach Hersteller oder Preisklasse variieren kann, sowie Superpads mit rund 25 Millimetern Stärke. Aus Kostengründen werden in der Praxis überwiegend Normalpads verwendet, da sie deutlich günstiger und für die normale Grundreinigung völlig ausreichend sind.
Anders sieht es aus, wenn der Bodenbelag uneben verlegt ist und leichte Vertiefungen und Erhöhungen aufweist oder viel Schmutz oder Beschichtungsreste entfernt werden müssen. In solchen Fällen sind die vergleichsweise dünnen Normalpads überfordert, da sie nicht die Vertiefungen ausgleichen und sich die Pads sehr schnell mit Beschichtungsresten zusetzen können. Zudem reinigen dünne Pads nur die Kuppe der Erhöhung, nicht aber die nach außen abfallende Belagsoberfläche. Ein günstiger Preis muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass günstige Padscheiben schlechter sind. Es kommt immer darauf an, was sie leisten muss und auf welchem Bodenbelag für welche Arbeiten sie eingesetzt werden soll.
Was Superpads besser können
Bei uneben verlegten Bodenbelägen oder viel Schmutz und Beschichtungsresten spielen die Superpads ihre Vorzüge aus. Durch ihre Dicke kommen die Pads fast mühelos in Vertiefungen und nach außen abfallende Ränder werden ebenfalls perfekt gereinigt. Dicke Pads gleichen die Unebenheiten aus und liegt plan auf. Ein weiterer Vorteil der Superpads ist deren Standfestigkeit. Doppelte Dicke bedeutet in der Praxis nahezu doppelte Nutzungsdauer bei deutlich höherer Schmutzaufnahme. Zudem empfinden es die meisten Nutzer so, dass sich Einscheibenmaschinen mit Superpads einfacher und mit weniger Kraftaufwand, also ergonomischer, bedienen lassen.
Ein Nachteil kann sein, dass die Einscheibenmaschine mit einem dicken Pad die Bodenbeschaffenheit bei der Grundreinigung nicht so gut vermittelt wie ein dünnes Pad. Bei der Entfernung von alten Beschichtungen ist es etwas schwerer zu erspüren, ob die Beschichtungsreste vollständig entfernt sind oder noch Beschichtungsnester vorhanden sind. Je dicker das Pad, umso mehr gelösten Schmutz oder Beschichtungsreste kann es aber aufnehmen, ohne dass die Faserzwischenräume verstopfen und das Pad nur noch ohne jegliche Mechanik über die zu reinigende Bodenbelagsoberfläche gleitet.
Schwarze Pads sind die abrasivsten und eignen sich für die Grundreinigung von Bodenbelägen, die gegen Mechanik unempfindlich sind – wie Beton, Estrich oder PVC. Es gibt schwarze Pads auch der Heavy-Duty- Ausführung als High-Pro-Pad mit Diamantschleifkörnern für besonders hartnäckige Verschmutzungen oder zum Entfernen von Bodenmarkierungen im Industriebereich.
Braune Pads besitzen im Vergleich zu schwarzen Pads eine deutlich geringere Schleifwirkung. Sie können sehr gut für die Nassgrundreinigung von homogenen Naturstein-, Kunststein- und Kunstharzböden eingesetzt werden. Bei weichen Kunststeinbelägen wie Composite ist Vorsicht geboten, da die Schleifpartikel die Oberfläche schädigen können. Trocken verwendet eignen sich braune Pads auch zum Überschleifen oder Anrauen von Holzbelägen.
Grüne Pads sind in der Regel frei von schleifenden Substanzen. Ihre Abrasivität beruht einzig auf der Beschaffenheit der verwendeten Kunstfaser. Das macht grüne Pads zum Allrounder sowohl für die Unterhaltsreinigung als auch für die Nassgrundreinigung von homogenen Bodenbelägen aus PVC, Elastomer, Polyurethan und Polyolefin sowie für viele Natur- und Kunststeinbeläge. Auch zum Cleanern kann es eingesetzt werden. Bei Linoleum und Kautschukbelägen ist jedoch Vorsicht geboten. Es sollte vor Beginn der Grundreinigungsarbeiten getestet werden, ob das grüne Pad die Belagsoberfläche schädigt.
Dunkelblaue Pads haben eine sehr offene und raue Oberfläche ohne jede schleifende Eigenschaft. Daher eignen sie sich für alle homogenen Hart- und elastischen Bodenbeläge, auch Holzpflaster und Stäbchenparkett. Das dunkelblaue Pad eignet sich zudem optimal für die trockene Pflegefilmsanierung und das oberflächliche Schleifen von Holzbelägen, zumindest wenn eine Einscheibenmaschine mit 400 Umdrehungen/Minute und Zusatzgewicht eingesetzt wird.
Rote Pads sind die weichsten aller Reinigungspads und können für die Unterhaltsreinigung und Nassgrundreinigung auf allen Bodenbelagsarten eingesetzt werden. Sie sind sehr weich, aber noch abrasiv genug, um mit geeigneter Reinigungschemie Beschichtungen zu entfernen. Häufig wird das rote Pad auch zum partiellen Trockenschleifen von Parkett in Verbindung mit einer Einscheibenmaschine mit Absaugung und 400 bis 800 Umdrehungen/Minute verwendet.
Beige und hellbraune Pads werden zum Vorpolieren und Aufbringen von Pflegesubstanzen wie Hartwachs oder Pflegeölen verwendet. Sie sind griffiger als die weicheren, weißen Padscheiben und eignen sich für die Reinigung bei leichten Verschmutzungen oder zum Auspolieren von Absatzstrichen.
Weiße Pads sind reine Pflegepads und werden zum Auspolieren oder Auftragen und Verdichten von wachs- und ölhaltigen Bodenpflegen verwendet. Für die Nassgrundreinigung sind weiße Pads gänzlich ungeeignet.
Melaminharzpads gehören ebenso wie Pads aus Edelstahl für die Kristallisation von kalkgebundenen Steinbodenbelägen zu den Exoten. Gut eignen sich Melaminharzpads zur Reinigung von mikroporösen Feinsteinzeugfliesen, auch hochglanzpolierten. Sie werden grundsätzlich nur bei der Nassreinigung verwendet, da sie bei trockener Anwendung nach ein paar Quadratmetern verschlissen wären. Melaminharzpads gibt es in zwei Ausführungen: homogen in Weiß wie die Schmutzradierer und heterogen. Die heterogenen Pads setzen sich aus unterschiedlich großen und kleinen Melaminharzstücken mit unterschiedlicher Färbung vom Hellen ins Dunkelgraue zusammen. Diese Pads haben die gleiche Wirkungsweise wie die homogenen. Sie sind aber dicker und haben daher eine höhere Standzeit.
Mikrofaserpads reinigen Feinsteinzeug genauso gut, haben aber den Vorteil, dass sie eine höhere Standzeit als Melaminharzpads haben.
Polierpads: Neben den Reinigungspads gibt es verschiedenfarbige Padscheiben zum Verdichten und Polieren von Pflegefilmen. Die Farben variieren je nach Hersteller – Apricot, Eisblau, Grau, Lila oder eine andere Farbe. Polierpads sind im Normalfall für High-Speed- und Ultra-High-Speed Maschinen mit bis zu 2.000 Umdrehungen/Minute konzipiert und frei von schleifenden Substanzen. Sie haben meist einen Durchmesser von 500 Millimetern.
Uwe Büttner | heike.holland@holzmann-medien.de
Uwe Büttner
ist Gebäudereinigermeister, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger und selbstständiger Berater mit dem Schwerpunkt öffentliche Ausschreibungen (www.reinigungsexperte.de).
