Die fachgerechte Entfernung von Beschichtungen auf elastischen oder harten Bodenbelägen ist eines der aufwändigsten und damit kostenintensivsten Reinigungsverfahren der Gebäudereinigung. Gibt es hier tatsächlich Möglichkeiten zur Zeit- und damit Kosteneinsparung? Nachfolgend werden die einzelnen Schritte eines Grundreinigungs- und Beschichtungsablaufs auf ihr Einsparpotenzial hin untersucht. Außerdem gehen die Autoren der Frage nach, ob eine Zeitreduktion ohne Qualitätsminderung bei der Grundreinigung oder der Beschichtung möglich ist.
Seit einigen Jahren werden Grundreinigungsprodukte angeboten, die in der Lage sind, Polymerdispersionen so schnell anzuquellen, dass die sonst übliche Einwirkzeit von zehn bis 15 Minuten entfallen kann (zum Beispiel Veroclean, Johannes Kiehl). Beim Aufbringen der Grundreinigerflotte beginnt sofort der Anlösevorgang der Beschichtung, wodurch eine Zeiteinsparung im Ablauf der Grundreinigung erzielt wird. Allerdings wird diese Zeitreduktion nicht nur durch den verwendeten Grundreiniger bestimmt, sondern auch durch das abzulösende Beschichtungsmaterial. Sind in den Beschichtungen schwer anlösbare Rohstoffe, zum Beispiel Polyurethan (PU), enthalten, müssen wieder Einwirkzeiten zum Anquellen der Beschichtungen berücksichtigt werden.
Zweikomponentige PU-haltige Dispersionen (etwa Kiehl-Legnodur-Titan) lassen sich aufgrund ihrer chemischen Stabilität durch nasschemische Grundreinigung nicht entfernen. Solche Beschichtungen werden im Rahmen einer trockenen Pflegefilmsanierung bearbeitet und anschließend beschichtet.
Grundsätzlich muss nach einer Polymerentfernung nicht neutralisiert werden. Neutralisieren bedeutet, den pH-Wert der Grundreinigerflotte auf einen Wert von pH 7 einzustellen. Die Zeiten, in denen man einen Spritzer Sanitärreiniger zur „Neutralisation“ der Grundreinigerflotte empfohlen hat, sind aufgrund der bekannten Salzbildung und der damit verbundenen möglichen Kurzlebigkeit von Beschichtungen vorbei.
Gründliches Nachwaschen wichtig
Die Flotte wird also nicht neutralisiert, sondern durch Nachwaschen des grundgereinigten Bodenbelages verdünnt. Unter Nachwaschen oder Spülen der Belagsoberfläche verstehen wir, klares Wasser auf den Belag aufzubringen und anschließendes Absaugen mit dem Wassersauger. Nach dem Spülen der Fläche sinkt der pH-Wert auf zirka 8. Dieser pH-Wert ist zum Aufbringen der Beschichtung vollkommen ausreichend, da die aufgebrachten Materialien üblicherweise einen pH-Wert von 8 bis 8,5 aufweisen.
Das gründliche und intensive Nachwaschen des Bodenbelages entscheidet maßgeblich über die Haltbarkeit, Optik und Brillanz der anschließend aufgetragenen Beschichtung.
Polymerrückstände der entfernten Beschichtung, Grundreinigerreste, Schmutzrückstände und angelöste Altlasten von früheren Beschichtungen müssen von der Belagsoberfläche sorgfältig entfernt werden, damit ein optimaler Verlauf und somit eine optimale Filmbildung der aufzubringenden Beschichtung zu gewährleisten sind. Nur durch gründliches Nachwaschen kann eine Beschichtung ihre maximale Abriebfestigkeit und Lebensdauer erreichen und einen Bodenbelag optimal schützen. Somit ist bei dieser Stufe des Grundreinigungsablaufs keine Zeit- und Kosteneinsparung denkbar.
Trocknungszeit beeinflusst Belastbarkeit
Nach dem gründlichen Spülen des Belages beginnt die Trocknungszeit. Die Zeitdauer wirkt sich ebenfalls auf die Belastbarkeit der neu aufzubringenden Beschichtung aus.
Moderne Beschichtungen erlauben das Aufbringen auf einen nicht vollständig getrockneten Boden, ohne zu vergrauen oder abzupudern.
Dies ist immer dann eine wichtige und notwendige Beschichtungseigenschaft, wenn die von den Bodenbelagsherstellern empfohlene Trocknungszeit aus Termingründen nicht eingehalten werden kann. Steht diese Zeit allerdings zur Verfügung, sollte sie auch eingehalten werden, um ein optimales Ergebnis zu erzielen. Wird eine Beschichtung auf einen noch nassen Belag aufgebracht, besteht die Gefahr der Verdünnung des Beschichtungsmaterials mit dem eingelagerten Wasser in den Poren des Belags. Im Extremfall führen zu nasse Bodenbeläge unter Beschichtungen zur Vergrauung. Typisches Schadensbild sind weiße, abmehlende Flächen, die zirka vier bis sechs Wochen nach dem Beschichten auftreten.
Zeit zwischen den Arbeitsgängen
Auch die Trocknungszeit zwischen dem Aufbringen der einzelnen Beschichtungslagen beeinflusst die Gesamtstabilität. Hier sind unbedingt die vom Hersteller angegebenen Trocknungszeiten einzuhalten. Vorzeitiges Aufbringen des nächsten Auftrags kann zur Reemulgierung des Beschichtungsmaterials führen. Dadurch wird eine Wiederholung des gesamten Grundreinigungs-Beschichtungs-Prozesses notwendig.
Auch innerhalb der Trocknungszeiten liegen nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten zur Zeit- und damit zur Kosteneinsparung. Allerdings gibt es polyurethanfreie Beschichtungen mit hohem Acrylatanteil (etwa Thermodur-diamant von Kiehl), bei der schon nach ein bis zwei Aufträgen (je nach Belagszustand) eine ausreichende Schichtdicke auf dem Belag erzielt wird. Hierdurch lassen sich die Wartezeiten zwischen den einzelnen Aufträgen durch Verringerung der Anzahl erheblich reduzieren.
Sucht man nach einer weiteren Möglichkeit zur Einsparung, findet man in der exakten und ausführlichen Vorbereitung der Grundreinigung ein weiteres Potenzial. Vorgehen nach einer Checkliste, geschultes Personal, alle benötigten und eventuell benötigten Materialien direkt vor Ort zu haben, Kenntnisse über das Objekt, über den Bodenbelag und über die vorhandene Beschichtung erleichtern und beschleunigen den Grundreinigungsablauf.
Dieses Vorgehen, kombiniert mit modernen Produkten und Maschinen, ergibt eine ausgezeichnete Qualität zu marktgerechten Kosten und bringt Sicherheit und Werterhalt in die durchzuführende Dienstleistung.
Dr. Reiner Hofmann, Bernd Stein; Anwendungstechnik Johannes Kiehl KG peter.hartmann@holzmann-medien.de