Ohne Senior Cleaner wird’s bald eng

»Mit immer älteren Beschäftigten die gleiche Leistung bringen - kann das in der Reinigungsbranche funktionieren?«

Heike Holland | Redakteurin | heike.holland@holzmann-medien.de

Ohne Senior Cleaner wird’s bald eng

- Deutschland wird immer älter. Darüber können sich Gebäudedienstleister gar nicht früh genug Gedanken machen. Denn schon jetzt haben viele Betriebe Schwierigkeiten, Mitarbeiter zu finden. Das gilt besonders für die Nachwuchssuche: Jede zehnte Lehrstelle im Gebäudereiniger-Handwerk konnte im vergangenen Jahr laut Berufsbildungsbericht der Bundesregierung nicht besetzt werden.

Die Augen zumachen und auf bessere Zeiten warten, hilft nicht. Denn die Zahl der potenziellen Erwerbstätigen in Deutschland wird bis zum Jahr 2025 um sechs bis sieben Millionen sinken, der Wettbewerb um Azubis und Arbeitskräfte zunehmen. Falls Sie es nicht schon getan haben: Machen Sie Ihr Unternehmen attraktiv für Mitarbeiter und Bewerber - mit allen Mitteln, die Ihnen einfallen! Vielleicht auch für junge Leute aus dem Ausland.

Ein interessanter Ansatz dafür kommt aus Heidelberg. Interessensvertreter aus Wirtschaft, Verwaltung und Politik - dazu gehört auch der Gebäudedienstleister Karl Breer - haben sich zusammengetan, um Jugendliche aus Ländern wie Spanien, Portugal oder Griechenland künftig für eine Ausbildung in Heidelberg zu begeistern - Sprachkurs, Betreuung und Unterbringung in einem geplanten Lehrlingswohnheim inklusive. Ein ähnliches Projekt gibt es im bayerischen Deggendorf. Dort haben im vergangenen Jahr rund 15 Jugendliche aus Bulgarien eine Lehre begonnen. Alle Beteiligten ziehen an einem Strang, um die ausländischen Azubis so gut wie möglich zu integrieren. Inzwischen hat bereits die zweite Anwerberunde begonnen.

Neben dem Rekruitingproblem hält der demografische Wandel aber noch andere Herausforderungen bereit: Unternehmer im Gebäudereiniger-Handwerk müssen sich auf ein stetig steigendes Durchschnittsalter ihrer Mitarbeiter einstellen - eine Folge nicht nur der Verschiebung der Altersstruktur, sondern auch des späteren Renteneintrittsalters.

Mit immer älteren Beschäftigten die gleiche Leistung bringen - kann das in der Reinigungsbranche funktionieren? Reinigen ist körperlich anstrengende Arbeit und bekanntlich lassen die Kräfte mit zunehmendem Alter nach. Arbeiten über Kopf fallen schwerer, das Reaktionsvermögen ist nicht mehr wie früher und der Rücken spielt häufig auch nicht mehr richtig mit. Altersgerecht soll der Arbeitsplatz der Zukunft sein - doch was bedeutet das für die Reinigungsbranche? Wie müssen Arbeitsbedingungen und -umfeld beschaffen sein, damit Reinigungskräfte auch im hohen Erwerbsalter noch aktiv sein können? Welche weniger anstrengenden Tätigkeiten sind alternativ möglich? Kann es helfen, wenn Maschinen und Geräte anders gestaltet sind? Noch sind viele Fragen offen. Damit werden wir uns in den kommenden Jahren verstärkt beschäftigen müssen. Denn auch auf Senior Cleaner dürfte bald keiner mehr verzichten können.

Heike Holland