Krankenhausinfektionen Noroviren aus der Thermoskanne

Die Referenten des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene in Berlin machten eines deutlich: In deutschen Krankenhäusern ist vieles noch nicht so, wie es sein sollte. Das liegt an fehlenden Gesetzen, aber auch an schlecht ausgebildetem Personal.

Noroviren aus der Thermoskanne

-Beim Blick auf das Kongressprogramm regte sich beim einen oder anderen Besucher leichter Schwindel: drei bunte Übersichtstabellen, vollgepackt mit Vorträgen aus den verschiedenstens Bereichen der Krankenhausgygiene. In vier Sälen fanden parallel Workshops und Referate in Deutsch und Englisch statt. Der Kongress streifte viele für die Gebäudereinigung relevante Bereiche.

Einmalhandschuhe sind ungeeignet

Reinigungsarbeiten in Krankenhäusern fordern von den Mitarbeitern ein Bewusstsein für die sensiblen Bereiche. Wer beim Saubermachen pfuscht, verschleppt vielleicht Keime, gefährdet die Gesundheit anderer Patienten und nicht zuletzt seine eigene. Hautschutz und das Tragen von Schutzhandschuhen spielen eine große Rolle, wenn es darum geht, das Verschleppen von Keimen zu vermeiden.

Ein Beispiel: Krankes Reinigungspersonal gehört nicht in eine Klinik. Wer ausfällt, muss durch Springer ersetzt werden. Diese brauchen wiederum eine Einweisung; der Ausfall erzeugt Aufwand und Kosten. Daher sollte zunächst bedacht werden, wie sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Infektionen schützen können. Die Lösung heißt: permanente Schulung und Kontrolle, ob die gebotene Sorgfalt bei Arbeiten in Krankenhäusern 1 : 1 umgesetzt wird. Und: Tragen von geeigneten Schutzhandschuhen.

Einmaluntersuchungshandschuhen sind in der Praxis leider sehr beliebt. Sie bieten jedoch keinen Schutz vor mechanischen Einflüssen und toxische Inhaltsstoffe können durch sie diffundieren. Bereits die kleinste Verletzung oder rissige Haut macht es Erregern leicht, in den Körper einzudringen. Außerdem verliert trockene, raue und rissige Haut ihre Barrierefunktion, so dass Säuren und Laugen leichter eindringen und eine nachhaltige Schädigung der Haut verursachen. Sie kann sogar von nur schwer zu heilenden Infektionen betroffen sein oder als Pforte für Erkrankungen des ganzen Körpers dienen. Der geeignete Handschuh ist beim Tragen umzukrempeln. Bereits ein stabiler Haushaltshandschuh bietet weit aus mehr Schutz als Einmaluntersuchungshandschuhe. Zur Sicherheit kann der Einmalhandschuh unter dem Haushaltshandschuh getragen werden.

„Aktion saubere Hände“

Um Keimverschleppungen von Patient zu Patient über die Hände des Personals zu vermeiden, ist die Kontrolle einer zuverlässigen Händedesinfektion von Bedeutung. Vorgestellt wurde in diesem Zusammenhang die „Aktion saubere Hände“. Das Aktionsbündnis Patientensicherheit, die Gesellschaft für Qualitätsmanagement in der Gesundheitsversorgung e.V. und das Nationale Referenzzentrum für die Surveillance von nosokomialen Infektionen haben die Kampagne für deutsche Gesundheitseinrichtungen ins Leben gerufen. Sie bündelt Partner aus dem Gesundheitswesen, Politik, und Gesellschaft, um die Händedesinfektion und ihre Bedeutung in der Prävention von Krankenhausinfektionen öffentlich bewusst zu machen. Die Kampagne wird von einem wissenschaftlichen Beirat begleitet und vom Bundesministerium für Gesundheit gefördert.

RKI verzeichnet seit 2005 wieder
mehr Salmonellen

Jährlich sterben weltweit etwa zwei Millionen Menschen an den Folgen des Verzehrs verkeimter Lebensmittel. Die Schulungen von Personal, gemäß EG-VO 852/2004, das mittelbar oder unmittelbar in Krankenhäusern, in Pflegeeinrichtungen und in Tee- und Stationsküchen, mit Lebensmitteln zu tun hat, ist oberstes Gebot. Dazu gehört die Umsetzung von Mindeststandards wie: kurze und unlackierte Fingernägel und kein Tragen von Schmuck. Die Abschaffung textiler Gemeinschaftstücher, desinfizierendes Händewaschen und Händedesinfektion mit VAH-Mitteln ist in einigen Häusern leider noch nicht umgesetzt.

Der tägliche Wechsel der desinfizierend gewaschenen Arbeitsbekleidung ist ebenfalls unbedingt durchzusetzen. Der Referent der HFK, Dr. A. Gurreit aus Frankfurt a. M., machte darauf aufmerksam, dass das Robert Koch-Institut seit 2005 wieder vermehrt Salmonelleninfektionen verzeichnete. Ursachen sind schmutzige Küchen und mangelhafte Personalhygiene.

Keimschleudern Bürsten und Schwämme

Untersuchungen ergaben, dass Tee- und Stationsküchen häufige Übertragungsorte von Noroviren sind. Waschbecken und Ausgüsse sind mindestens einmal täglich zu desinfizieren, dazu werden ausschließlich „DGV“-gelistete Produkte nach 6. Liste, Stand 08/2006, benutzt.

Das Hygieneproblem „Bürsten und Schwämme“ und „Thermoskannen“ wurde thematisiert, diese „Keimschleudern“ stehen im Verdacht, selbst in desinfizierten Bereichen für die Verbreitung von gefährlichen Keimen verantwortlich zu sein. Als Richtlinien wurden das Infektionsschutzgesetz und die gültigen EU-Richtlinien genannt. Die Vorträge machten deutlich, wie wichtig eine modernere Gesetzgebung in diesem Bereich ist. In diesem Zusammenhang wurden oft die Versäumnisse der Politik angesprochen. Anwesende Mitarbeiter von Gesundheits- und Veterinärämtern rechtfertigten sich in der abschließenden Diskussionsrunde mit zu wenigen Mitarbeitern, aber auch mit fehlenden Gesetzestexten.

Isolierungsmaßnahmen bei MRSA

Ein Schwerpunkt war auch der Informationsaustausch über die Ausbreitung multiresistenter Erreger. Krankenhauspatienten in Deutschland unterliegen mittlerweile einem sechsprozentigem Infektionsrisiko. Hier reagiere die Politik noch viel zu langsam, lautete der Vorwurf verschiedener Referenten. „Ohne die gesetzliche Verankerung des Hygienefachpersonals im Infektionsschutzgesetz (IfSG) werden wir die Anforderungen der Hygiene nicht flächendeckend umsetzen können“, betonte der Präsident der DGHK, Prof. Axel Kramer. So gibt es derzeit noch keine einheitlichen Vorschriften zur MRSA-Prophylaxe.

Derzeitige Nachweisverfahren für MRSA-Infektionen dauern etwa zwei Tage. Das kann bei versäumter Isolation der betroffenen Patienten dazu führen, dass sich weitere Patienten und Personal anstecken. Oft werden in Alten- und Pflegeeinrichtungen aus Kostengründen keine oder zu spät Maßnahmen getroffen. Neben dem Tragen von geeigneten Partikelschutzmasken, Schutzhandschuhen und Körperschutzausrüstungen, im Umgang mit MRSA-infizierten Personen, wurde das Thema der rechtzeitigen Isolation der in Verdacht stehenden Personen diskutiert. Leider werden betroffene Personen oft zu spät isoliert. In Europa sterben jährlich mehr Menschen an Krankenhausinfektionen als an HIV und Hepatitis C.

Jede Gesundheitseinrichtung wurde von den Vortragenden aufgefordert, ohne zu zögern ein vorbildliches MRSA-Management einzuführen.

Hygiene und Recht

Immer mehr Patienten, die sich bei ihrem Krankenhausaufenthalt eine Infektion zuzogen, verklagen mittlerweile die Verursacher. Die Richter folgen in den Urteilen den Richtlinien und Empfehlungen des Robert Koch-Institutes. Es wird der „Stand der Technik“ bei der Beweisaufnahme mit Fragen wie: „Was hätte ein Absolvent der medizinischen Fakultät in dieser Situation getan?“ bewertet.

Bei der Fremdvergabe von Reinigungs- und Desinfektionsleistungen lässt sich die Haftung auf die Reinigungsdienstleister übertragen. Damit ist das Thema für die Gebäudereinigerbranche besonders brisant.

Fazit: „Wir werden es künftig mit immer mehr schwer zu bekämpfenden Keimen zu tun bekommen“, sagte Dr. Zastrow aus Berlin. Eine exzellente Dokumentation, Belehrungen, Schulungen, Coachings und eine sich ständig anpassende Organisation der Aufgaben sind neben der Fortbildung der Objektverantwortlichen das A & O! Aus diesem Grund empfahl er die RKI-Richtlinien und die DGKH-Empfehlungen nicht nur zu studieren, sondern auch umzusetzen. Ein bitteres Fakt zum Schluss: Die Organisatoren wiesen darauf hin, dass in Deutschland derzeit ca. 400 staatlich anerkannte Hygienefachkräfte fehlen.

Frank Doss | rebecca.eisert@holzmannverlag.de