Ein stark beanspruchter Gussasphaltboden in der neuen Halle 5.1 der Messe Frankfurt wurde mit einer Permanentversiegelung veredelt. Neben einer nun wieder einheitlichen Optik bringt der aufgewertete Boden weitere Vorteile in puncto Nachhaltigkeit mit sich.

Die Unternehmensgruppe Messe Frankfurt ist der weltweit größte Messe-, Kongress- und Eventveranstalter mit eigenem Gelände. Über den Globus arbeiten rund 2.300 Mitarbeiter an 28 Standorten für den Konzern, am Hauptsitz in Frankfurt am Main sind mehr als 900 Beschäftigte im Einsatz. Mit rund 400.000 Quadratmetern Veranstaltungsfläche, verteilt auf elf Hallen, sowie 64.300 Quadratmetern Freifläche bietet das Messegelände vielseitige Möglichkeiten für Veranstaltungen verschiedener Branchen und Größenordnungen – von der Leitmesse auf dem gesamten Gelände bis zum Konzert in der historischen Frankfurter Festhalle.
Im Jahr 2023 fanden 28 Messen, 188 Kongresse, Konferenzen, Events und sonstige Veranstaltungen der Messe Frankfurt sowie einer Vielzahl von externen Veranstaltern statt. Aus aller Welt reisten insgesamt rund 1.965.000 Besucher per Luft, Schiene und Straße zum zentral gelegenen Messegelände.
Intensive Nutzung hinterlässt deutliche Spuren
Das rege Treiben in den Hallen, Kongress- und Eventlocations bringt Menschen zusammen, hinterlässt dabei allerdings deutliche Spuren auf den Industrieböden. Besonders beim Auf- und Abbau der Veranstaltungen werden die Flächen stark beansprucht – etwa, wenn ein Stapler eine Palette hinter sich herzieht, ein Bauteil umkippt oder Farbkleckse beim Verschönern des Standes auf dem Boden landen. Entsprechend mitgenommen sah auch der Boden aus Gussasphalt in Halle 5.1 nach einer einjährigen Nutzung aus: Er war gräulich, wies Farbunterschiede und Klebereste von Teppichen auf. Um wieder ein einheitliches Erscheinungsbild zu schaffen und neue Gestaltungsmöglichkeiten zu bekommen, beauftragte die Messe Frankfurt daher ihren langjährigen Partner Piepenbrock mit der semipermanenten Bodenversiegelung.
Die ehemalige Halle 5 wurde 2019 abgerissen und auf zwei Ebenen neu gebaut. Seit Februar 2023 gibt es die säulenfreie Ebene 5.1. Die 9.060 Quadratmeter große Fläche ist unterteilbar und direkt mit dem großen und multifunktionalen Konferenzsaal "Harmonie" des Congress Centers Messe Frankfurt (CMF) mit Platz für bis zu 2.200 Personen verbunden. Sie wird vorwiegend für Kongresse mit begleitender Fachausstellung gebucht.
"Einen Hallenboden zu versiegeln, ist für uns kein neues Thema", sagt Simon Schilling, Produktmanager Infrastrukturservices bei der Messe Frankfurt Venue GmbH, und fügt hinzu: "Das bisherige Produkt war jedoch nicht abriebfest. Das zeigte sich unter anderem deutlich in den angrenzenden Sanitärräumen. Mit der Permanentversiegelung von Herwetec wollen wir ein langfristig gutes Ergebnis erzielen und in Richtung Nachhaltigkeit einen Schritt nach vorne machen". So möchte die Messe Frankfurt den externen Veranstaltern in Zukunft beispielsweise anbieten, auf Gang- und Standteppiche zu verzichten. Simon Schilling schildert den Hintergrund: "Nach einer Messe kümmern wir uns darum, dass die Teppiche recycelt werden. Dafür werden Energie und Ressourcen aufgewandt. Nachhaltiger ist es, auf Auslegware zu verzichten."
Wie gut ein solcher Verzicht gelingt, hängt von der Art der Veranstaltung ab, wie Simon Schilling weiter ausführt: "Teppiche können eine Veranstaltung extrem aufwerten. Die Messe Heimtextil kommt beispielsweise thematisch schwer ohne Auslegware aus. Bei einer Fahrradmesse trifft genau das Gegenteil zu. Am Ende entscheidet der Messeveranstalter über die Gestaltung. Wir haben die Erfahrung gesammelt, dass Anbietern von kleineren Veranstaltungen, wie sie in Halle 5.1 stattfinden, das Thema Nachhaltigkeit sehr am Herzen liegt. Wir hoffen, dass unser aufgewerteter Boden die Veranstalter davon überzeugt, Gangteppiche bei ihrer künftigen Planung außen vor zu lassen."
Auf eine gute Vorbereitung kommt es an
Neben Unterhalts- und Sonderreinigung verantwortet der Gebäudedienstleister Piepenbrock mit eigenen Räumen auf dem Areal die Reinigung rund um die Veranstaltungen auf dem Ostgelände. Je nach Anforderung an eine Messe oder ein Event zählen dazu die begleitende Aufbau- und Abbaureinigung, Zwischenreinigungen sowie Standreinigungen auf Abruf.
Ein Vorarbeiter und sechs Mitarbeiter des Dienstleisters werteten schließlich den beanspruchten Boden aus Gussasphalt auf. Mit Rat und Tat zur Seite stand ihnen dabei Ludger Bongers von Herwetec. "Für ein einheitliches Ergebnis sollte der Boden vorab gründlich gereinigt werden", betont der Leiter Anwendungstechnik bei dem inhabergeführten Familienunternehmen mit Sitz in Sinsheim. Dementsprechend wurden als Vorbereitung auf den Arbeitseinsatz zunächst Staub und Fett sowie lose Gegenstände wie Klebestreifen und Schrauben entfernt. Anschließend klebten die Piepenbrock-Mitarbeiter Aufzugschienen, Türzargen sowie Ecken und Kanten ab.
Die Messe Frankfurt sorgte schließlich dafür, dass die Halle während der Versiegelungsarbeiten gesperrt war und die Lüftung auch in der Trocknungsphase rund um die Uhr lief. "Die arbeitsmedizinische Vorsorge der Beteiligten spielt für uns eine entscheidende Rolle", erklärt Simon Schilling. Der Zugang zur Halle war während der Versiegelung nur mit Sicherheitsausrüstung und Einweisung erlaubt. Die Ausführenden trugen während der Verarbeitung des Produktes eine FFP3-Maske und Handschuhe sowie beim Be- und Umfüllen wegen der erhöhten Spritzgefahr eine entsprechende Schutzbrille.
Schnelles Arbeiten war entscheidend
Insgesamt erstreckte sich der Arbeitseinsatz neben der Vorbereitung über drei Tage. "Ein Einkomponenten-Produkt ist einfach in der Anwendung. Es eignet sich für jeden, der handwerklich begabt ist", sagt Ludger Bongers. Für eine leichtere Verarbeitung füllten die Mitarbeiter von Piepenbrock das Produkt, nachdem sie es zuvor mit einem Rührstab aufgerührt hatten, in auf Rollwagen stehende Wannen um. Im nächsten Schritt trugen sie mit einer fusselfreien Nylonrolle eine Versiegelungsschicht abschnittsweise von links nach rechts im Kreuzgang auf den sauberen, trockenen Boden auf. "Mit dem Richtungswechsel stellen wir sicher, dass wir lückenlos alle Stellen erwischen und ein gleichmäßiges Ergebnis erzielen“, sagt Robert Nowotny, kaufmännischer Leiter bei Piepenbrock in Frankfurt. am Main. Um die Ecken und Ränder sauber zu schwärzen, wurde zum Breitpinsel gegriffen.
Ludger Bongers berichtet, wie die Versiegelung funktioniert: "Das Lösemittel der Versiegelung reagiert mit dem Gussasphalt und geht eine Verbindung ein. Dadurch wird eine optimale Haftung der Versiegelung erzielt und ist von der Fläche chemisch nicht mehr abzulösen. Je nach Boden wird unterschiedlich viel Material benötigt. Der Verbrauch hängt von der Körnung, Verdichtung und Saugfähigkeit eines Asphaltbodens ab. Für die Halle 5.1 wurden insgesamt 1.325 Kilogramm Versiegelung verarbeitet."
Beim Auftragen der Versiegelung waren laut Robert Nowotny gute Absprachen und schnelle Arbeitsschritte entscheidend: "Das Produkt trocknet schnell an und sollte nach dem Rollen für mehrere Stunden nicht betreten werden. Ansonsten entstehen Fußabdrücke und wir tragen die Farbe unter unseren Schuhen in das Foyer oder andere Hallen. Diese Vorgabe konnten wir mit weniger Mitarbeitern leichter umsetzen." Die Trocknungszeit der Versiegelung hängt Ludger Bongers zufolge von der Luftfeuchtigkeit und Temperatur ab: "Nach 24 Stunden ist der Boden ausgehärtet, nach zwei Tagen wieder vollständig belastbar. Dann kann die Halle stärkeren Beanspruchungen durch Fahrzeuge wie Hubwagen und Gabelstapler standhalten."
Die empfohlene Trockenschichtdichte von 40 bis 60 Mikrometer hat Piepenbrock durch das Kreuzgangverfahren bereits nach einem Arbeitsgang erreicht. Deshalb entschieden sich die Beteiligten dazu, auf eine zweite Schicht zu verzichten. Der Restbestand wird in den gut verschlossenen Originalgebinden eingelagert. Da das Produkt ab Herstelldatum bei 10 bis 30 Grad Celsius mindestens zwei Jahre lang lagerfähig ist, sind punktuelle Ausbesserungen zukünftig schnell und einfach durchführbar.
Auch die Reinigung geht künftig leichter
"Der Vorher-/Nachher-Vergleich zeigt einen deutlichen Unterschied zwischen dem beanspruchten Boden und der nun einheitlichen Fläche", bewertet Simon Schilling das optische Ergebnis der Sanierung und ergänzt: "Nach einem Messejahr können wir beurteilen, wie gut das Produkt in der Praxis funktioniert – rund um die Veranstaltungen und bei der Reinigung." Nach drei bis fünf Jahren sollte die Versiegelung in Halle 5.1 wieder erneuert werden. Mit der geschaffenen Grundlage reiche eine gründliche Reinigung aus, bevor die neue Versiegelung überstrichen werden kann. Zudem werde sich die benötigte Produktmenge reduzieren.
Der aufgewertete Gussasphalt bringt aber noch weitere entscheidende Vorteile mit sich, wie Ludger Bongers erläutert: "Mit der semipermanenten Versiegelung ist eine säurebeständige, alkalibeständige Fläche entstanden, die hoch abriebfest ist und weniger fleckenempfindlich für messeübliche Verunreinigungen wie beispielsweise Cola, Kaffee und Wein. Der Reinigungsaufwand für Piepenbrock sollte sich daher sichtbar verbessern. Eine Probefläche vor den Toiletten hat bereits Wochen vor der Versiegelung gezeigt, dass ein Abrieb in die Sanitäranlagen ausbleibt.“
Grundsätzlich ist bei der Reinigung die Qualität einer Fläche entscheidend, wie auch Robert Nowotny aus Erfahrung weiß: "Je hochwertiger der Boden, desto leichter fällt die Reinigung. Verschmutzungen können wir nun bedenkenlos und schnell per Aufsitzmaschine entfernen." Hält die Bodenversiegelung das, was sie verspricht, kann sich die Messe Frankfurt weitere Sonderaufträge dieser Art gut vorstellen: "Diese Methode ist auch in anderen Messehallen für uns interessant. Die Schwärzung funktioniert neben Gussasphalt übrigens auch auf Betonboden – dieser liegt in drei Hallen. Erste Testflächen waren bereits vielversprechend", blickt Simon Schilling beim Thema nachhaltige Messegestaltung in die Zukunft.
Katharina Adam, Piepenbrock | guenter.herkommer@holzmann-medien.de