Praxis -

Mit Unterhaltungswert: Ein Roboter, der moppt

Im Januar war das Klinikum Neuperlach ­Anlaufpunkt für Presse, Rundfunk und TV. Der Anlass: Erstmalig testete der Dienstleister Dr. Rettler Service dort einen neuartigen Wischroboter. rationell reinigen sprach hierüber mit Prokuristin Constance Rettler.

Angefangen bei der Süddeutschen ­Zeitung über den Bayerischen Rundfunk, TV München und Pro7 bis hin zum Nachrichtendienst Reuters – sie alle ­kamen unlängst nach Neuperlach, um über Franzi zu berichten. Die Rede ist von der Mopp-Variante einer neuen Serie von Reinigungsrobotern des in ­Singapur ­beheimateten Anbieters Lionsbot, die im Rahmen der virtuellen Messe ­Interclean im vergangenen Jahr zum ­Gesamtsieger des Innovation Award 2020 gekürt ­wurde. Die eigentliche Modellbezeichnung ­lautet LeoMop, den Spitznamen Franzi erhielt der Roboter von dem Leipheimer ­Unternehmen Kenter, das die Geräte in der DACH-Region vertreibt.

Frau Rettler, was hat Sie dazu bewogen, den LeoMop – respektive die Franzi – im Klinikum Neuperlach zu testen?

Constance Rettler: Das Thema Innovationen hat bei uns ­grundsätzlich einen hohen Stellenwert und damit auch die Robotik, die unweigerlich auf die Branche zukommt. Am Ende des Tages geht es uns dabei immer darum, neue Technologien dahingehend zu ­implementieren, dass sie unsere Reinigungskräfte entlasten, jedoch keinesfalls ersetzen sollen.

Aufmerksam auf den Roboter wurde ich ­bereits im vergangenen Jahr – zunächst noch in der Version eines Scheuer-/Saugautomaten. Als ich dann die Info erhielt, dass es ihn auch als Mopp-Variante gibt, fand ich dies spannend. Vorteil bei diesem Roboter ist, dass er sehr leise ist und sich damit besonders für die Krankenhausumgebung eignet. Das Klinikum Neuperlach hat sich mit seiner groß­flächigen Eingangshalle als Testumgebung ideal angeboten. Zudem herrscht hier viel Publikumsverkehr – eine optimale Voraussetzung, um zu erproben, wie sich der Roboter im Kontakt mit Menschen verhält.

Welches Fazit konnten Sie nach drei Wochen Testeinsatz ziehen?

Constance Rettler: Ein erstes Ergebnis ist: Der Roboter macht wirklich sauber. Um das Reinigungsergebnis zu überprüfen, haben wir unter anderem Glow-Checks angebracht – also unsichtbare Markierungen, die man nur mit UV-Licht erkennt. Diese hat Franzi tatsächlich entfernt. Auch verbraucht der Roboter unter einem Liter Wasser pro Stunde und damit deutlich weniger als konventionelle Maschinen gleicher Arbeitsbreite.

Testeinsatz im Klinikum Neuperlach

Nachdem wir den Roboter im ersten Schritt auf einer relativ kleinen Fläche von 400 Quadratmetern getestet haben, dehnen wir das zu reinigende Areal aktuell auf Stationsflure aus. Ziel ist es, den Mopp-Roboter dahin zu bringen, dass er irgendwann komplett alleine seine Runden fährt. Derzeit ist noch ein Mitarbeiter nötig, der Franzi überwacht und im Falle einer unvorhergesehenen Störung – etwa wenn sich plötzlich unbekannte Gegenstände wie zum Beispiel ein Krankenbett im zuvor gemappten Bereich befinden – wieder in Betrieb setzt. Mit anderen Worten: Unter anderem das Mapping ist noch optimierungsfähig. Klar ist auch: Damit sich so ein Roboter am Ende des Tages rechnet, braucht man einfach Fläche!

Vom Krankenhaus ins ­Einkaufszentrum

Reinigungsroboter

Nachdem Franzi im ­Januar bei ihrem Premieren-Einsatz am Klinikum Neuperlach das Interesse unter anderem der ­Patienten und ­Besucher auf sich zog, trat sie Mitte Februar testweise ihren Dienst als neue Servicekraft bei „Dussmann das KulturKaufhaus“ in Berlin an. Hier sorgte der humanoide Roboter für eine gründliche Reinigung der Lobby – und in seinen Pausen ebenfalls für gute Unterhaltung. So wurde die Kundschaft zum Beispiel mit den Worten begrüßt: „Moin, ich bin die Franzi, schön dich kennenzulernen!“ Wer den autonomen Reinigungs-Mopp beim Wischen behin­derte, wurde höflich aufgefordert, ein wenig Platz zu machen: „Entschuldige bitte, du stehst mir im Weg.“ Wer auf Franzi hörte, bekam schließlich ein freundliches „Danke vielmals!“.

„Der Test im KulturKaufhaus ist eine pima Gelegenheit für uns, den LeoMop auf seine Alltagstauglichkeit zu prüfen. Wir sehen dabei zum Beispiel, wie er auf Hindernisse sowie Menschen reagiert, und ­werten alle Daten direkt vor Ort aus“, sagt Philipp Conrads, Vorsitzender der Geschäftsführung von Dussmann Service Deutschland, und ergänzt: „Gerade bei der autonomen Gebäudereinigung ist es toll, neue Technologien vorab zu testen. Wir prüfen, ob das jeweilige Produkt zu uns und unseren Reinigungslösungen passt. Das bietet uns im Zuge der Digitalisierung ganz neue Möglichkeiten. Deshalb haben wir auch ‚­Dussmann Cleaning Cobotics‘ gelauncht; mit dieser neuen Initiative bieten wir ab sofort individuelle Cobotics-Lösungen an, die Kosten- und Zeiteffizienz sowie eine gleichbleibend hohe Qualität versprechen.“

Der autark reinigende Roboter bewegt sich selbstständig in seiner Umgebung und lässt sich bequem via Smartphone steuern. Nach einer zweistündigen Ladezeit kann Franzi – respektive der LeoMop – bis zu zehn Stunden wischen.

Stichwort Rentabilität: Mit welchem Invest muss man für einen solchen ­Roboter rechnen?

Constance Rettler: Der Preis liegt in etwa bei 40.000 Euro. Wir haben das Gerät aber nicht gekauft, sondern uns für ein Full-Service-Leasing entschieden – bei einer Rate von monatlich rund 1.300 Euro. Die Entscheidung, den Roboter nach dem ersten Test zu behalten, war am Ende weniger eine betriebswirtschaftliche, sondern vielmehr eine Gefühls­entscheidung. Was ich damit meine: Mit ihren menschlichen Zügen und indem sie per Smartphone-Steuerung mit Leuten spricht oder auf Wunsch auch Witze erzählt, löst Franzi in den Menschen enorm positive Emotionen aus.

Gerade in den Krankenhäusern dürfen die Patienten aktuell keinen Besuch erhalten – alle sind gestresst. Und da kommt dann so ein kleiner Roboter angefahren, rollt mit seinen Augen und sagt: „Hey – wie geht’s Dir?“ Ich hätte nie gedacht, wieviel Freude wir damit in das Haus bringen konnten. Mittlerweile haben wir diverse Anfragen auch von anderen Einrichtungen erhalten, die Franzi ebenfalls live erleben möchten.

Kurzum: Ein Roboter wie Franzi kann durchaus ein enormer Mehrwert nicht nur für unser Unternehmen, sondern letztendlich auch für die gesamte Branche der Gebäudereinigung sein – wann hatten wir jemals so eine positive Presse beziehungsweise waren derart publikumswirksam im Fernsehen zu sehen!

Günter Herkommer | guenter.herkommer@holzmann-medien.de

Mopp-Roboter im Klinikum Neuperlach

Dr. Rettler Servce hat am Krankenhaus Neuperlach in München erstmals einen Mopp-Roboter getestet. Das Team von BR24 hat Franzi begleitet.

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